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GAZA 2008/09

(Material zum Essay "Der zweite Fall":) Einige Quellen zur Faktenlage:
- Gaza und Völkerrecht, von Norman Paech: http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Gaza/voelkerrecht2.html
- Warum der Waffenstillstand scheitern musste, von Ivesa Lübben, http://www.toomuchcookies.net/archives/2125/ivesa-lubben-warum-der-waffenstillstand-scheitern-musste.htm/all/1
- Kollektive Bestrafung. Israels Verbrechen an der Zivilbevölkerung in Gaza, von Rolf Verleger, http://www.uni-kassel.de/fb5/frieden/regionen/Gaza/verleger.html
- Gaza: Der böse, böse Nachbar, von Rolf Verleger, www.hintergrund.de
- Die Dämonisierung der HAMAS, Neue Rheinische Zeitung, 25.02.09, Von Ivesa Lübben, http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=13485
- Gershon Baskin mit Insiderwissen schreibt: "The war was supported by 94 percent of Israelis because they really believed it was a "war of no choice." Lies, lies and lies. There was a choice. That choice was made - our leaders preferred war regardless of the cost." www.jpost.com/servlet/Satellite?cid=1233304731246&pagename=JPost%2FJPArticle%2FShowFull
- Dazu auch The Observer, 1 March 2009: Israel PM's family link to Hamas peace bid. Olmert rejected Palestinian attempts to set up talks through go-between before Gaza invasion. By Peter Beaumont: http://www.guardian.co.uk/world/2009/mar/01/israel-hamas-olmert-palestine-shalit
- Rattling the Cage: Provoking anti-Semitism, Feb. 26, 2009, Larry Derfner , THE JERUSALEM POST
- Der Antisemitismus-Vorwurf in kritischer Betrachtung (108 S.), von Anis Hamadeh
- German Media Censorship on Gaza? Merkel's Will. by Ali Fathollah-Nejad. Global Research, January 22, 2009
- GLOSSAR DES DEUTSCHEN GAZA-BEWÄLTIGUNGS-DISKURSES von Anis Hamadeh

GAZA CHRONOLOGIE 19.06.-27.12.2008
Hergestellt von Anis auf der Basis von Ivesa Lübben:
"Warum der Waffenstillstand scheitern musste"

19. Juni:
Waffenstillstandsvereinbarung zwischen Israel und der Hamas-Regierung tritt für sechs Monate in Kraft. Israel bestand auf einer mündlichen Verabredung. Sie besagte: Einstellung aller gegenseitigen Militäraktionen, Öffnung von Gazas Grenzen nach 72 Stunden für 30% mehr Waren, unbegrenzter Warenverkehr nach zehn Tagen. Ägypten setzt sich dafür ein, dass das Abkommen auf die Westbank ausgedehnt wird. [Quelle: International Crisis Group: Ending the War in Gaza. Middle East Briefing No. 26, 5.1.2009, S.3]

19. Juni:
Israelische Kriegsschiffe schießen vier Raketen auf palästinensische Fischer in palästinensischen Gewässern. Am selben Tag lassen Kampfflugzeuge, die über Gaza-Stadt kreisen, Schall-Bomben explodieren und lösen eine Panik unter der Bevölkerung aus. In der Gegend von Khan Yunis schießen israelische Patrouillen über den Grenzzaun hinweg auf Bauern, die jenseits der Grenzbefestigungen auf ihren Äckern arbeiten. [Quelle: Ma`an 26.6.2008]. Dieses Szenario wiederholt sich fast täglich.

24. Juni:
Zwei junge Funktionäre des Jihad werden in ihrer Wohnung in Nablus durch Einheiten der IDF (Israeli Defence Forces) ermordet. Noch am selben Tag schießen die Quds-Brigaden als Vergeltung drei Raketen auf Sederot. [Quelle: Ma`an 24.6.2008] Die israelische Seite nimmt die Aktion des Jihad zum Anlass, die Grenzübergänge wieder zu schließen.

26. Juni:
Die Aqsa-Brigaden schießen eine Rakete auf Sederot, nachdem mehrere Fatah-Mitglieder in der Westbank bei Razzien der israelischen Armee verhaftet wurden. Die Aqsa-Brigaden wollen damit die Ausweitung des Waffenstillstandes auf die Westbank erzwingen. Der Sprecher der HAMAS-Regierung in Gaza warnt die Aqsa-Brigaden, sie würden mit ihrer Aktion die Aufhebung der Blockade zugunsten enger organisationspolitischer Interessen verhindern.

