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ESSAY (9)
Weltkultur und Zivilisation
Anis Hamadeh, 14.10.02
Zusammenfassung

Inhalt: Das 21. Jahrhundert - Definitionsfragen - Das Problem der Diskriminierung - Werte - Der internationale Diskurs - Weltgeschichte - Zivilisationskritik - Kooperation für den Frieden


Seit 50 Jahren leben wir mit dem Fernseher, der unser Bewusstsein verändert hat. Er war eine Revolution, da er - zusammen mit dem Radio - eine neue Art von Öffentlichkeit geschaffen hat. Zuvor gab es Zeitungen und weiter vorher den Buchdruck, der zu vergleichbaren massenpsychologischen Veränderungen geführt hatte. Heute ist es das Internet, das diesen Weg fortschreitet. Was früher das Konversationslexikon war, ist heute eine Suchmaschine, und wo früher eine Frontal-Öffentlichkeit stand, kann sich heute im Prinzip jeder viel stärker selbst an der Öffentlichkeit beteiligen und sie mitgestalten, und das ist auch der Sinn des Internets.

Eine der Auswirkungen des Internets, die man bereits heute spüren kann, ist, dass es immer schwerer fällt, Dinge von gesellschaftlichem Belang geheim zu halten. Betrachten wir beispielsweise die hohe Anzahl von Augenzeugenberichten aus Palästina, die mit großer Geschwindigkeit verbreitet werden können, ganz anders, als es noch vor zehn Jahren denkbar war.

Das 21. Jahrhundert unterscheidet sich von den vorigen Jahrhunderten grundlegend durch die Demokratisierung der Öffentlichkeit mit dem Internet. Nach dem Elften September wurde zudem deutlich, dass die Gesellschaften der Welt alle sehr ähnliche Probleme haben, und dass sie, um zum Frieden zu gelangen, kooperieren müssen. Eine Weltkultur ist also im Entstehen, ein gemeinsamer internationaler Diskurs, an dem die Asiaten ebenso beteiligt sind wie die Europäer, und die Afrikaner wie die Amerikaner.

Das Fernsehen hat uns seit jeher das Gefühl vermittelt, dass wir die Welt verstehen, und dass die Welt berechenbar ist. Rituale wie die Abendnachrichten zementierten die Vorstellung, dass die Welt, wenn sie auch wohl nicht in Ordnung war, so doch in einer Weise unter Kontrolle blieb. Wir alle hielten unbewusst die Fernseh-Erlebnisse für Übersetzungen des Weltgeschehens, Übersetzungen in unsere Sprache, hergestellt von freundlichen Menschen, die uns mit warmen Stimmen Erklärungen, Eindrücke und Hintergründe servierten, uns also Arbeit ersparten, die unterhaltsam waren und uns Sicherheit durch das Ritual gaben.

Das Internet hat diesen Diskurs und diese Mentalität grundlegend verändert. Innerhalb von einer halben Stunde kann man sich heute einen Überblick über die Themen der Tagespresse verschaffen, ohne dafür das Haus verlassen zu müssen. Darüberhinaus kann man mit Leichtigkeit die Themen des Tages oder des Monats systematisch googeln und dabei eine Vielzahl von Informationen und Meinungen sammeln und auswerten. Viel eher als im Fernsehen stößt man im Internet auf kollidierende Diskurse im selben Medium. Jeder kann sich und seine Meinung hier darstellen, und es gibt keine Instanz, die eine Zensur ausüben könnte, solange das Gesetz nicht verletzt wird, zum Beispiel durch Verherrlichung von Gewalt.

In diesem Nährboden wächst die Weltkultur. Denn in keinem anderen Medium stehen die Gruppendiskurse (Familien, Firmen, Parteien, Vereine, Städte, Länder, Kulturen, etc.) so eng beieinander, und nirgendwo sonst werden die Diskrepanzen zwischen einzelnen Gruppen und ihren Diskursen so deutlich, Diskrepanzen, die im Medium Fernsehen größtenteils weg-harmonisiert werden, um den Unterhaltsauftrag des Mediums nicht zu gefährden.

Die Länder erwachen aus einer Art von Provinzialität und bewegen sich von der Lindenstraße auf die Datenautobahn. Die Schranken zwischen den Diskursen weichen auf, selbst Sprachbarrieren waren nie so weich wie heute, wo das Englische zur natürlichen Internetsprache geworden ist. Schon heute enthalten beispielsweise viele deutsche Homepages englische Darstellungen, und es werden mehr, denn das Internet ist das erste wirklich internationale Massenmedium in der Geschichte der Menschheit. Ohne die Taten Alexanders des Großen in Abrede zu stellen, stelle ich doch fest, dass, wenn man von einer Weltkultur sprechen möchte, man dies erst im 21. Jahrhundert sinnvoll tun kann.

