home   english   sitemap   galerie   artclub   orient online   jukebox   litbox   termine   shop   my journalism   essays   guest essays
GASTESSAY (6)
Die Schlacht um die Olive
von Danny Adino Ababa, Meron Rapaport und Oron Meiri
Januar 2003

Ababa, Rapaport und Meiri sind Reporter von "7 Days", der Wochenend-Beilage der Zeitung "Yediot Aharonot". Sie haben sich eine Woche lang den Siedlern in deren Raubzug durch die palästinensischen Olivenhaine angeschlossen. Sie haben Unternehmer aufgedeckt, deren Arbeit entlang "Grünen Grenze" darin besteht, dass sie alte Olivenbäume, die den Palästinensern gestohlen wurden, für teures Geld verkaufen. - Ergänzend der Text "Entwurzelt".

OLIVENRAUB

Ein "7 Days"-Reporter hat eine Zeitungsannonce beantwortet, um als einfacher Arbeiter bei der Olivenernte der Siedler mitzuhelfen. Mit dabei waren Siedler-Jungens, die sich damit brüsteten, auf arabische Häuser geschossen zu haben. Vorstandsmitglieder der Siedlungen gaben den Erntearbeitern "grünes Licht", um in von den Palästinensern "aufgegebenen" Terrains zu arbeiten. Der Sicherheitsbeamte einer der Siedlungen ging noch einen Schritt weiter: Er schlug vor, die Oliven der Palästinenser zu pflücken und sie danach zu zwingen, die Ernte zurück zu kaufen. Sollte ein Palästinenser sich weigern, auf den Handel einzugehen, würden seine Bäume zerstört. Zur selben Zeit haben israelische Unternehmer entlang dem "Trennungszaun" Hunderte entwurzelter Bäume aufgeladen und sie zu Baumschulen in Israel geschmuggelt. Solch ein gestohlener Baum kann für 600 bis 25.000 (!) Shekel verkauft werden. So wird die schmutzige Schlacht um die Olive ausgetragen - Dunam um Dunam, Baum um Baum, Kanister um Kanister.

Als die Schiesserei begann, merkte ich, dass es dies mal ernst war. Im Auto sassen ausser mir: Yair Shalev, mein neuer Boss, Shani, die begeisterte Soldatin mit dem M16 Gewehr und zwei Siedler-Jungens, die uns vor 10 Minuten bei Kedumim gestoppt hatten. Das waren nicht unbedingt Menschen, mit denen ich meine letzten Augenblicke hätte verbringen wollen. Ich konnte mir schon die Schlagzeilen vorstellen: "Fünf Siedler bei der Piraten-Olivenernte getötet", und darunter kleingedruckt: "Einer der Getöteten war ein als Arbeiter getarnter Reporter."
Aber schliesslich kamen wir davon. Die Kugeln flitzten am Auto vorbei. Ich beschleunigte wie verrückt, und irgendwie schafften wir es. Als wir beim Hauptquartier in Kedumim anhielten, bemerkten wir, dass Shani Schnittwunden durch Glasscherben erlitten hatte. Sie war hysterisch. Nicht etwa wegen des Blutes, sondern aus Angst, dass ihre Vorgesetzten herausfinden würden, dass sie während ihres Urlaubs mitsamt ihrer Waffe in die Besetzten Gebiete gegangen war, um den Siedlern bei der Piraten-Olivenernte zu helfen. S. und H., die beiden jungen Siedler, litten unter Schock. Die Leute vom Shabak (Geheimdienst) fragten, ob wir den Terrorist identifiziert hätten und erwähnten etwas von "heissen" Warnungen. Niemand fragte, was diese komische Bande überhaupt in einem Olivenhain in der Nähe von Nablus zu suchen hatte. Schliesslich ist das unser Land.
In jener Woche, als sich Avi Dichter, Chef des Sicherheitsdienstes, in der Knesset beklagte, dass es seine Leute noch nicht geschafft hatten, die Reihen der jungen Siedler zu infiltrieren (gemeint sind die "Hügel-Kids", die in den Samaria-Hügeln die Doktrin der Siedler praktizieren), dass diese jungen Gangster zu extrem, zu unorganisiert seien, dass für sie das Gesetz keine Gültigkeit habe, saßen S., H. und ich in unserem Trailer auf einem Hügel in der Nähe des Siedlung Einav, erfroren fast und erzählten von unseren Erlebnissen. Genauer gesagt: die Beiden erzählten, und ich hörte zu.
S. und H. sind noch keine 18, aber sie haben schon allerhand geleistet. Sie erzählten mir, wie sie mit Waffen der israelischen Armee auf arabische Häuser bei Sa-nur schossen, wie sie palästinensische Olivenpflücker in der Nähe der Siedlung Yitzhar mit Steinen bewarfen und wie sie bezahlt wurden, damit sie Daniella Weiss (rechts-extremistische Siedler-Führerin) bei der Verbarrikadierung im Aussenposten bei Gil'ad nicht allein liessen. Ich war der blauäugige Anfänger und sie die Veteranen. Es ist ganz einfach, erklärten sie: "Die Araber wollen nahe einer Siedlung ihre Oliven pflücken. Entweder nimmst du ihnen die Oliven weg, oder du pflückst sie selber, oder machst ihnen die Bäume kaputt. Sobald du ihnen ein- oder zweimal ihre Oliven wegpflückst, kommen sie nicht wieder."
Während der Woche meiner eigenen Piraten-Olivenernte in der West Bank entdeckte ich so manches, von dem mir S. und H. nichts erzählt hatten. Zum Beispiel habe ich entdeckt, dass sich, ausser den heissblütigen "Hügel-Kids", höchst ehrbare Siedlungsbewohner an den Raubzügen in den Besetzten Gebieten beteiligen. Ich habe herausgefunden, dass Autostopper als Arbeiter angeheuert werden, dass im Internet, im Unterricht für frisch-bekehrte Juden, in Yeshivas (ultra-orthodoxe Schule für Männer zum Studium der Tora) geworben wird, und dass Zonen, die für die Piraten-Ernte bestimmt sind, vom Siedlungs-Vorstand persönlich in der Nähe der Siedlung bestimmt werden.
Ich habe auch herausgefunden, dass die meisten Oliven zu der Ölpresse in dem illegalen Aussenposten Ahiya geschickt werden. Eine wahrlich schockierende Entdeckung war, dass einige Siedler an einem neuen Geschäft beteiligt sind: Sie ernten die Oliven der Araber und bieten sie diesen zum Rückkauf an. Es gibt sogar einige, die den Palästinensern drohen, die Bäume in ihren Olivenhainen zu zerstören , falls sie die Oliven, die für sie von den Siedlern geerntet worden waren, nicht kaufen. Ein unwiderstehliches Angebot....
Während ich die Industrie des Oliven-Raubzugs im Herzen von Samaria dokumentierte, machten zwei Reporter von Yedioth Aharonot - Meiron Rapaport und Oron Meiri - Marktforschung in Baumschulen im Herzen Israels. Sie entdeckten dort eine andere, nicht minder hässliche Art des Plünderns. Es scheint, dass Unternehmer, die den Trennungszaun bauen, Tausende Bäume ausgraben, die Palästinensern gehören, deren Land beschlagnahmt worden war. Solch ein Baum kann zwischen 600 und 25.000 (!) Shekel kosten. Das Verteidigungsministerium hat ausdrücklich angeordnet, dass die Bäume dorthin zu transportieren seien, wo sie vom rechtmässigen Besitzer wieder angepflanzt werden können. Statt dessen verkaufen einige dieser Unternehmer die Bäume an Baumschulen in Israel. Ganze Olivenhaine sind auf diese Art verschwunden, und Hunderttausende Shekel in bar verdient worden - und alles mit stillschweigendem Einverständnis der Zivilverwaltung.
Für die Palästinenser und für die Israelis ist die Olive mehr als ein Baum. Es ist kein Zufall, dass der Olivenbaum das Wahrzeichen sowohl der Golani-Infanteriebrigade als auch des palästinensischen Dorfes Zeita ist. Sie leben von den Oliven, und wir dichten Friedenslieder über die Taube mit dem Olivenzweig. Aber wenn all das Geschilderte tatsächlich in unserem Namen mit den Oliven geschieht - dann sei Gott der Taube gnädig.