29. Juni:
Eine Delegation von Farmern beschwert sich beim Hamas-Landwirtschaftsminister, sie könnten wegen des israelischen Beschusses nicht mehr die Äcker entlang des Grenzzaunes bestellen.

4. August:
Trotz der Einhaltung der Waffenruhe durch die Hamas droht der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak auf einer Sitzung der israelischen Arbeiterpartei mit einem Truppeneinmarsch im Gazastreifen.

8. August:
Der Direktor des Geheimdiensts Shin Bet, Yuval Diskin, ist der Ansicht, ein Waffenstillstand würde den Druck auf die Hamas Shalit freizulassen verringern. Er ruft die Armee auf, sich auf einen größeren Militärschlag vorzubereiten. [Quelle: Ma`an 8.8.2008] Diese Äußerungen verstärken unter den Palästinensern den Eindruck, dass der Waffenstillstand seitens der israelischen Militärführung nur dem Zeitgewinn zur Vorbereitung einer Offensive dient.

29. September:
Die israelische Marine versenkt ein Fischerboot [Quelle: www.btselem.org/english/testimonies/ 20080910_israeli_navy_ boat_charges_into_a_ fishing_boat_witness_al_hasi.asp], nachdem Fischerboote mehrfach beschossen und gerammt worden sind.

4. November:
Israelische Truppen dringen nach Khan Yunis ein. Gezielt eingesetzte Projektile töten sechs Hamas-Mitglieder und verwunden mehrere Menschen, darunter eine Frau. In Deir al-Balah werden mehrere Raketen auf Wohngebiete abgeschossen. In der Nähe von Wadi Salqa werden zwei Häuser der Hawaidi-Familie zerstört und sieben Familienmitglieder - darunter drei Frauen - nach Israel verschleppt. Am gleichen Tag verbieten israelische Grenzposten französischen Konsulatsbeamten, die sich ein Bild von der Lage machen wollen, den Gazastreifen zu betreten. (Ein Hintergrund: Der dubiose Tunnelbauer Abu Dawabah wird verhaftet und behauptet beim Verhör, dass ihm sowohl von der Hamas wie auch von den Aqsa-Brigaden Geld für die Entführung eines israelischen Soldaten geboten worden sei. [Quelle: Ma`an 3.11.2008] Einen Tag später erfolgt ein Dementi aus dem Hamas-Innenministerium. [Siehe auch: International Crisis Group: Ending the War in Gaza. Middle East Briefing No. 26, 5.1.2009, S.5.])

5. November:
Wohngebiete im Norden des Gazastreifens und in Khan Yunis werden beschossen. Israelische Truppen töten einen Führer des Jihad und sechs Hamas-Funktionäre. Daraufhin schießen die Hamas, die Aqsa-Brigaden und der Jihad Raketen auf Israel. Bis dahin hatte sich die Hamas vollständig an die Vereinbarung gehalten. Der Jihad und die Aqsa-Brigaden erklären, der Waffenstillstand werde sie nicht davon abhalten, auf israelische Verletzungen des Abkommens zu reagieren. Trotzdem will die Hamas am Waffenstillstand festhalten und bittet Ägypten um Vermittlung.

5. November:
Der Gazastreifen wird komplett abgeriegelt. Selbst Lebensmittel, Medizin, Benzin, Ersatzteile für Generatoren und Wasserpumpen, Papier, Telefone und Schuhe werden nicht mehr oder nur in minimalen Mengen in den Gazastreifen gelassen.

8. November:
Israelische Bulldozer dringen an mehreren Stellen in den Streifen ein. Es kommt zu bewaffneten Zusammenstößen mit Einheiten der DFLP.

9. November:
Hamas-Chef Ismail Haniya erklärt gegenüber Europaabgeordneten, die mit einem Schiff der Free-Gaza-Bewegung die Seeblockade durchbrochen und Gaza besucht hatten, die Hamas könne mit einer Lösung des Palästinaproblems auf der Basis der UN-Resolutionen leben [Quelle: Ma`an 9.11.2008]

12. November:
Vier weitere Hamas-Mitglieder werden getötet. Israelische Flugzeuge schießen Raketen auf Wohngebiete. Die palästinensischen Fraktionen werden dem Waffenstillstand gegenüber immer skeptischer. Israelische Bulldozer schlagen auf dem Gebiet des Gazastreifens eine 150 m breite Schneise für Militärpatrouillen und zerstörten dabei etwa 750 ha Agrarland. [Quelle: Ma`an 12.11.2008].