- Definitionsfragen -

Dass eine Weltkultur noch nicht geschaffen ist, erkennt man leicht an den Schwierigkeiten bei der Übersetzung zentraler Begriffe wie "Kultur", "Zivilisation" und "Diskurs" in andere Sprachen. Die deutsche "Kultur" ist etwas anderes als die englische "culture", und die "Zivilisation" ist etwas anderes als die "civilization". Was den Begriff "Diskurs" angeht, er entstammt der westlichen, wissenschaftlich-kritischen Tradition und hat kein natürliches Pendent im Arabischen, obwohl es bei den Arabern natürlich Diskurse gibt und auch Begriffe dafür. Andererseits hat das Arabische in Ausdrücken wie "thaqaafa" und "hadaara" Begriffe für Kultur und Zivilisation, die sich durchaus mit den westlichen in Beziehung setzen und vergleichen lassen.

Um sinnvoll von einer Weltkultur sprechen zu können, ist es notwendig, die Begrifflichkeiten aneinander abzustimmen, sei es durch Definitionen oder durch die Einführung neuer Fachausdrücke. Bleiben wir zu diesem Zweck bei den sich gegenseitig durchdringenden Begriffen "Kultur/culture" und "Zivilisation/civilization", die mir als die wesentlichen Begriffe erscheinen. Da der vorliegende Essay mehrsprachig geschrieben ist, muss erklärt werden, wovon genau die Rede ist, und aus welchem Grund.

In dem von mir häufig angeführten Buch von Norbert Elias "Über den Prozess der Zivilisation" findet sich der Zivilisationsbegriff, den ich hier meine. Er ist charakterisiert durch fortschreitende Affektkontrolle und dadurch ermöglichte Sublimierung, Substituierung und Monopolisierung von Gewalt. Norbert Elias belegte in diesem Standardwerk anhand von vielen Beispielen aus der deutschen und der französischen Kultur, dass Gesellschaften sich in zivilisatorischen Prozessen befinden, die sich in gewisser Weise messen lassen, sodass man von Zivilisationsstufen sprechen kann.

Ganz ähnlich ist der arabische Begriff "hadaara" bei dem Historiker und Philosophen Ibn Khaldun (starb 1406) in seiner berühmten "Muqaddima" verwendet: Ibn Khaldun spricht von Zyklen der Herrschaft, die sich allgemein beschreiben lassen, ähnlich wie die Lebenszyklen eines Menschen. Zivilisation fängt für ihn mit dem Ackerbau an und endet mit den Wissenschaften, in denen die Künste enthalten sind.

- Das Problem der Diskriminierung -

Um eine Weltkultur entdecken und beschreiben zu können, bedarf es eines übergeordneten Maßes, um die einzelnen Kulturen miteinander vergleichen zu können, und das kann meines Erachtens nach ein allgemeiner Zivilisationsbegriff leisten. Es geht darum, systematisch widersprechen zu können, wenn gesagt wird, dass beispielsweise die islamische Kultur mit der westlichen Kultur unvereinbar sei, was üblicherweise mit dem blanken Anderssein der anderen Kultur begründet werden kann, ohne dass ein solches Verhalten im öffentlichen Diskurs besonderen Anstoß erregen würde.

Wenn wir nun aber sagen, dass die Kulturen und Subkulturen unserer zu entdeckenden Weltkultur mit den gleichen Instrumenten erfahrbar, beschreibbar und zum Teil messbar sind, und wenn wir dies auf eine dynamische Theorie gründen wollen, wie sie am deutlichsten Norbert Elias formuliert hat, müssen wir den Vorwurf berücksichtigen, dass es dem Gleichheitsprinzip widerspricht, Kulturen auf verschiedenen zivilisatorischen Stufen anzusiedeln, was den Anschein erweckt, als würden einige Kulturen "oben" stehen und andere "unten". Empfindliche Zeitgenossen werden - so wie ich sie kenne - auch Begriffe wie "Über-/Untermensch" oder Formen von nationaler oder rassischer Überlegenheit in die Sache hineinassoziieren und lieber nach Alternativen suchen.

Jedoch ist das Gleichheitsprinzip gerade das Ziel, für das mit dem Werkzeug der Zivilisationskritik ein Bewusstsein geschaffen werden kann. Im Gegenteil equalisiert der Zivilisationsbegriff die tatsächlich vorhandenen Diskriminierungen von Kulturen, die im allgemeinen lediglich an ihrer Technologie und ihrem Bruttosozialprodukt gemessen werden, und das auch noch hinter vorgehaltener Hand. Zudem gibt es bei den Bewohnern z.B. Afrikas und Asiens durchaus ein Bewusstsein darüber, dass es so etwas wie einen Fortschritt gibt, und dass man im Gegensatz zum Westen gewisse gesellschaftliche Transformationen nicht bzw. noch nicht erreicht hat.

- Werte -

Um sinnvoll von einer Weltkultur zu sprechen, bedarf es übergeordneter, für alle Kulturen geltende Werte. Zu den Hauptproblemen gehören daher die Fragen: Wie ist der Prozess der Zivilisation zu bewerten? und: Was ist Fortschritt?

Wir sind in einer Zeit angekommen, in der die ökonomischen Märkte weitgehend erschlossen sind und nicht mehr wachsen wie in den 50er-Jahren. In einer Zeit, in der auch die Machbarkeit von technischer Weiterentwicklung an natürliche Grenzen geraten ist. In der Weltraumforschung etwa sind viel mehr Dinge möglich als bezahlbar. Auch die Affektkontrolle als weiteres Merkmal der Zivilisation bedarf keiner revolutionären Durchsetzung mehr, da auch sie an natürliche Grenzen stieß und stößt, wie etwa dem berechtigten Gegenruf nach dem Wert der Natürlichkeit, wie er von Rousseau verwendet wurde und nach ihm immer wieder.

