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STATEMENTS (1)
August bis September 2001
WACKEL-ELVIS (05.10.01)
ULI WICKERT (04.10.01)
WARUM TAZ? (30.09.01)
FISCHER-INTERVIEW (29.09.01)
GÜNTER GRASS (27.09.01)
PUTIN (26.09.01)
STULLEN (19.09.01)
PETER SCHOLL-LATOUR (17.09.01)
DIE TALIBAN (17.09.01)
VIER EBENEN DES TERRORISMUS (14.09.01)
DEUTSCHLAND/USA (12.09.01)
DIE WELT NACH DEM 11.09.2001 (11.09.01)
PALÄSTINA/ISRAEL (10.09.01)
MAZEDONIEN (2) (17.08.01)
ELVIS PRESLEY (16.08.01)
TIERMEHL (06.08.01)
SOMMERLOCH (06.08.01)
GEMA (03.08.01)
DEMOKRATIE (02.08.01)
MAZEDONIEN (01.08.01)
UNO/NATO (01.08.01)

WACKEL-ELVIS:

Gestern bei Karstadt habe ich ihn endlich gesehen: den offiziellen Wackel-Elvis, mit "Elvis Presley Inc." und Autogramm und "Das Original" und "all rights reserved". Mit allem Zipp und Zapp. Sie erinnern sich bestimmt an die Geschichte: Eine Autofirma hatte einen Werbespot mit dem Wackel-Elvis, und das Ding machte sich dann selbstständig. Sogar seine Majestät der Spiegel hat darüber eine ganze Seite verbraten, weil es sich um ein soziologisches Phänomen handelt und weil es eine lustige Sache ist. Der Spot war ja auch bereits sehr lustig. Wer weiß, ob nicht sogar Stefan Raab seine Finger da mit drin hatte.

Eine Woche, nachdem es im Spiegel stand, hat sich jeder zehnte Bundesbürger den Wackel-Elvis gekauft. Der Markt reagierte schnell, denn man kriegte nicht nur die Elvis-Fans, sondern auch die Auto-Fans. Viele Fälschungen waren in den Fußgängerzonen der Republik erhältlich. (Die so genannten "Bootlegs"). Die baumelten fortan an den bundesdeutschen Windschutzscheiben. Ist ja auch eine witzige Sache. Es gibt ja seit den 90-er Jahren verstärkt auch die Rubrik "Kochen mit Elvis", wo es um die leckeren Südstaaten-Spezialitäten eines Fast-Food-Liebhabers geht. Ich glaube, darüber gibt es auch ein Theaterstück. Ist ja auch klar, wie man darauf kam: Elvis, essen, fett sein, wackeln, Kochbuch, Theaterstück, Windschutzscheibe. Und jetzt gibt es das offizielle Original. Schön, dass Elvis nicht vergessen wird. Toll. Und ist ja auch eine witzige Geschichte. (05.10.01)


ULI WICKERT:

Der beliebte Tagesthemenredakteur Ulrich Wickert sagte in der Zeitschrift Max, dass Bush und bin Laden ähnlich denken. Dies war seine Interpretation eines Satzes der indischen Autorin Arundhati Roy, die sagte: "Osama bin Laden ist das amerikanische Familiengeheimnis, der dunkle Doppelgänger des amerikanischen Präsidenten." Wickert, so die Hamburger Morgenpost heute, wirft dem Westen vor, die tieferen Ursachen für die Terroranschläge nicht verstanden zu haben. Diese hätten nicht auf die ethischen Werte des Westens, "sondern auf dessen Überheblichkeit und Materialismus" gezielt. Nachdem die CDU, die Presse und Amnesty International sofort großen Druck auf Wickert ausgeübt hatten und ihn sogar stürzen wollten, entschuldigte der sich öffentlich und bedauerte, sich undeutlich ausgedrückt zu haben.

Lieber Herr Wickert, also hier sind Sie wirklich zu weit gegangen. Wollten Sie vielleicht belegen, dass amerikakritische Äußerungen nicht erwünscht sind? Also das wäre nicht nötig gewesen. Wie können Sie nur so etwas überhaupt denken, dass Bush und bin Laden irgendwelche Ähnlichkeiten hätten?! Das ist mir völlig schleierhaft. Wenn es zum Beispiel anfängt zu regnen, dann denkt Bush: "Ich brauche einen Regenschirm", aber bin Laden denkt: "Ich will alle töten". Und wenn Bush Hunger hat, denkt er: "Jetzt hole ich mir was zu essen", aber bin Laden denkt: Naja, Sie wissen schon.