13. November:
Israelische Grenzer verbieten einem UN-Lebensmittelkonvoi, die Grenze zu passieren. Die DFLP erklärt, es gehe Israel nicht um einen Waffenstillstand, sondern darum, den Widerstand gegen die Besatzung zu brechen. In den nächsten Tagen schießen die PFLP, die DFLP, die Volkskomitees und die Hamas Projektile auf israelische Orte, während israelische Flugzeuge den Norden des Gazastreifens bombardieren.

16. November:
Der israelische Transportminister ruft dazu auf, die gesamte Hamas-Führung umzubringen. Bei neuen Angriffen werden vier Mitglieder der Volkskomitees getötet. Inzwischen sind 15 Menschen bei den Luftangriffen der letzten Tage ums Leben gekommen. Die Volkskomitees erklären den Waffenstillstand für beendet. Ihr Sprecher gibt Israel die Verantwortung.

17. November:
Die DFLP und der Jihad schießen Raketen nach Israel.

18. November:
Die Lebensmittelkrise spitzt sich immer weiter zu. 50% der Bäckereien können wegen Mangels an Mehl nicht mehr arbeiten. Andere verwenden Tierfutter zum Brotbacken. Israelische Panzer dringen in den Streifen ein, es kommt zu bewaffneten Zusammenstößen mit der PFLP und den Mujahedin, einer weiteren Widerstandsgruppe der Fatah. Israelische Marine-Soldaten verhaften 15 Fischer und drei ausländische Solidaritätsaktivisten vor der Küste Gazas. Die "Internationals" hatten die Fischer in der Hoffnung begleitet, dass ihre Anwesenheit ein Mindestmaß an Schutz gewähren würde. Sie werden nach Israel verschleppt und nach sechs Tagen Isolationshaft ausgewiesen. [Quelle Ma`an 18.11.2008] Die drei Fischer-Boote wurden nach 9 Tagen wieder zurückgegeben, ein Boot war allerdings beschädigt, die GPS-Geräte fehlten. Den Solidaritätsaktivisten wurde während der Tage im Gefängnis der Kontakt zu Rechtsanwälten und ihren Botschaften verwehrt. [Quelle: http://www.freegaza.org/de/home/547-three-palestinian-fishing-boats-returned und: http://www.freegaza.org/de/home/558-kidnapped-in-gaza]

20. November:
Erneut wird ein Hamas-Mitglied durch gezielten Raketenbeschuss ermordet. Die Hamas gerät zunehmend unter Druck der anderen Gruppen, aber auch der eigenen Basis, die fordert, sie solle die israelische Seite zur Einhaltung des Waffenstillstandes zwingen. Aber wie?

23. November:
Aus diplomatischen Quellen heißt es, die Ägypter hätten sich eingeschaltet und zwischen der Hamas und der israelischen Regierung die Rückkehr zum Waffenstillstand zu den ursprünglich ausgehandelten Bedingungen vereinbart. Dies wird von der Hamas bestätigt. Hamas-Sprecher Ayman Taha erklärt außerdem, dass sich auch die anderen Widerstandsgruppen zur Fortsetzung des Waffenstillstandes bereit erklären - unter der Bedingung, dass die Blockade aufgehoben wird. Die israelische Seite äußert sich nicht dazu.

24. November:
Ein Mitglied der Volkskomitees stirbt durch eine israelische Rakete. Der israelische Verteidigungsminister Barak nimmt den Befehl, die Grenze für dringend benötigte Lebensmittellieferungen zu öffnen, wieder zurück, nachdem laut israelischer Angaben Raketen abgeschossen wurden, für die jedoch kein Bekennerschreiben vorliegt. Schon im August waren mehrfach Raketen ohne Bekennerschreiben aus dem Gaza-Streifen in die Negev-Wüste geschossen worden, woraufhin jeweils die Grenzen geschlossen wurden. Hamas-Führer Mammud al-Zahhar warf damals israelischen Agenten vor, sie wollten den Vorwand für einen Truppeneinmarsch schaffen. [Quelle: Ma`an 12.9.2008] Zeitgleich tauchen auch die Namen von Gruppen wie Ahrar al-Jalil, Tawhid-Brigaden, oder Hisb Allah-Einheiten auf, von denen zuvor niemand in Gaza gehört hat und die niemand kennt. Manche vermuten, dass es sich dabei um Kollaborateure handelt, die den Waffenstillstand korrumpieren wollen. Andere Stimmen meinen, dass es sich um kleine radikale Zellen handelt, die glauben, dass die Hamas zu vielen Konzessionen gemacht hätte.

