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STATEMENTS (4)
März bis April 2002
DER RUCK (17.04.02)
PSYCHOLOGIE (16.04.02)
ZENTRALRAT DER JUDEN (11.04.02)
ATTAC (2) (06.04.02)
KOFI (04.04.02)
HIPHOP (31.03.02)
AUF DEN SPUREN DER SZ (3) (31.03.02)
AUF DEN SPUREN DER SZ (2) (29.03.02)
SARAMAGO (27.03.02)
AUF DEN SPUREN DER SZ (1) (27.03.02)
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (27.03.02)
UNO/SYRIEN (13.03.02)
ZIONISMUS (09.03.02)
"DIE ZEIT" (09.03.02)
BAMS (03.03.02)
BK (03.03.02)


"Don't stop me now, I'm having such a good time..."
(Freddie)


DER RUCK

Während seiner Amtszeit machte Bundespräsident Roman Herzog den Satz berühmt: "Durch Deutschland muss ein Ruck gehen". Da dieser Ruck bekanntlich ausblieb, gibt es seit einiger Zeit die Aktion "Deutschland-packts-an.de". Auf der Homepage heißt es:

"Warum ist eigentlich die Stimmung in Deutschland schlechter als die Fakten? Warum sind Verbraucher und Investoren verunsichert? Warum werden Reformen, von denen alle wissen, dass sie notwendig sind, nicht angegangen? Die Deutschen scheinen in einem lähmenden Gefühl der Machtlosigkeit, der Ängstlichkeit, sogar der Gleichgültigkeit zu versinken. Nach 50 Jahren des Aufbaus droht die Aufbruchstimmung zu versiegen, fehlt immer häufiger der Unternehmerwille, der Mut zu Reformen und erst recht zu notwendigen harten Einschnitten. Das wollen wir ändern: Deutschland packt's an! Aktionen, Kampagnen, Initiativen, Events - jedes Mittel, das die Deutschen aus dem drohenden Fatalismus, der Lähmung, dem Unmut aufrüttelt, ist uns recht."

Also meine lieben Damen und Herren vom Ruck: Sie wollen etwas ändern? Sind Sie sicher? Was man nämlich sieht, sind nur Worte. Welche Ergebnisse haben Sie vorzuweisen? Verzeihen Sie meine Kritik, aber Sie haben nicht nur sehr viel Geld, sondern fast alle deutschen Fernsehsender und Verlage sind Partner der Aktion und stellen kostenlose Werbezeit und Anzeigenraum zur Verfügung. Namhafte Agenturpartner entwickeln Werbe- und PR-Kampagnen. Verbandpartner und Unternehmen praktizieren inhaltliche und dingliche Unterstützung.

Sehen Sie, Sie waren mehrfach in der Presse, haben jetzt die neue teure Plakat-Aktion gemacht, na gut, aber was haben Sie erreicht? Und was sollen das für Reformen sein, und was für harte Einschnitte? Wenn Sie schon Victor Hugo zitieren ("Nichts auf der Welt ist so mächtig wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist"), dann müssen Sie schon mehr tun, als Plakate zu kleben, sonst werden sie unglaubwürdig, und das ganze Projekt kehrt sich in sein Gegenteil.

Dennoch: Ich unterstütze Ihre Aktion. Als Beweis habe ich Ihr Logo auf meiner Homepage verlinkt. Denn meine Hoffnung liegt in dem Satz von Jose Ortega y Gasset, der uns verbindet: "Zivilisation ist in erster Linie Wille zur Gemeinschaft". (17.04.02) (English version)


PSYCHOLOGIE

Aktuell auf SPIEGEL ONLINE kann man ein Interview mit dem israelischen Psychologen Haim Omer lesen, das Alexander Schwabe führte. Von Haim Omer ist gerade in Zusammenarbeit mit Arist von Schlippe das Buch "Autorität ohne Gewalt" auf Deutsch erschienen.

SPIEGEL ONLINE: "Herr Omer, sie haben Mechanismen der Eskalation von Gewalt in der Familie untersucht. Betrachten wir einmal Ministerpräsident Ariel Scharon und Palästinenserchef Jassir Arafat als Teil einer Familie. Was läuft in dieser Familie falsch?"

Omer: "Es ist vor allem die Furcht, die beide voreinander haben. Scharon hat zudem die unglaubliche Angst, etwas zu tun, das als schwach ausgelegt werden könnte. Vielen Eltern geht es so in der Beziehung zu ihren Kindern. Doch die Haltung "Ich muss zeigen, wer der Boss ist" führt unweigerlich zur Eskalation."

Herr Omer sagt auch: "Die Dynamik der Eskalation kann nur einseitig aufgelöst werden, niemals symmetrisch. Die einseitige Vorleistung ist eine Voraussetzung für die Entschärfung jeglicher Eskalation, in der Familie ebenso wie in der Politik." Gruß an Haim Omer, SPIEGEL-ONLINE . (16.04.02) (English version)


ZENTRALRAT DER JUDEN

Der Zentralrat der Juden in Deutschland, insbesondere Herr Paul Spiegel und Herr Michel Friedman, sprechen sich derzeit in der deutschen Presse über die "einseitige Verurteilung Israels" aus. Spiegel meinte, Juden in aller Welt seien "zum Abschuss freigegeben". Die ganze Welt müsse daran interessiert sein, die Selbstmordattentäter militärisch zu besiegen. Friedman nennt die Europäer Heuchler usw. (Quelle z.B. www.SPIEGEL.de). Es ist genau so, wie ich es vorgestern im PALESTINE DIALOGUE geschrieben habe. Ein Skandal, wie die Menschenrechte und die UNO immer wieder mit der Holocaust-Keule weggefegt werden! Menschenverachtung ist das. Ein Palästinenserleben ist für Herrn Spiegel und Herrn Friedman eben nichts wert, und das merkt man auch sehr gut. Das sind keine ehrenwerten Leute mehr für mich. Sprechen sie vielleicht vom Frieden? Nein, sie sprechen vom Krieg!

