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Dante Alighieri: Die Göttliche Komödie
Neue Doppel-Übersetzung der Cantos I-III (Inferno) von Anis Hamadeh 2020

Su questo pagina, che esiste dal 25 maggio 2020, ho pubblicato la mia nuova doppia traduzione dei primi tre Canti, vedi sotto.
In questa prefazione presento l'idea e le principali fonti secondarie del mio lavoro.


Update 14.06.2020: Auf dieser Web-Seite, die seit dem 25.05.2020 besteht, habe ich meine neue Doppel-Übersetzung der ersten drei Cantos veröffentlicht, siehe unten. In diesem Vorwort stelle ich die Idee und die wichtigsten Sekundärquellen meiner Arbeit vor.
Warum die Komödie noch einmal übersetzen? Es gibt doch schon Dutzende von Übersetzungen in allen möglichen Sprachen! Das stimmt, aber beim Erschließen des Textes fehlte mir eine Übertragung in schlichte heutige Prosa, ohne Schnörkel, dabei so wörtlich wie möglich. Wie ein sprachlich guter Polizeibericht, sodass der Inhalt des Originals im Detail zu Tage tritt. Als mir das für die ersten Cantos gelungen war, geschah etwas Merkwürdiges: Eines Abends begann ich, meine Übersetzung in eine "voll krasse" Slang-Version umzuformen. Zum einen war das wohl Bewältigungsarbeit, um das Pathos abzuklopfen - seit einem Monat mache ich jeden Tag mindestens vier Stunden Dante, manchmal zwölf -, zum anderen liegt es am Stück selbst. Dante hat einen so frischen und unmittelbaren Stil mit einer derart "abgefahrenen" Ich-Erzählung, dass die Slangversion gut funktioniert. Der Witz ist, dass auch die voll krasse Version sehr nah am Text bleibt und nichts Wichtiges weglässt. Auch kontextuelle Hintergründe sind vorsichtig miteingearbeitet. Da ist irgendwas dran ...
Hier also die ersten drei Cantos. Inzwischen bin ich schon bei Nummer 10, äh, X, vielleicht veröffentliche ich später ein bisschen mehr auf dieser Seite. Ich habe große Lust, die voll krasse Übersetzung mit Karikaturen als Buch zu veröffentlichen. Wenn ihr also einen Karikaturisten kennt, zeigt ihm oder ihr gern diese Seite hier.


Dante blickt auf den Fegefeuerberg, ca. 1530 (Agnolo Bronzino)

Englische Prosa-Übersetzung
von A. S. Kline

Die Übersetzung: Eine Übersetzung der Art, die mir vorschwebte, hatte ich auf Deutsch nicht gefunden, wohl aber auf Englisch auf der Website poetryintranslation.com. Diese recht präzise englische Version des engagierten Dichters und Polyglotts A. S. Kline (2014), der auch Ovids Metamorphosen und vieles mehr übersetzt und frei zugänglich gemacht hat, benutze ich inzwischen als Hauptsekundärquelle und der Duktus meiner deutschen (Standard-)Version ist ähnlich, wobei ich etwas mehr Wert auf die Beibehaltung des originalen Satzbaus lege, da ich in der Lernphase das entsprechende Audio höre und dabei meine Übersetzung lese, bis mir der Inhalt ganz klar ist. Auch beim Vokabular weiche ich häufig von der Kline-Übersetzung ab und versuche, wo auch immer es möglich ist, die Bedeutung der ursprünglichen Vokabeln abzubilden, zum Beispiel: "schwer angestachelt von Fliegen und Wespen" (stimolati molto da mosconi e da vespe), "von Gier befrachtet" (di brame carca) oder "missgeborener Geist" (anima mal nata, Canto 5). An einigen Stellen übersetze ich anders als Kline.
Später habe ich noch eine hervorragende moderne italienische Übersetzung auf der Website divinacommedia.weebly.com entdeckt, die ich seit Canto 10 mitverwende. Sie hat ein Pendant auf Youtube: La Divina Commedia in Prosa (im Entstehen begriffen).
Dante hat zuweilen verschnörkelt geschrieben: Subjekt, Objekt und Verb zum Beispiel stehen nicht immer da, wo eine Italienerin sie in einem normal gebauten Satz erwarten würde. Das liegt zum Teil an der Reimform, die auch die Ursache für manche seltene Begriffe ist. Dann gibt es kryptische und rätselhafte Verse. All diese Rhetorik ist in der vorliegenden Übersetzung so weit wie möglich ausgeschaltet worden, wobei natürlich Fragen offen bleiben, wie im Original.
Gleichzeitig schreibt Dante in präzisen Bildern und klaren Handlungen und darum geht es in dieser Übersetzung hauptsächlich: Man soll als Leser mit dem Original an der Seite genau folgen können und ohne das Original an der Seite einen klaren und fundierten Zugang bekommen. Wichtige Anmerkungen habe ich zudem in Klammern dazugeschrieben, im ersten Canto sind es drei. Auch mit der Slang-Variante kann man dem Inhalt präzise folgen.
Auf einen Apparat habe ich verzichtet, denn davon gibt es bereits genug. Die Göttliche Komödie ist so klar in hundert Teile mit jeweils durchschnittlich 142 Versen, also Zeilen, geteilt, dass man Kommentare und Erläuterungen zu einzelnen Stellen leicht selbst im Dante-Online-Universum finden kann.

Weitere Quellen: Weiterhin verwende ich den enormen Dantelab Reader, wo ich die nach Versen geordneten umfangreichen Text-Anmerkungen von Hollander (2007), Singleton (1975), Fosca (2015) und manchmal noch Bosco/Reggio (1979), Pasquini/Quaglio (1982), Chiavacci Leonardi (1997), Grandgent (1913) und Tozer (1901) studiere, was sowohl linguistisch als auch inhaltlich weiterhilft. 77 Gesamtkommentare kann man im Dantelab aufrufen; die meisten sind auf Italienisch, manche Lateinisch, einige Englisch, beginnend mit einem historischen Kommentar von 1322 und endend 2015 mit Nicola Fosca, der z.B. alte Vokabeln anhand von modernen italienischen Gegenstücken erklärt.
Anfangs habe ich die drei Übersetzungen im Dantelab von Longfellow (Englisch, 1867), Streckfuß (Deutsch, 1854) und Cioranescu (Französisch, 1964) hinzugezogen, doch sind mir diese nicht wörtlich genug und lenken meistens mehr ab als dass sie helfen. Die Übersetzung von Karl Witte (1916) ist mir ebenfalls geläufig. Die Köhler-Übersetzung liegt mir derzeit nicht vor, vielleicht gleiche ich den Text später noch einmal ab. Im Regal - aber noch nicht gelesen - habe ich noch Raffas "Complete Danteworlds Reader's Guide" (2009, 371 S.), Ruuds "Critical Companion to Dante" (2008, 566 S.), Kirkpatricks "Student Guide" für die Göttliche Komödie (2004, 118 S.) sowie Durlings kommentierte Übersetzung des Purgatorio (2003, 704 S.).
Für einzelne Wörter konsultiere ich häufig das eine Million Einträge fassende, auf alte Begriffe spezialisierte Lexikon des Treccani-Instituts, in das ein Dante-Wörterbuch integriert ist, das mir - notfalls mit Hilfe von Leo und DeepL - wichtige Dienste leistet. Praktisch ist zudem der "Konjugator" unter konjugator.reverso.net: Gibt man z.B. das Wort "diede" ein, verrät er einem, dass es sich dabei um die 3.P.Sg. Vergangenheit (passato remoto) von "dare" handelt. Für die Slangversion greife ich oft auf das fantastische Synonymlexikon des Woxikon zurück.