28. November:
Die israelische Armee tötet einen Mann aus Khan Yunis, der keiner Organisation angehört. Am selben Tag werden acht israelische Soldaten an einem Grenzposten durch Angriffe der Mujahedin verletzt.

30. November:
Der Jihad erklärt, er fühle sich nicht mehr an den Waffenstillstand gebunden. Die Aqsa-Brigaden schießen wieder Projektile auf Sederot. Über Vermittler aus Qatar werden die Hamas und der Jihad gewarnt, dass Israel eine groß angelegte Militäroffensive in den Gazastreifen plane. Die politische Hamas-Führung richtet einen dringenden Appell an die bewaffneten Gruppen einschließlich ihrer eigenen Qassam-Brigaden, den Feuerbeschuss auf israelische Orte einzustellen.

2. Dezember:
Wieder dringen israelische Panzer in den Gazastreifen ein. Bei Luftangriffen werden zwei Teenager getötet.

4. Dezember:
Die Aqsa-Brigaden schießen Raketen auf Ashkelon.

5. Dezember:
Massive Übergriffe von jüdischen Siedlern auf Palästinenser in Hebron. Während die Aqsa-Brigaden, die DFLP und die Quds-Brigaden des Jihad als Reaktion auf die Vorfälle in der Westbank Raketen auf israelische Orte schießen, organisiert die Hamas Solidaritätsdemonstrationen mit den Palästinensern in Hebron, um das, was von dem Waffenstillstandabkommen übrig geblieben ist, nicht auch noch zu gefährden.

7. Dezember:
Im Gazastreifen wird die Blockade immer enger. Ein Schiff mit Friedensaktivisten aus Israel, das Lebensmittel und Geschenke für Kinder anlässlich des Opferfestes nach Gaza bringen will, wird von israelischen Kriegsschiffen zur Umkehr gezwungen. Nicht anders ergeht es einem Schiff aus Qatar und einem weiteren aus Libyen, die Lebensmittel nach Gaza bringen wollen.

13. Dezember:
Tzipi Livni erklärt, dass im Falle der Gründung eines palästinensischen Staates die in Israel lebenden Palästinenser aus Israel ausgebürgert würden. Inzwischen sieht keine Organisation mehr einen Sinn in der Verlängerung des Waffenstillstandes. Regelmäßig beschießen Brigaden der DFLP, der Aqsa-Brigaden, der Volkskomitees und des Jihad israelische Orte. Die politische Führung der Hamas in Gaza, vor allem der de-facto-Präsident Haniya hat keine Mittel, das zu unterbinden, da auch der eigene bewaffnete Flügel, die Qassam-Brigaden keinen Sinn mehr im Waffenstillstand sieht.

14. Dezember:
Die Hamas-Auslandsführung erklärt durch Khaled Mashaal, die Hamas lehne eine Verlängerung ab, während Haniya immer noch hofft, dass es mit ägyptischer Vermittlung zu einer Verlängerung kommt.

19. Dezember:
Am Tag an dem das sechsmonatige Waffenstillstandsabkommen ausläuft, erklären alle Fraktionen auf getrennten Massenveranstaltungen, dass sie den Waffenstillstand für beendet halten - auch die Fatah.

20. Dezember:
Fawzi Barhum, der Sprecher der Hamas, ruft alle Fraktionen zur Bildung einer gemeinsamen Widerstandsfront auf. Auf die russische Forderung, die Hamas möge die Erneuerung des Waffenstillstandes erwägen, antwortet er verbittert, dass es an der internationalen Gemeinschaft sei, Druck auf Israel auszuüben, seine Angriffe auf das palästinensische Volk einzustellen, anstatt die Opfer dieser Angriffe zu beschuldigen. [Quelle: Ma`an 21.12.2008]. Aber die Ägypter reagieren nicht.

23. Dezember:
Der ehemalige Außenminister der Hamas-Regierung, Mahmud al-Zahhar, erklärt noch einmal, dass die Hamas zur Fortsetzung des Waffenstillstandsabkommens bereit sei, wenn sich Israel an die im Juni vereinbarten Bedingungen - also vor allem die Aufhebung der Blockade - hält. Allerdings ist der Diskurs der Qassam-Brigaden gedämpfter. Abu Ubaida, Sprecher der Qassam-Brigaden, spricht lediglich von der Möglichkeit der Aussetzung der Kampfhandlungen, nicht mehr von einem Waffenstillstand und will auch Aktionen in Israel nicht ausschließen, falls dieses mit seiner Aggression in Gaza, nicht aufhört [Quelle: Ma`an, 23.12.2008].