Doch es gibt noch eine weitere Dimension dieses fatalen Fauxpas'. Ich hatte Ihnen nämlich, Herr Wickert, ende August Bambusheft 21 zukommen lassen, da Sie in einem der Stücke vorkommen. Nun kann es natürlich passiert sein, dass Sie auf meiner Homepage gelandet sind. Ich hoffe nicht, dass ich Sie da zu irgendetwas ermutigt habe... Nun kriege ich ein bisschen schon ein schlechtes Gewissen. Vielleicht haben Sie ja nicht nur Arundhati Roy fehlinterpretiert. Ich möchte deshalb an dieser Stelle noch mal klarstellen, dass ich Pazifist bin und Gewalt wirklich ablehne. Ich würde nie so etwas Brutales sagen, wie, dass Bush und dieser andere, naja, Sie wissen schon. Irgendwo gibt es auch Grenzen. Für Satiriker ebenso wie für Journalisten. Das ist ja schon fast so, als würde man die Terroristen in Schutz nehmen. Wir müssen heute eben alle umdenken. Das Einzige, das meiner Ansicht nach in diesem unschönen Vorfall für Sie spricht, ist die Tatsache, dass Sie es geschafft haben, in Ihrer Entschuldigung Bush ironisch den "Führer der freien Welt" zu nennen. Das war schon lustig. Das habe sogar ich verstanden.

Anyway, sollten sich für Sie irgendwelche Schwierigkeiten ergeben, bin ich angesichts der Vorgeschichte selbstverständlich bereit, Sie in meiner Kieler Wohnung für eine Weile unterzubringen. Wenn Sie Basmati-Reis mögen, dürfte es da keine Probleme geben. Gruß an Uli Wickert! (04.10.01)

Lesen Sie dazu: BÜNDNISPFLICHT IST STAATSRÄSON


Kennen Sie eigentlich die NACHRICHTEN VON OZZY BALOU?


WARUM TAZ?:

Zu dieser Frage äußerten sich 18 RedakteurInnen anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der taz Hamburg. Eine sagte: "Weil die Pressefreiheit in den Redaktionen anfängt. Und weil in Hamburg JournalistInnen neuerdings von ihrem Verlag verpflichtet werden, die Nato zu unterstützen." Ich wollte das nur mal erwähnen. (30.09.01)


FISCHER-INTERVIEW:

Im heutigen großen taz-Interview äußert sich Außenminister Fischer zu den Fragen der Zeit. "Meinen Sie, ich will in den Krieg ziehen?" fragt er und überlässt es den Leserinnen und Lesern, die Antwort zu finden. Fischer sagt weiter: "Man kann sich die Herausforderungen in der Politik leider nicht aussuchen. Man kann fordern, die Welt müsse eine andere sein. Aber das können wir als rot-grüne Regierung nicht bieten. Das können nur höhere Mächte als wir." Die Welt wird also mit SPD und Grünen keine andere werden.

"Wenn wir den Terror jetzt nicht besiegen, dann wird er unseren Alltag bestimmen," sagt Fischer. Was ist Terror, wieso sollte er unseren Alltag bestimmen?

"Sie (die Terroristen) wollten nicht nur eine Supermacht demütigen, sondern auch einen Kampf der Kulturen anzetteln. Sie haben Amerika und uns den Krieg erklärt. Nicht anders herum", sagt Fischer. Wir sind also völlig unschuldig und brauchen keinerlei Selbstkritik. Die anderen haben Schuld.

Zur Gewaltfrage im grünen Diskurs sagt Fischer, dass für ihn immer das Interesse Deutschlands an erster Stelle stehen wird. "Aber natürlich schlägt mein Herz auch auf der Seite derjenigen, die sich immer wieder diese eine Frage stellen: Gibt es zu diesem Töten und Morden, gibt es zur Gewalt nicht doch bessere Alternativen?" Er selbst also stellt sich diese Fragen nicht in erster Linie.

Zur PDS sagt Fischer: "Die betreibt doch nur einen opportunistischen Pazifismus." Opportunistisch? Wie jetzt? Aber er hat das Wort gebraucht. Wen also meint er damit?

Insgesamt führt der beliebteste deutsche Politiker seine Politik fort, die Menschen im Unklaren zu lassen und dabei zu betonen, dass es überhaupt nicht so sei. Einzig die Mehrheit interessiert ihn, ganz egal, was die will. Joseph Fischer, meine Damen und Herren, der am heftigsten überschätzte Politiker unseres Landes. Gruß an die taz-Redaktion. (29.09.01)


GÜNTER GRASS:

Gestern abend sagte Günter Grass in Lübeck, dass sich der internationale Terrorismus nur durch ökonomische Gerechtigkeit bekämpfen ließe. "Wenn man den Hass und die Anlässe zum Hass verringert, wird auch der Terrorismus nachlassen", sagte er, und er äußerte sich, wie die Hamburger Morgenpost heute schrieb, kritisch zu Schröders Ankündigung, Deutschland werde "uneingeschränkte Solidarität" mit den USA üben. Grass wörtlich: "Zur Freundschaft mit den USA gehört auch, dass man dem Freund in den Arm fällt, wenn er im Begriff ist, etwas Falsches zu tun." Die Attentate in den USA seien ein Anschlag auf die Zivilisation - und ich hoffe, die Mopo sieht mir nach, dass ich jetzt fast den kompletten Artikel zitiert habe - "aber die Antwort darauf muss mit zivilisierten Mitteln erfolgen."