Fortschritt bedeutet also nicht, dass die ökonomischen Märkte sich ständig erweitern, es bedeutet nicht, den ultimativen Computer zu bauen, und weitere Fortschritte in der Affektkontrolle sind zweifelhaft, da sie die Gefahr der Überzivilisation bergen, der Entfremdung und der sozialen Kälte.

Betrachten wir die beiden wesentlichen Gruppen im Kulturkampf, den demokratischen Westen und den arabisch-islamischen Osten. Der Westen verweist auf seine zivilisatorischen Errungenschaften, hauptsächlich das Bürgerrecht. Häufig finden wir auch das Argument, dass staatlich-öffentliche Angelegenheiten und Glaubensangelegenheiten voneinander getrennt werden, anders als im Osten. Dies, so das Hauptszenario im Westen, hat uns zu Wohlstand und zu technischer Überlegenheit gebracht.

Das Selbstverständnis des Westens basiert auf der eigentlich equalistischen Annahme, dass andere Kulturen - zum Beispiel die arabisch-islamische - sich in die gleiche, vermeindlich fortschrittliche, Richtung begeben würden, wenn sie nur dieselbe zivilisatorische Entwicklung einschlagen würden. Diese Annahme ist insofern falsch, als der zu Unrecht so genannte "Wohlstand" der westlichen Länder zwangsläufig eine Verarmung anderer Länder zur Folge hatte und hat.

- Der internationale Diskurs -

Es ist eine Lüge, dass der Westen von der Gleichheit der Menschen in aller Welt ausgeht und dass er ein Hort der Freiheit und der Offenheit ist, voll von Menschenrechten und Toleranz und Wohlstand für alle. Dadurch, dass die Kulturen der Welt so viel näher aneinandergerückt sind, lässt sich diese Lüge immer schwerer vertuschen. Auch die Präsidenten Scharon und Bush wecken mit ihrer Politik außerhalb ihrer eigenen Gruppen nur wenig Überzeugung hinsichtlich der These von der Gleichheit der Menschen und dem Menschenrecht in der demokratischen Welt. Es sind die Europäer, die das Misstrauen der Araber und Muslime gegenüber dem Westen inzwischen so gut nachvollziehen können, dass ein neuer Diskurs möglich ist.

Innerhalb ihrer eigenen Gruppen können die Meinungsführer auf allen Seiten des Kulturkonflikts diskriminierende Entscheidungen treffen, ohne dass es sehr auffällt. Man betrachte dazu das autoritäre Verhalten der Staaten USA und Israel, das auf Angst und andere Negativa gegründet ist und jeweils vom eigenen Volk jubelnd unterstützt wird. Dieses Verhalten kann nur deshalb bestehen, weil der Diskurs unter einer öffentlichen Glocke geführt wird, die sich durch die Fehler der gegnerischen Gruppe argumentativ absichern kann, dies aber nicht einmal muss, weil der Verweis auf die nationale Sicherheit ausreicht. Zur Illustration ein Zitat von Ephraim Kishon aus der taz vom 23.8.2002 als Reaktion auf Herrn Blüms Israelkritik: "Wer nicht einsieht, dass dieses winzig kleine Land Israel, von 21 feindlichen Ländern umgeben, nur um sein Überleben kämpft, der ist ein Antisemit." Die USA argumentieren inzwischen genauso, und weitere Staaten werden folgen, wenn dem kein Ende gesetzt wird.

Meine Primärkritik gilt den Supermächten, das ist eine Sache des Respekts, soll aber keineswegs davon ablenken, dass der Osten ebenfalls nicht der alleinige Besitzer von Nathans Ring ist, siehe zum Beispiel Essay 4,
"Der muslimische Aberglaube".

Das prägnanteste Beispiel für die Divergenz der In-Group-Diskurse ist der Vergleich mit Hitler und den Nazis. Wer Scharon mit Hitler vergleicht, bekommt auch mit israelischen Friedensgruppen Ärger, wer Bush mit Hitler vergleicht, ist im parlamentarischen Diskurs in Deutschland nicht tragbar, ebenso wie jemand, der den Israelis Nazimethoden nachsagt. Wer dagegen Saddam oder Bin Laden oder auch Herrn Möllemann mit Hitler vergleicht, hat nichts (aber auch gar nichts) zu befürchten. Das liegt daran, dass im westlichen Diskurs Hitler für das absolut unvergleichliche Böse steht und damit für die Mutter aller Beleidigungen, während der Osten darauf hinweist, dass Hitler aus Westeuropa stammt und aus der stabil wirkenden Weimarer Demokratie erwachsen ist, in Zeiten einer Wirtschaftskrise. Auch der Imperialismus und der Kolonialismus wird in den entsprechenden Geberländern weitaus freundlicher bewertet als in den Nehmerländern.

Dies sind Punkte, die zur Vorbereitung eines internationalen, der Epoche des Internet angemessenen, Diskurses erörtet werden und auf einen Nenner gebracht werden müssen. Aus diesem internationalen Diskurs - der sich in diesen Jahren in natürlicher Weise formiert - erwächst die Weltkultur.