27. Dezember:
Israel greift den Gazastreifen militärisch an und tötet bis zum 18. Januar etwa 1.360 Menschen, überwiegend Zivilisten, darunter mehr als 400 Kinder. Viele Tausend werden verletzt und obdachlos. Israel verwendet Phospor als Waffe, pflügt einen Friedhof um, schießt auf UNO, Schulen, Moscheen etc. Auf israelischer Seite sterben etwa 13 Personen, einige davon durch eigene Soldaten. Die westliche Welt gibt Hamas die Alleinschuld für die Katastrophe.


GAZA CHRONOLOGY 19 JUNE - 27 DEC. 2008
Written by Anis Hamadeh | 25 February 2009


19th June:
Ceasefire agreement between Israel and the Hamas government comes into force for six months. Israel insisted on a verbal agreement. It stated: cessation of all military hostilities on both sides, opening of Gaza's borders after 72 hours for 30% more trade, unrestricted trade after ten days. Egypt supports the extension of the agreement to the West Bank. (source: International Crisis Group: Ending the War in Gaza. Middle East Briefing No. 26, 5.1.2009, p.3)

19th June
Israeli warships fire four rockets at Palestinian fishermen in Palestinian waters. On the same day aircraft circling over Gaza City break the sound barrier near the ground and trigger a panic among the people. In the area of Khan Yunis Israeli patrols shoot over the border fence at farmers who work on their fields on the other side of the border. (source: Ma'an, 26.06.2008). This scenario is repeated almost daily.

24th June:
Two young officials of Jihad are murdered in their homes in Nablus by units of the IDF (Israeli Defence Force). On the same day al-Quds Brigades fire three rockets at Sderot in retaliation. (source: Ma'an 24.06.2008) The Israeli side uses the action of Jihad as an excuse to close the border crossings again.

26th June:
The al-Aqsa Brigades fire a rocket on Sderot after many Fatah members have been arrested in raids by the Israeli army. With this the al-Aqsa Brigades want to force the extension of the ceasefire to the West Bank. The spokesman of the Hamas government in Gaza warns the al-Aqsa Brigades that their actions would prevent the lifting of the blockade and favour instead the narrower interests of a organisational and political nature.

29th June:
A delegation of farmers complain to Hamas' Ministry of Agriculture that because of the Israeli bombardment they can no longer cultivate their fields along the border fence.

4th August:
During a meeting of the Israeli labour party the Minister of Defence, Ehud Barak, threatens a ground invasion into the Gaza strip, despite Hamas' adherence to the ceasefire.

8th August:
The director of the secret service Shin Bet, Yuval Diskin, thinks that a ceasefire would reduce the pressure on Hamas to release Shalit. He calls on the army to prepare for a major military offensive. (source: Ma'an 8.8.2008) These statements reinforce the impression among Palestinians that as far as the Israeli military leadership is concerned the purpose of the ceasefire is to gain time in order to prepare an offensive.

29th September:
The Israeli navy sinks a fishing boat (source: www.btselem.org/english/ testimonies/20080910_israeli_navy_boat_ charges_into_a_fishing_boat_witness_al_hasi.asp) , after fishing boats were shot at and rammed several times.

4th November:
Israeli troops enter into Khan Yunis. Deliberately targeted projectiles kill six Hamas members and injure several people, including one woman. In the Deir al-Balah several rockets are fired at residential areas. Near Wadi Salqa two houses of the Hawaidi family are destroyed and seven family members, three of them women, are kidnapped and taken to Israel. The same day Israeli border guards prevent French consular officals, who want to get a picture of the situation, from entering the Gaza strip. (Some background information: the dubious tunneller Abu Dawabah is arrested and claims during interrogation that both Hamas and and al-Aqsa brigades had offered him money for kidnapping an Israeli soldier. (source: Ma'an 3.11.2008) One day later the Hamas Ministry of Internal Affairs issues a denial. (See also International Crisis Group: Ending the War in Gaza. Middle East Briefing No. 26, 5.1.2009, p.5)

5th November:
Residential areas in the north of the Gaza strip and Khan Yunis are bombarded. Israeli troops kill a leader of Jihad and six Hamas officials. Because of this, Hamas, the al-Aqsa Brigades and Jihad fire rockets into Israel. Until then Hamas fully observed the ceasefire. Jihad and the al-Aqsa Brigades state that the ceasefire will not prevent them from reacting to Israeli violations of the agreement. In spite of this, Hamas wants to continue the ceasefire and ask Egypt for mediation.