Dantelab

Rezitationen: Schöne Audio-Aufnahmen der ersten Cantos gibt es auf dieser YouTube-Playlist. Mein Lieblingsrezitator ist Arnoldo Foà mit seinem kräftigen Bass. Auch gut sind die Aufnahmen von Carlo D'Angelo, Achille Millo, Georgio Albertazzi, Romolo Valli, Antonio Crast. Dem Schauspieler Vittorio Gassman kann man beim Rezitieren zusehen, er spricht angenehm langsam und gibt jeweils fünfminütige einleitende Kommentare, hier sind die ersten zehn Cantos. Ein weiteres Highlight ist die Schauspielerin Lucilla Giagnoni, die während der Corona-Zeit seit März sämtliche 100 Cantos live präsentiert. Und das sind nur Beispiele, man findet auch Roberto Benigni und viele mehr. Man sollte auf jeden Fall darauf achten, dass die Sprecher nicht zu schnell sind, denn Dantes Worte benötigen Zeit, um sich zu entfalten, wie ein guter Wein.

Websites und Exegese: Es gibt weitere umfangreiche, fundierte und fantasievolle Websites zu Dantes Komödie, von denen World of Dante, Digital Dante, Dante Online und das Princeton Dante Project die eindrucksvollsten sind, die ich gesehen habe. World of Dante hat z.B. die berühmten Illustrationen von Gustave Doré.
Wenn man sich in die Cantos hineingefuchst hat, sinkt die Hemmschwelle, sich Erläuterungen auf Italienisch anzuhören, besonders dann, wenn man sowieso schon routinemäßig italienische Einträge im Dantelab und im Dante-Lexikon (s.o.) liest. Der Kanal La Divina Commedia in HD etwa bietet dreiminütige Zusammenfassungen aller Cantos mit Animationen, die im Gedächtnis bleiben. Allerliebst sind die Videos der Amici di Dante in Casentino, präsentiert von Riccardo Starnotti, der im Dantekostüm und mit mehr z-Lauten als in anderen italienischen Akzenten unter anderem halbstündige Exegesen (=Erklärungen, spiegazioni) zu allen Cantos ins Netz gestellt hat. Es lohnt sich darüber hinaus, auf dem Kanal der Amici zu stöbern. Zu erwähnen sind ferner die relativ neue 34-teilige Erklärserie "Nel mezzo del cammin" von TV2000it, die umfangreiche Audio-Serie Commento Divina Commedia von bzw. mit Vittorio Sermonti, der Kanal von Andrea Corby mit der umfassenden Serie Divina commedia facile facile (ca. 15 min pro Canto). Interessant ist auch der 50-min-Dokumentarfilm "Inferno" von Pip Gilmour (2001), von dem ich hier eine italienisch synchronisierte Fassung des amerikanischen Originals (ich weiß, ist schräg) gefunden habe.

Mein Hintergrund: Ich kenne die Komödie seit meiner Jugend und hatte Teile daraus in Übersetzung gelesen. Mitte Mai 2020 hat mich das Dante-Fieber gepackt, als ich merkte, dass ich die Komödie mit meinen jetzigen Italienischkenntnissen sowie den vielen Online-Materialien verstehen kann.
Es ist nicht das älteste Buch, das ich im Original verstehe, das ist der Koran (632 n. Chr.); das verringert allerdings nicht meine Faszination und Begeisterung für Dante. Die Übersetzung und vor allem das Hören der Audios macht mir große Freude und ich kann das Buch zu meinen eigenen Werken in Beziehung setzen, vor allem Die Dichter, die Catfish Cantos und Loving Jay. Auch zu Eliot's Waste Land kann ich Verbindungen ziehen, das ich früher intensiv studiert habe.

Du hast ein Feedback? Schreib an anis at anis-online.de

Ausschnitt aus meiner privaten Version (Word)


Inferno - Canto I
Standard-Übersetzung:

In der Mitte unseres Lebensweges fand ich mich in einem dunklen Wald wieder, weil der rechte Weg verloren war. Ach, eine so schwere Sache ist es, zu sagen, wie er war, dieser wilde, raue, dichte Wald, dass sich beim Gedanken daran die Angst erneuert. So bitter ist er, dass kaum mehr der Tod ist. Aber um das Gute zu besprechen, das ich dort fand, werde ich von den anderen Dingen sprechen, die ich da gesehen habe.
Ich kann nicht mehr gut sagen, wie ich dort hereingekommen bin, so voll von Schlaf war ich in diesem Moment, dass ich den wahrhaftigen Weg verließ. Aber nachdem ich am Fuß eines Hügels angekommen war, da, wo dieses Tal endete, das mir vor Angst das Herz durchbohrt hatte, schaute ich in die Höhe und sah seine Schultern bekleidet schon mit den Strahlen des Planeten (Sonne), der jeden auf jedem Weg rechtleitet. Da wurde die Angst ein wenig stiller, die im See des Herzens mir angedauert hatte diese Nacht, die ich in solcher Erbärmlichkeit verbrachte.
Und wie der, der außer Atem vom Meer ans Ufer herausgetreten sich nach dem gefährlichen Wasser umdreht und es anstarrt, so wandte sich mein Geist, der noch floh, zurück, um erneut den Gang zu sehen, der noch nie jemanden am Leben ließ.
Nachdem ich den erschöpften Körper ein wenig ausgeruht hatte, nahm ich den Weg durch die verlassene, ansteigende Ebene wieder auf, wobei der Standfuß stets der tiefere war. Und siehe da: fast am Beginn der Steigung - ein Leopard, leichtfüßig und sehr flink, der von einem gepunkteten Fell bedeckt war. Er ging mir nicht vom Gesicht weg, ja versperrte sogar meinen Weg derart, dass ich mich mehrfach zur Umkehr gewandt hatte.
Die Tageszeit war der Beginn des Morgens und die Sonne stieg auf mit diesen Sternen, die schon bei ihr gewesen waren, als die göttliche Liebe diese schönen Dinge erschaffen hatte. So hatte ich Grund für gute Hoffnung hinsichtlich des Biests mit dem gescheckten Fell: die Tageszeit und die süße Jahreszeit.
Aber nicht so, dass mir der Anblick eines Löwen keine Angst gemacht hätte, der mir erschien. Dieser schien gegen mich angetreten zu sein, mit erhobenem Kopf und mit rasendem Hunger, sodass es schien, als würde die Luft davon erzittern.
Und eine Wölfin, die von aller Gier befrachtet schien in ihrer Magerkeit und die schon vielen ein elendes Leben bereitet hat. Die brachte so viel Schwere über mich mit der Angst, die von ihrem Anblick ausging, dass ich die Hoffnung auf den Aufstieg verlor.
Und so wie den, der gern gewinnt und der - kommt die Zeit, die ihn verlieren lässt - in all seinem Bewusstsein nur weint und traurig ist, so machte mich dieses friedlose Biest, das, mir entgegenkommend, mich langsam dahin zurückdrängte, wo die Sonne schweigt.
Als ich in den tiefen Ort hinabstürzte, wurde vor meinen Augen jemand dargeboten, der wegen langen Schweigens schwach zu sehen war. Als ich ihn in der großen Einöde sah, rief ich ihm zu: "Hab Erbarmen mit mir, wer du auch seist, ob Schatten oder echter Mensch!"
Er antwortete mir: "Kein Mensch, aber früher Mensch gewesen, und meine Eltern waren Lombarden; aus Mantua stammen beide. Geboren bin ich unter Julius, wenn auch spät, und lebte in Rom unter dem guten Augustus in der Zeit der falschen Lügengötter. Dichter war ich und habe Anchises' gerechten Sohn (Aeneas) besungen, der aus Troja kam, nachdem das hochmütige Ilion (= Troja) verbrannt worden war. - Doch du, warum kehrst du zurück zu solchem Verdruss? Warum steigst du nicht auf den Freudenberg, der Ursprung und Ursache allen Glücks ist?"
"Ja, bist du Virgil und diese Quelle, die einen so weiten Redestrom vergießt?", antwortete ich ihm mit beschämter Stirn. "Du Ehre und Licht der anderen Poeten, so nützen mir das lange Studium und die große Liebe, die mich dein Buch (Aeneis) haben erforschen lassen! Du bist mein Meister und meine Autorität. Du allein bist der, von dem ich den schönen Stil nahm, der mir Ehre gemacht hat. Sieh die Bestie, wegen der ich umgekehrt bin. Rette mich vor ihr, glorreicher Weiser, denn sie lässt mir Adern und Puls zittern!"
"Du musst eine andere Reiseroute nehmen", antwortete er, nachdem er mich weinen sah, "wenn du diesem wilden Ort entgehen willst, denn diese Bestie, wegen der du schreist, lässt niemanden an sich vorbei. Vielmehr bedrängt sie die Leute so sehr, dass sie sie umbringt. Und sie hat eine so böse und üble Natur, dass die gierige Lust nie befriedigt ist, und nach dem Essen hat sie mehr Hunger als vorher.
Es sind viele Tiere, mit denen sie sich paart, und es werden noch mehr sein, bis der Jagdhund kommt, der ihr einen schmerzhaften Tod bereiten wird. Er wird sich weder von Land noch von Edelmetall ernähren, sondern von Weisheit, Liebe und Tugend, und seine Geburt wird sein zwischen Filz und Filz. Dieses gefallene Italien wird er retten, für das die Jungfrau Camilla, Euryalus und Turnus und Nisus an Wunden gestorben sind. Dieser wird sie in jeder Stadt jagen, bis er sie in die Hölle zurückgestoßen haben wird, da, wo der Neid sie zuerst losgelassen hatte.
Daher denke und erkenne ich zu deinem Besten, dass du mir folgst und ich dein Führer sein und dich leiten werde von hier durch einen ewigen Ort, wo du das verzweifelte Kreischen hören und die alten schmerzerfüllten Geister sehen wirst, die alle nach dem zweiten Tod schreien. Und du wirst die sehen, die im Feuer vergnügt sind, weil sie hoffen, irgendwann zu den Seligen zu gelangen. Wenn du zu denen hochgehen willst, wird dafür eine Seele da sein, würdiger als ich. Ihr überlasse ich dich bei meinem Abschied. Denn der Imperator, der da oben regiert - weil ich mich seinem Gesetz widersetzt habe -, will nicht, dass man durch mich in seine Stadt kommt. Er herrscht überall und dort regiert er. Dort sind seine Stadt und der hohe Stuhl. Wie glücklich ist der, den er dorthin erwählt!"
Und ich zu ihm: "Dichter, ich bitte dich bei jenem Gott, den du nicht kanntest, damit ich diesem Übel und schlimmerem entfliehe, dass du mich dahin leitest, wo du soeben sagtest, damit ich Petrus' Pforte sehe und die, die du als so trostlos beschreibst." Dann ging er los und ich hielt mich hinter ihm.
(Anis Hamadeh, 25.05.2020)

Voll krasse Übersetzung (Slang):