Also lieber Herr Grass! Sie hätten es nicht besser sagen können. Vielen Dank! Wissen Sie, ich dachte erst, okay, der Grass ist jetzt Literaturweltmeister geworden und Pfeiferaucher des Jahrtausends und alles, und da käme wohl nicht mehr viel. Aber ich habe mich geirrt. Gruß an Günter Grass und die Mopo-Redaktion. (27.09.01)


PUTIN:

Da habe ich nun gerade den RUSSLAND-Bambus geschrieben, und schon hält Herr Putin diese rührende Rede im Bundestag. Nein, nein, ich meine das wirklich so. Er ist verdammt gut, dieser Putin! Seine Rede, bzw. die fünf Sekunden, die ich davon gesehen habe, war ganz richtig. Er hat das Zauberwort gesagt. Herr Putin hat vor kurzem ein längeres Interview gegeben, wo er sehr transparent und informativ erschien. Ich schrieb darauf den Russland-Text, weil ich skeptisch bin. Jemand mit einer solchen Vita und in einer solchen Position kann meiner Ansicht nach doch nicht gerecht sein, oder? Muss er nicht Unrecht begangen haben, um in Russland auf diesen Platz zu kommen? Aber dieses Denken führt auch nicht sehr weit. Nur wenn es um Scheinheiligkeit und Heuchelei geht, da bin ich sehr empfindlich und frage lieber noch mal nach. Noch kann ich es mir leisten. Wenn ich dann alt und selbst korrumpiert bin, können ja andere weitermachen. Putin jedenfalls möchte ich gern vertrauen. Es wäre sehr gut, wenn man Staatsleuten vertrauen könnte. (26.09.01)


STULLEN:

Glückwunsch an die KN-Redaktion! Ihr heutiger Aufmacher und extensiver Stullen-Report war allererste Sahne. Belegte Brote und auch gesunde Äpfel sind nach Ihrer Umfrage demnach sehr beliebt bei Schülern. Tina (13) und Eva (13) vom Ernst-Barlach-Gymnasium auf dem riesigen Foto mit der berühmten Kieler Stulle in der Hand sind eine Inspiration für die Seele. Im Gespräch dann Professor Manfred James Müller, Leiter des Universitätsinstituts für Humanmedizin, dessen umstrittene Hauptthese lautet: "Das Butterbrot ist eine gute Sache." Die Reporterin, die sich schon lange wegen ihrer rückhaltlosen und bisweilen forschen Berichterstattung bei einem großen Publikum uneingeschränkter Beliebtheit erfreut, fragte den Professor gleich zu Beginn des mit heftigen Worten zum Teil an der Grenze des Streitgesprächs verlaufenden Interviews die entscheidende und demaskierende Frage direkt ins Gesicht: "Haben Sie als Kind Butterbrote zur Schule mitgenommen?"

Also liebe KN-Redaktion, ich weiß nicht, wie viele Leute an dieser Story insgesamt gesessen haben, aber ich möchte Ihnen meinen Respekt und meine Anerkennung aussprechen. Ja, und irgendwie auch meine Dankbarkeit. Wie Sie das machen, immer wieder heiße Eisen einfach so auf den Tisch zu bringen! Mit einer Eleganz und Mühelosigkeit, die an einen Künstler erinnern. Also ich finde, das war bislang Ihr Meisterwerk. Ich stand mit offenem Mund da und habe nur gestaunt. Wow! Das war wirklich mutig! Sie haben wahrlich verstanden, was es heißt, eine neue Zeit würdig einzuläuten. (19.09.01)


PETER SCHOLL-LATOUR:

Angesichts der Ereignisse ist, wie Sie vielleicht bemerkt haben, Peter Scholl-Latour wieder hervorgekramt worden. Michel Friedman hat ihn gleich ins Fernsehen geholt, um sich bei ihm zu informieren. "Ist der Islam nicht eine große Bedrohung für uns alle?" fragte er den Altmeister, und ich machte mich auf das Schlimmste gefasst. Aber er, er war total cool! Die meisten Muslime in Deutschland seien völlig okay, meinte er. Peter Scholl-Latour, meine Damen und Herren! "Aber wenn es zu Kriegen kommt, welche Länder sollten wir dann als erstes angreifen?" Mit einer ähnlich unbefangenen Fragestellung stürmte Michel Friedman wieder nach vorne. Ach wissen Sie, meinte da der alte Haudegen, da sei gar kein richtiges Ziel. Man könne jetzt nicht einfach so Länder angreifen.

Herr Scholl-Latour! Was ist los? Sind Sie krank? Klar, so ein paar Kracher hatten Sie schon in petto. Dass wir jetzt Gegenterror brauchen. Aber das war ganz leise und klang lange nicht so überzeugend wie das andere. Dass Sie erwähnten, Europa brauche eine eigene Atombombe, war schon irgendwie wieder komisch. Sie sagten das wie ein kleiner Junge, der zeigen will, dass er auch hart sein kann. Naja, und dann das übliche Koranzitat: "yaqtuluuna wa-yuqtaluuna fi sabiil allah", "töten und getötet werden", das kenne ich noch von 1993, als ich die Vortragsreise gemacht und Sie dort satirisch verarbeitet habe (siehe unten). Wir hatten das damals schon auf Band und haben es oft parodiert. Nichts Neues also. Stattdessen ein aufgeklärter, verständiger Geist mit guten Informationen. Ich bin erschüttert.