5th November:
The Gaza Strip is completely sealed off. Even food, medicine, fuel, spare parts for generators and water pumps, paper, telephones and shoes can no longer or only in minimal amounts enter the Gaza Strip.

8th November:
Israeli bulldozers enter into the strip at several points. This leads to armed clashes with the units of the DFLP.

9th November:
Hamas Chief Ismail Haniya declares to European delegates who had broken through the sea blockade with a boat of the Free Gaza Movement and visited Gaza that Hamas could live with a solution of the Palestine problem on the basis of UN Resolutions. (source: Ma'an 9.11.2008)

12th November:
A further four Hamas members are killed. Israeli airplanes fire rockets at residential areas. The Palestinian factions are getting ever more skeptical about the ceasefire. Israeli bulldozers cut a 150 metre swath into an area in the Gaza Strip for military patrols, destroying about 750 hectares of agrarian land. (source: Ma'an 21.11.2008)

13th November:
Israeli boarder patrols bar a UN food convoy from passing the border. The DFLP claims that for Israel this was not about the ceasefire, but about breaking resistance to the occupation. In the following days the PFLP, the DFLP, the Popular Committees and Hamas fire projectiles at Israeli places while Israeli airplanes bomb the north of the Gaza Strip.

16th November:
The Israeli Minister of Transport calls for killing the whole Hamas leadership. During new attacks another four members of the Popular Committees are killed. By now 15 people have been killed during the air strikes in recent days. The Popular Committees declare the end of the ceasefire. Their spokesperson blames Israel.

17th November:
The DLFP and Jihad fire rockets into Israel.

18th November:
The food crisis gets worse and worse. 50% of the bakeries cannot operate anymore due of lack of flour. Others use animal feed to bake bread. Israeli tanks enter the strip, there are armed clashes with the PFLP and the mujaheddin, another resistance group of Fatah. The Israeli Navy arrest 15 fishermen and three foreign solidarity activists off the coast of Gaza. The "Internationals" accompanied the fishermen in the hope that their presence would guarantee a minimum of protection. They are taken to Israel and get expelled after six days of solitary confinement. (source Ma'an 18.11.2008). The three fishing boats were given back after 9 days, but one boat was damaged, the GPS device was missing. During their days in prison, the solidarity workers were barred from contacting their lawyers and their embassies. (source: http://www.freegaza.org/de/home/547-three-palestinian-fishing-boats-returned and http://www.freegaza.org/de/home/558-kidnapped-in-gaza ]

20th November:
Yet again a Hamas member is killed by targeted rocket strikes. Hamas increasingly comes under pressure from the other groups as well as their own base, who demand they force Israel to keep to the ceasefire. But how?

23th November
Diplomatic sources claim that the Egyptians stepped in and got Hamas and the Israeli government to agree to resume the ceasefire according to the conditions originally negotiated. This is confirmed by Hamas. Hamas spokesman Ayman Taha furthermore states that the other resistance groups also agree to the continuation of the ceasefire - on condition that the blockade is lifted. Israel does not comment on this.

24th November:
A member of the Popular Committee is killed by an Israeli rocket. After Israeli claims that rockets were fired - but no one claimed responsibility for that - the Israeli Minister of Defense Barak retracts the order to open the border for urgently needed food deliveries. As far back as August rockets had been fired on several occasions from the Gaza Strip to the Negev desert, without claim of responsibility, which led to the closure of the border each time. At the time Hamas leader Mammud al-Zahhar accused Israeli agents of creating a pretext for a land invasion. (source Ma'an 12.9.2008). Also at the time the names of groups nobody in Gaza had heard of before and knew anything about crop up such as Ahrar al-Jalil, Tawhid Brigades or Hisb Allah. Some believe they are collaborators wanting to corrupt the ceasefire. Other voices believe they are small radical cells who think Hamas have made too many concessions.

28th November:
The Israeli army kills a man from Khan Yunis, who doesn't belong to any organisation. On the same day eight Israeli soldiers are injured at a boarder border post through attacks by the mujaheddin.

30th November:
Jihad declare they no longer feel bound by the ceasefire. The al-Aqsa Brigades fire projectiles at Sderot again. Hamas and Jihad are warned by mediators from Qatar that Israel plans a major military offensive in the Gaza Strip. The political leadership of Hamas issues an urgent appeal to armed groups including their own al-Qassam Brigades to stop firing rockets into Israel.