Mitten im Leben verlauf' ich mich auf einmal in so 'nem dunklen Wald. Kein leichtes Ding, den zu spezifizieren: wild, rau, dicht halt. Ich krieg immer noch die Flatter, wenn ich nur dran denke. Voll tödlich, das Teil! Aber okay, ich hab' jedenfalls irre Sachen erlebt und das will ich hier mal 'n bisschen bequatschen.
Keine Ahnung, wie ich da überhaupt reingekommen bin. Ich war so verpennt in dem Moment, dass ich irgendwie abgedriftet sein muss. Als ich jedenfalls unten an so'm Hügel ankomm', am Ende von dem Tal, das mir solchen Schiss gemacht hat, kuck ich hoch und seh' voll die Sonnenstrahlen um ihn rum. Die Sonne zeigt dir immer, wo's langgeht, und ich hatte gleich weniger Muffe. Die ganze Nacht war nämlich echt scheiße gewesen.
Wie'n Typ, der sich gerade so aus dem Meer retten kann, sich noch mal kurz zur Gefahr umdreht und sie anglotzt, so in der Art hab' ich mich beim Abhauen umgedreht, um mir diesen Gang noch mal zu geben, der keinen am Leben lässt.
Nach kurzem Relaxen stratz' ich also weiter durch die leicht ansteigende Einöde und bereite mich innerlich auf die Kraxelei vor. Auf einmal - es ging grade etwas steiler hoch - kommt da so'n Leopard mit Punkten auf'm Fell an, voll schnell und alles. Er bleibt direkt vor meiner Fresse stehen und versperrt mir dermaßen den Weg, dass ich mich mehrfach vom Acker machen wollte.
Es war grade erst Morgen geworden und irgendwie geil, wie die Sonne mit den ganzen Sternen aufging, so schöpfungsaktmäßig. Das hat meine Laune deutlich gehoben, die Tageszeit und auch die geniale Jahreszeit, und das Mistvieh mit dem gescheckten Pelz ist mir gleich nicht mehr ganz so auf die Nüsse gegangen.
Aber dann kommt ein Löwe an und ich krieg' doch wieder Schiss. Er hatte wohl was gegen mich. Er hat den Kopf so oben gehabt und ist durchgetickt vor Hunger. Es war irgendwie, als würde alles um mich 'rum vibrieren.
Und dann auch noch 'ne Wölfin, voll gierig und abgemagert, die schon 'nem Haufen Leute Ärger gemacht hat. Ich war so am Ende vor Schiss, als ich die gesehen hab', dass ich gedacht hab', dass es das dann wohl war mit dem Gipfelstürmen. Wie'n Gewinnertyp, der auf einmal voll ab-loost und nur noch rumheult, so was in der Art hat dieses Aggro-Biest aus mir gemacht. Es schleicht sich an und drängt mich ins Dunkle ab. So viel zum Thema Sonne!
Als ich mich da unten langgemacht hab', kam so'n Typ an, den ich erst mal kaum erkennen konnte. Als ich ihn in der großen Einöde gesehen hab', meint' ich so: "Tu mir bloß nichts, egal ob du'n Schatten bist oder'n echter Kerl!"
Er meinte: "Kein echter Kerl, aber früher mal einer gewesen. Meine Ellies sind aus der Lombardei, aus Mantua. Bei meiner Geburt war Caesar noch am Ruder und ich bin nach Rom gelatscht, als Augustus das Sagen hatte, den ich krass gut fand, obwohl's 'ne ziemlich abgefuckte Zeit war. Ich war Dichter und hab' mich so'n bisschen um die PR für Aeneas gekümmert, der einen galaktischen Job in Troja gemacht hat und zurückgekommen ist, als es abgefackelt war. - Und was is' bei dir so los? Wieso gibst du dich mit solchen Nervereien ab, statt auf den chilligen Berg hier zu steigen, der ist doch der Oberhammer!"
"Scheiße nee, bist du etwa Virgil, der so gut labern kann?" Mir war die ganze Situation etwas peinlich. "Ey, du bist der Star der Stars. Dann ha'm sich meine Rackerei und die ganze Hingabe ja gelohnt. Ich hab' mir nämlich deinen Aeneas-Schinken intensivst reingepfiffen. Ich bin voll dein Fan! Auf meinen Style, den ich nur von dir hab', fahren die Leute komplett ab. Aber mal was anderes: Siehst du da vorne das blöde Vieh, vor dem ich abhau'? Kannst du da nicht was machen, großer Meister, das macht mich echt fertig!"
"Ja nee, du musst woanders langgehen", meinte er, als er gesehen hat, wie ich rumflenn', "wenn du von diesem bescheuerten Ort wegwillst. Die Kackbratze, über die du dich so aufregst, lässt keinen durch. Genau genommen macht sie alle kalt, die's ausprobieren. Die ist so mies und übel drauf, dass sie den Hals nie voll kriegt. Nach dem Essen schiebt sie mehr Kohldampf als vorher.
Sie fickt mit allen möglichen Tieren rum und das wird auch noch 'ne Weile so weitergehn, bis der Jagdhund an den Start kommt, der sie abmurksen wird, und das wird richtig wehtun. Der wird den Leuten nicht alles wegfressen, er ist mehr auf so 'ner Weisheit-Liebe-Tugend-Diät. Der weiß, was abgeht! Er wird geboren zwischen Filz und Filz. Außerdem wird er das angeknackste Italien aus dem Dreck ziehen, für das die Jungfrau Camilla, Eurialus, Turnus und Nisus den Löffel abgegeben haben. Er wird die Bestie so lange rumscheuchen, bis er sie zur Hölle gejagt hat, wo sie sowieso herkommt.
Also pass mal auf: Am besten, du schleichst jetzt unauffällig hinter mir her und ich zeig' dir, wo Barthel den Most holt. Zieh dir diesen unkaputtbaren Ort ruhig mal rein, das ist echt 'ne krasse Nummer. Ein Mega-Gejammere und jede Menge Aua. Da sind zum Beispiel Geister, die ein zweites Mal abkratzen wollen. Andere chillen im Feuer, weil sie hoffen, später noch das große Los zu ziehen und nach oben durchzurutschen. Wenn du nach da oben willst, gebe ich dich bei 'ner Bitch ab, die besser für den Job geeignet ist, und verdrück' mich. Der Chef von dem Ganzen hat nämlich keinen Bock darauf, dass ich Leute in seine City mitbringe, ich hatte mich da mal etwas daneben benommen. Ist ja auch sein Hauptquartier, mit Thron und allem. Muss schon cool sein, wenn man dafür ein Ticket hat."
Und ich: "Dichter, dann bitte bitte, bei Gott - der, äh, zu deiner Zeit noch nicht aktuell war -, ich will bloß raus hier! Bring mich dahin, wo du eben gesagt hast! Ich hab' voll Bock, den guten alten Petrus zu besuchen und diese Knilche, von denen du sagst, dass sie so fertig sind."
Er also los und ich hinterher.

(Anis Hamadeh, 08.06.2020)


Inferno - Canto II
Standard-Übersetzung:

Der Tag ging dahin und die braune Luft nahm den Lebewesen, die auf Erden sind, ihre Müdigkeit. Und ich als einziger bereitetete mich darauf vor, den Krieg zu bestehen, sowohl den der Reise als auch den des Mitleids, den die Erinnerung wiedergeben wird, die sich nicht irrt. Oh Muse, oh hoher Genius, helft mir jetzt! Oh Erinnerung, die du aufgeschrieben hast, was ich sah, hier wird sich dein Adel zeigen!
Ich begann: "Dichter, der du mich führst, prüfe, ob meine Fähigkeiten ausreichen, bevor du mir den wichtigen Gang anvertraust! Du sagst, dass Silvius' Vater (Aeneas) zu Lebzeiten noch in die unsterbliche Welt ging, und das mit allen Sinnen intakt. Nun, wenn der Gegner allen Übels ihm gegenüber so aufmerksam war - an die große Wirkung denkend, die von ihm (Aeneas) ausgehen sollte, an das Wer und das Was -, so erscheint es einem Menschen von Verstand nicht unwürdig, dass er für das heilige Rom und sein Imperium vom paradiesischen Himmel zum Vater auserkoren wurde. Dieses und jenes, um die Wahrheit zu sagen, wurden als die heilige Stelle gegründet, wo der Nachfolger des großen Petrus seinen Sitz hat. Durch diese Reise, für die du ihm (Aeneas) Ruhm gegeben hast, begriff er Dinge, die die Ursache seines Siegs und des päpstlichen Mantels waren.
Danach ging das auserwählte Gefäß (Paulus) dorthin, um (als Augenzeuge) Trost zu spenden diesem Glauben, der den Anfang bildet auf dem Weg zur Erlösung.
Aber ich, warum sollte ich dort hinkommen? Und wer gestattet das? Ich bin kein Aeneas, ich bin kein Paulus. Weder ich noch jemand anderer glaubt, dass ich dessen würdig bin. Wenn ich mir allerdings erlaube zu kommen, befürchte ich, dass mein Kommen tollkühn ist. Du bist klug und verstehst mehr als ich sage."
Und wie dem, der nicht mehr will, was er wollte, und der seine Vorsätze mit neuen Gedanken ändert, sodass er sich ganz vom Anfänglichen zurückzieht, so ging es mir an dieser dunklen Küste, denn durch das Grübeln hatte ich das Unternehmen aufgebraucht, das anfangs so präsent gewesen war.
"Wenn ich dein Wort recht verstanden habe", antwortete der Geist des Großherzigen, "ist dein Geist von Feigheit beeinträchtigt, die den Menschen oft behindert, sodass sie ihn von ehrenhaften Unternehmungen abhält, so wie ein Tier vor einem Trugbild scheut. Damit du dich von dieser Furcht befreist, sage ich dir, warum ich hergekommen bin und was ich im ersten Moment gehört habe, in dem ich wegen dir bekümmert war.
Ich war unter denen, die im Schwebezustand hängen, und eine Frau so selig und schön rief mich, dass ich sie bat, über mich zu gebieten. Ihre Augen leuchteten mehr als die Sterne und sie fing an, zu mir zu sprechen, sanft und klar, mit engelhafter Stimme, in ihrer Art, zu sprechen: ‚Du nobler Geist aus Mantua, dessen Ruhm in der Welt andauert und so lange andauern wird wie die Welt; mein Freund, nicht der des Schicksals, ist auf der verlassenen Ebene so in seinem Weg behindert, dass er aus Angst kehrtgemacht hat. Ich fürchte, er ist bereits so verloren, dass ich mich zu spät zur Rettung aufgerafft habe - nach dem, was ich über ihn im Himmel gehört habe.
Geh jetzt und hilf ihm mit deiner geschmückten Rede und dem, was zu seiner Rettung nötig ist, sodass ich darüber beruhigt sein kann! Ich bin Beatrice, die dich schickt. Ich komme von dem Ort, zu dem zurückzukehren ich wünsche. Die Liebe hat mich bewegt, die mich zum Sprechen bringt. Wenn ich vor meinem Herrn sein werde, werde ich dich oft vor ihm loben.' Daraufhin schwieg sie und dann begann ich:
Oh Frau der Tugend, durch die allein die menschliche Spezies jeden Inhalt des Himmels überschreitet, der die kleinsten Sphären hat: So sehr freut mich dein Befehl, dass ihm zu gehorchen, wenn es schon geschehen wäre, mir bereits zu spät wäre. Weiter musst du mir deinen Wunsch nicht eröffnen. Doch sag mir den Grund, aus dem du dich nicht hütest, nach hier unten herabzusteigen, in dieses Zentrum, von dem weiträumigen Ort, zu dem zurückzukehren du brennend willst!
‚Da du es so innig wissen willst, sage ich dir in Kurzform', antwortete sie mir, ‚warum ich mich nicht davor fürchte, hier hereinzukommen. Fürchten muss man sich nur vor den Dingen, die anderen schaden können. Vor den anderen nicht, denn sie sind nicht zum Fürchten.
Ich bin von Gott, von seiner Gnade, so gemacht, dass euer Elend mich nicht berührt und auch die Flamme dieses Brands mich nicht überkommt. Im Himmel gibt es eine freundliche Frau (Maria), die die Widrigkeit bedauert, zu der ich dich sende, womit sie das strenge Urteil dort oben untergräbt.
Diese rief Lucia in ihrem Ersuchen und sagte: ‚Jetzt braucht dich dein Getreuer und ich vertraue ihn dir an.' Lucia, Feindin aller Grausamkeit, machte sich auf und kam an den Ort, an dem ich war; ich saß da mit der alttestamentarischen Rahel. Sie sagte: ‚Beatrice, Gottes wahres Lob, warum hilfst du nicht dem, der dich so geliebt hat, dass er für dich aus dem gemeinen Volk herausgetreten ist? Hörst du denn nicht die Hingabe seines Klagens? Siehst du nicht, wie der Tod ihn bekämpft auf dem reißenden Fluss, vor dem das Meer keinen Vorzug hat?'
Noch nie auf der Welt waren Leute so schnell darin, ihren Nutzen zu ziehen oder ihrem Schaden zu entgehen, wie ich, nachdem diese Worte gemacht waren. Hier herunter kam ich von meinem heiligen Stuhl, mich deiner ehrenvollen Rede anvertrauend, die dich ehrt und die, die sie gehört haben.'
Als sie mir dies gesagt hatte, wandte sie weinend die leuchtenden Augen, was mich noch schneller herkommen ließ. Und ich kam zu dir, wie sie es wollte, und habe dich von dieser Bestie weggeholt, die dir den kurzen Weg auf den schönen Berg genommen hat.
Was ist also los? Warum, warum bleibst du noch hier? Warum ist dir solche Feigheit im Herzen willkommen? Warum hast du keinen Wagemut und keinen freien Willen, nachdem sich drei so gesegnete Frauen um dich kümmern am Hofe des Himmels und meine Rede dir so viel Gutes verspricht?"
Wie Blümchen, von nächtlicher Kälte gebeugt und geschlossen, nachdem die Sonne sie bescheint, sich voll geöffnet auf ihrem Stängel aufrichten, so ging es mir mit meiner erschöpften Kraft; und so viel Wagemut lief mir ins Herz, dass ich wie eine freie Person entschlossen begann: "Wie barmherzig ist doch die, die mir beisteht! Und du so höflich, der du den wahrhaftigen Worten sofort gehorcht hast, die sie dir ausgerichtet hat! Du hast mein Herz mit deinen Worten so mit dem Verlangen ausgestattet, mitzukommen, dass ich zum ersten Vorsatz zurückgekehrt bin.
Nun geh, denn ein einziges Wollen ist uns beiden! Du Führer, du Herr und du Meister!" So sprach ich zu ihm und als er dann aufbrach, trat ich ein in den steilen und verwilderten Weg.