Sabine hat mich heute gefragt, warum die deutsche Presse eigentlich nicht gerade jetzt die israelischen Friedensbewegungen zu Worte kommen lässt und pusht? Es gibt ja innerhalb Israels sehr viel mehr kritische Stimmen, als man bis hierher durchlässt. Stattdessen werden diejenigen Israelis befragt, die der Ansicht sind, dass man Scharon nicht kritisieren dürfe. Und dass jetzt Krieg sein müsse. Pfui Teufel, deutsche Presse! (11.04.02) (English version)


ATTAC (2)

Ich bin gefragt worden, warum die bekannte globalisierungskritische Organisation ATTAC sich weder auf ihrer Homepage noch auf dem ofenfrischen Rundbrief mit auch nur einer einzigen Silbe zu den Zuständen in Israel und Palästina äußert. Und ob das nicht den Prinzipien widersprechen würde, denen sich ATTAC in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Friedenskooperative unter dem Motto "Gewaltspirale durchbrechen" noch kurz nach dem Elften September verpflichtet fühlte.

Nun, ich denke, hier muss ich ATTAC etwas in Schutz nehmen. Zunächst einmal: ATTAC sieht sich nicht als pazifistische Organisation, das wurde im vorigen Rundbrief gesagt. Und obwohl der Identitätsbildungsprozess noch andauert, kann man in etwa absehen, dass es in der Hauptsache um wirtschaftliche Themen gehen wird, wie etwa die Einführung der Tobin-Steuer und die Kritik an der Welthandelsorganisation WTO. So unterstützt ATTAC zwar die Friedensinitiativen, aber ATTAC selbst geht es um globale Gerechtigkeit, und nicht um pazifistischen Aktionismus. Auch gibt es gewisse Zuständigkeitsbereiche, denn ATTAC möchte anderen Organisationen wie AMNESTY INTERNATIONAL oder GREENPEACE keine Konkurrenz machen. Im Vordergrund stehen also wirtschaftliche Themen.

Zweitens ist es nicht die Aufgabe von ATTAC, bestimmte politische Gruppierungen zu unterstützen oder sich gar für einzelne Völker einzusetzen. Man könnte dem zwar entgegenhalten, dass der Krieg in Palästina nicht nur ein menschlicher Faktor ist, sondern auch ein ökonomischer. Immerhin wird ja auch die Infrastruktur zerstört, und durch den Verlust menschlicher Ressourcen wird auch die Wirtschaft negativ beeinflusst. Dem muss aber entgegnet werden, dass ATTAC konsensfähig bleiben muss, damit die Mitgliederzahl (derzeit 5100) weiter steigen kann. Eindeutige Stellungnahmen - und seien sie durch UNO-Resolutionen gedeckt - und extreme Positionen sind strategisch zu diesem Zeitpunkt nicht richtig. Das würde selbst das Deutsche Außenministerium nicht bestreiten. Außerdem ist es ja nicht so, dass sich eine Organisation zu allen zentralen politischen Fragen der Zeit äußern muss, nur weil sie den Slogan trägt: "Eine andere Welt ist möglich."

Nun könnte man einwenden: Gut, aber wie kann man sich für globale Gerechtigkeit einsetzen, ohne dabei politisch zu sein? Dieser Einwand ist einigermaßen berechtigt, wird aber im folgenden Punkt Drei beantwortet. Sollten Sie selbst noch bessere Antworten haben, dann melden Sie sich bitte bei ATTAC, denn dort wird gerade ein/e Pressesprecher/in gesucht.

Punkt Drei ist, dass ATTAC zwar natürlich für den Frieden ist und im Prinzip auch gegen den Krieg in Afghanistan und den vielleicht bevorstehenden im Irak, wie es auch im Prinzip gegen das Demoverbot in München war, dass ATTAC aber zum einen nicht in diesem Sinne politisch aktiv wird (siehe Punkt 2), und zum anderen der Holocaust.

Vielmehr ist darauf hinzuweisen, dass es der Struktur-AG von ATTAC jetzt trotz heftiger Wortgefechte gelungen ist, einen Konsensvorschlag zu unterbreiten, um Grundsätzliches zur Entscheidungsfindung bei ATTAC festzuhalten. Demnach wird es künftig einen Ratschlag geben, einen ATTAC-Rat, einen Koordinierungskreis und ein Büro. Da wird getagt, beratschlagt, gewählt und entschieden (zum Teil kooptativ). Man diskutiert zunächst auf Konsens, bei 10 % Dissens wird sofort eine AG gebildet. Es wird ein Beschlussprotokoll erstellt, in dem alle geltenden Beschlüsse festgehalten werden. Der heiß diskutierte Konsensvorschlag der Struktur-AG, der den Beginn des Beschlussprotokolls bildet, endet mit einer etwa 11-teiligen Systematik zur Wahl der Delegierten. Dies zeigt deutlich, wie verantwortungsvoll ATTAC mit Entscheidungen und Entscheidungsfindungsprozessen umgeht, bevor es zu einer qualifizierten politischen Äußerung kommt. Und dies scheint mir auch der bessere Weg zu sein, als solche grundsätzlichen Überlegungen mit der heißen Nadel zu stricken.