2nd December:
Israeli tanks enter the Gaza Strip again. Two teenagers are killed in air strikes.

4th December:
Al-Aqsa Brigades fire rockets at Ashkelon.

5th December:
Massive assaults by Jewish settlers on Palestinians in Hebron. While the al-Aqsa Brigades, the DFLP and the al-Quds Brigades of the Jihad fire rockets at Israeli places as a reaction to the events in the West Bank, Hamas organises solidarity demonstrations with Palestinians in Hebron to rescue what is left of the ceasefire agreement.

7th December:
The blockade in the Gaza Strip is getting more severe. A boat from Israel with peace activists wanting to bring food and gifts for children to Gaza on the occasion of the feast of sacrifice is forced to turn back by Israeli warships. The same fate befalls a boat from Qatar and another one from Libya, both of which want to deliver food to Gaza.

13th December:
Tzipi Livni states that in case a Palestinian state is set up the Palestinian people living in Israel would be expatriated. By now no organisation thinks there is any purpose in extending the ceasefire. Brigades of the DFLP, al-Aqsa, the Popular Committees and Jihad fire at Israeli places on a regular basis. The political leadership of Hamas in Gaza, especially the de facto president Haniya has no means of preventing this, because even their own armed faction, the al-Qassam Brigades, no longer see any sense in the ceasefire.

14th December:
The Hamas leadership abroad states through Khaled Mashaal that Hamas reject an extension of the ceasefire, whereas Haniya still hopes that Egypian mediation will help achieve an extension.

19th December:
On the same day the six-month-ceasefire ends all factions declare at separate mass events that they consider the ceasefire to be finished - even Fatah.

20th December:
Fawzi Barhum, the spokesman of Hamas, calls on all factions to form a common resistance front. His acerbic reply to the Russian demand that Hamas should consider the extension of the ceasefire is that the onus was now on the international community to put pressure on Israel to cease the attacks on the Palestinian people, instead of blaming the victims of these attacks. (source: Ma'an 21.12.2008) But the Egyptians do not react.

23th December:
The former Minister of Foreign Affairs of the Hamas government, Mahmud al-Zahhar, declares once again that Hamas is prepared to continue with the ceasefire agreement, provided Israel adheres to the conditions agreed in June, in particular the lifting of the blockade. But the discourse of al-Qassam Brigades is more subdued. Abu Ubaida, spokesman of al-Qassam Brigades, speaks only about the possibility of suspending the military action and no longer about a ceasefire and does not exclude any military action in Israel if Israel does not stop its agression against Gaza. (source: Ma'an 23.12.2008)

27th December:
The Israeli military attacks the Gaza Strip, killing about 1,360 people, mostly civilians including more than 400 children, by 18th January 2009. Many thousands are injured and made homeless. Israel uses phosphorus as a weapon, turns over a cemetery, shoots at the UN, schools, mosques etc. About 13 people die on the Israeli side, some of them are killed by their own soldiers. The West puts the whole blame for the catastrophe on Hamas.

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Created by Anis for the Gaza List http://www.anis-online.de/1/essays/gazaliste.htm , information based on Ivesa Lübben: "Warum der Waffenstillstand scheitern musste", http://www.toomuchcookies.net/archives/2125/ivesa-lubben-warum-der-waffenstillstand-scheitern-musste.htm/all/1 , Translated by Güzin Bilgi, revised by Susanne Schuster, members of Tlaxcala, revised also by Paul Larudee from the Free Gaza Movement

GLOSSAR DES DEUTSCHEN GAZA-BEWÄLTIGUNGSDISKURSES
Anis, 2. März 2009

ANTISEMITISMUS
Mit dieser Chiffre ist im deutschen Mainstream meistens fehlender Philo-Semitismus gemeint. In sehr vielen Fällen ist sein Vorwurf ein Ideologie-Indikator für positiven Rassismus gegenüber Juden. In Deutschland können "die Juden" nur entweder die Bösen oder die Guten sein. Das hat historische Gründe und wird nicht hinterfragt. Deutschland hat eine Tradition im Rassismus gegenüber Juden, die es offenbar nicht aufgeben möchte.

BEIDE SEITEN
Eine Schuldvertuschungs-Chiffre. Da Israel nicht allein schuldig sei und man die Palästinenser ja auch nicht belange, fällt eine Verurteilung Israels ganz aus.