- Weltgeschichte -

Als die Abbasiden-Dynastie im Jahre 750 die umaiyadischen Kalifen ablöste und Bagdad erbaute, schrieb sie die arabisch-islamische Geschichte neu auf, wobei das Bild entstand, dass die Abbasiden die bessere Dynastie für die Muslime sei. Lässt man einen US-Amerikaner und einen Indianer die Geschichte der Entstehung der Vereinigten Staaten schreiben, so wird man auch hier auf unterschiedliche Schwerpunkte und Einschätzungen stoßen. Diese Unterschiede machen auffindbar und messbar, an welchen Stellen und aus welchen Gründen Diskurse, ganz besonders nationale Diskurse, miteinander nicht kompatibel sind.

Wenn eine Nachrichtenagentur beispielsweise vom "Palästinensischen Holocaust" spricht, dann ist bereits klar, dass hier eine In-Group angesprochen wird, denn keine etablierte deutsche oder amerikanische, geschweige israelische, Zeitung würde so etwas schreiben oder auch lesen. Auf der israelischen Seite wiederum ist es die Sicherheits-Paranoia, die - weil sie auf Kosten der Palästinenser und Araber geht, und weil sie auf dem Dogma der bevorzugten Rolle der Juden zu Gott, unserem Schöpfer, aufbaut ("auserwähltes Volk") - jede Bereitschaft der Out-Group zum Zuhören im Keim erstickt. Der notwendige Dialog zwischen West und Ost, zwischen Juden und Arabern, zwischen Männern und Frauen und zwischen den Generationen kann nur erfolgreich sein, wenn die gemeinsame Geschichte der gegnerischen Parteien nach einheitlichen Kriterien untersucht und bewertet wird. Dies kann nur in der Weltkultur geschehen, weil sich die streitenden Parteien im globalen Dorf ständig über den Weg laufen, und weil sie ständig mit dem Diskurs der Anderen konfrontiert werden. Weil sie dazu gezwungen sind.

Wie also steht es mit den globalen Werten des 21. Jahrhunderts? Worum geht es? Im Grunde geht es um nichts anderes als das, wofür die UNO steht. Der Grund für das Mauerblümchen-Dasein der UNO liegt darin, dass die Gleichheit unter den Menschen zwar auf dem Papier steht, dass sie aber in den In-Group-Diskursen dadurch unterminiert wird, dass "Mensch" wesentlich mit "In-Group-Mensch" assoziiert wird, und dass die anderen Leute keine wirklichen Menschen darstellen. Anders als durch Rassismus ist überhaupt nicht zu erklären, dass beispielsweise die Palästinenser nur verminderte Menschenrechte haben und dass sie auch keine Nutznießer der Genfer Konventionen sein dürfen. Dies ist einzig auf ihre Rasse gegründet. Auch das Leben eines Kurden ist faktisch weniger wert als das eines Türken, und das Leben eines Tschetschenen ist weniger wert als das eines Russen.

Im internationalen Diskurs aber werden die Kurden als Kurden sprechen, vielleicht sogar in ihrer eigenen Sprache, und die Türken können es ihnen nicht mehr verbieten, weil sie das Internet nicht zensieren können. Viele Länder im Osten bemühen sich darum, die Macht des Internets durch Zensurversuche zu verhindern, jedoch ist absehbar, dass dies nicht möglich ist. Es mag technisch sogar funktionieren, die neue Art der Öffentlichkeit aber lässt sich nicht verhindern. Das epistemologische System, in dem die Öffentlichkeit nicht nur von oben, sondern auch von unten gesteuert wird.

- Zivilisationskritik -

Neben der Affektkontrolle, der Gewaltsublimierung und dem technischen Fortschritt gibt es einen Faktor, der im 21. Jahrhundert definitiv zum Repertoire der Zivilisation gehört, nämlich den toleranten Umgang mit Out-Groups. Dies geht nur, wenn man die Menschlichkeit der Out-Group anerkennt, wenn man also sich selbst als Mensch sogar in der Out-Group wiedererkennen kann. Der Wert also, der die oft hermetischen In-Group-Diskurse auf einen gemeinsamen, globalen Nenner bringen kann, ist der Wert der Menschlichkeit im Ur-Sinne: den anderen als gleichwertig zu erkennen, auch wenn er nach einem fremden Buch betet, denn er ist Mensch mit all seinen Bedürfnissen und Leidenschaften, mit seinen Stärken und Schwächen, seinen Bindungen, Wünschen und Ängsten. Und dies ist für uns alle gleich, ob wir nun Peruaner sind oder Schweden, Kenianer oder Australier.