Sabine meinte, Sie seien auch in anderen Medien zu hören gewesen, und wieder: keine Aggressivitäten, keine Legionärssprüche, kein Huntington-Kram. Wow! Auf der anderen Seite muss ich mit Bestürzung feststellen, dass ich selbst mich rhetorisch zu Ihnen hinbewege. Vor sechs Tagen schrieb ich Sachen wie: "Es ist schlagartig vorbei mit der Spaßgesellschaft. Kollektive Urängste liegen offen. Die Orientierungslosigkeit der Massen tritt wie ein Monster an die Oberfläche. Eine Neue Zeit ist angebrochen." Na, ich meine, das ist doch bester Scholl-Latour! Und dann haben wir auch noch beide das mit der Spaßgesellschaft gesagt. Wie soll es jetzt bloß weitergehen? Das ist ja schrecklich: Der Typ wird mir langsam fast sympathisch! (17.09.01)


DIE TALIBAN:

Es ist mir völlig unverständlich, wieso die Taliban Usama bin Laden nicht ausliefern. Gastrecht hin und her. Angesichts der Tragödie muss jede Gesellschaft sich gegen den Terrorismus bekennen. Es ist ja bekannt, dass Bin Laden nicht mit Zuckerwatte handelt. Selbst wenn er an dieser Tat unschuldig sein sollte, muss er jetzt bekämpft werden. Sonst nehmen andere Länder andere Terroristen auch in Schutz und verweisen auf Afghanistan. Und wie kann man sich diplomatisch so unglaublich ungeschickt anstellen! Eines jedenfalls muss klar sein: Für Mörder darf das arabisch-muslimische Gastrecht nicht gelten! Auch für die orientalischen Gesellschaften heißt es jetzt umdenken. (17.09.01)


VIER EBENEN DES TERRORISMUS:

Betrachten wir das für die meisten von uns traumatische Ereignis auf vier Ebenen: der der Oberfläche, der Weltpolitik, der Innenpolitik und des Individuums:

1. Die Ereignisse des Elften September waren ein verbrecherischer, terroristischer Akt gegen die Menschheit. Wer das nicht so sieht, ist disqualifiziert. Wer von den Betroffenen dazu aufruft, dass die verantwortlichen Verbrecher bestraft werden müssen, muss keinen Widerspruch fürchten. Wer solchen Terroristen hilft, sie fördert oder sie nur duldet, ist scharf zu verurteilen. Das Leid der Menschen des Elften September war und ist entsetzlich. Es kann nicht hingenommen werden, dass solche Dinge geschehen. Es müssen Maßnahmen ergriffen werden.

2. Der Begriff "Terrorismus" gehört zu den kulturell eingebetteten und politisch interpretierbaren Begriffen. Ariel Scharon zum Beispiel bekennt sich öffentlich zum Terrorismus. Er sagt, der Staat Israel brauche derzeit diesen Terror, weil der Gegner es auch tue. Auch Peter Scholl-Latour sagte vorgestern bei Friedman, man müsse jetzt Gegenterror anwenden. (Er war im Gespräch insgesamt jedoch moderater als Michel Friedman.) Bush nennt Saddam einen Terroristen, Saddam nennt Bush einen Terroristen. Die UCK-Milizen, die von den USA unterstützt wurden, werden von vielen Mazedoniern für Terroristen gehalten. Ohne einen kulturellen Boden ist der Begriff nicht ausreichend definiert. Die UNO hat hier große Versäumnisse begangen, solche Begriffe nicht zu klären, nein: die Erklärungen nicht durchzusetzen. Wenn es sich bei dem Elften September unter der Oberfläche tatsächlich um eine kulturelle Auseinandersetzung zwischen der liberal-kapitalistischen Welt und den übrigen (armen) Ländern handelt, dann ist es verfehlt, den Begriff der Terrorismusbekämpfung in den Vordergrund der Debatte zu stellen. Die Debatte muss lang und gründlich sein. Wer schlicht sagt, das waren Verrückte, die von Verrückten bezahlt wurden, schneidet sich selbst vom Gespräch ab und missachtet die Fakten. Unter der Oberfläche dieser Gräueltat stehen alte Konflikte, die nicht genug beachtet wurden. Was also tun? Dem Terror wird natürlich und effektiv der Boden entzogen in einer Welt, die keinen Terror will.

3. Der Elfte September wird auch innenpolitisch in jedem Land der Welt Veränderungen mit sich bringen. In den westlichen Ländern suchen die Gesellschaften jetzt fieberhaft nach einem Gegner. Die Menschen haben Angst, und sie brauchen Gesichter, um diese Angst zu manifestieren. Aufgrund der Ausmaße der Katastrophe können das nicht nur ein paar Leute sein. Großer Hass ist entstanden. Eine Zerreißprobe für die westlichen Staaten. Selbstverständliche Grundwerte der Sicherheit wurden in Frage gestellt. Die Überlegenheit des gesamten Westens ist stark relativiert worden. Auch die Gesellschaften des Nahen und Mittleren Ostens haben jetzt Angst. - In unserer deutschen Gesellschaft hat es sehr viele schwelende Konflikte gegeben, die jetzt mit auf den Tisch kommen werden. Innenpolitische Maßnahmen in Krisensituationen sind meistens nicht sehr kreativ. Man denkt zuerst an Bestrafungen und Abschreckungen. Dann denkt man an Sicherheitsverschärfungen und denkt sich alles mögliche dazu aus. Und wenn das nicht reicht, greift man zum Militär. Das ist eigentlich in allen Ländern so. Berechenbar. Nicht sehr kreativ. Meistens auch nicht sehr erfolgreich. Hilflosigkeit, die zu Aktionismus führt und zur Darstellung des verletzten Egos. Aber wie soll man den Terror sonst in der Zukunft verhindern? Dem Terror wird natürlich und effektiv der Boden entzogen in einer Gesellschaft, die keinen Terror will.