(Anis Hamadeh, 26.05.2020)

Voll krasse Übersetzung (Slang):

Es war Feierabend für heute und alles haute sich in die Koje in dieser komischen braunen Luft. Meine Wenigkeit war der einzige, der noch am Machen war, denn ich musste den Trip vorbereiten und mir einen Kopf darüber machen, wie ich mich vernünftig an alles erinner', damit ich keinen Stuss schreibe. Also toi toi toi! Mal sehen, wie gut ich drauf bin.
Ich legte los: "Vielleicht wär's besser, wenn du mich erst mal abcheckst, bevor wir durchstarten, nachher bin ich noch zu blöd für den Job. Du meintest ja in deinem Buch, dass der olle Aeneas damals ins Jenseits getapert ist, so richtig mit Körper und allem. Und okay, das hat's ja auch voll gebracht, deshalb kann man sich gut vorstellen, dass der große Boss das so eingefädelt hat. Immerhin ist Rom dabei rausgekommen mit dem ganzen heiligen Kram und der krass gut laufenden Armee. Ich meine, beides ist ja mega abgegangen: die Petrus- und Papstnummer genauso wie dieses ganze Imperiumsgedöns. Das hat Aeneas geschnallt, den du über den grünen Klee gelobt hast.
Ach so, und Paulus hat sich im Jenseits auch mal blicken lassen, damit er den Leuten zu Hause die Info geben konnte, dass die ganze Sache echt war.
Aber ich kleines Würstchen? Wen interessier' ich schon; glaubst du, da gibt jemand grünes Licht für? Aeneas und Paulus sind ja wohl 'ne Nummer zu hoch für mich. Ich geh' nicht davon aus, dass ich das auf die Reihe kriege, und wüsste auch keinen, der das anders sieht. Und wenn ich mich aufraffe mitzukommen, heb' ich mir vielleicht 'n Bruch. Jetzt sag du auch mal was dazu, du raffst es sowieso besser als ich."
Wie so'n Typ, der auf einmal kein' Bock mehr hat und seine Pläne über'n Haufen wirft, bis er nicht mehr weiß, wie er überhaupt auf so 'ne hirnrissige Idee kommen konnte, so in der Art war ich drauf an dieser dunklen Küste, weil ich zu viel über die ganze Sache nachgegrübelt hab', die erst so'n fett guten Eindruck gemacht hatte.
"Ich seh' schon, was hier abgeht", meinte der Geist von dem Typ, der es gut mit mir meinte, "du hast Schiss, das ist alles. Das gibt's öfter und dann kriegt man nichts mehr auf die Kette, so Fata-Morgana-mäßig. Also komm drüber weg! Ich erzähl' dir jetzt mal, was alles los war, als ich zum ersten Mal von dir gehört hab'.
Und zwar hing ich grad' mit so'n paar Typen ab, da labert mich 'n Mädel an. 'Ne ganz schöne Granate, sag' ich dir, ich war sofort hin und weg. Wahnsinns-Augen und dann sagt die mir mit dieser Hammer-Stimme: ‚Hi, man hört ja dolle Sachen über dich, Respekt! Die Sache ist folgende: Ein guter Kumpel von mir hat grad' 'n bisschen Pech und steckt in der Einöde fest, weil jemand ihm auf die Eier geht. Jetzt will er umkehren und alles, das nervt voll, und ich hab' nach den letzten News aus dem Himmel die Befürchtung, dass der Zug schon abgefahren ist.
Könntest du dir das nicht mal ansehen und ihm unter die Arme greifen mit deinen rhetorischen Skills und allem, was man so braucht? Da würd' mir echt 'n Stein vom Herzen fallen. Ach so, ich heiß' übrigens Beatrice und bin nur auf 'n Sprung hier, weil ich wieder nach Hause will. Was ich dir grade gesagt hab', ist wirklich zentral wichtig für mich. Ich werd' auch dem großen Boss nur Gutes von dir erzählen.'
Das war's von ihrer Seite und ich so: ‚Ja hallo, du bist ja echt umwerfend. Klar, was immer du willst! Wenn ich den Job schon erledigt hätte, wär's mir immer noch zu spät, so flipp' ich aus. Die Message ist angekommen. Aber sag mal, wieso schlurfst du hier eigentlich einfach so runter, wenn du so scharf darauf bist, in deinem gemütlichen Zuhause abzuhängen? Hast du keinen Schiss und so?"
Und sie meinte: ‚Wenn es dich so brennend interessiert, erklär' ich dir in Kurzform, wieso ich kein Problem damit hab', hier aufzukreuzen: Es schadet ja niemandem, wenn ich hier bin, also was soll's? Außerdem bin ich so drauf, dass eure Nervereien hier unten mich nicht weiter tangieren. Im Grunde hab' ich hier nichts zu suchen, aber da ist so eine Mutti im Himmel, Maria, die so'n bisschen ihr eigenes Ding macht und der die Sache, zu der ich dich losschick', ganz schön an die Nieren geht.
Die ist erst mal zu Lucia hin und meinte zu ihr, dass sie sich doch mal um den Kumpel kümmern soll, weil der echt Hilfe braucht. Lucia war dabei und stand dann gleich bei mir auf der Matte. Ich sitz' da so rum mit der ollen Rahel und Lucia macht mir Komplimente und erzählt die komplette Story. Sie hat mir ganz schön ins Gewissen gepustet, damit ich was mache, von wegen: Ja, der hat dich doch so geliebt und so viel für dich sausen lassen und jetzt jault er 'rum und ist buchstäblich am Ende. Mach dir das mal klar!
Jau, das hatte voll gesessen und ich bin sofort in Aktion getreten, hab' den Hintern von der Couch gehoben und steh' jetzt hier unten, weil ich davon ausgehe, dass du die Sache in den Griff kriegst mit all deinen Fähigkeiten und so weiter.'
Und dann kuckt sie mich auch noch mit diesem Hundeblick an. Ich bin sofort los zu dir, wie sie's wollte, und hab' dich von diesem Tier weggezerrt, das dich nicht auf den Berg lassen wollte.
Also w-a-s-g-e-h-t-a-b, Mann? Wieso gammelst du hier immer noch 'rum? Hast du keinen Mumm in den Knochen oder was? Ey, drei Hammer-Bräute im Himmel betüteln dich und ich geb' dir dazu noch super Input!"
Scheiße, er hatte Recht, und ich hab' mich auf einmal wie eine Blume im Sonnenschein gefühlt, nach einer arschkalten Nacht, so voll aufgerichtet und offen. Yeah, jetzt ging's mir wieder top und ich bin zu großer Form aufgelaufen: "Wie geil ist das denn! Das ist ja voll nett von der, mir zu helfen. Und super, dass du sofort mitgemacht hast! Alter, jetzt hast du mich so heiß gemacht, dass ich's mir definitiv überlegt hab'.
Also schwing die Hufe, ich bin dabei! Du hast es so 'was von drauf!" So viel dazu. Er ist dann los und der Road-Movie fing an.