BELOHNUNG
Im deutschen Gaza-Bewältigungsdiskurs wird die Aufhebung der völkerrechtswidrigen Blockade von Gaza als Belohnung für gutes Verhalten der Hamas in Aussicht gestellt. Die Palästinenser müssen sich ihre Menschenrechte demnach erst verdienen. Noch sind sie also keine Menschen, allerdings gibt es nicht wie damals einen eigenen Begriff dafür.

BIBI UND ZIPI
Einige der Verantwortlichen in Israel nennen sich nach Tele-Tubbies, um Volksnähe zu zeigen.

EXISTENZRECHT
Eine Chiffre für unbeschränktes Handlungsrecht.

HAMAS
Das Feindbild in seiner charakteristischen Form. Sie wird als so böse hingestellt, dass jedes Mittel gegen sie recht ist. Wenn es dabei Unschuldige trifft, ist wieder die Hamas schuld, weil das in Deutschland so Gesetz ist. Man braucht nur an sie zu erinnern und schon bedarf es keiner Argumente mehr. Das ist sehr praktisch, weil man dann einfach sagen kann, die Hamas habe einen Waffenstillstand gebrochen, ob das nun stimmt oder nicht.

HISTORISCHE VERANTWORTUNG
Eine Chiffre für gegenwartsbezogenen Realitätsverlust, ein Nabelschau-Argument.

HYDRA
Deutsche Journalisten kennen sich gut in griechischer Mythologie aus, weil es das Volk der Dichter und Denker ist. Die Hydra ist der Feind, von dem es seltsamerweise immer mehr gibt, obwohl man sowohl den Israelis als auch den Deutschen oder überhaupt dem Westen eigentlich gar nichts Schlechtes nachsagen kann.

OPFER
Opfer sind die Juden, was durch regelmäßige Antisemitismusartikel in den Zeitungen untermauert wird. Wenn ein Jude Gewalt anwendet, erkennt ein deutscher Journalist und Politiker darin immer eine Verteidigung, egal ob in Deutschland oder in Palästina. Das geht auch nicht anders, weil "der Jude" in Deutschland entweder gut oder böse sein muss (siehe ANTISEMITISMUS) und böse ist er ja nicht, wie wir nach 1945 gelernt haben. Daher MUSS er Opfer sein, sonst passt nichts mehr zusammen.

RADIKALISLAMISCH
Ein Ideologie-Indikator, der meist am Anfang von Artikeln/Nachrichten genannt wird. Er verweist auf das Feindbild, denn es gibt keinen anderen plausiblen Grund für die Verwendung des Begriffs.

RECHTSRUCK
Nach den Wahlen gibt es fast nur noch ultra-nationale, nationalistische und antidemokratische Elemente an der Macht, aber das hat überhaupt nichts zu bedeuten, weil die Israelis die Guten sind. Da kann wirklich nichts passieren. In Gaza ist auch eigentlich nichts passiert, denn die Hamas hatte ja selber schuld. Inzwischen sind es fast 1.500 Tote, aber, wie gesagt, ein Rechtsruck in Israel ist völlig ungefährlich und überhaupt nicht mit Deutschland zu vergleichen. Auch wenn Frau Merkel in der Knesset gesagt hat, dass wir dieselben Werte haben. Sie meinte damit etwas anderes.

STAATSRÄSON
Das ungeschriebene Gesetz, das diesem Glossar zu Grunde liegt.

TÄTER
Täter sind im deutschen Gaza-Bewältigungsdiskurs im Wesentlichen Nazis und Hamas. Und wir alle natürlich, aber hauptsächlich Hamas. Manchmal auch Muslime. Vor der Hamas war es die PLO und vor Ahmedinedschad war es Saddam. Nach Ahmedinedschad und der Hamas wird sich weiteres Material finden, denn die Gegend wimmelt interessanterweise nur so von Feinden.

TUNNEL
Ganz wichtig ist deutschen Politikern und Journalisten, dass der elende Waffenschmuggel durch die Tunnel nach Ägypten aufhört. Es ist für sie eine Bedingung für den Frieden. Die Palästinenser sollen unbewaffnet sein, wenn sie mit Phosphor, Panzern und Raketen bekämpft werden.

ZIONISMUS
Dieses Wort kommt im deutschen Diskurs selten vor, weil es ein ganz heißes Eisen ist. Daher projiziert man den Begriff und identifiziert ihn mit dem Judentum. Der an der Macht befindliche Zionismus ist eine nationalistische Ideologie, die auf eine angenommene prinzipielle Höherwertigkeit von Juden gegründet ist und sich daher vorbehält, internationales Recht und die Menschenrechte nicht einzuhalten.
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