4. Die Konflikte, die in der Welt ausgetragen werden, sind immer auch die Konflikte, die jeder von uns in sich selbst austrägt. Es wird immer Gegnerschaften geben. Man wird auch terroristische Anschläge - und ich betone das - nicht durch autoritäres Verhalten verhindern können. Es geht nicht. Die Frage ist, mit welchen Mitteln wir in diesen Gegnerschaften leben. Der Sport, die Politik und die Kunst zeigen uns hier Möglichkeiten. Tatsächlich reicht das Ereignis so tief, dass es uns in unserem eigenen Inneren, in unserer eigenen privaten persönlichen Welt trifft. Das Ich und das Andere. Unsere Werte reichen nicht aus, da, wo uns das Verständnis fehlt. Wenn wir sagen: "Dafür habe ich kein Verständnis", dann hat das für uns bislang Ablehnung bedeutet. Hat das alles etwas mit dem Islam zu tun? Nein. Der Islam ist eine stinknormale Weltreligion. Es waren tatsächlich weltweite Entwicklungen, die uns überrannt haben. Und wirklich, wir müssen uns selbst ändern. Was also tun? Dem Terror wird natürlich und effektiv der Boden entzogen in einem Geist, der keinen Terror will. (14.09.01) (English version)


DEUTSCHLAND/USA:

Deutschland ist mit Israel und England der wichtigste Verbündete der USA. Den Amerikanern ist wesentlich die Beendigung des Horrors 1945 in der Welt zu verdanken. Mit dem Marshall-Plan halfen sie sogar, Deutschland wieder aufzubauen. Das haben sie nicht nur aus Menschenliebe getan, aber sie haben es getan. Seitdem bewegt sich (West-)Deutschland kulturell mit den USA. Nach dem Kriegstrauma hatten die Deutschen auch erst einmal keine weiteren Vorschläge. Das war vor fünfzig Jahren.

Es ist also absolut klar, dass sich Deutschland in der Stunde der Not zu Amerika bekennt. Wir brauchen uns nicht zu solidarisieren, denn wir sind selbst betroffen. Wichtig ist auch in Krisenzeiten die Wortwahl. Die Amerikaner wissen, dass die Deutschen bei ihnen sind. Wir dürfen uns in diesem Moment nichts vormachen über unsere "Zivilisiertheit".

Seien wir den USA gegenüber nicht unkritischer als die Amerikaner selbst. Es gibt dort mehr Selbstkritik, als man es bei uns hinsichtlich Amerika dulden würde. Auch Bob Dylan ist Amerikaner. Präsident Bush wird von vielen amerikanischen Intellektuellen für eine Katastrophe gehalten. Auch die Deutschen dürfen da durchaus differenziert denken. Die Vereinigten Staaten von Amerika sind nicht Gott. Sie haben die Indianer fast ausgerottet und die Schwarzen versklavt. Sie hatten Hiroshima und Vietnam. Sie haben die Nato.

"Ohne die USA würden wir alle heute nicht hier sitzen." Die Worte von Friedrich Merz klangen seltsam pathetisch, hohl, brav. Auch Rezzo Schlauch traf nicht den richtigen Ton. Es ist für die Amerikaner durchaus hilfreicher, wenn sie einen Partner haben, der einen eigenen Kopf hat. Und Freunde bewahren einander auch vor Unglück, sie nicken nicht nur.

Die Nato wird vermutlich mehrere nah- und mittelöstliche Länder angreifen und dort alle ihr bekannten Nester ausheben. Das ist nicht zu vermeiden. Aber danach. Folgen wir blind dem, was George Bush will? Mit einem Ohr hörte ich heute ein Bush-Zitat, das klang wie "Der monumentale Kampf zwischen Gut und Böse." Ich hoffe, dass ich das falsch verstanden habe. Werden wir aber nachfragen? Werden wir es einfach auf uns zu kommen lassen? (12.09.2001) (English version)


DIE WELT NACH DEM 11.09.2001:

Wenn jemand auf einen Schlag so viele Menschen wie möglich töten will, dann tut er so etwas... Das tut nur jemand, der Herrscher über Leben und Tod spielen möchte. Was für ein feiger, grausamer Geist ist dazu fähig?! Erst sah man nur die beiden kühl aussehenden Hochhäuser, wie sie einstürzen. Ein Science-Fiction-Film. Schock. Alle Menschen auf der Welt sind geschockt. Alle Menschen. Später sieht man die Opfer, und hört die Zahlen. Niemals seit 1945 ist eine Botschaft so gut angekommen wie diese. Was für ein grauenhaftes Ereignis!