(Anis Hamadeh, 08.06.2020)


Inferno - Canto III
Standard-Übersetzung:

"Durch mich geht es in die schmerzhafte Stadt, durch mich geht es in den ewigen Schmerz, durch mich geht es zu den Verlorenen. Gerechtigkeit bewegte meinen hohen Schöpfer. Mich machte die göttliche Macht, die höchste Weisheit und die erste Liebe. Vor mir ist nichts erschaffen worden, das nicht ewig ist, und ich dauere ewig fort. Lasst alle Hoffnung fahren, ihr, die ihr eintretet!"
Diese Worte von dunkler Farbe sah ich über einem Tor geschrieben, weshalb ich sagte: "Meister, ihre Bedeutung ist schwer für mich."
Und er zu mir, wie ein verständiger Mensch: "Hier muss man jedes Zögern lassen. Jede Feigheit muss hier tot sein. Wir sind an den Ort gekommen, von dem ich dir gesagt habe, dass du dort die leidvollen Menschen sehen wirst, die das Verstandesgut verloren haben." Dann, als er seine Hand auf meine gelegt hatte, mit einem frohen Blick, der mich bestärkte, brachte er mich hinein zu den verborgenen Dingen.
Hier erklangen Seufzer, Weinen und lautes Klagen durch die sternenlose Luft, weshalb ich am Anfang darüber weinte. Seltsame Sprachen, fürchterliche Redeweisen, Worte des Schmerzes, Schreie des Zorns, laute und schwache Stimmen, dazu die Geräusche von Händen machten ein lärmendes Durcheinander, das ständig umhergeht in dieser zeitlosen, getönten Luft wie Sand, wenn ein Wirbelwind bläst.
Und ich, dessen Kopf vom Schrecken umhüllt war, sagte: "Meister, was ist das, was ich höre? Und was sind das für Leute, die so im Schmerz überwältigt zu sein scheinen?"
Und er zu mir: "Dieses elende Betragen halten die verächtlichen Geister derer, die ohne Schande und ohne Lobenswertes gelebt haben. Gemischt sind sie in diesen scheußlichen Chor von Engeln, die sich weder aufgelehnt hatten noch treu zu Gott gewesen waren; vielmehr waren sie für sich. Die Himmel haben sie vertrieben, um nicht weniger schön zu sein, und auch die tiefe Hölle nimmt sie nicht auf, es sei denn, die Bösen haben irgendetwas Ruhmvolles von ihnen."
Und ich: "Meister, was ist so schwer für sie, das sie so laut klagen lässt?" Er antwortete: "Ich sage es dir in aller Kürze: Diese haben keine Hoffnung auf den Tod und ihr lichtloses Leben ist so niedrig, dass sie neidisch sind auf jedes andere Los. Die Erinnerung an sie lässt die Welt nicht zu. Mitleid und Gerechtigkeit verachten sie. Reden wir nicht über sie! Schau nur und geh weiter!"
Und ich, der ich hinsah, sah eine Fahne, die so schnell kreisend herumlief, dass sie mir für jegliche Pause unempfänglich schien. Hinter ihr kam eine so lange Schlange von Menschen, dass ich nicht geglaubt hätte, dass der Tod so viele von ihnen vernichtet hat.
Nachdem ich dort einige wiedererkannt hatte, sah und erkannte ich den Schatten dessen, der aus Feigheit die große Verweigerung vollzog. Sofort begriff ich und war mir sicher, dass dies die Schar der Scheußlichen war, Gott und seinen Feinden verhasst. Diese Niederträchtigen, die nie lebendig waren, waren nackt und schwer angestachelt von Fliegen und Wespen, die es dort gab. Die zogen in ihren Gesichtern Streifen von Blut, das, gemischt mit Tränen, zu ihren Füßen von widerlichen Würmern aufgesammelt wurde.
Und dann, als ich noch einmal hinsah, sah ich Gruppen von Menschen am Ufer eines großen Flusses und sagte daraufhin: "Meister, gewähre mir jetzt zu wissen, wer diese Leute sind und welche Gewohnheit sie zur Überfahrt so bereitwillig zu machen scheint, wie ich es im trüben Licht erkenne." Und er zu mir: "Diese Dinge werden dir bekannt werden, wenn wir unsere Schritte auf dem trostlosen Fluss Acheron anhalten." Also, mit beschämten und gesenkten Augen, fürchtend, dass mein Gesagtes ihm Ungemach bereitet hatte, sah ich vom Reden ab, bis wir am Fluss waren.
Da kam in einem Boot ein Alter auf uns zu, weiß von greisem Haar, laut rufend: "Weh euch, böse Geister! Hofft nicht, jemals den Himmel zu sehen! Ich bin gekommen, um euch ans andere Ufer zu führen, in die ewige Dunkelheit, zu Hitze und Kälte. Und du hier, lebendiger Geist, geh weg von denen dort, die tot sind!"
Als er aber sah, dass ich nicht wegging, sagte er: "Auf einem anderen Weg, von einem anderen Hafen aus sollst du zum Ufer kommen, nicht von hier aus ist die Überfahrt. Ein leichteres Boot soll dich mitnehmen." Und der Führer zu ihm: "Charon, reg dich nicht auf! Es ist so gewollt, da, wo alles möglich ist, was gewollt ist. Also frag nicht weiter!" Ruhig wurden da die wolligen Wangen des Steuermanns vom düsteren Sumpf, der um die Augen Flammenräder hatte.
Aber die Geister, die ausgelaugt und nackt waren, änderten die Farbe und knirschten mit den Zähnen, sobald sie die grausamen Worte gehört hatten. Sie verfluchten Gott und ihre Eltern, die menschliche Spezies, den Ort und die Zeit und den Samen ihrer Empfängnis und ihrer Geburt. Dann zogen sich alle zusammen laut weinend ans böse Ufer zurück, das jeden Menschen erwartet, der Gott nicht fürchtet.
Charon, der Dämon mit Augen von Glut, gibt ihnen Zeichen und sammelt alle ein. Er schlägt mit dem Ruder jeden, der sich hinsetzt. Wie sich im Herbst die Blätter ablegen, eins gleich nach dem anderen, bis der Ast all seine Kleider auf dem Boden sieht, so warf sich Adams böse Brut herunter von dieser Küste, einer nach dem anderen, auf Zeichen hin, wie ein Falke auf seinen Lockruf hin. So zogen sie hin auf den dunklen Wellen und bevor sie drüben angelegt hatten, hatte sich hüben bereits eine neue Schar gesammelt.
"Mein Sohn", sagte der Meister höflich, "diejenigen, die im Zorn Gottes sterben, kommen alle hier zusammen, aus jedem Land. Und bereit sind sie zur Überfahrt des Flusses, denn die göttliche Gerechtigkeit spornt sie so an, dass sich die Furcht in Verlangen verwandelt. Von hier geht niemals ein guter Geist herüber. Wenn sich Charon also über dich beschwert, kannst du jetzt gut verstehen, was seine Rede verlauten lässt."
Als er das beendet hatte, erbebte die dunkle Landschaft so stark, dass die Erinnerung an den Schrecken mich erneut in Schweiß badet. Die tränenreiche Erde brachte einen Wirbelwind hervor, der ein hochrotes Licht aufleuchten ließ, das all meine Sinne überwältigte. Und ich fiel, wie ein Mann, den der Schlaf ergreift.