Rekrutierung

"Volontäre für Farmarbeit in Samaria" lautete die Überschrift im Forum "Hebräische Arbeit" im Internet. Diese Website, erstellt von den Gefolgsleuten von Moshe Feiglin, offeriert eine Liste von Unternehmen, die nur Juden beschäftigen. Feiglin ist der Vorstand der rechts-extremen Bewegung "Su Arzeinu" (Dies ist unser Land), die momentan bestrebt ist, die Likud-Partei zu erobern. Der Staatsanwalt Elyakim Rubinstein hat gedroht, die Website-Besitzer wegen Vergehens gegen das Anti-Rassismus-Gesetz zu belangen, und darauf haben sie ihren Ton etwas gemildert. Hier ist der Text der Anzeige:
"Mit Gottes Hilfe,
Menschen werden gesucht, die bei der Olivenernte im Oktober-November mithelfen. Gearbeit wird an verschiedenen Orten in Samaria von Einav im Norden, Karnei Shomron, Imanuel, bis Shilo im Süden. Es werden auch bewaffnete Sicherheitswächter gesucht, sowie Personen mit Auto, um Leute, Oliven etc. von und zu den Feldern zu transportieren.
Ich kann einen Teil dieser Arbeit bezahlen, jedoch nicht die Unterkunft und Verpflegung. Jeder Interessierte, sei es als Volontär oder als bezahlter Arbeiter - ich brauche dich. Und je länger du bleiben kannst, desto besser. Die Olivenernte dauert mindestens von Mitte Oktober bis Mitte November.
Es ist von grösster Wichtigkeit, nicht nur ganz allgemein den Siedlungen in Samaria Hilfe zu leisten, sondern die jüdische Landwirtschaft durch jüdische Arbeitskräfte zu unterstützen. Die Farmprojekte der Siedlungen bilden eine Pufferzone um die Aussenposten, die lebenswichtig für unsere Sicherheit sind und den Feind von uns fernhalten.
Unterzeichnet: Yair Shalev, Shilo. Tel. 02-9400054, 053-492217."

Am Telephon sagt mir Yair Shalev, dass er wirklich Arbeiter für die Olivenernte sucht. Ich stelle mich als Absolvent einer Yeshiva vor (das stimmt wirklich), einer der das Land Israel liebt (das stimmt auch), und der Geld braucht (das stimmt immer). Shalev betont sein Interesse und schlägt vor, sich in Jerusalem zu treffen. Ein bescheiden wirkender Mann, nicht sehr gross, Brille mit dicken Gläsern, nachlässig gekleidet, spricht mit amerikanischem Akzent. Er erzählt, dass seine Frau bei einer Hi-Tech-Firma in Jerusalem arbeitet. Sie hat ein Auto, das ihrer Firma gehört, und er braucht einen Chauffeur, der ihn während der Olivenernte herumfährt. "Ich habe keinen Führerschein. Als ich jung war, hatte ich kein Geld dafür, und jetzt fehlt mir die Zeit" sagt er. Auf der Fahrt nach Karnei Shomron fragt er mich aus über die Yeshiva, die ich besucht hatte, von wo ich kome, welche Rabbiner in Judäa und Samaria ich kenne und - das war ihm sehr wichtig - wie ich von dieser Arbeit erfahren habe. "Durch das Internet" sage ich. "Und ein Freund hat mir davon erzählt." Shalev freut sich darüber. "Viele Leute rufen an wegen der Anzeige im Internet", sagt er. "Und Leute schicken ihre Freunde". Die Namen der Rabbiner, die ich erwähne, scheinen ihm zu gefallen, und meine äthiopischen Wurzeln sprechen auch für mich. Er erzählt, dass einer seiner Freunde im Golan jüdische Äthiopier beschäftige, und dass sie die besten Arbeiter seien. "Ich will dich gross rausbringen" sagt er. "Du wirst einen Haufen Geld verdienen. Du kommst mit mir zu allen Besprechungen in den jüdischen Siedlungen in Samaria und Judäa". Und das blieben keine leeren Worte.