Aus diesem Grunde bitte ich alle Anis-Online-Leserinnen und -Leser, sich am bundesweiten ATTAC-Ratschlag am 24.-26. Mai in Frankfurt am Main zu beteiligen, wo über die Mitgliederorganisation, das Delegiertenprinzip und über den Konsensvorschlag der Struktur-AG diskutiert werden wird. Mit solidarischen Grüßen an den Koordinierungskreis! (06.04.02)


KOFI

Lieber Herr Annan, Sir, meinen nachträglichen Glückwunsch zum Nobelpreis. Wie ich lese, warnen Sie derzeit vor der Logik des Krieges. Herr Annan, Sir, diese Aufgabe kann ich Ihnen gerne untertänigst abnehmen, wenn Sie dann die Zeit dafür finden, etwas zu unternehmen. Mit freundlichen Grüßen, Ihr Anis
(04.04.02)
(English version)


HIPHOP

Im Prinzip wollte ich ja damit aufhören, solche Statements zu schreiben. Aber was soll ich machen? Erst kommt die SZ mit diesem..., naja, und dann habe ich die aktuelle Fernsehwerbung des Nachrichtensenders N24 gesehen. Okay, vielleicht ist es kein Statement wert, aber urteilen Sie selbst:

In der besagten Werbung sitzt ein Jugendlicher am Computer und ist im Internet auf der Hompage von N24. Sein Kumpel mit der unglaublichen Afrofrisur sieht ihm über die Schulter und nuschelt ihn an, er solle mal "HipHop" in die Suchmaschine von N24 eingeben. Der andere macht es und nuschelt dann zurück: "Nee, ham se nich."

Ja, und worauf wird hier angespielt, was ist die Botschaft? Dass HipHop kein wirkliches Thema ist, und dass folglich die Popmusik keine Nachrichten hervorbringt? Das ist doch genau dasselbe, wie wenn eine Zeitung, die hier nicht genannt werden möchte, die Dichtung nicht ernst nimmt und sich darüber stellt. Oder? He, ich hab nix gegen N24, es geht mir hier um einen bestimmten Punkt. Was soll man denn davon halten, wenn dauernd die Botschaften der Musik und der Literatur von der Presse per se abqualifiziert werden? Ich meine, man kann ja gerne mal Witze über HipHopper machen, warum nicht, aber es klingt wirklich seltsam, wenn ausgerechnet die Presse das tut.

Übrigens stimmt es auch gar nicht: Jedenfalls als ich gestern "HipHop" in die Suchmaschine von N24 eingegeben habe, da kam ich auf zwei Treffer, nämlich "Ein Tag auf der IFA. Digitale Zukunft zum Anschauen. Costa Cordalis zum Anfassen" und "MTV-Awards: Limp Bizkit räumen ab. Scharfe Sicherheitsvorkehrungen vor Frankfurter Festhalle." Gruß an die N24-Redaktion. (31.03.02) (English version)


AUF DEN SPUREN DER SZ (3)

Kommen wir schließlich zu der täglichen Rubrik "Das Streiflicht" von der Frontseite der SZ. Und dann ist es auch gut damit. Es macht nämlich keinen Spaß. "Das Streiflicht" ist keine schöne Rubrik. Mit hochgestochener und oft genug gehässiger Sprache werden dort Belanglosigkeiten verbreitet. Man höre sich ein paar Schluss-Sätze der letzten Tage an:

22.03.: "Da bleibt kein Rat als grenzenlose Tränen. Klingt gut, doch selbst diese Zeile hat uns der alte Goethe schon vorweggenommen."
27.03.: "Roland Koch, das Rumpelstilzchen im Bundesrat."
28.03.: "...dem mysterium iniquitatis. Was das heißt? Na, boshaft ist der Mensch halt."

Oder heute. Da geht es wieder Mal um die Poesie. Denkt man jedenfalls nach dem ersten Satz. Aber dann geht es doch nur um die Umbettung von Alexandre Dumas, und es werden passend dazu Witze gemacht über Tote als Dünger und über Würmer etc.

Zusammenfassend würde ich mich zur SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG vorsichtig so äußern: Lesen Sie lieber die FRANKFURTER RUNDSCHAU! (31.03.02) (English version)


AUF DEN SPUREN DER SZ (2)

Beim Lesen der heutigen SZ fand ich, dass jeder einzelne Artikel seine Berechtigung hatte, und es war ziemlich einleuchtend, warum dieses oder jenes Thema behandelt wurde. Es scheint der SZ in diesem Zusammenhang wichtig zu sein, möglichst nicht allzu sehr als treibende oder gestaltende Kraft aufzufallen. Das mag an der Einstellung liegen, dass eine Zeitung die Nachrichten nur präsentieren und die Infos so aufbereiten soll, dass die Leserinnen und Leser sich ein eigenes Bild von der Sache machen können. Es hat aber den Nebeneffekt, dass die betreffende Zeitung gesichtslos und beliebig wirken kann.