Die menschlichen Gesellschaften bewegen sich nach einander ähnlichen Mustern in zivilisatorischen Prozessen. Fast immer treffen wir dabei auf Selbstbestätigung durch Abgrenzung: Der europäische Adel setzte sich durch seine Umgangsformen bewusst vom einfachen Volk ab und hielt sich menschlich für etwas Besseres, viele Völker - auch Römer, auch Araber - hatten menschliche Sklaven, gegen die sie gut aussehen konnten, auch hat der weiße Mann der Urbevölkerung diverser Kontinente ihr Land weggenommen im Bewusstsein, menschlich mehr wert zu sein als die Kultur mit der niedrigeren Zivilisationsstufe. Ein Irrtum, der bis heute in seiner Gesamtheit nicht als solcher zum Kollektivwissen gehört. Die Deutschen trieben den Rassismus dann mit den Nazis auf die Spitze, und ihr Scheitern ist allgegenwärtig. Diese Selbstbestätigung durch Ablehnung einer anderen Gruppe ist wegen der Nichtverarbeitung der Nazizeit noch nicht überwunden. Auch heute noch brauchen beispielsweise die Linken die Rechten, um sich definieren zu können, die Israelis brauchen die Palästinenser als Feind und den Druck der Weltgemeinschaft, um weiterhin leiden zu können und legitime, nach Sicherheit strebende, sie aber aus mysteriösen Gründen nicht erreichende Israelis zu sein. Bush braucht Saddam, um von Amerika abzulenken, und so weiter.

Diese Faktoren, die wie Perlen an einer Schnur erscheinen würden, sobald die UNO oder eine andere globale Instanz eine Weltgeschichte schreiben würde, zeigen uns, was nicht in Ordnung ist in dieser Welt. Die tolerante Weltkultur des 21. Jahrhunderts misst die einzelnen Kulturen an deren individuellen Standards, wofür ein Wissen vonnöten ist, und sie ordnet dieses Wissen in ein Gefüge von zivilisatorischen Koordinaten ein, (was in diesem Essay nicht geleistet werden kann), die für alle Gruppen gleich gelten.

- Kooperation für den Frieden -

Die Weltkultur ist keine Projektion, kein Wunschdenken. Sie ist im Entstehen begriffen, und auf der ganzen Welt gibt es Menschen, die hier eine Chance sehen, um über Länder- und Kulturgrenzen hinweg eine übergeordnete Öffentlichkeit zu entwickeln, die die In-Group-Diskurse sprengt und die allgegenwärtigen In-Group-Arroganzen entlarvt. Wenn es eines gibt, das die Menschen über alle Grenzen hinweg brauchen, dann ist das Frieden. Und wenn es ein anderes gibt, das die Menschen dafür benötigen, dann ist das Kooperation. Dies sind Werte, die jede Kultur kennt und schätzt, und angesichts der Internationalität und des Erkennens dieser Werte entsteht hier eine ganz neue In-Group. Attac als globale Gruppe ist nur eine Ahnung davon.

Dies, so möchte ich provokativ behaupten, ist der Fortschritt. Die Weltkultur. Sie bahnte sich an mit dem Fernsehen und der als integratives Moment weit unterschätzten Popmusik (Elvis, Beatles). Diese (multikuturelle) Weltkultur stellt sich nicht gegen die Souveränität von Staaten, sondern sie schafft etwas eigenes, etwas, das sie nicht durch den Wunsch nach Kontrolle gewinnt, sondern durch den Wunsch nach Gleichberechtigung in der Menschenwürde.

In der Kneipe kann man sich mehr Sprüche erlauben als in einem offenen Medium, wo jeder zuhören kann. Rassismus kann es nur dort geben, wo die In-Group-Diskurse dicht, hermetisch sind, wo kein Unparteiischer zuhören kann, der den Überschwang für die betreffende Gruppe nicht teilt. Auch die nationalen Diskurse werden sich in dieser Welt verändern. In Deutschland beispielsweise hat sich seit Hegel, vor allem aber im späteren politologisch-soziologischen Diskurs, eine auf Arroganz beruhende Sprachverwendung durchgesetzt, in Form von unlesbaren, vor Fremdwörtern und Schachtelsätzen triefenden, Aufsätzen und Büchern. Dies hatte zur Folge, dass deutsche Geisteswissenschaftler weitaus weniger als in früheren Jahrhunderten am internationalen Diskurs teilnahmen. So habe ich viele Menschen kennen gelernt, die Deutsch wegen Hesse, Wittgenstein, Freud oder Nietzsche, aber niemanden, der Deutsch wegen Adorno oder Habermas gelernt hätte. Besonders ihr Hang zum akademischen Leiden hat die Deutschen weitgehend aus dem Rennen gebracht: Wer will schon einen deutschen Fußnoten-Soziologen in eine andere Sprache übersetzen?

Kooperation für den Frieden heißt Abkehr vom Lagerdenken und Zuwendung zum Menschen, der in jeder Kultur und auf jeder Zivilisationsstufe gleich in der Würde ist. Die Sprengung der Hinterm-Ofen-Hocker-In-Group-Diskurse wird einige Wahrheiten ans Tageslicht bringen, die unangenehm sind. Nicht nur für den Westen, aber für den in erster Linie. Wir werden neue Riten brauchen, um endlich mit historischer Schuld umzugehen zu lernen, denn das können wir nicht, nicht im Westen und auch nicht im Osten.