Wir stehen heute bei den Amerikanern, wir sind heute alle Amerikaner. Dies ist nicht nur ein Terroranschlag auf die USA. Es ist ein Angriff auf die zivilisierte Welt, ja, aber Vorsicht! Durch einen solchen Satz können sinnlose Fronten entstehen. Ich bedaure, dass der Bundeskanzler die Worte "uneingeschränkte, ich betone, uneingeschränkte Solidarität mit Amerika" verwendet hat, denn uneingeschränkt bedeutet absolut, und was Solidarität im Einzelnen alles bedeuten kann, wird sich Herr Bush sicher überlegen. Bitte politisieren Sie sich! Und noch einmal Vorsicht: Amerika und auch Europa haben keinen Grund, sich zivilisiert zu nennen, wenn sie jetzt beginnen sollten, Kriege gegen "Die Barbaren" zu führen. Nein, dieses ist vor allem anderen ein Ereignis, das weltweit Strukturen verändern wird. Nach dem elften September 2001 ist die Welt nicht mehr, was sie war. Menschen wachen auf. Es ist schlagartig vorbei mit der Spaßgesellschaft. Kollektive Urängste liegen offen. Die Orientierungslosigkeit der Massen tritt wie ein Monster an die Oberfläche. Eine Neue Zeit ist angebrochen.

Schuldzuweisungen und Vergeltungen greifen hier nicht, das spüren Sie, oder? Es geht um weit mehr. Es geht um unser aller Zukunft. Und es geht um den Kapitalismus. Welche Welt kann es aushalten, dass nach einer solchen Katastrophe die Aktien der Ölindustrie, aber vor allem: der Waffenindustrie profitieren? Da zeigt der Kapitalismus seine fürchterlichste Fratze! Haben wir jetzt verstanden, was "Geld regiert die Welt" bedeutet? Und als wäre das alles nicht schlimm genug, herrscht eine weltweite Konjunkturkrise. Wir alle wissen, dass sich unsere Form der Demokratie nur in einer wachsenden Wirtschaft leben lässt. Und wir alle wissen, dass ökonomische Systeme nicht ewig wachsen können. Und wir haben nicht weiter darüber nachgedacht. Jetzt aber beginnen für jeden von uns die existentiellen Fragen. Dies ist die Situation, die heute wie eine Eiterblase aufgeplatzt ist.

Die Tatsache, dass einige Palästinenser in den Straßen gejubelt haben, ist beschämend und unwürdig. Diese Menschen sind dumm und sehen nur ein abstraktes Symbol. Sie geben nur ihrer eigenen Hoffnungslosigkeit Ausdruck. Es sind nicht alle so. Auch Arafats Bestürzung war nicht gespielt. Bitte verallgemeinern Sie hier nicht, so wie es jetzt leicht geschehen wird. Glauben Sie nicht, dass ein Mann, der den Friedensnobelpreis bekommen hat, eine solche Tat, und sei es insgeheim, befürworten würde. Ich bin kein politischer Freund von Arafat, weil er autoritär ist, doch geht es hier um die öffentliche Meinung. Lassen Sie nicht zu, dass Feindbilder verfestigt werden! Misstrauen Sie allen Menschen, die zur Gewalt aufrufen! Egal welcher Nationalität, egal welchen Standes.

Es war jedem mit einem politischen Verständnis klar, dass eine neue Epoche anbrechen würde, weil die Zeit dafür reif war (Auflösung der SU, Mauerfall, Internet, EU, Attac). Es hätte in unserer Macht gelegen, diese Neue Zeit mit einem positiven Ereignis zu beginnen, wenn wir an unsere Wünsche geglaubt hätten. Aber wir haben an unsere Ängste geglaubt. Nur schlechte Nachrichten waren gute Nachrichten. Nur die schlechten Nachrichten haben uns bewegt und zu Taten gebracht. Solange haben wir die Zeichen der Zeit verdrängt, bis etwas geschehen ist, das niemand jemals vergessen kann.

Die Menschheit befindet sich am Punkt der kritischen Masse, von dem James Redfield in seinem Bestseller "Die Prophezeihungen von Celestine" (1993) (deutsch 1994 Heyne-Verlag) berichtet hat. Es ist eines der wichtigsten Bücher des zwanzigsten Jahrhunderts. Wir müssen uns heute entscheiden, ob wir weiterhin nach unseren Ängsten leben und daran allesamt zugrunde gehen wollen, oder ob wir unsere Strategie ändern. Ob wir weiterhin ignorieren und zerstören wollen, was wir nicht verstehen, oder ob wir vom elften September 2001 an damit beginnen, Fragen zu stellen. Lassen Sie es nicht zu, dass die Gewalt siegt! Was für eine grauenvolle, feige, fürchterliche Tat. (11.09.2001) (English version)


PALÄSTINA/ISRAEL:

Es ist zum Weinen, dass die UNO von jemandem geleitet wird, der tatenlos zusieht, wie Völker sich gegenseitig abschlachten und dominieren. Von jemandem, der sich von außenstehenden Gruppen billig als Marionette benutzen lässt. Von jemandem, der offensichtlich seinem Amt nicht gewachsen ist, und das auf Kosten von Milliarden Menschen.
Es ist ebenfalls zutiefst bedauerlich, dass die Deutschen anscheinend als einzige Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg die gezogen haben, dass man Juden nichts tun darf. Was Recht ist und was Unrecht ist, bestimmen in Deutschland nach wie vor die Autoritären. So druckt die hiesige Lokalzeitung seit Wochen Israel-Kommentare auf der Seite 2, in denen wortreich und verbissen immer wieder Arafat so gut wie allein für das Desaster verantwortlich gemacht wird. Ein Armutszeugnis für ein Blatt, das ja so kinderfreundlich tut. Auch die Palästinenser haben Kinder. Als hätte Arafat auch nur ein Zehntel der Macht des Sabra- und Schatila-Täters Scharon, eines Mannes, der vor den Augen der Welt Staatsterrorismus betreibt. Doch passt das sehr gut zu dem in derselben Zeitung bis haargenau zum Zeitpunkt der Abstimmung über den Mazedonien-Einsatz verschlagzeilten und weitgehend unreflektierten Hurra-Patriotismus, der nicht vergessen werden wird. Da nützen auch keine Relativierungen durch Alibi-Artikel auf den hinteren Seiten oder solche im Nachhinein. Wenn auch nur ein deutscher Soldat draufgeht, werden die KN eine Mitverantwortung tragen, ebenso wie die betreffenden Politiker, die in Schleswig-Holstein und Deutschland fleißig suggestive Worthülsen gestreut haben, statt zu argumentieren, wie es sich in einer Demokratie gehört. Ein Skandal! Das wird ein Nachspiel haben. Auch wenn kein deutscher Soldat stirbt. Das reicht schon. Die Zeiten ändern sich. (10.09.01)
(English version)


MAZEDONIEN (2):

Jeder, der einen NATO-Einsatz in Mazedonien befürwortet, muss sich im Klaren darüber sein, dass die Folgen eines solchen Einsatzes nicht abschätzbar sind. Sobald mehr Waffen und mehr Truppen in der Region sind, werden auch mehr Feindseligkeiten ausbrechen. Es gibt verschiedene Gruppen, die nur darauf warten, die halbe Welt in diesen Konflikt zu verstricken, und diese Gruppen werden gestärkt.

SPD-Vorstandsmitglied Hermann Scheer sagte der Frankfurter Rundschau: "Ich denke, dass wir wieder in etwas hineinschlittern." Auch der frühere Vizepräsident der OSZE, Willy Wimmer (CDU), nannte es "unverantwortlich, das Leben unserer Soldaten aufs Spiel zu setzen." (FR 28.06.01) Wie die Sendung "Monitor" am 05.07.01 berichtete, ließen US- und BRD-Truppen mehrfach bewaffnete UCK-Kämpfer aus dem Kosovo nach Mazedonien. Wie auch bekannt ist, fand man 17 US-Ausbilder bei einer UCK-Truppe. Die US-Strategen streben - aus welchen Gründen immer - ebenso wie die Albaner eine völkerrechtliche Anerkennung des Kosovo an, und ein Krieg in Mazedonien kann dorthin führen. Auch NATO-Partner Griechenland hat ein Interesse daran, die Mazedonier zu schwächen. (s.a. den Leserbrief von Pfarrer Martin Arnold, FR 04.08.01, S.8) Der bevorstehende Einsatz der NATO, die sich auch nach Ansicht des früheren Bundeskanzlers Helmut Schmidt schon länger außerhalb ihrer vertraglichen Grundlage bewegt, in Mazedonien ist kein Friedenseinsatz.

In Kiel informiert z.B. der DFG-KV (Deutsche Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen) über Mazedonien und andere aktuelle Themen in der Friedensgruppe, und zwar mittwochs ab 20 h am Exerzierplatz 19. (17.08.01)
(English version)


ELVIS PRESLEY:

Heute vor 24 Jahren, am 16.08.1977, starb Elvis Presley in seinem Haus in Memphis. Er wurde 42. Bis zum heutigen Tag ist die kulturhistorische Bedeutung dieses Mannes nicht in ihrer Tragweite erkannt. Elvis hat der Welt eine reale Hoffnung gegeben, er hat sich - mit all seinen Stärken und Schwächen - ganz selbst gegeben. Mit ihm starb ein amerikanischer Traum, und davon hat sich die Welt nicht erholt.
"Before Elvis there was nothing", sagte John Lennon, und nach Elvis war die Zeit vorbei, in der man an Helden glauben wollte. Die Stars des Rock 'n' Roll verloren allesamt ihre Aura und ihre Unschuld. Zu erschütternd waren die Umstände seines Todes. Unser Elvis derart gestorben? Haben wir ihn nicht geliebt? Das konnte nicht sein. Einige schienen sich fast zu schämen, ihn gemocht zu haben. Wie konnte er nur! Und er verblasste auch in den Augen der Medien. Dabei haben Millionen von Fans in aller Welt nie aufgehört, mit Elvis zu leben. Mehr in den beiden Gedichten
MEIN JAHRHUNDERT (1): ADOLF ALTENBURGER und MEIN JAHRHUNDERT (2): ELVIS HEUTENAUER aus dem Buch "Loving Jay" sowie im Bambusstück ROCK AND ROLL . (16.08.01) (English version)