Ein paar Rubriken gibt es allerdings, die den Schluss nahelegen, dass die SZ keine Computersimulation ist. Dazu gehören die Kolumne "Das Streiflicht" auf der Seite 1, mit der alles anfing, und auf die ich später eingehen werde, die Kommentare auf der Meinungsseite und natürlich die überflutete Leserbriefseite, die sich mit den zentralen Fragen der Menschheit beschäftigt, wie etwa der Rechtschreibreform. Gut versteckt im Feuilleton finden sich sogar manchmal Beiträge, die so engagiert sind, dass sie zu provokativ für die Meinungsseite wären, etwa heute Herr Tariq Alis Artikel über die Intellektuellen und das Terrorismusgeschäft.

Um die Widersprüche im Profil der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG aufzuzeigen, reicht ein Blick auf die Kommentare des heutigen Tages. Der Leitkommentar "Das Kreuz und die Fremden" von Herrn Matthias Drobinski handelt anlässlich des Karfreitags von der Fremdenangst und der Aufgabe der Religion, das Fremde heimisch zu machen. Das Fremde, das meint hier Gott und den Tod ebenso wie fremde Menschen. Es geht auch um die Radikalität des Kreuzes als Symbol, das aufgrund seiner Befremdlichkeit selbst in der In-Group zu einer Umdeutung in der Postmoderne führte, indem das Bild des gefolterten Jesus zum Bild eines eher schmerzfreien Erlösers wurde. Die Quintessenz des Kommentars ist: "Dort, wo jede Sicherheit verloren ist, ist auch der Ort der Erlösung." Und: "In der fernsten Fremde ist Gott am nächsten."

Diese tiefen Gedanken widersprechen meiner Ansicht nach dem Selbstverständnis der SZ, denn Sicherheitsdenken ist eines ihrer wesentlichen Merkmale. Was ist diese Art von journalistischer "Objektivität" anderes als Sicherheitsdenken? Wähnt man sich doch sicher und unbeteiligt, wenn man sich selbst aus seinen Urteilen und Handlungen herausrechnen kann.

Ist es da ein Wunder, wenn ein Leser oder eine Leserin den Mund verzieht bei der Lektüre des Kommentars über die Oscar-Nacht, wo es artig ‚kritisch' heißt: "Eine Sternstunde? Nein, wohl eher ein Moment der Schande, wenn man zum einen bedenkt, welch große Rolle Schwarze im amerikanischen Show-Business traditionell spielen..." oder, uäh, hier: "Der Wandel muss sich in den Köpfen vollziehen. Aber davon ist man in Amerika noch weit entfernt, solange..." Da scheint mir eine leichte Störung vorzuliegen, und ich verstehe langsam auch, warum die SZ mich um Hilfe gebeten hat. Au weia. Ein schwieriger Fall. Und so anstrengend!" (29.03.02) (English version)



"Won't you say which way you're gonna go? I gotta know, gotta know, gotta know."
(Elvis Presley 1960)


SARAMAGO

Der portugiesische Literaturnobelpreisträger José Saramago befindet sich mit sieben anderen Delegierten des Internationalen Schriftstellerparlaments derzeit in Ramallah. Die acht Schriftsteller waren ausgezogen, um den Palästinensern ihre Solidarität auszudrücken, etwa durch einen Besuch bei dem bekanntesten palästinensischen Lyriker und Schriftsteller Mahmoud Darwish. Auch israelische Schriftsteller sollten dazu eingeladen werden, aber das geschah offenbar nicht.

Gestern in den Nachrichten des DEUTSCHLANDFUNKS gegen 18 h wurde ein eher inhaltsvolles Bild von der Aktion gezeichnet. Dann aber verglich Herr Saramago Ramallah - bewusst provokativ - mit Auschwitz, indem er sagte, der "Geist von Auschwitz" schwebe über der Stadt. Und: "Dieser Ort wird in ein Konzentrationslager verwandelt." Nach diesem Vorfall wurde Herr Saramago von bekannten israelischen Schriftstellern wie Uri Avneri und Amos Oz stark angegriffen und von der internationalen Presse verrissen.

Wie Uri Avneri und Amos Oz halte ich Saramagos Vergleich für destruktiv. Zwar habe ich selbst in einem früheren Statement geschrieben, dass Israel Gewalt, die die Juden in Deutschland erfuhren, an die Palästinenser weitergibt, aber das scheint mir auch etwa die Grenze des Notwendigen zu sein. Vergleiche wie Ramallah = Auschwitz sind dumm und unanständig. Die Sache aber als "antisemitisch" zu bezeichnen, wie es von israelischer Seite getan wurde, ist auch Quatsch. Es ist nichts Antisemitisches daran, die israelische Gewalt- und Besatzungspolitik abzulehnen.

Zunächst war ich wütend darüber, dass man in der deutschen Presse fast nur und sehr kurz über den Saramago-Skandal berichtet hat ("Israel empört über Saramago"), und nicht über die gesamte Aktion. Immerhin haben acht namhafte internationale Schriftsteller klar und legitim gegen die israelische Besatzungspolitik protestiert. Inzwischen aber sehe ich ein, dass Saramago nach diesem Ei die ganze Geschichte verdorben und sich disqualifiziert hat. Dumm gelaufen. (27.03.02) (English version)


AUF DEN SPUREN DER SZ (1)

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG gehört zu den ganz großen und etablierten Zeitungen des Landes, und viele halten sie für links, etwa so wie die FR, und eher nicht für konservativ, wie die FAZ oder die WELT. Allerdings sind heute die Positionen ziemlich verwischt, und mancher spricht sogar von einer Identitätskrise in Teilen der deutschen Presse.