(Anis Hamadeh, 29.05.2020)

Voll krasse Übersetzung (Slang):

"Hier geht's zur Stadt der Schmerzen, hier geht's überhaupt zum Schmerz ohne Ende. Und zu den Verschüttgegangenen. Der mich gezimmert hat, wollte Gerechtigkeit. Also Gott, der King von allem, die buchstäblich erste Liebe. Was der baut, ist nicht kaputtzukriegen, und ich auch nicht. Wenn ihr also hier reinstiefelt und meint, noch irgendwelche Meldungen zu haben: Vergesst es einfach!"
Das hat jemand mit dunkler Farbe über so'n Tor gepinnt, und ich zum Meister: "Oh scheiße, das fängt ja gut an!"
Er blieb cool und meinte: "Nee komm, jetzt müssen wir die Nerven bewahren und dürfen uns nicht ins Hemd machen. Wir sind da, wo ich dir erzählt hab', dass du dir hier die ganzen Jammerlappen ankucken kannst, die nicht mehr klar in der Birne sind." Mit Händchenhalten und einem Wird-Schon-Blick hat er es dann gemanaged gekriegt, dass ich einigermaßen die Übersicht behalten hab'. Wir also durchs Tor, ins große Unbekannte.
Es war komplett dunkel und ich hab' lauter abtörnenden Scheiß gehört: Seufzer, Rumgejaule, das volle Programm. Da hab' ich erst mal angefangen zu heulen. Es ging alles durcheinander, laut und leise, in allen möglichen komischen Sprachen; dann ham die da rumgeschrien und sich aufgeregt und mit den Händen traktiert - das reinste Chaos. Alles flog durch die Gegend wie Sand in so'm Tornado. Voll surreal, die Atmosphäre.
Die ganze Nummer hat mich fertiggemacht und ich sag' so: "Meister, was geht da ab? Was sind das für Nasen, die sich da einen abjammern?"
Und er: "Ach so, die. Die ham schlechte Manieren. Es sind die miesen Geister von denen, die keine Scheiße gebaut und gleichzeitig nichts auf die Reihe gekriegt ham, mit Connections zu dieser Gang von Engeln, die zwar keinen Lauten gemacht hat, was den Boss angeht, aber auch nicht in seiner Mannschaft gespielt hat. Die ham einfach ihr eigenes Ding gemacht. Der Himmel hatte da gar keinen Nerv drauf und hat sie weggescheucht - ist ja auch eine Prestige-Frage - und sogar die Hölle will die nicht an der Backe haben, es sei denn, die Höllenleute hätten irgendwas Konkretes davon."
Und ich: "Meister, und warum nölen die so rum?" Er dann: "Die Kurzfassung ist, dass sie absolut keine Hoffnung haben, irgendwann mal abzunippeln. Denen geht's so kacke, dass sie auf jeden andern neidisch sind. Keiner erinnert sich an diese Luschen und keiner mag die. Komm, lass stecken, pfeif's dir einfach rein und zuckel weiter!"
Langsam konnt' ich wieder was sehen: Da war so 'ne Fahne, die ist in Kreisbewegungen durch die Landschaft gejagt und hat immer weitergemacht. 'Ne Riesenschlange von Leuten kam da hinterhergepilgert. Alter, ich hätte nicht gedacht, dass der Sensenmann so viele erwischt hat.
Ein paar von denen hab' ich wiedererkannt und, hey, da ist doch dieser Schisshase von Verweigerer! Langsam raff' ich, dass ich hier echten Abschaum vor der Linse hab'. Nackte zombieartige Mistkerle, denen Fliegen und Wespen die Fresse blutig stechen. Das Blut mischt sich mit Tränen und auf dem Boden schlürfen ekelhafte Würmer die ganze Soße auf. Voll krass.
Ich kuck' noch mal scharf hin und da sind auf einmal so Gruppen von Leuten an so 'nem Flussufer und ich frag': "Meister, hast du irgend'ne Ahnung, wer das ist und warum die so scharf darauf sind, ans andre Ufer zu kommen, so weit ich das in dieser trüben Suppe überhaupt erkennen kann?" Er dann: "Ja ja, das kriegst du dann schon mit. Lass uns erst mal auf diesem dämlichen Fluss Acheron sein." Das war mir voll peinlich. Ich wollte ihn ja nicht annerven oder so. Ich hab' dann erst mal die Klappe gehalten, bis wir am Fluss waren.
Dann so boing! kommt so'n Tattergreis mit'm Boot auf uns zu und grölt rum: "Ey, ihr Penner! Glaubt bloß nicht, dass ihr's noch mal mollig haben werdet! Jetzt geht's ab ans andere Ufer, da ist es bis Sankt Nimmerlein zappenduster, affenheiß und rattenkalt. Und wen haben wir hier? Einen Lebenden. Los, verpiss dich von den andern, die hinüber sind!"
Und als ich stumpf dageblieben bin, meinte er: "Hast du 'was an den Ohren oder was? Hier ist Endstation für dich, such dir'n andern Hafen für die Überfahrt! Dein Boot muss 'n ganzen Tacken leichter sein." Aber dann mein Chef so: "Charon, jetzt krieg dich mal wieder ein! Der Plan kommt von ganz oben, wo alles machbar ist, was die wollen. Also halt einfach die Fresse!" Und dieser Fährmann-artige Stoffel aus dem Sumpf mit den Leucht-Augen hielt erst mal die Zottelbacken still.
Das Problem war, dass die nackten und total fertigen Geister seine heftigen Sprüche ebenfalls mitgekriegt hatten und jetzt komplett ausgetickt sind. Sie ham die Farbe gewechselt, voll so mit den Zähnen geknirscht und dann ham sie Gott und die Welt verflucht wie nix Gutes, sogar ihre Eltern und alles. Danach sind alle mit großer Heulerei an dieses Drecksufer gelatscht. Das kommt halt dabei raus, wenn man den großen Boss ignoriert.
Charon, der Typ mit dem Hitzeblick, pfeift sie zu sich ran. Wenn einer es sich auf dem Boot gemütlich machen will, gibt er ihm eins mit dem Ruder auf die Rübe. Voll so wie im Herbst, wenn die Blätter eins nach dem andern Striptease-mäßig vom Ast segeln, genau so jumpten diese Knallkekse von der Küste, einer nach dem anderen, wie so'n Falke, wenn man den so 'ranpfeift. Und dann ging's ab nach drüben durch diese Brühe. Es waren aber schon wieder genügend neue Leute da, bevor die vorigen drüben eingetrudelt sind.
Der Meister hatte sich inzwischen wieder abgeregt und meinte: "Jungchen, es ist so: Alle auf der Welt, auf die der große Boss sauer ist, landen hier. Und sie machen ohne Probleme mit, weil ihr Muffensausen sich in heftige Wünsche verwandelt hat. Die ham halt jetzt den Boss im Nacken. Das sind alles Arschlöcher, die hier rüberfahren. Insofern kannst du ungefähr einordnen, was es bedeutet, wenn Charon 'n Hals kriegt, wenn er dich sieht."
Als er fertig war, bricht voll das Erdbeben los in dieser Mistdunkelheit. Ich fang' immer noch an zu ölen wie Sau, wenn ich nur dran denke. Ein Mega-Wirbelsturm kommt aus dem jaulenden Boden raus und dann flasht da so'n knallrotes Licht auf, dass bei mir alle Lichter ausgehen. Ich bin einfach so weggeknickt.

(Anis Hamadeh, 08.06.2020)

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