Die Methode

In der Woche, in der ich Shalev herumchauffierte, gingen wir vom Büro des Sekretärs der Siedlung Karnei Shomrom zum Büro des stellvertretenden Vorstands des Gemeinderats von Kedumim und von dort zum Büro des Sekretärs von Shavei Shomron. Shalevs Bruder arbeitet im Gemeinderat Einav, und Shuki Levin, früherer Sicherheitsoffizier in verschiedenen Siedlungen und zur Zeit Sicherheitsoffizier der ultra-orthodoxen Siedlung Kiryat Sefer, ist ein Freund und Waffenkamerad. Rabbi Joshua Mordechai Schmidt, Vorstand der Yeshiva Birkat Hatorah in Shavei Shomron, empfängt ihn ebenfalls zu einem langen, intimen Gespräch und verspricht ihm, Yeshiva-Studenten zu schicken, die bei der Ernte helfen werden. Die Olivenernte ist ja noch wichtiger als das Studium der Tora. Jedermann weiss, dass Shalev die Ernte ausserhalb der Siedlungen betreibt. Auf jeden Fall will keiner wissen, in welchen Olivenhainen er eigentlich zu ernten beabsichtigt.. Und in den meisten Fällen sind sie bereit, ihm zu helfen. Hier handelt es sich nicht mehr um die "Hügel-Kids", sondern um die Aristokratie der Siedlungsbewegung in Samaria und Judäa.
Der Sinn der Besprechungen mit den Vorsitzenden der Siedlungen ist einfach: Er will ihre Erlaubnis, nahe ihrer Siedlung auf Länderein zu arbeiten, die - laut seiner Ausdrucksweise - "nicht Juden gehören". Laut Befehl von oben an die Armee, ist diese verpflichtet, den Palästinensern überall das Ernten ihrer eigenen Oliven zu ermöglichen. Aber wenn die Olivenbäume 500 Meter oder weniger weit von einer Siedlung entfernt sind, müssen die Palästinenser aus Sicherheitsgründen ihre Arbeit mit der Armee koordinieren. Aber Tatsache ist, dass viele Siedlungen Olivenhaine annektiert haben, die viel mehr als 500 Meter entfernt lagen. Jeder Palästinenser, der sich in die Nähe wagt, riskiert erschossen zu werden. Die Siedler von Yitzhar z.B. hindern die Bewohner von Einabus sich ihren Olivenhainen auch nur zu nähern, obwohl das Dorf drei Kilometer von der Siedlung entfernt liegt. Als die Dorfbewohner letzten Freitag endlich unter Armeeschutz ihre Olivenhaine betreten durften, entdeckten sie, dass in der Zwischenzeit die Bäume bis auf die letzte Olive abgeerntet worden waren.
Bis die Armee endlich den Zugang der Palästinenser zu ihren Olivenhainen koordiniert hat, haben die Siedlungs-Vorsitzenden schon längst Shalev und seinen Helfern erlaubt, die Oliven zu pflücken. Zur Besprechung in Karnei Shomron geht Shalev allein. Er traut mir noch nicht ganz. Anderthalb Stunden später kommt er zufrieden grinsend zurück. Er sagt, er habe mit Yehuda (Hudi) Lieberman gesprochen. Yehuda Lieberman ist Vorsitzender des Dorfrats von Karnei Shomron und sein Bruder ist Bentzi Lieberman, Vorstand des Regionalrats von Samaria und Judäa. Er hat um Erlaubnis gebeten in Zonen zu arbeiten, die "nicht jüdisches Besitztum" sind. Shalev ist sicher, dass ihm Lieberman grünes Licht geben wird.
Lieberman ist momentan im Ausland und behauptet am Telephon, dass er Shalev nicht kenne, aber "ein Mann hat mich angerufen und von einer Olivenernte in Karnei Shomron gesprochen, also von unseren Bäumen, Eigentum der Gemeinde; vielleicht heisst er Yair Shalev. Ich habe ihm deutlich gesagt, mein lieber Freund, ich kann dir nicht helfen. Warte bis ich zurück bin, und wir werden sehen, was wir tun können. Prinzipiell erlaube ich nicht, dass jemand Oliven anrührt, die nicht uns gehören. Jemand der so etwas tut, handelt unethisch und verstösst gegen das Gesetz."
Im Fall von Karnei Shomrom hat Shalev ein Gebiet namens Neve Alisa ins Auge gefasst. Das ist eine neues, nach Alisa Begin benanntes Quartier, das einige Auto-Minuten vom Zentrum der Siedlung entfernt liegt. Zwischen der Siedlung und dem neuen Quartier entstand ein Korridor von Bäumen, und auf die hat es Shalev abgesehen. "Die ganzen Bäume, die du hier siehst, gehören einem Araber aus dem Dorfe Yazoun", erklärt er mir. "Der Besitzer hat sich allem Anschein nach schon länger nicht mehr um sie gekümmert. Wir können uns bedienen. Das ist unser Land."
In Kedumim hat er denselben Vorschlag gemacht. Shalev hat es dort auf eine "offene Zone" östlich der Siedlung abgesehen. Er wird den stellvertretenden Vorsitzenden des Dorfrats um Erlaubnis bitten, dort zu arbeiten. Nach der Besprechung sagt er, dass die Verantwortliche, Esther Kerish, ihm erlaubt, zu tun was er will, nur wünscht sie, dass wir zuerst mit dem Siedlungs-Rabbi sprechen. "Sie sagt, sie selbst hätte kein Problem mit unseren Plänen," berichtet Shalev. "Morgen wird sie Daniella informieren." Ihre Daniella ist natürlich Daniella Weiss. Zu Beginn der nächsten Woche bestreitet Kerish ganz energisch, dass sie Shalev erlaubt habe, Oliven auf arabischem Land zu pflücken: "Jemand kam zu mir. Östlich von uns liegen Ländereien, die der Familie Zar gehören. Wenn es wirklich das Zar-Land ist, ist alles in Ordnung. Dort könnt ihr ernten. Aber falls es arabisches Land betrifft, wird es nicht angerührt."
Der Sekretär von Shavei Shomron, Gadi Shtetman, spricht klare Worte: "Mir ist es egal, wenn du hier arbeitest," sagt er zu Shalev und mir. "Im Siedlungs-Masterplan sind Zonen, die nicht in jüdischem Besitz waren. Ich hoffe, dass bald alles uns gehört, und alles viel einfacher wird. Also, ihr könnt hier arbeiten. Ich gebe euch die Erlaubnis." Er macht uns sogar mit dem Sicherheitsbeamten der Siedlung bekannt, der für unsere Sicherheit sorgen soll.
Gad Shtetman, der Sekretär von Shavei Shomron, bestätigt eine Woche später: "Ich kenne Yair Shalev. Ich habe seine Olivenernte genehmigt als Beschäftigung für Siedlungsbewohner, die innerhalb der Siedlung keine Arbeit haben. - Ich habe keine Kontrolle über Olivenhaine ausserhalb der Siedlung. Er hat um Erlaubnis gebeten, ausserhalb des Zauns zu ernten, an Orten die von den Arabern gemieden werden. Was diese Haine betrifft, muss er die Armee fragen. Die meisten Araber die sich nähern, auch die Besten unter ihnen, kommen nur um Informationen zu sammeln, die sie an feindliche Elemente, an Terroristen, weitergeben.
Frage: Die Zonen, die im Masterplan aufgeführt werden, gehören die euch oder den Arabern?
Antwort: Sie gehören der Armee, nicht den Palästinensern. Die Araber haben keine Erlaubnis, hierher zu kommen.

Auf dem Weg zwischen Karnei Shomron und Shavei Shomron erklärt uns Shalev seine Philosophie: "Für die Bäume ist es gut, wenn jetzt gepflückt wird. Momentan werden sie nicht gepflegt. Die Gegend ist vernachlässigt. Wenn der Besitzer zurückkäme, sei es ein Araber oder ein Jude, und anhand von Dokumenten beweisen könnte, dass er wirklich der Besitzer ist, kann er bei der Polizei Klage einreichen."
Frage: Und wir in der Zwischenzeit....?
Shalev: "Wir arbeiten, okay? Wenn jemand käme und wirklich beweisen könnte, dass es ihm gehört, verkaufen wir ihm die Oliven und unsere Arbeit.
Frage: Er würde uns bezahlen, und wir würden ihm die Oliven geben, die wir auf seinem eigenen Land gepflückt haben?
Shalev: "Wenn das Land wirklich ihm gehört, wenn es von einem Gericht bestätigt wird und er die Papiere und alles hat, kein Problem. Der Araber soll bloss kommen und mich für meine Arbeit bezahlen."
Frage: Aber er kann gar nicht kommen, er kann gar nicht selber ernten.
Shalev: "Was heisst das, er kann nicht kommen? Wenn die Polizei beschliesst, einen Araber hierher zu bringen, kann ich nichts tun. Aber sobald das wirklich passiert, sag es mir sofort, ich werde dafür sorgen, dass es nicht passiert."