Nehmen wir die Nahostberichterstattung. In der heutigen Ausgabe der SZ war der Nahost-Krieg das Hauptthema. Die Seite 2 war voll damit, auf der 4 ein Kommentar, die 7 auch voll damit, auf der 9 und der 11 al-Qaida-Artikel, schließlich auf der 17 noch ein Mini-Beitrag über den Saramago-Skandal. Wie geht die SZ mit diesem Thema um?

Man kann sagen, dass die SZ sehr ausgewogen über den Nahen Osten berichtet hat. Sie hat alle Standpunkte vorgetragen, den von Scharon, den von Arafat, den der Saudis, Mubaraks, der Amerikaner usw., und dann hat sie sie ebenmäßig bewertet. Etwa im Kommentar von Herrn Heiko Flottau. Der sagt, die PLO habe 1988 Israel anerkannt und die arabischen Staaten haben das auch getan, nämlich 1991 in Madrid:

"Beide Erklärungen galten unter der Bedingung, dass Israel gemäß den UN-Resolutionen die 1967 besetzten Gebiete verlässt. Stattdessen hat Israel völkerrechtswidrig in jenem Gebiet Siedlungen gebaut, welches es an die Palästinenser zurückgeben sollte. Israel muss sich dem Vorwurf stellen, den Plan ‚Land für Frieden' nicht ernst genommen zu haben."

Und dann der unmittelbar folgende Satz: "Dass die Region abermals am Abgrund steht, ist aber auch die Schuld der Palästinenser. Jassir Arafat hat es versäumt, im Herbst des Jahres 2000 der Entwicklung des Terrorismus Einhalt zu gebieten."

Hier kommen wir möglicherweise dem Problem etwas näher, das im vorigen Statement angedeutet wurde. Die SZ scheint Schwierigkeiten damit zu haben, in der Nahost-Frage eine eigene Meinung auszubilden und zu vertreten. So wird Israel nur dann kritisiert, wenn auch die Palästinenser gleichberechtigt kritisiert werden. Dass es bei der Kritik an Israel um verletztes Völkerrecht geht, ist der SZ egal. Das ist so, weil es ihr früher auch schon egal war, und weil es den anderen Zeitungen und den Politikern auch egal ist. Immerhin steht Israel höher als die UNO.

Auch die Amerikaner werden in der SZ nicht besonders kritisiert, wenn sie Krieg führen wollen. Heute in der SZ war ein Foto von Saddam Hussein direkt über einem Foto von Mohammed Atta. Die Botschaft ist klar: Wenn die Amerikaner den Irak angreifen wollen, wird die SZ sie nicht daran hindern. Das wird auch in dem genannten Flottau-Kommentar deutlich.

Dann Saramago. Es ist schon erstaunlich, wie tief die deutsche Presse diese Sache hängen kann. Aber das wird ein Extra-Statement. Ich hoffe, dass ich der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG mit diesen Hinweisen habe helfen können. Das Problem ist zwar noch nicht gelöst, aber wir arbeiten uns gut heran. (27.03.02) (English version)


SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

Einige Anis-Online-Leserinnen und -Leser mögen sich gefragt haben, ob die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG eigentlich auf den Bambus "WELTTAG WAR DER POESIE" reagiert hat. Ja, hat sie. Herr Gerd Sowein von der Redaktion Leserbriefe hatte freundlicherweise Zeit für eine kurze Antwort gefunden. Er schrieb mir am 25sten: "Vielen Dank für die Übersendung Ihres Gedichts. Leider können wir es nicht unterbringen, da wir auf der Leserbriefseite keine Gedichte drucken - wir könnten uns sonst vor der Flut nicht retten. Wir bitten um Ihr Verständnis."

Aber lieber Herr Sowein, dafür brauchen Sie sich doch nicht zu entschuldigen! Natürlich verstehe ich, dass Sie sich vor der Flut retten müssen, wer muss das denn nicht? Aber warum haben Sie mir eigentlich so geschrieben, dass es nach einer Absage aussieht? Ich meine, Sie hätten ja auch schreiben können: "Vielen Dank für die Übersendung Ihres Gedichts. Es ist geil." Das klingt doch ganz anders als "Leider...", oder, Herr Sowein? Oder hat es Ihnen nicht gefallen? Na also, warum haben Sie mir nicht das geschrieben, wenn Sie schon eine Briefmarke dafür ausgeben? Da haben Sie mir jetzt ein "Leider" gegeben und mich um Verständnis gebeten, was soll ich denn nun damit machen? Ich brauche doch gar kein "Leider".