TIERMEHL:

Wer vegetarische Tiere mit Tiermehl füttert, ist ein Schwein. (06.08.01)


SOMMERLOCH:

Es gibt überhaupt keine Sommerlöcher! Ich finde, Sie sollten das wissen. Sehen Sie, Käse kann Löcher haben, Socken, Billardtische, Eimer, Schallplatten, soziale Netze, Äste, Golfplätze, Argumentationsketten und Ozonschichten können Löcher haben, aber doch nicht der Sommer, meine Damen und Herren! Bei diesem handelt es sich um eine der vier Jahreszeiten, welche je einen Anfang, eine Mitte und ein Ende haben. Es gibt davon kühlere und wärmere. Alles andere ist ein Mythos. (06.08.01)


GEMA:

"Musik hat ihren Wert" ist das Motto der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) mit Sitz in Berlin. Sie ist ein Verein, der angibt, die wirtschaftlichen Rechte von Musikern gerecht wahrzunehmen. Richard Strauß und Friedrich Rösch gründeten sie bereits 1903. In der GEMA gibt es die Unterscheidung zwischen E-Musik ("Ernster Musik") und U-Musik ("Unterhaltungsmusik"). Diese Unterscheidung ist allerdings willkürlich, sie ist unglaubwürdig, sie widerspricht der eigenen Satzung, und sie ist verfassungswidrig. Musik will immer unterhalten, und inspirierte Musik ist immer ernst, weil sie echt ist.
Wenn ich nun meine Songs bei der GEMA anmelden möchte, muss ich sie als U-Musik deklarieren, sonst werde ich abgelehnt. Dadurch fühle ich mich beleidigt, genötigt und übervorteilt. Mit dem Eintritt in die GEMA muss ich mich nämlich dazu bekennen, ein Künstler zweiter oder dritter Klasse zu sein, um meine wirtschaftlichen Rechte zu wahren. Und das bin ich nicht. Ausweichmöglichkeiten gibt es nicht, weil die GEMA über eine Art Monopolstellung in Deutschland verfügt. (03.08.01)


DEMOKRATIE:

Es ist eine interessante Tatsache, dass die Leute im Alltagsleben miteinander kaum über politische Dinge sprechen. Man vermeidet Konfliktsituationen im allgemeinen. Was, wenn der andere eine andere Meinung hat? Was, wenn er gar keine Meinung hat? Man will ja auch nicht anecken. Es gibt auch unverfängliche Themen. Gefährlich hingegen ist, dass man in unserer Zeit leicht abgelehnt wird, wenn man überhaupt eine politische Meinung zu etwas hat. Es ist nicht cool, Meinungen zu haben und sie auch noch zu vertreten. (Siehst Du das anders? Hätte ich das besser nicht schreiben sollen?) Eine Demokratie jedoch lebt von Meinungen. Ich frage mich, wie viele von uns wirklich in einer Demokratie leben wollen. Willst Du? (02.08.01) (English version)


MAZEDONIEN:

Deutschland bereitet sich auf den nächsten Krieg vor. Nachdem im Kosovo die Büchse der Pandora aufgegangen ist, gießt sich das Unheil weiter über den Kontinent. Während vor ein paar Tagen noch eine große Ablehnung selbst in der deutschen Regierung sichtbar wurde, kippt die Stimmung schon wieder. Es scheint, als wolle man ein sorgfältiges Abwägen demonstrieren, um sich für den Krieg abzusichern.
Die Kieler Grüne und Sympathieträgerin Angelika Beer (verteidigungspolitische Sprecherin der Partei, früher Pazifistin, heute nicht mehr) stellt derzeit die Weichen dafür ebenso wie Hans-Peter Bartels, Kieler Bundestagsabgeordneter der SPD, der zum Verteidigungsausschuss des Bundestags gehört. In einem Interview mit den KN sagte er: "Nichts zu tun, hieße alles in Frage zu stellen" (KN 31.07.01, S.2). Das heißt im Klartext: Jetzt, wo wir schon mal mit der Ballerei angefangen haben, müssen wir auch weiter ballern. Nicht mehr lange, und es wird die ersten deutschen NATO-Toten geben. Hoffentlich irre ich mich.
Nach wie vor gibt es keine Rechtfertigung für einen NATO-Einsatz (bzw. für die NATO selbst). Wenn jemand in Krisengebieten vermitteln darf, dann nur und ausschließlich die UNO. Dafür ist sie gemacht worden. (01.08.01)
(English version)


UNO/NATO:

Wenn die UNO der NATO ein Mandat geben würde, zum Beispiel für Mazedonien, dann wäre das Augenwischerei. Kofi Annan hätte natürlich mit Ausbruch des Kosovo-Krieges zurücktreten müssen. Jetzt wird er von allen Seiten ausgenutzt und macht sich selbst, vor allem aber die UNO, lächerlich und unglaubwürdig. (01.08.01) (English version)

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