Die Soldatin

Shalev ist ein ordentlicher Mensch, der mit unordentlichen Menschen arbeitet. Und er hat Geld, um sie zu bezahlen. Woher das Geld stammt, weiss ich nicht. Er hält an jeder Kreuzung, nimmt Autostopper mit und fragt die Burschen: "Wollt ihr für mich arbeiten?" Er verspricht ihnen Geld und die Befriedigung "das Land zu befreien". Die Jungens reagieren begeistert und schreiben seine Telephonnummer auf. Er hat mindestens zehn Leute auf diese Art rekrutiert.
Für Soldaten, die den Militärdienst absolviert haben, hat Shalev verlockende Angebote. Die Piraten-Olivenernte zählt nicht zu den "Vorzugsarbeiten", das heisst eine Arbeit, die den aus dem Militärdienst entlassenen Soldaten, der während sechs Monaten oder länger gearbeitet hat, dazu berechtigt ein Stipendium von mehreren Tausend Shekel zu erhalten. Aber Shalev kann es arrangieren.. "Wenn dein Freund soeben seinen Militärdienst beendet hat und das Stipendium erhalten will, sag es mir," gibt er zu verstehen. "Ich kann es arrangieren. Meine Arbeit gilt nicht als "Vorzugsarbeit", aber ich habe einen guten Freund, der die Belege beschaffen kann, dass der Bursche für ihn gearbeitet hat. So bekommt er das Stipendium und wird für seine Arbeit bezahlt."
Am Tag nachdem ich meine Arbeit bei Shalev begonnen habe, bekommen wir unerwartete Verstärkung: Shani, die Soldatin auf Urlaub aus Kfar Saba. "Sie kommt aus einer nicht-religiösen Familie, und befindet sich in einer Periode der Glaubens-Suche," erklärt mir Shalev, als wir sie zu Hause abholen. "Ich habe ihr gesagt, dass Adino ihr dabei während der Arbeit helfen kann."
Shani bringt uns eine wichtige Mitgift: Ein M-16 Gewehr, das sie aus der Armee mitgenommen hat. Sie trägt Zivilbekleidung und ist ganz aufgeregt über die Reise. "Meine Mutter ist anti-religiös, sie weiss nicht, dass ich auf dem Weg in die Besetzten Gebiete bin. Wenn sie das herausfindet, wird sie auf der Stelle tot umfallen," erzählt sie. "Ich habe alle Hügel besucht. Vor zwei Wochen war ich mit Daniella Weiss, die ich bewundere, bei den "Hügel-Kids". Daniella Weiss ist eine erstaunliche Frau."
Shalev schlägt sie als unsere Sicherheitswächterin vor, da sie bewaffnet ist, und Shani nimmt den Vorschlag begeistert an. "Was sucht ein nicht-religiöses Mädchen in einem so gefährlichen Gebiet?" frage ich sie. "Nichts. Ich will nur etwas Geld verdienen und Stärkung finden," antwortet sie. Ich habe ein schlimmes Jahr hinter mir. Zwei gute Freunde von mir wurden von Terroristen getötet, ein anderer hat Selbstmord begangen."
Shani erzählt, dass ihr bester Freund, Elazar Leibovitz aus Hebron, Ende Juli, einen Tag vor seinem 21. Geburtstag, bei einem terroristischen Anschlag an der Strassenkreuzung bei Zif umgebracht wurde. Auch ein anderer Freund, Yair Leventhal aus der Siedlung Neve Tzuf, wurde auf dem Heimweg bei einem terroristischen Anschlag getötet. Der Terrorist lag auf der Lauer an der Strassenseite, versteckt hinter den Olivenbäumen, und wartete auf das Auto.. "Wir haben die Armee mehrere Male gebeten, die Olivenbäume der Strasse entlang zu beseitigen, um diese terroristischen Anschläge zu verhindern," sagte Dr. Yoav Mark, ein Nachbar der Trauerfamilie, nach dem Angriff. "Auf dieser Strasse gab es schon viele Schiessereien, aber die Armee hat nichts unternommen."
Die Armee hat nichts unternommen, und nun sind wir hier im neuen Ford Focus von Yair Shalevs Gattin - Shani mit ihrem M-16 Gewehr auf dem Hintersitz, zwischen S. und H. Wir sind unterwegs nach Shavei Shomron, und bei der Jit-Kreuzung (oder Gil'ad- Kreuzung, benannt nach Gil'ad Zar), halten wir an, um die beiden Jungens aussteigen zu lassen. Die Beiden wollen per Autostop weiter nach Itamar. Gegenüber, jenseits der unbemannten Strassensperre, ist eine Gruppe Araber im Zuge der Olivenernte damit beschäftigt, Säcke auf einen weissen Lastwagen zu laden.
Shalev bittet mich, anzuhalten. Er will einen Freund hier an der Kreuzung treffen. Er steigt aus, um einen Moment lang die Beine zu strecken. Plötzlich rast ein weisser Renault Express an uns vorbei. Wir hören zwei Schüsse. Das war ja schön nahe. Das hat uns gegolten. Shani wird von Scherben verletzt. Sie blutet stark, aber die Wunde ist nicht tief. In weniger als einer Sekunde sind wir weg.
Keine sieben Minuten sind verstrichen, und schon wimmelt die Gegend von Soldaten, jedoch keine Spur des weissen Renault Express. Wir sind im Hauptquartier von Kedumim und beantworten die Fragen der Armeeoffiziere und Shabak-Leute. Shani hat einen Panik-Anfall. Und wir auch. Sie erscheint nicht zur Ernte am nächsten Tag. Vielleicht kommt sie nächste Woche.

Die Inder

Die zwei "Hügel-Kids" und ich hätten eigentlich als Vorarbeiter fungieren sollen. In Shavei Shomron haben wir 64 Arbeiter übernommen, die aus dem Norden Indiens stammen und jetzt in der Siedlung leben. Rabbi Eliahu Avichail, Vorstand der Organisation, welche die zehn verlorenen Stämme Israels sucht, behauptet dass sie dem Stamme Menasche angehören. Die Shavei Shomron-Inder werden zur Zeit zum Judentum bekehrt. Da die Jewish Agency nicht für sie aufkommt, leben sie auf Kosten der Siedlung als Gelegenheitsarbeiter. Inzwischen ernten sie Oliven, die anderen gehören.
"Vor zwei Monaten hat mich Rabbi Eliahu Avichail angerufen und gesagt, dass sich eine Gruppe Juden aus Nordindien auf dem Weg nach Shavei Shomron befindet, und dass er sofort Platz für sie braucht," erzählt Rivka Bondi, Direktorin des Bekehrungskurses in der Siedlung. Die Bewohner von Shavei Shomron wissen nicht viel über die neuen Juden. "Es ist nicht leicht," erklärt Bondi. "Die Meisten sprechen kein Englisch, und wir sprechen kein Hindi."
Der einzige Inder, der Hebräisch spricht, ist Michael, der vor acht Jahren immigriert ist. "Wir sind Juden, die Israel lieben," sagt er. "Wir haben alle jüdischen Gesetze beachtet, auch als wir noch in Indien lebten. Ich bin glücklich, hier in Israel zu sein." Michael ist die Erfolgs-Story von Shavei Shomron. Er hat inzwischen ein Mädchen aus der Siedlung geheiratet, "eine Polin noch dazu," lacht Rivka. In der Siedlung nennt man ihn "Die Augen der Inder". Er ist sowohl ihr Sprecher als auch ihr Boss. Es ist nicht ganz klar, ob sie eigentlich begriffen haben, wo sie gelandet sind, und welches Risiko das bedeutet, und wessen Oliven sie so fleissig pflücken. Eins ist klar: Man kann nirgends fleissigere und tüchtigere Arbeiter finden. Dafür garantiere ich.