(Unfang: 22.500 Zeichen)

World Culture and Civilization
Anis Hamadeh, October 14, 2002
Abstract

Content: The 21st Century - Questions of Definition - The Problem of Discrimination - Values - The International Discourse - World History - Critique of Civilization - Cooperation for Peace




- The Twenty-First Century -

For fifty years we have been living with the TV which has changed our consciousness. It was a revolution, because it created - together with the radio - a new kind of public. Before, there were newspapers and even before there was typography which had led to comparable mass psychological changes. Today it is the internet that progresses on this path. What in earlier times had been the encyclopedia is the searching machine today, and while in earlier times we had a frontal public, today everybody, in principle, can participate to a much wider extend in the public discourse and co-create it, and this is also what the internet is about.

One of the effects of the internet that can be detected today already is that it has become more and more difficult to keep things of social interest secret. Think of the high amount of witness reports from Palestine, for example, which can be spread with high speed, much differently from the way it was possible about ten years ago.

The twenty-first century differs from the preceding centuries principally in its democratization of the public through the internet. Moreover, after September 11 it became clear that the societies of the world all have very similar problems and that they, in order to reach peace, have to cooperate. A world culture thus is in the making, a shared international discourse, in which the Asians take part like the Europeans do, and the Africans like the Americans.

TV has always conveyed to us the feeling that we understand the world and that the world is calculable. Rituals like the evening news have fixed the idea that the world, even though it seemed to not be in order, still in a way remained under control. We all subconsciously held the TV experiences to be translations of the world affairs, translations into our languages, produced by friendly people who, with warm voices, served us explanations, impressions, and background information, thus sparing us work. People who were entertaining and who gave us security with the ritual.

The internet has changed this discourse and this mentality essentially. Today you can get an overview over the topics of the daily press within thirty minutes, and you do not even have to leave the house for it. Moreover, you can easily and systematically google the issues of the day or of the month and in this way collect and analyze a variety of information and opinions. To a much greater extend than in TV you will find colliding discourses in the same medium. Here, everybody can expose themselves and their opinions, and there is no censoring entity, as long as the law is not violated, e.g. through the glorification of violence.

In this fertile soil grows world culture. For in no other medium the individual group discourses (families, companies, parties, societies, cities, countries, cultures etc.) are so close together, and nowhere else become the discrepancies between the individual groups so clear, discrepancies which mostly are harmonized away in the medium TV in order to not endanger the entertainment commission of the medium.

The countries are waking up from a sort of provinciality and they are moving from the Lindenstrasse (German soap) onto the data highway. The boundaries between the discourses are softening, even language boundaries have never been so soft as today, where the English language became the natural internet language. Many German homepages, for example, today already contain English presentations, and they are increasing in number, because the internet is the first real international mass medium in the history of mankind. Without wanting to deny the deeds of Alexander the Great I do confirm that, if you want to talk about a world culture, you can meaningfully do so only since the twenty-first century.




- Questions of Definition -

You can tell that a world culture has not yet been created by the difficulties in translating central concepts like "culture", "civilization", and "discourse" into other languages. German "Kultur" is something different from British "culture", and "Zivilisation" is different from "civilization". Concerning the term "discourse", it springs from the western, scientific-critical tradition and has no natural pendant in Arabic, although the Arabs certainly have discourses and also concepts for it. On the other hand, Arabic, with terms like "thaqaafa" and "hadaara" has concepts for culture and civilization, which by all means can be set into a relation and comparison with the western ones.

In order to talk about a world culture meaningfully, it is necessary to harmonize the language and to bring it on a common level, be it through definitions or through the introduction of new termini technici. For this purpose, let us stay with the concepts "Kultur/culture" and "Zivilisation/civilization", which permeate each other, and which seem to be the most essential concepts. As the essay at hand is written in two languages, it must be explained what the subject matter precisely is, and for what reason.

In the book by Norbert Elias "On the Process of Civilization", that I often mention, there is the concept of civilization that I refer to. It is characterized by the progressing control of emotional states (Affektkontrolle) and thereby generating a sublimation, substituation, and monopolization of violence. Norbert Elias showed in this standard book with many examples out of the German and the French culture that societies are situated in civilizatory processes that to a certain extend can be measured, so that one can speak of levels of civilization.

Very similar is the Arabic concept "hadaara" in the historian and philosopher Ibn Khaldun (died 1406), as used in his famous "Muqaddima": Ibn Khaldun speaks about cycles of reign that can be described in a general way, similar to the life-cycles of man. For him, civilization starts with agriculture and ends with the sciences, in which the arts are contained.



- The Problem of Discrimination -

To be able to discover and to describe a world culture it needs an overall measure, so that the individual cultures can be compared. A general concept of civilization can achieve that, I believe. The point is to be able to contradict people who say, for example, that the Islamic culture is incompatible with the western culture, habitually referring solely to the otherness of this culture, without that this behavior would be considered indecent in the public discourse.

When we say here that the cultures and subcultures of this impending world culture can be conceived, described, and partly measured with the same instruments, and when we further want to systematize this in a dynamic theory, like Norbert Elias, who formulated such a theory in a rather clear way, then we will have to confront ourselves with the reproach that it contradicts the equality principle to settle cultures on different civilizational levels in a way that it gives the impression as if some cultures would stand "above" and others "below". Sensitive contemporaries will - as I know them - also associate concepts like "super-/sub-humans" or forms of national or racist superiority into this thought and rather look for alternatives.

