home   english   sitemap   galerie   artclub   orient online   jukebox   litbox   termine   shop   my journalism   zurück zum pressearchiv

KIELER NACHRICHTEN vom 30.01.2000

Lesung im Kulturladen Leuchtturm

„Rosen in Dosen“ & anderer Nonsens

Anis Hamadeh ist kein durchorganisiert-perfektionistischer Typ. Seine Texte verfaßt er spontan und intuitiv und von dieser Intuition läßt er sich auch bei seinem ersten Soloabend im Kulturladen Leuchtturm leiten. Der Lesung verleiht das einen ganz eigenen, angenehm persönlichen Charme. Im obligatorischen Intellektuellen-Schwarz steht der Arabisch-Dozent auf der Bühne und liest leicht nu-schelnd selbstgeschriebene Gedichte, Kurzgeschichten und Satiren. Oder er zückt die Gitarre und singt mit sympathisch-warmer Stimme, ein bisschen wie Cat Stevens, eigene Songs.


Wie Alice durch die Traumwelten


Außergewöhnlich sind die in laxer Umgangssprache verfaßten ,,Bambus Texte", Gereimtes, das leichtfüßig im Rap-Rhythmus daherkommt. Von gefährlichen Franzosen ist da die Rede, die ,,Rosen in Dosen" bringen und allerlei anderem kurzweiligen Nonsens. Halbsätze, Gesprächsfetzen, Fragen und Antworten, labyrinthisch verwoben,
ergeben komische Anekdoten. Doch diese Spielereien der Phantasie verstellen Hamadeh nicht den Blick für ernste Themen. Ins Fadenkreuz seiner Kritik gerät Joschka Fischers Rolle im Kosovo-Krieg und auch sozialkritische Töne werden in bissigen Satiren hörbar. Die Vielseitigkeit des zweimalig Zweiten des ,,Poetry-Slam“ spiegelt sich nicht nur im Themenspektrum, sondern auch in der Stilvielfalt wider. Phantastisch-märchenhaft geht es in den, "Theo Fieberbrain"- Kurzgeschichten zu. Wie bei, „Alice im Wunderland“ verschwimmen hier die Erzählebenen, wandert Theo von der Realität in unterschiedliche Traumwelten. Der Phantasie etwas Nachhilfe erteilen dabei die detailgenauen Skriptolzeichnungen von Heinke Vollers, die wie in der Schule von Zuhörer zu Zuhörer durchgereicht werden. Es ist nicht immer einfach, Hamadeh zu folgen, da die assoziative Erzählform ständige Konzentration erfordert. Aber statt einer Pause verschaffen immer wieder eingestreute eigene Songs oder die spontanen lyrischen oder musikalischen Beiträge der Gäste Entspannung. Eine harmonisch-stimmige Lesung. kla