Es kommt mir so vor, als hätten Sie irgendwelche Probleme. Das tut mir Leid. Aber ich mache Ihnen einen Vorschlag: Ich lese jetzt für eine Weile jeden Tag die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, und dann kucken wir mal, ob wir zusammen rauskriegen, was für ein Problem das wohl ist. Sollen wir das mal so machen? Ist schon gut, das tue ich doch gerne für Sie. (27.03.02) (English version)



"Keiner liebt die Peitschenhiebe, aber alle lieben den Peitschenmann"
(The Book Of Games)


UNO/SYRIEN

Gestern Nacht traf sich der UNO-Sicherheitsrat auf Initiative der USA, um die Resolution 1397 zu verabschieden, die zur Beendigung der Gewalt im Nahen Osten aufruft und zur Zweistaatenlösung in Israel und Palästina. Alle 15 Mitgliedsländer stimmten der Resolution zu, nur Syrien enthielt sich der Stimme. Syrien steht im Sicherheitsrat stellvertretend für die Arabische Gruppe ("Arab Group") und hatte einen anderen Antrag eingebracht, woraufhin sich die USA mit ihrer Alternative durchsetzten. Was sagt die Resolution, und was halten die Syrer dagegen? Ich habe mir die entsprechenden Texte von der UNO-Seite gezogen (www.un.org) und sie verglichen:

Die Resolution 1397 hat eine Einleitung und vier Aussagen: Sie verlangt den sofortigen Stopp aller Gewalt, sie appelliert an beide Parteien, die Pläne von Tenet und Mitchell umzusetzen, sie befürwortet Annans Einmischung, und sie entscheidet, dass die UNO weiterhin mit dem Fall betraut ist. In der Einleitung wird unter anderem auf die Relevanz der Resolutionen 242 (von 1967) und 338 (von 1973) hingewiesen und der Vorschlag des saudischen Kronprinzen Abdullah begrüßt.

Die Syrer kritisieren an dem Dokument, dass Israel für seine Tötungen nicht verurteilt wird, obwohl sich die Araber flexibel zeigten und sprechen auch von derzeit etwa 2000 inhaftierten Palästinensern, die unwürdig behandelt werden. Das UN-Dokument sei schwach, weil es sich nicht mit dem Basiskonflikt auseinandersetze, nämlich der Besatzung. Die Umsetzung früherer Resolutionen sei von Israel eindringlicher zu fordern. Auch bedauerten die Araber, dass die Konferenz von Madrid, in der es um einen umfassenden Frieden in Nahost ging, ebensowenig erwähnt wurde wie die Vierte Genfer Konvention zum Schutz von Zivilisten.

Dass die UNO einen palästinensischen Staat fordert, wie die FR heute freudig als dpa-Thema des Tages titelt, kann man dem Dokument nicht entnehmen. Von einer "Vision zweier Staaten Israel und Palästina" ist in der Überschrift die Rede, die "bekräftigt" werde, sonst steht da nichts zu diesem Thema. Leider. Die Welt ist mit diesem Dokument aber weitgehend zufrieden, offenbar auch die Palästinenser. Ich selbst finde, wenn sich schon all diese Leute mitten in der Nacht getroffen haben, um eine Resolution zu schreiben, dann hätten sie eigentlich auch mehr Substanz bieten können. Bis auf das isolierte Wort "Palestine" ist diese Resolution in meinen Augen bei allem guten Willen ein Aufguss der 338, die bereits ein Aufguss der 242 war. Klare Worte sind etwas anderes, und die Umsetzung solcher noch einmal etwas anderes.

Hintergrund: Die Resolution 242 besagt: Sicherheit für alle Staaten der Region, Rückzug der Israelis aus den 1967 besetzten Gebieten, Lösung der Flüchtlingsfrage, demilitarisierte Zonen und ein von der UNO bevollmächtigter Vermittler, der über den Erfolg Bericht erstattet. Die 242 ist die wichtigste Basis moderner Nahostpolitik. Die Resolution 338 bringt inhaltlich wenig Neues. Angesichts des Yom-Kippur-Krieges 1973 wurde dort an die 242 erinnert, um ihr mehr Nachdruck zu verleihen. (13.03.02) (English version)


ZIONISMUS

Der Zionismus wird oft als Verteidigungsmittel gegen den Antisemitismus angeführt. In diesem Aufsatz möchte ich die wesentlichen konkurrierenden Meinungen und Definitionen des Zionismus im Zusammenhang mit der Antisemitismus-Debatte gegenüberstellen.

Die Wortbedeutung von "Antisemitismus" ist eigentlich: Gegen die Semiten. Das würde die Araber mit einschließen und die Äthiopier. Die Perser, die Türken und die Inder nicht. Im Alltag bedeutet Antisemitismus: Gegen Juden. Antisemitismus ist bei uns tabu, noch mehr als Anti-Amerikanismus. Die Begriffe "Anti-Arabismus" oder "Anti-Germanismus" sind dagegen eher ungebräuchlich. Einen Anti-Zionismus gibt es auch noch, der ist umstritten. Aus der Zeitung habe ich ein Foto mit einem orthodoxen Juden, der ein Schild trägt: "End of Zionism is peace".

Hier ein Beispiel für den Zündstoff, der im Zionismusbegriff steckt, aus einer Online-Zeitung. Es handelt sich um eine Reaktion auf die internationale Anti-Rassismus-Konferenz in Durban kurz vor dem Elften September: "Israel ist wie viele andere Länder äußerst besorgt, was die wiederholten Versuche angeht, die Sprache der verwerflichen Gleichsetzung ‚Zionismus = Rassismus' in den Texten erneut einzuführen - eine Formulierung, die das Selbstbestimmungsrecht Israels für unrechtmäßig erklärt." (Quelle: http://www.hagalil.com/archiv/2001/08/zionismus.htm)

Die Idee des Zionismus ist gegründet auf die alttestamentarische Quelle, nach der Gott die Juden zu seinem auserwählten Volk gemacht hat, dem das Gelobte Land, der Tempelberg Zion in Jerusalem und damit verbunden die Erlösung versprochen ist. Zum Begriff gemacht hat ihn Theodor Herzl 1897 im Baseler Programm: "Der Zionismus erstrebt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für diejenigen Juden, die sich an ihren jetzigen Wohnorten nicht assimilieren können oder wollen."