Yet it is the equality principle that is the aim here, and an awareness of equality can be created with the tool of a critique of civilization. On the contrary, the concept of civilization does equalize the factually existant discriminations of cultures that generally are merely measured by their technologies and their gross national products, and this not even openly. Furthermore, there is by all means an awareness in the inhabitants of e.g. Africa and Asia about the notion of progress, and about that they - contrary to the West - have not or not yet reached certain social transformations.




- Values -

In order to speak meaningfully about a world culture it needs superposed values that are valid for every culture. To the main issues therefore belong the questions of how the process of civilization is to be assessed, and: what is progress?

We have entered a time in which the economic markets are largely opened and exploited and not growing like in the fifties. A time in which the potential of realizing technical developments has reached its natural bounderies, too. In space research, for instance, there are many more things possible than effordable. Neither does the control of emotional states need further revolutionary accomplishment, as it also reached and reaches natural boundaries, like the legitimate counter-call for the value of naturality, as it was used by Rousseau, and after him by many people.

So progress does not mean that the economic markets are continuously growing, it does not mean to design the ultimate computer, and further progress in the control of emotional states is doubtful, as it harbors the danger of over-civilization, of alienation, and of social coldness.

Let us take a look at the two major groups in the culture struggle, the democratic West and the Arab-Islamic East. The West refers to its civilizatory achievements, mainly the civil rights. Often we also find the argument that civil public affairs are separated from affairs of belief, differently from the East. This, according to the main scenario in the West, has brought us to prosperity and technological superiority.

The self-understanding of the West bases on the equalistic assumption that other cultures - e.g. the Arab-Islamic - will move into the same, allegedly progressive, direction, if they only took the same civilizatory development. This assumption is false insofar as the unjustifiedly so-called "prosperity" of the western countries necessarily caused and still causes the pauperization of other countries.





- The International Discourse -

It is a lie that the mentality of the West is based on the equality of the people in the world and that it is a refuge of freedom and openness, full of human rights and tolerance and prosperity for all. It becomes more and more difficult to hush up this lie, because the cultures have approached each other and stand very close to each other now. Neither do the presidents Sharon and Bush evoke much applause outside their own groups concerning their policy and its relation to the thesis of human equality and the human right in the democratic world. It is the Europeans who today can understand the suspicion of the Arabs and Muslims so well in the meantime that a new discourse is possible.

Within their own groups, opinion leaders on all sides of the culture struggle can make discriminating decisions, and it will not lead to disadvantages. Consider the authoritarian behavior of the states USA and Israel, which is grounded in fear and other negative things, and which is hailed by the respective in-group people, and supported. Such a behavior can only prevail, because the discourse is led under a public cheese-cover, protected in argument by the mistakes of the opponent group, but not even needing that, for the reference to the national security suffices. As an illustration, here is a quote of the Israeli satirist Ephraim Kishon out of the German tageszeitung from 23 August 2002, as a reaction to the politician Blüm's criticism of Israel: "Who does not see that this tiny little country Israel, surrounded by 21 hostile countries, is only struggling for its survival, is an anti-Semite." The USA by now uses the same line of argument, and other states will follow, if this is not to stop.

My primary criticism is devoted to the superpowers, this is a matter of respect. It should not, anyway, distract from the fact that the East as well is not the sole keeper of Nathan's ring, see for example Essay 4,
"Muslim Superstition".

The most striking example for the divergence of the in-group discourses is the comparison with Hitler and the Nazis. Who compares Sharon and Hitler will get into trouble also with Israeli peace groups, who compares Bush and Hitler is not bearable in the parlamentary discourse in Germany, neither is someone who speaks of Nazi methods of the Israelis. Who, on the other hand, compares Saddam or Bin Laden or also Herr Möllemann with Hitler, will have nothing (no, nothing) to fear. The reason for this is that Hitler in the western discourse stands for the absolute evil and thus is the mother of all insults, while the East points to the fact that Hitler was a son of Western Europe and that he emerged out of the solid seeming Weimar democracy, in times of an economic crisis. Imperialism and colonialism, too, are assessed in a much more friendly way by the respective donor countries, than by the recipient countries.

These are elements which have to be discussed and brought on a common level, in preparation of an international discourse that fits the era of the internet. Out of this international discourse - which is constituting in these years in a natural way - grows the world culture.


- World History -

When the Abbasid dynasty in the year 750 won over the Umaiyad caliphs and built Baghdad, it re-wrote Arab-Islamic history, bringing in the impression that the Abbasids were the better dynasty for the Muslims. If you had a US-American and a native Indian American write down the history of the genesis of the United States, you would also notice differences in the respective highlighted aspects and in the general evaluation. These differences help to find and to measure the incompatible spots in the discourses, especially in the national discourses, and to find the reasons for these incompatibilities.

When, for example, a news agency talks about the "Palestinian Holocaust", then it is clear already that here an in-group is addressed, for no established German or American, and certainly no Israeli, newspaper would write such a thing or even read it. On the Israeli side there is the security paranoia which - because it is at the expense of the Palestinians and Arabs, and because it is founded on the dogma of the preferred role of the Jews toward God, our creator ("chosen people") - stifles every kind of readiness to listen to the out-group. The necessary dialogue between the West and the East, between Jews and Arabs, between men and women, and between the generations, can only be successful when the shared history of the adversary parties are investigated and evaluated with standard criteria. This can only happen in a world culture, because the fighting parties continuously meet in the global village and continuously are confronted with the discourse of the other party. Because they are forced to.