Die Hügel-Kids

Wenn Yair Shalev der Kompanie-Kommandant ist und die Inder die einfachen Soldaten, dann sind die Hügel-Kids die Feldwebel. Sie haben ihre Kampferfahrungen gemacht. Sie waren überall. Sie waren in Yitzhar und in Sa-nur. Sie leisten harte Arbeit und bekommen wenig Lohn. Vielleicht 100 Shekel pro Tag. "Kein Geld zum leben, kein Geld zum atmen," sagen sie. Der idealistische Zionismus, den Shalev mir und den Autostoppern predigt, wirkt schon längst nicht mehr bei ihnen. "Tönt sehr schön," sagt H. zynisch. "Sie sagen dir, dass du den Arabern wegnehmen kannst - nicht zum Zweck des Gewinns, sondern nur um den Arabern etwas wegzunehmen. Yair ist es ganz egal wie du lebst, und ob du was zu essen hast, solange er seine Oliven kriegt." Und S.: "Abenteuer ist das Letzte, was wir brauchen. Jetzt handelt es sich nur noch um Geld. Wir verdienen kaum tausend Shekel im Monat."
Am Abend in unserem eiskalten Wohnwagen - (haben Sie gewusst, dass die Kälte den Samaria-Moskitos nichts anhaben kann?) - erzählt H. von der guten alten Zeit, als er aus Idealismus, nicht um des Geldes willen, durch die Besetzten Gebiete streifte. "Wir wurden zur Siedlung Sa-nur geschickt. Nicht der Stützpunkt der Armee, sondern die Siedlung. Sie war leer. Niemand lebte dort. Es gab Schiessereien. Explosionen. Wir lebten in ständiger Angst. Nachts gingen wir nur mit kugelsicheren Westen hinaus. Die Lichter neben unseren Zimmern wurden gelöscht, denn unsere Zimmer lagen direkt am Ende der Siedlung.
"Wir waren bloss ein paar 16-jährige Burschen ohne Kampferfahrung. Die Armee hat beschlossen, dass das eine vor-militärische Yeshiva sei und sie gaben uns eine Woche lang Kampfunterricht. Eine Woche lang haben wir nichts gegessen, bloss den ganzen Tag trainiert. Einen ganzen Tag lang Schiessübungen. Wir durften keine Waffen tragen, aber nachts gab es in jedem Zimmer ein Gewehr."
Frage: Hast du eine Waffe getragen?
Antwort: Es war wie der Zivilschutz in der Stadt. Wenn etwas passiert, eine Schiesserei in der Siedlung, rennt jeder zum Waffenlager, nimmt ein Gewehr und stellt sich in die Reihe.
Frage: Hast du auf Araber geschossen?
Antwort: Auf Araber nicht, aber in ihre Richtung, und auf arabische Häuser, oder auf ihre Sonnen-Boiler.
Ein Jahr danach hat die Armee die Jungens aus Sa-nur evakuiert. Erwachsene sind an ihrer Stelle eingezogen, 20-Jährige. Die 17-jährigen Sa-nur-Veteranen errichteten einen neuen Aussenposten in der Nähe von Yitzhar. "Wir haben ein Zelt und einen Generator aufgestellt," erzählt H. "Wir waren vier Burschen. Man musste ganz allein Wache stehen. Da konnte man Angst kriegen. Mehr als in Sa-nur." In Yitzhar haben sie gelernt, wie man mit den arabischen Olivenpflückern umgehen muss. H.: "Die Araber kamen näher, und ich fing an, Steine zu werfen."
Solche Burschen, die irgend einmal Armee- oder Siedler-Training erhalten hatten, findet man heutzutage an jeder Ecke der West Bank. Die Palästinenser haben mit ihnen ihre bitteren Erfahrungen gemacht. Issa Smandar vom Komitee für Ländereienverteidigung in Ramallah sagt, dass seit dem Beginn der Olivenernte anfangs Oktober um die 1000 Angriffe von Siedlern auf palästinensische Farmer registriert worden sind, und zwar auf der ganzen West Bank: Jama'in und Yassuf bei der Siedlung Tapuach, Awarta, Akraba und Yanoun nahe der Siedlung Itamar, Burin und Einabus nahe der Siedlung Yitzhar, Turmus-Aya und Jalous nahe der Siedlung Shilo, Khader bei Efrat, und so weiter und so fort: mehr als 84 Dörfer.
Bei einigen Angriffen gab es Verwundete, sogar Tote. Letzte Woche, am Ende der Erntesaison, hat sich der Oberste Armee-Kommandant, Moshe (Bogi) Ya'alon, plötzlich daran erinnert, dass den Palästinensern während der Ernte eine gewisse Sicherheit zu garantieren sei. An vielen Orten waren keine Oliven mehr da, die sie hätten ernten können. Jemand war ihnen zuvorgekommen. Vielleicht die Hügel-Kids.

Die Armee

Die Haltung der Armee uns gegenüber und unsere Haltung der Armee gegenüber ist komplex. Zwar brüstet sich Yair Shalev einerseits damit, dass er ausgezeichnete Beziehungen hat zum Vize-Kommandanten der Ephraim-Brigade, einem religiösen hohen Offizier namens Ophir, und dass er von ihm ohne Weiteres militärischen Schutz für die Erntearbeiter verlangen könnte, falls dies nötig wäre. Aber andererseits ist unsere Aktivität legal gesehen fragwürdig, und es kann nicht erwartet werden, dass immer alle wegschauen. Jedenfalls hat uns Shalev gewarnt, uns nicht mit den Soldaten auf einen Streit einzulassen. "Lauft einfach weg, wenn ihr sie kommen seht."
In der Nähe der Siedlung Einav erscheinen plötzlich drei Soldaten einer Reserveeinheit, an ihrer Spitze ein Leutnant namens Kobi, der eine Kippa (Kopfbedeckung der religiösen Juden) trägt. Er fragt uns, ob die von uns gepflückten Oliven Juden gehören. Wir sagen nein, dies sind "wilde" Oliven. Diesmal haben wir es mit einem uns wohlgesinnten Offizier zu tun. Leutnant Kobi sieht ganz zufrieden aus, erwähnt Jeremiah 31:4: "Und du sollst Bäume pflanzen auf den Hügeln Samarias..."
Er sagt, von ihm aus können wir bleiben. "Denkt nur dran, dass sich, laut "heissen" Informationen, Terroristen in der Gegend herumtreiben. Wenn ihr unseren Schutz braucht, sprecht mit dem Vize-Kommandanten der Brigade oder mit dem für Operationen verantwortlichen Offizier," sagt er.
Shalev wird ärgerlich. "Sag mal, bist du eigentlich blöd?" fragt er den wohlmeinenden Leutnant Kobi. "Du verstehst uns doch eigentlich besser als alle anderen. Wenn wir die Armee rufen, wird es hier von Soldaten nur so wimmeln, und wir werden hinausbeordert. Wenn du uns Schutz geben kannst, fein. Falls nicht, lassen wir es eben sein." Leutnant Kobi ist gar nicht blöd, aber er ist auch nicht befugt, Befehle von oben so offensichtlich zu ignorieren. Er zieht sich zurück und lässt uns weiter machen. Aber nach einer Weile kommt er zurück mit Befehl von oben, wir müssten weg. Nicht wegen der Ernte, sondern aus Sicherheitsgründen. Noch ein Arbeitstag ist hin.

Die Ölpresse

Die Siedler machen keine grossen Gewinne mit den Oliven: 200-300 kg Oliven per Dunam, ungefähr 75 kg Olivenöl, etwas über 750 Shekel. Für die Palästinenser ist das eine beachtliche Summe, aber auch nicht genug. Für israelische Begriffe ist es gar nichts. Shalevs Arbeiter bekommen 2.50 Shekel pro Kilogramm Oliven. Während zwei Arbeitstagen haben sie 100 Shekel pro Person verdient. Ein Hungerlohn.
Aber die Siedler betreiben mit dem Wenigen eine Kleinindustrie. Beim illegalen Aussenposten Ahiya in der Nähe der Siedlung Shevut Rachel ist seit zwei Jahren eine moderne Ölpresse in Betrieb. Die Oliven, die wir bei Shavei Shomron geerntet haben, werden dorthin gebracht. Unser Auto ist prall gefüllt mit den von den Indern gepflückten Oliven. Unterwegs erfahre ich, dass die Strasse von Shevut Rachel nach Ahiya für arabischen Verkehr gesperrt ist. Es gibt eine elektrische Strassensperre. "Das Tor öffnet sich nur wenn du einen jüdischen Nachnamen angibst, oder aus dem Auto steigst und dich als Jude identifizierst, oder eine bestimmte Code-Nummer eingibst," erklärt Shalev. "Wohin führt diese Strasse?" frage ich. "Sie hat zu verschiedenen arabischen Dörfern geführt," ist die Antwort.
Wir kommen zum Tor. Wir sagen Shalevs Namen, und das Tor öffnet sich. Wir sind in Ahiya angekommen. Man sieht keinen Menschen auf dem Hügel. Da steht nur die einzige jüdische Ölpresse weit und breit, eine hochmoderne Presse, die mehrere hunderttausend Shekel gekostet haben muss.
Der Ahiya-Aussenposten ist in der ganzen Gegend verrufen. Fauzi Ibrahim vom nahegelegenen Dorf Jaloud, der hier viel Land und 1500 Olivenbäume besitzt, erzählt, dass anfangs Oktober, als er mit der Olivenernte begonnen hatte, Siedler vom Aussenposten herunter kamen und ihm zehn Säcke Oliven, das waren 700 kg, mit Gewalt wegnahmen. Dasselbe geschah am nächsten Tag. Diesmal nahmen sie ihm fünf Säcke weg. Schliesslich musste er das Ernten aufgeben.
In Ahiya verkauft man kein frisch-gepresstes Olivenöl. Die Siedler aus der ganzen West Bank, aus Itamar, Yitzhar, Karnei Shomron, Shavei Shomron, Kedumim, bringen ihre - oder vielleicht doch nicht ihre - Oliven hierher. Die Ölpresse verlangt eine kleine Gebühr, wie alle Ölpressen, und gibt ihnen ihr Öl. Die Namen der Siedlungen erscheinen auf den riesigen gelben Kanistern, die auf ihre Besitzer warten. So ein Kanister voll Öl reicht mindestens für ein Jahr. Die Bewohner der umliegenden arabischen Dörfer sehen die gelben Kanister. Sie wissen genau was dort vor sich geht und kochen vor Wut.