"Mit der Proklamation Israels am 14. Mai 1948", so schreibt DIE WELT heute, "war das Ziel des Zionismus und Herzls Vision erreicht. Die Bewegung löste sich im Anschluss jedoch nicht auf, da neben der Sicherung des Status quo auch kulturelle Aspekte und die Wiederbelebung der hebräischen Sprache Ziele des Zionismus waren."

Was DIE WELT beschreibt, könnte man vielleicht das Mainstream-Eigenverständnis von heutigem Zionismus nennen. Es gibt auf der anderen Seite auch sogenannte Post-Zionisten, wie den oben vorgestellten Herrn mit dem Plakat, die meinen, man sollte sich von den historischen Bürden lösen. Beim israelischen Erziehungsministerium fand ich die Ergänzung: "In der Meinung anderer ist es das Ziel des Post-Zionismus in dieser Debatte, dem jüdischen Charakter des Staates Israel ein Ende zu setzen und das Aussehen eines sekulären, demokratischen Staates zu übernehmen." (Quelle: http://www.jajz-ed.org.il/100/german/act/06.html).

Über eine zeitgemäße Eigendefinition berichtet dieselbe Quelle: "In der Dänemark-Schule in Jerusalem versuchte ein ausgewähltes Team von Lehrern mit den Schülern eine allgemeine Definition des Zionismus zu erarbeiten. Dies ist ihr Vorschlag: "Der Zionismus unterstützt die Souveränität des jüdischen Volkes in Eretz Israel und betrachtet jene, die sich zu ihm bekennen, als dazu verpflichtet, an diesem erhabenen Unternehmen teilzuhaben." Souveränität also. So etwas in der Art hat der saudische Kronprinz ja gerade angeboten. Internationale Anerkennung. Ich bin nicht sicher, inwieweit der Begriff "Eretz Israel" definiert ist.

Für die Arabische Liga und andere Vertreter der Arabischen und Islamischen Welt stellt sich der Zionismus allerdings ganz anders dar, nämlich als eine Ideologie, die die Rechte der Juden gegenüber denen anderer Völker bevorzugt und die hinsichtlich ihres allein auf das Judentum zurückgeführte Vorrechts als arrogant und sogar rassistisch eingestuft werden kann, wenn sie etwa die Rechte der Palästinenser als gottgegeben zweitrangig betrachtet. Humanismus ist jedenfalls etwas anderes. Die UNO hatte den Zionismus 1975 in einer Resolution als eine "Form des Rassismus und der Rassendiskriminierung" bezeichnet, was sie 1991 zurücknahm.

Der schwelende Konflikt zwischen Zionismus-Befürwortern und -Ablehnern trat bei der erwähnten Rassismuskonferenz in Durban an die Oberfläche. Man sieht daran, wie virulent die Fragen des Zionismus und des Antisemitismus kurz vor dem fürchterlichen Attentat waren. Und heute, sechs Monate nach dem Elften September, ist zudem der Krieg in Palästina und Israel wieder ausgebrochen. Amnesty International schrieb über Durban:

"Der amerikanische Außenminister Powell hatte vor dem Beginn des Treffens in Durban seine Teilnahme wegen "beleidigender Sprache über Israel" in den Vorbereitungsdokumenten abgesagt. (...). Gegenstand des Streits war die Absicht der arabischen Länder, den "Zionismus" in der Abschlusserklärung mit Rassismus gleichzusetzen. "Zionismus" ist der Dachbegriff für die politische und soziale Bewegung zur Errichtung eines jüdischen Staates in Palästina, die im vergangenen Jahrhundert unter der ständigen Gefahr des Antisemitismus entstand. Die Araber verbinden mit dem Begriff vor allem gewaltsame Landnahme und Vertreibung und bezeichnen das Vorgehen Israels gegen die Palästinenser als rassistisch. Da die arabischen Staaten eine Verurteilung Israels als rassistischen Staat in der Abschlusserklärung forderten und in einer vorläufigen Fassung des Dokuments der Zionismus mit Rassismus gleichgesetzt wurde, zogen Israel und die Vereinigten Staaten bereits am 3. September ihre Delegationen endgültig aus Durban zurück." (Quelle: http://anklagen-online.de/artikel/artikel2.html)

Wenn man über den Antisemitismus, die Juden und den Zionismus spricht, kochen schnell die Gemüter über, wie man zum Beispiel einem Satz aus der heutigen FR entnehmen kann: "Die Anti-Semitismusforschung verfolgt sehr genau die verschiedenen antisemitischen Argumentationsstränge. Die jüngste Form geht so: ‚Keiner traut sich hier, Israel zu kritisieren. Denn die Juden profitieren vom Schuldgefühl der Deutschen." (im Interview mit Schimon Stein).