So what about the global values of the twenty-first century? What is the call? Actually, we do not talk about anything else than what the UN stands for. The reason for the wallflower existance of the UN is that the equality of people may be written on a paper, but it is undermined in the in-group discourses by their strong association of "people" with "in-group people" and that other people are not considered to be real human beings. There is no other explanation at all than racism, if you e.g. want to explain why the Palestinians only have limited human rights and that they may not profit from the Geneva Conventions, either. This is only because of their race. The life of a Kurd, too, is factually less in value than that of a Turk, and the life of a Chechenian is less in value than that of a Russian.

Yet in the international discourse the Kurds will speak as Kurds, maybe even in their own language, and the Turks cannot prohibit it to them anymore, because they cannot censor the internet. Many countries in the East are trying to prevent the power of the internet by attempts of censoring, but it is forseeable that this won't be possible. It may even be possible technically, but the new kind of public cannot be prevented. The epistemological system, in which the public is not only regulated from above, but also from below.




- Critique of Civilization -

Next to the control of emotional states, the sublimation of violence, and technological progress, there is another factor that, in the twenty-first century, definitively belongs to the repertoire of civilization, and that is the tolerant behavior toward out-groups. This works only if the humanity of the out-group is acknowledged, i.e. when you can see yourself as a human being even in the out-group. So the value that can bring the in-group discourses, which often are hermetic, on a common, global level, is the value of humanity in its basic sense: to acknowledge the other as an equal, even if they pray according to a foreign book, because they are human beings with all their needs and passions, with their strenghts and weaknesses, their relations, wishes, and fears. And this is the same for all of us, no matter if we are Peruvians or Swedes, Kenians or Australians.

Human societies develop in similar patterns and civilizatory processes. Almost in every case we find a self-affirmation of the group by demarcation from others: with their manners, the European aristocracy consciously defined itself against the simple people and thought of itself as something better humanwise. Many people - also Romans, also Arabs - had kept human slaves, compared to whome they would look good. The white man, too, took away the land of the native peoples on diverse continents, in the awareness that he is a more valuable human being than the culture on the lower civilizatory level. An error which until today does not in its whole scope belong to the collective knowledge. The Germans then had racism taper off, and their failure is omnipresent. This self-affirmation through the rejection of another group is not yet overcome, due to the lack of mastering the Nazi period. Today still, the left-wingers, for example, need the right-wingers to find a definition for themselves, the Israelis need the Palestinians as an enemy and the pressure of the world community, in order to continue suffering and thus being legitimate Israelis, aiming at security, but not getting it for mysterious reasons. Bush needs Saddam to distract people from thinking about America, and so on.

These factors would appear like perls on a string, as soon as the UN or another global entity would write a world history. And they show us what it is that is not in order in this world. The tolerant world culture of the twenty-first century measures the individual cultures by their inherent standards, for which a knowledge is needed, and it classifies this knowledge in a structure of civilizatory coordinates (, which cannot be elaborated in the essay at hand), valid in the same way for all groups.



- Cooperation for Peace -

The world culture is not a projection, no wishful thinking. It is in the making, and all over the world there are people who see a chance here for developing a superposed public, crossing the barriers between countries and cultures. A public that bursts the in-group discourses and that unmasks the omnipresent in-group arrogances. If there is something that the people need everywhere, then it is peace. And if there is another thing that people need to achieve it, it is cooperation. These are values known to and appreciated by every culture, and in view of the internationality and the recognition of these values a new in-group comes into being here. Attac as a global group is only a fore-runner.

This is progress, I want to claim provocatively. World culture. It started with the TV and with pop music, a widely underestimated integration factor (Elvis, Beatles). This (multi-cultural) world culture does not work against the sovereignty of states, rather it creates something new, something that is not reached with the wish of controlling things, but with the wish of equality in human dignity.

In a bar, one can use more loose talk than in an open medium, where everybody can listen. There can only be racism where the in-group discourses are uptight and hermetic, where no judge, who does not share the enthusiasm for the respective group, can listen. The national discourses, too, will change in this world. In Germany, for example, a use of language has prevailed that is based on arrogance, since Hegel that is, but most of all in the later politological-sociological discourse. It comes along in the shape of unreadable essays and books that are soaking with foreign words and twisted sentences. As a result, German scientists in the humanities participated much less than in previous centuries in the international discourse. So I have met many people who learnt German for Hesse, Wittgenstein, Freud or Nietzsche, but nobody who learnt German for Adorno or Habermas. Especially their tendency toward academic suffering has got the Germans out of the race to a great extend: who wants to translate a German footnote-sociologist into another language?

Cooperation for peace means the renunciation of camp thinking and it means to turn to the human being who in every culture and on every civilizatory level is equal in dignity. The burst of the sitting-behind-the-warm-oven-in-group-discourses will bring some truths to daylight that are uncomfortable. Not only for the West, but for the West in the first place. We will need new rites to finally learn to deal with historical guilt, because this is what we are unable to do, both in the West and in the East.

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