Die Seele des Baumes

In Shavei Shomron begegnen wir Shuki Levin, dem Sicherheitsoffizier von Kiriyat Sefer, einer ultra-orthodoxen städtischen Siedlung etwas jenseits der "Grünen Grenze". Levin besucht seine Schwester Rivka Bondi in Shavei Shomron. Er ist ein alter Freund von Shalev und eine bekannte Figur hier in der Gegend. Levin hat eine Idee entwickelt, wie man die Olivenhaine der Araber straflos, ja tugendhaft, leer ernten kann: Man geht zum Araber und bietet ihm die Oliven zum Kauf an, die man bei ihm gepflückt hat. Levin sagt, er will nicht als Dreckskerl dastehen. Bloss seine Ausgaben decken und einen kleinen Gewinn machen. "Man muss ausrechnen wie viel die Arbeiter kosten, Freunde, die bei dir arbeiten, damit man nicht Verluste macht. Man soll nicht übertreiben, nur dass etwas für dich übrig bleibt. Ich sage immer, arbeite nicht hart, arbeite smart!"
Frage: Was meinst du damit?
Antwort: Wenn der Besitzer kommt und beweist, dass das Land ihm gehört, haben wir etwas, das wir ihm anbieten können. Wenn du einfach kommst und es wegnimmst, ist das Diebstahl. Seine Oliven sind mir egal - er soll nur beweisen können, dass er der Besitzer ist.
Frage: Gibt es Araber, die auf solch einen Handel eingehen?
Antwort: Sie werden gar nicht gefragt.
Frage: Und wenn sie sich weigern?
Antwort: Ich kann ihnen erzählen, dass es vor zehn Jahren hier Bäume gab, die umringt waren. Weißt du was das ist? Du machst einen Ring, indem du mit einem speziellen Messer die Rinde rundum wegschneidest. Der Baum nimmt seine Nähstoffe durch die Rinde auf. Du machst einen Ring, und die Seele des Baumes ist weg. Nächstes Jahr trägt er keine Früchte.
Frage: Das ist eine schwere Verletzung seiner Rechte
Antwort: Ja, das stimmt. Ich habe ihm (dem Araber) gesagt:"Deine Bäume sind tot. Wenn ich nicht deinen Boden bestelle, wenn ich nicht deine Oliven ernte, wenn ich nicht die zehn Prozent bekomme, gibt es nächstes Jahr keine Oliven." Rivka Bondi, Levins Schwester und Direktorin des Bekehrungskurses der Inder, senkt ihren Blick während ihr Bruder spricht. Sie sagt leise zu mir, dass ihr die Methoden ihres Bruders gar nicht gefallen. "Sag mal" fragt sie auf Shalev deutend, "hast du gehört, dass man auf ihn geschossen hat?" .
"Ich war dabei."
Sie sagt: "Ich weiss nicht ob es ein Zufall war. Ich weiss nicht, ob es nicht wegen der Geschäfte ist, die er hier betreibt. So haben sie doch auch Gil'ad Zar selig. umgebracht."