Aber die Debatte ist jetzt wichtig. Was will der Zionismus, und was wollte er? Das möchte ich von den Zionisten wissen, von den Israelis und von den Juden. Die sind hier gefragt. Warum können sie das Misstrauen nicht entkräften? Irgendetwas muss doch dran sein, wenn sogar der Fremdwörter-DUDEN (meine Ausgabe 1990) schreibt:

"Zionismus: a) jüdische Bewegung mit dem Ziel, einen nationalen Staat für Juden in Palästina zu schaffen; b) politische Strömung im heutigen Israel u. innerhalb des Judentums in aller Welt, die eine (auf eine Vergrößerung des israelischen Territoriums zu Lasten der arabischen Nachbarstaaten gerichtete), die (Heimat-)Rechte der arabischen Einwohner Palästinas einschränkende, Politik betreibt bzw. befürwortet." (09.03.02) (English version)



"Hush, my darling, don't weep, my darling, the Zion sleeps tonight"
(Frei nach einem afrikanischen Wiegenlied)


"DIE ZEIT"

In meinem Statement TRÄUME vom 01.02. habe ich mich kritisch zu einem Artikel (von Maybrit Illner) in der ZEIT geäußert, was ich heute relativieren möchte. In der aktuellen Ausgabe schreibt nämlich auch Uli Wickert in selbiger ZEIT-Rubrik "Ich habe einen Traum", und dieser Beitrag gefällt mir wiederum sehr gut, weil sich Herr Wickert darin im Traum mit Robespierre trifft, um ihm die Guillotine auszureden. Auch das Mal davor war der Beitrag "Ich habe einen Traum" eher gut. Ich wusste auch zuerst nicht, dass es eine Serie ist.

Früher fand ich die ZEIT ja eher nichtssagend. Aber inzwischen beobachte ich mich dabei, wie ich sie öfter kaufe als Seine Majestät den SPIEGEL, der zurzeit so langweilige Dinge tut wie Charlton Heston zu interviewen. In der jetzigen ZEIT-Ausgabe ist auch ein Beitrag über meinen Lieblingsprof aus der Birzeit-Universität, den Politologen Saleh Abdel Jawad. Wir sind uns mehrfach begegnet, und ich schätze ihn menschlich und politisch sehr. Wenn auch unter tragischen Umständen angesichts der durchgeknallten Israelis ist es schön, ein aktuelles Bild von ihm zu sehen und einen erstaunlichen Text dazu zu lesen. Gruß an die ZEIT-Redaktion. (09.03.02) (English version)


BAMS

Kennen Sie die aktuelle BILD-AM-SONNTAG-Fernsehwerbung? Die ist wirklich lustig. Und zwar sitzt da dieser bekannte Ruhrpott-Proll-Schauspieler in einer Art Nobelhotelsuite in einem Seidenmorgenmantel oder so etwas und spreizt den kleinen Finger ab. Es ist aber gar keine Hotelsuite, sondern er wohnt einfach so nobel im dritten Stock, weil er ein reicher Sack ist. Darum geht es auch in seinem Sprechtext. Er sagt darin, dass er einen Diener hat, der ihm seine Sonntagszeitung ins Haus bringt. Die Kamera kuckt dabei so von unten am Schauspieler herauf. Ebenfalls zum Sprechtext gehört der Gag, der auf Kosten besagten Dieners geht, und zwar dahingehend, dass der Diener froh sein solle, nicht bis zum vierten Stock hochlaufen oder dem adeligen BAMS-Abonnenten einen blasen zu müssen.

Ich glaube, sie nennen das Ganze: ‚Deutschlands schnellstes und devotestes Magazin' oder so ähnlich. Mit einem Mallorca-Sonderteil in jeder Ausgabe. Über die BILD-Zeitung schreibe ich ja normalerweise selten, weil es die an meinem Kiosk gar nicht gibt, aber diesmal war ich wirklich hellauf begeistert. Ich stelle mir gerade diese ganzen BAMS-Leser aus dem Ruhrpott-Adel vor, wie sie... naja egal. (03.03.02)



"You're nobody till somebody loves you."
(Dean Martin)


BK

Haarprobe und Nachbarschaftsstress, soweit sind wir also jetzt... Ich spreche natürlich von unserem Bundeskanzler. Nein, ich spreche viel mehr von der deutschen Presse. Was haben die sich bloß dabei gedacht, wegen der angeblichen Haarefärberei des BKs so einen Wirbel zu machen, dass er bis vors Gericht ziehen muss? Der hat bestimmt Wichtigeres zu tun. Und dann die Berichterstattung über den Umzug der Schröders in Hannover! Einige der Anwohner (nicht alle) haben sich aufgeregt wegen der Parkplätze und der erhöhten Sicherheit und so weiter. Meine Güte! Ist es dem Volk vielleicht lieber, der BK würde weit weg auf einem Berg wohnen und nix mehr mitkriegen?

Es ist unglaublich, worüber die Leute sich das Maul zerreißen. Die Kritik gehört nicht an die Haare, sondern an die Innen- und Außenpolitik. Da gibt es schon genug zu kommentieren. Nehmen wir den Satz: ‚Von deutschem Boden soll nie wieder Krieg ausgehen.' Das war uns einmal wichtig, erinnern Sie sich? Seit der Kanzlerschaft von Herrn Schröder hat sich das ziemlich relativiert bzw. erledigt. Oder die Gehorsamsfrage. Ist ja auch noch nicht so lange her, diese GRÜNEN-Würgerei. Ich meine, es ist ja nicht so, dass nix los wäre in Deutschland außer der Frisur des BKs. (03.03.02)

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