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KIELER NACHRICHTEN vom 30.01.2001

Wenn Satire Zwietracht an der Uni sät

Anis Hamadeh ist empört. Seit zweieinhalb Jahren lehrt er in Vollzeit Arabisch an der Universität. Jetzt wurde der Lehrauftrag des wissenschaftlichen Mitarbeiters nicht mehr verlängert. Die Institutsleitung wirft ihm vor; private Auseinandersetzungen in den Lehrbetrieb zu tragen.
Hamadeh gehört mit Sicherheit zu den unkonventionellen Dozenten der CAU. Denn er ist eine Art Allround-Künstler Als Musiker tritt er ebenso in Erscheinung wie als Zeichner oder eben Literat. Als solcher hat er schon einige Bücher veröffentlicht, darunter auch die Bambuslyrik. Mit Auszügen wie ,,Hitler" oder ,,Tausend Steine", die er an der Uni als Flugblatt verteilte oder sie an die Bürotür heftete, erregte er Unmut bei den Direktoren der Orientalistik, Prof. Horst Brinkhaus und Prof. Anja Pistor-Hatam. "Dabei ist der Hitler-Text völlig harmlos", erzählt Hamadeh, der mit seinen Flugblättern in erster Linie "wie jeder Literat die Resonanz sucht". Und auch die drei Tage im vergangenen Jahr, an denen er unentschuldigt gefehlt und eine Art Fastenmarathon gemacht hatte, könnten es nicht sein, die das Fass zum Überlaufen gebracht haben: "Ich habe bereits zugesagt, dass ich die Stunden nachhole."
Brinkhaus und Pistor-Hatam hätten ihn sogar noch gefragt, ob er wolle, dass der Vertrag verlängert werde. Seine Antwort war zwar, wenn schon nicht eindeutig, so doch ehrlich.
"Ich habe zu bedenken gegeben, dass ich schon innerhalb des
Jahres als Literat oder Musiker bekannter werden könnte." Und: ",Ich will groß raus und habe Einiges zu bieten."
Ja, sie hätten Hamadeh aufgefordert, die ,,Hitler"-Satire von seiner Bürotür abzuhängen - im Gegensatz zu früheren Blättern, die sie immer akzeptiert hätten, schildert Brinkhaus seine Sicht der Dinge: "Aber diese Satire hat er Institutsmitarbeitern gewidmet, mit denen er Probleme hatte. Wir wollen nicht, dass er persönliche Fehden im Institut austrägt." Danach sei das bis dahin gute Gespräch umgekippt: Hamadeh habe ihm und seiner Kollegin ein "Hitler-Svndrom" vorgeworfen. Nach Hamadehs Drohung, Studierende aufzuwiegeln, sehe man jetzt keine Basis mehr für eine vertrauensvollen Zusammenarbeit.Hamadeh vermutet die Ursache für den Zwist anderswo: Er habe die Erfahrung gemacht, dass "viele sich von Kreativität bedroht fühlten". Vielleicht würden die betreffenden Professoren deshalb nicht mehr mit ihm reden. Kurzum: "Die Stimmung im Institut ist momentan sehr gespannt."
Das sieht Brinkhaus ähnlich: Die Studierenden seien in zwei Fraktionen gespalten, in Anhänger Hamadehs und solchen, die ihm skeptisch gegenüber stünden. Hamadehs Behauptung, man würde seine Lehrqualität bezweifeln, weist der Professor zurück: Sein Unterricht sei offenbar gut.

Seine Studenten habe man zu den Qualitäten seines Unterrichts gar nicht gefragt, sagt dagegen der 34-Jährige. Das kann auch Studentin Sabine Yacoub bestätigen. Richtig wütend war Hamadeh, als ihm die Professorin den Rat gab, "sich doch an den sozialen Dienst der Universität zu wenden".
Ob er gerichtliche Schritte einleiten will, weiß Hamadeh noch nicht, ,,darauf habe ich auch keinen Bock". Jetzt geht es ihm darum, dass seine Ehre wiederhergestellt wird. "Ich will den Punkt geklärt haben, durch eine Entschuldigung oder wie auch immer" Denn immerhin schade die Nichtverlängerung seines Vertrages auch dem Lebenslauf. Kiel will Hamadeh treu bleiben, wenn schon nicht mehr als Dozent, so doch als Künstler und politisch engagierter Mensch. (PM/mad)

Unkonventioneller Dozent:
Anis Hamadeh
Foto pae