Entwurzelt
von Meron Rapaport und Oren Meiri

Mittwoch, 13. November, die Trennungslinie gegenüber Kibbutz Magal.
Amos, ein Vorarbeiter der Firma Gebrüder Ben Rahamim, zeigt seinen Kunden die Ware: ein Olivenhain auf dem Hügel ausserhalb des Dorfes Zeita. Schöne, alte Bäume, jedenfalls für das Auge des Laien. Es bleibt nicht viel Zeit, die Ware zu begutachten. "Heute morgen wurde hier geschossen, dort von jenem Fenster," sagt Amos und zeigt auf das äusserste Haus des Dorfes.
Die Kunden, zwei Reporter der Zeitung "Yedioth Aharonot" und ein Pressefotograf, werfen einen letzten Blick auf die Bäume. Sie sehen gut aus und scheinen gesund zu sein, keine welken Blätter sind zu sehen. Ein Baum dieser Grösse und dieses Alters - er sei über hundert Jahre alt - könnte in einer israelischen Baumschule für 3000 oder sogar 5000 Shekel verkauft werden. Wir sagen Amos, dass wir 100 Bäume wollen. "Kein Problem", sagt er, "wir haben soviel ihr wollt." "Wann können wir die Bäume haben?" fragen wir ihn. "Wann ihr wollt. Sagt uns wann, und wir werden die Bäume bringen," sagt Amos.
Der Handel scheint in Ordnung, aber wir müssen zeigen, das wir uns nicht reinlegen lassen. "Der Manager hat gesagt 1000 Shekel pro Baum. Das ist ein Wucherpreis", sagen wir. Amos ist beleidigt. "1000 Shekel, das ist geschenkt. Er hat euch schon einen Rabatt gemacht. Ich kann den Baum für 3000 Shekel verkaufen, ohne ihn auch nur auszugraben. 1000 Shekel für solch einen schönen Baum! Billig, billig!"
Drei Tage später treffen wir Ahmad Al Rafiq beim selben Hügel. Er ist ein Bauer aus dem Dorfe Zeita. Anscheinend gehören ihm die Bäume, die uns Amos so generös offeriert hat. Aber eigentlich gibt es kaum noch einen Hügel und auch kaum noch Bäume. Alles ist weg. Vor einem oder zwei Tagen waren die Bulldozer hier. Vielleicht zehn Bäume sind noch übrig von hundert. "Ich habe die Verantwortlichen gebeten, zu warten und mich selbst die Bäume ausgraben zu lassen. Aber es war nichts zu machen. Sie liessen mich nicht in die Nähe der Bäume. Sie sagten: "Halts Maul, oder wir holen die Soldaten." Zuerst haben sie die Äste abgesägt und sie auf den Lastwagen geladen, dann haben sie die nackten Baumstämme ausgegraben und sie auch aufgeladen." Wir fragen ihn, wie alt die Bäume waren. "Ich weiss es nicht" sagt Al Rafiq, "ich bin 73 Jahre alt, und sie waren schon hier, als ich geboren wurde. Mein Grossvater hat sie gepflanzt."
Hinter dem Ausgraben des Olivenhains von Zeita steht eine grossangelegte Plünderungs-Kampagne. Laut einem Bericht von "7 Days" sind in den letzten Monaten Tausende palästinensischer Olivenbäume ausgegraben worden als Teil der Arbeit, die der Linie des "Sicherheitszauns" entlang ausgeführt wird. Allein in der Gegend, die wir besucht haben, wurden 5000 Olivenbäume ausgegraben, erzählt uns Amos voller Stolz. und hier handelt es sich um nur zwei bis drei Kilometer, Anfang einer hundert Kilometer langen Linie. Nach vorsichtigen Schätzungen wurden in den vergangenen Monaten mindestens 20.000 Olivenbäume ausgegraben. Einige wurden beim Ausgraben zerstört, einige von den palästinensischen Besitzern anderswo wieder angepflanzt. Ein Grossteil wurde an Baumschulbesitzer in Israel verkauft.
Auch wenn nur 1000 Bäume verkauft worden sind - und die Bereitwilligkeit der Firma Ben Rahamim, uns ohne mit der Wimper zu zucken 100 Bäume zu verkaufen, bedeutet, dass es viel mehr sein müssen - handelt es sich um einen Profit von 1 Million Shekel. Die arabischen Besitzer bekommen davon keinen Pfennig. Nichts.
Die Zivilverwaltung, die sich eigentlich um das Wohl der palästinensischen Bevölkerung zu kümmern hätte, unterstützt diese Plünderungen. "Ihr könnt so viel Bäume nehmen wie ihr wollt, sagt nur wo und wie viel", sagt uns Samir Mu'adi, der Beauftragte für Landwirtschaftsfragen im Zivilverwaltungs-Hauptquartier in Beit El.
In einer der Baumschulen in der Sharon-Region hat der Besitzer zugegeben, dass er die Geschichte kenne. Dutzende Olivenbäume sind hier ausgestellt. Die Äste sind abgeschnitten, nichts als Stämme mit Aststümpfen. Die jüngeren Bäume kosten 600 Shekel pro Baum, die älteren, 60 bis 70 Jahre alten Bäume kosten 1000 Shekel pro Stück. Einige grosse Bäume stehen in einer Reihe für sich: 5000 Shekel pro Baum. Ein enorm grosser Baum fällt sofort auf. "Dieser ist 600 Jahre alt" erklärt uns der Verkäufer. "Er kostet 25.000 Shekel. Wir haben ihn von Akraba hergebracht. Es war der letzte auf der West Bank. Es gab noch ungefähr zehn. Wir haben einige an hiesige Gemeinden verkauft und ein Baumpaar an jemanden in Savyon" (Villenviertel in der Nähe von Tel Aviv). Dem "Trennungszaun" entlang standen auch einige sehr alte, teure Bäume. Abd el Jelil, dessen 70-Jahre alten Bäume ausgegraben wurden, erinnert sich an das Entzücken der Unternehmer über den 500-Jahre alten Baum, der auf seinem Land stand.
Der Baumschul-Besitzer erklärt uns den Vorgang: wenn ein Baum während der Arbeiten für den "Trennungszaun" oder für Umfahrungsstrassen ausgegraben wird, ruft die Zivilverwaltung den Keren-Kayemet (Jüdischer Nationalfonds) an, und der Keren-Kayemet wendet sich an die Baumschulen. Die Baumschul-Besitzer kommen und kümmern sich von jetzt an selbst um das Ausgrabungs-Projekt. Für den richtigen Preis würden sie ohne Weiteres den Baum herbeischaffen und in unserem Privatgarten wieder anpflanzen. "In einem Jahr wird der Baum wieder Äste haben und Früchte tragen" versichert er uns.
Hier sind einige Fakten und Zahlen:
Ein Olivenbaum ist ein Wunder der Natur. Er ist aus guten Gründen zum Symbol geworden. Professor Shimon Lavi, einer von Israels grössten Experten in der Branche, sagt uns, dass er selbst das Alter eines Olivenbaumes in Gethsemane, Jerusalem, bestimmt hat: ein 1700 Jahre alter Baum, der immer noch Früchte trägt. Arabische Einwohner in Galiläa erzählen von 3000 Jahre alten Bäumen. Der Olivenbaum ist ein robuster Baum und nicht so leicht umzubringen. Wenn er richtig ausgegraben und gehegt wird, kann mit 95 % Sicherheit angenommen werden, dass er sich seiner neuen Umgebung anpasst, erklärt uns Professor Lavi. Auch wenn während und nach dem Ausgraben nicht allzu sorgfältig mit ihm umgegangen wird, besteht doch noch eine Chance von 25 %, dass er überlebt.
Ein moderner Olivenhain in Israel erbringt fast 1,5 Tonnen Früchte per Dunam; ein nur mit Regenwasser genährter Hain auf der West Bank erbringt 200-300 kg Früchte per Dunam. Das ist immer noch eine wichtige Einkommensquelle in den Besetzen Gebieten. Fast 60 % des Landwirtschaftsertrags in den Gebieten stammen von den Oliven, ohne auch nur den symbolischen und emotionellen Aspekt des Baumes zu erwähnen. Und dieser Sektor der Landwirtschaft hat einen tödlichen Stoss erhalten. Der Bericht der Weltbank über die Wirtschaftslage in den Besetzten Gebieten gibt folgende Angaben, die vom palästinensischen Landwirtschaftministerium übermittelt wurde. In den zwei Jahren der Intifada sind 160.000 Olivenbäume in den Gebieten ausgegraben worden: durch die Armee in den "Säuberungsoperationen", für Umfahrungsstrassen, durch randalierende Siedler, und jetzt auch noch für die Vorbereitungen des "Trennungszauns".
Der erste Teil dieses Zauns, 110 km, führt durch hauptsächlich landwirtschaftliches Gebiet. Hunderte Palästinenser haben Klage eingereicht gegen die Landkonfiszierung. In einem Dorf wie Zeita zerstört die Trennungslinie die Lebensgrundlage der Bewohner. 450 Dunam wurden konfisziert zwecks Erstellung des "Zauns", weitere 450 Dunam liegen jenseits des "Zauns" und können nicht mehr erreicht werden. Aber Israels Oberstes Gericht hat alle Berufungen zurückgewiesen und die Ansicht der Sicherheitskräfte akzeptiert, dass der "Zaun" für die Sicherheit unentbehrlich sei. Landbesitzer, die den Besitz anhand von Dokumenten belegen können, sollen für den Verlust entschädigt werden.
Und was geschieht mit den Bäumen auf diesen Ländereien? "Bäume, die wegen des "Zauns" ausgegraben werden, sollen wenn möglich dem Wunsch des Besitzers gemäss transportiert und neu angepflanzt werden", erklärt Hauptmann Gil Limon, Rechtsberater des Zentralkommandos in seiner schriftlichen Antwort vom 3. November an den Anwalt der Organisation Kanoun, Azam Bshara, der die Einwände der Landbesitzer in der Umgebung von Qalquilya vorgebracht hatte.
Es ist zu bemerken, dass viele Unternehmer, die an der Konstruktion des "Zauns" arbeiten, die ausgegrabenen Bäumen den palästinensischen Besitzern zurückgeben. Zum Beispiel bei den Arbeiten, die zur Zeit in Falame und Jayous bei Qalquilya ausgeführt werden, haben die Landbesitzer ihre Bäume zurückbekommen. Auch an vielen anderen Orten war dem so, aber in zahlreichen Fällen eben nicht. In Zeita wollten die Eigentümer ihre ausgegrabenen Bäume haben, aber die Sicherheitswächter haben sie nicht einmal näher kommen lassen. Die Bäume wurden auf Lastwagen aufgeladen, und weg waren sie. Wo? Keiner weiss es, keiner hat ihnen ein Wort gesagt.
Die arabische Presse in Israel hat von einigen israelischen Arabern berichtet, Arbeiter in einer Baumschule im Norden, die entlassen wurden, weil sie sich weigerten, Bäume entlang der Trennungslinie auszugraben. "Die Bäume waren für Siedlungen oder für Baumschulen in Israel bestimmt", berichteten sie dem Reporter von "Yedioth Aharonot" Faiz Abaz. Diesmal hat es sich also wirklich nicht um Phantasiegeschichten gehandelt.
Die Firma Gebrüder Ben Rahamim ist eine der fünf Firmen, die vom Verteidigungsministerium mit den Arbeiten der ersten Phase der Trennungslinie beauftragt wurden. Der Geschäftsleiter Shimon Ben Rahamim war gar nicht erstaunt, als wir ihm zu verstehen gaben, dass wir Olivenbäume kaufen wollten. "Wie viele Bäume wollt ihr? Grosse oder kleine?" fragt er uns. "Hundert grosse Bäume", antworten wir. "Kein Problem", sagt Ben Rahamim. "Sprecht mit unserem Vorarbeiter Zion, schaut euch die Bäume an, und wir werden über den Preis sprechen. Ungefähr 1000 Shekel pro Baum. Zion wird euch alles zeigen. Ihr nehmt einfach was euch gefällt. Bäume die niemand will, nehmen wir mit. Wenn jemand interessiert ist, bringen wir sie.
Der Olivenbaum steht unter Naturschutz. Laut einem türkischen Gesetz, das in Israel immer noch in Kraft ist, ist eine Spezialgenehmigung erforderlich, wenn ein Olivenbaum der 100 Jahr alt oder älter ist, verpflanzt werden soll. Wir erkundigen uns beim Keren-Kayement, der uns zur Zivilverwaltung schickt. Der Beauftragte für Landwirtschaftsfragen, Samir Mu'adi, ist nicht in seinem Büro; er ist bei der Olivenernte im Norden auf dem Hof seiner Familie. Aber er versichert uns, dass alles ganz einfach sei, als wir uns nach der Genehmigung erkundigen, die wir brauchen um Bäume mitzunehmen, die entlang der Trennungslinie ausgegraben worden waren. "Der Vorgang ist höchst einfach. Du gibst mir die Details der Transportfirma, gehst zur Postbank und bezahlst um die 30 Shekel für die Zivilverwaltung, und du bekommst die Genehmigung, um Olivenbäume nach Israel zu bringen. Sag mir einfach wo und wie viele, und ich werde alles in Ordnung bringen."
Und ich kann so viele nehmen wie ich will?
Kein Problem. Sag nur wo.
Und wenn die Palästinenser nicht einverstanden sind. Werden die mir nicht Schwierigkeiten machen?
Sicher wird es ihnen nicht gefallen. Schliesslich gehören sie ihnen, und wir haben einen Krieg. Und die Unternehmer sollten ihnen die Bäume geben, wie abgemacht. Aber wenn du mich fragst, ob du sie nehmen kannst, ja ich denke das kannst du. Sprich mit dem Unternehmer und sag mir: Mu'adi, ich möchte Bäume von X nach Y bringen, und ich werde die Genehmigung für dich arrangieren, und du kannst die Bäume nach Israel bringen."
Am nächsten Tag treffen wir den Vorarbeiter Zion in der Nähe des Kontrollpostens von Bak'a el Gharbiye. Zion schickt uns zu Amos, und Amos zeigt uns die Bäume. "Schade, dass ihr nicht vor ein paar Wochen hier ward," sagte Amos. "Wir hatten um die 5000 Bäume. Millionen Menschen waren hier, die Bäume mitgenommen haben...."
Amos - wie auch die Palästinenser von Zeita, mit denen wir drei Tage zuvor gesprochen hatten (sie behaupten, "nur" 3500 ihrer Bäume seien ausgegraben worden) - kann sich nicht erinnern, dass seine Leute Bäume für die Palästinenser umgepflanzt hätten. Höchstens haben sie Bäume, die niemand wollte, auf die Seite geschafft.
Und die Araber? Wir zeigen uns besorgt. "Ich will nicht plötzlich einem Palästinenser gegenüberstehen, der mir sagt, das sei sein Baum und ich könne den nicht mitnehmen," erklären wir. Amos reagiert verärgert: "Wer schert sich um die? Wenn die mich hier sehen, steigen ihnen die Eier bis in die Kehle. Heute morgen haben sie ein paar Steine geworfen. Ich habe ein- zweimal geschossen, bum-bum. Ich bin in ihr Haus gegangen und habe ihnen gesagt: 'Wenn ihr das noch einmal tut, mache ich euch fertig, alle miteinander'."
Wir gehen zurück zu Shimon Ben Rahamim und sagen ihm, dass uns seine Bäume gefallen und bitten ihn, uns einen Rabatt zu gewähren, wenn wir 100 Bäume nehmen. Er ist einverstanden, sie uns für 800 Shekel pro Baum zu geben. "Wenn ihr sie wollt ohne Mehrwertsteuer, ist es noch billiger, 650 Shekel pro Baum." Nicht nur der Besitzer, der die Bäume von seinen Ahnen geerbt und sie sein ganzes Leben lang liebevoll gehegt hat, kriegt keinen Pfennig für seine Bäume, auch die Steuerbehörde geht leer aus.
Wir gehen zurück zu Mu'adi. Er ist wieder in sein Büro in der Zentrale der Zivilverwaltung in Beit El zurückgekehrt, nachdem er seine eigenen Oliven geerntet hat. Wir erzählen ihm, dass wir Bäume gefunden und den Handel mit dem Unternehmer abgeschlossen haben und jetzt nur noch seine Genehmigung brauchen. "Schickt mir das Geld, und alles ist in Ordnung", sagt er. Wir bezahlen: 34.50 Shekel in die Kasse der Zivilverwaltung. Einige Minuten später faxt man uns die Genehmigung - eine Genehmigung für die Einfuhr von einhundert geschützten Olivenbäumen von Zeita nach Israel. Es war einfach. Viel zu einfach.

Die Antwort der Gebrüder Ben Rahamim: Niemand verkauft Bäume
Shimon Ben Rahamim, der Geschäftsleiter der Firma, war sehr aufgeregt, als wir ihm öffentlich gegenübertraten: "Wir verkaufen nicht....Wer war der Verrückte, der euch gesagt hat solch eine Geschichte zu schreiben? Niemand verkauft Bäume. Sie müssen alle umgepflanzt werden!"
Was meinst du, umgepflanzt?
Ausgegraben und neu angepflanzt in derselben Gegend.
Das heisst, niemand verkauft Bäume?
Wir verkaufen keine Bäume. Niemand verkauft irgend etwas.
Angenommen, ich bin ein Privatbürger und habe einen grossen eigenen Garten?
Du kriegst keinen einzigen Baum. Eher würden wir sie wegwerfen. Wir hatten einige im Kibbutz Magal und haben sie in den Kibbutz Ma'agan Michael verpflanzt.
An diesem Punkt angelangt, schmettert Shimon Ben Rahamim fluchend das Telephon zu. Unser nächster Anruf wird von Dori Ben Rahamim, Shimons Bruder, entgegengenommen: "Wir haben keine Bäume verkauft. Erzählt gefälligst keine Geschichten. Pure Verleumdung.....Habt ihr Photos? Ich will ja nicht grob werden. Ich habe keine Bäume verkauft. Vielleicht hast du ihnen Bäume verkauft. Um keinen Preis verkaufen wir Bäume. Das macht man einfach nicht. Wir haben keine Zeit für so etwas. Das ist überhaupt verboten.. Und es ist nicht unsere Art, solche Geschäfte zu machen. Ich kenne überhaupt niemanden, der Bäume verkauft hätte. Ich weiss nicht, wer sie dir verkauft hat, und es ist auch nicht meine Verantwortung. Ich habe nichts zu tun mit Baumverkäufen.

Die Antwort des Verteidigungsministeriums: Wir haben keine Erlaubnis erteilt, Olivenbäume zu verkaufen.
Die Sprecherin des Verteidigungsministeriums, Rachel Nidak-Ashkenazi, antwortet "7 Days": "Zwecks Vorbereitung der Infrastruktur-Arbeiten für den "Trennungszauns" werden Bäume ausgegraben. Vor dem eigentlich Ausgraben wird der Landbesitzer aufgefordert, die Behörden zu informieren, wo er die Bäume wieder anpflanzen will. Auf diese Art sind Tausende Olivenbäume neu angepflanzt worden. In gewissen Fällen bittet man uns, die Bäume auszugraben und liegen zu lassen, sodass der Besitzer sie wegschaffen kann. In Fällen wo der Besitzer keinen neuen Platz vorschlägt, werden die Bäume vom Verteidigungsministerium in der Gegend neu angepflanzt und sogar bis zwei Wochen nach dem Umpflanzen gewässert. Das Verteidigungsministerium bezahlt die Unternehmer für die Arbeit des Ausgrabens und Umpflanzens der Bäume. Diese Klausel ist offizieller Teil des von beiden Seiten unterzeichneten Vertrags für die Infrastruktur-Arbeiten. Ganz offensichtlich hat niemand die Genehmigung erhalten, mit Olivenbäumen zu handeln. Ich betone, dass das Verteidigungsministerium auf keinen Fall sich in Geschäfte verwickeln lässt, die gegen das Gesetz des Staates Israel verstossen.

                                  hoch