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STATEMENTS (5)
Mai bis Juni 2002
HITLER / JESUS (22.06.02)
BOB DYLAN (22.06.02)
TERROR-TAT (18.06.02)
LIEBE (18.06.02)
ZITATE AUS DER PRESSE (15.06.02)
DEUTSCHE / JUDEN (14.06.02)
AL-QAIDA (11.06.02)
STUDIERENDE (11.06.02)
SPIDERMAN (09.06.02)
ZITATE DES TAGES 08.06.02
Essay: Gegenwart und Vergangenheit (07.06.02)
TAGESTHEMEN (06.06.02)
FRIEDMAN (06.06.02)
MÖLLEMANN (4) (06.06.02)
Essay: Rechtspopulismus (01.06.02)
Essay: Der muslimische Aberglaube (31.05.02)
MOPO (30.05.02)
Essay: Der politische Aberglaube (30.05.02)
GURKENSTERN (29.05.02)
DEMOKRATIE ! (28.05.02)
GYSI (27.05.02)
RALPH SIEGEL (27.05.02)
ATTAC (3) (27.05.02)
MÖLLEMANN (3) (27.05.02)
MÖLLEMANN (2) (25.05.02)
MÖLLEMANN (23.05.02)
JAMAL KARSLI (23.05.02)
DIE NEUE ZEIT (22.05.02)
POP UND KOMMERZ (11.05.02)

HITLER / JESUS

Zwei wesentliche Gefahren stecken meiner Ansicht nach in der Nichtbewältigung des Zweiten Weltkriegs: Die Gefahr der Wiederholung bzw. der Kontinuität und die Gefahr des destruktiven Nihilismus. Diese beiden scheinen mir auch miteinander verknüpft zu sein.

Angeregt zu diesem Statement hat mich der Artikel "Die Scharfmacher hinter den jungen Skins" aus der Schweizer Zeitung "Blick" von gestern, den ich im Austausch von den Freunden der "Aktion Kinder des Holocaust" erhalten habe (
Der ganze Artikel ist hier) Es scheint auch mir sehr wichtig zu sein, darauf hinzuweisen, dass es rechtsextreme Führergestalten gibt, und zu erklären, was sie tun. In dem vorliegenden Artikel werden sieben solcher Revisionisten beim Namen genannt. Es handelt sich um Ideologen, die zum Beispiel den Holocaust und die Gaskammern leugnen. Dies ist bei uns zu Recht eine Straftat, und hier sehe ich auch einen der gerechtfertigten Inhalte des "Sonderverhältnisses" zwischen Deutschen und Juden. Ein Sonderrecht ist es insofern, als das Leugnen z.B. des Genozids der Armenier vor hundert Jahren etwa in der Türkei keinen Sraftatbestand erfüllt, oder überhaupt das Leugnen von irgendetwas sonst. Ebenfalls zu Recht verboten sind nationalsozialistische Symbole, und es fällt in die gleiche Rubrik: Wir wollen keine Nazis mehr, und wir wollen nicht, dass ihre Taten geleugnet werden dürfen. Also ist es richtig, gegen solche Personen vorzugehen, die sich öffentlich rassistisch äußern, die vor Neonazis gegen Juden sprechen oder auch, die den Elften September als Sieg feiern. Leute wie die, die in dem Artikel vorgestellt sind, und die revisionistische Schriften verbreiten.

Diese Seite der Medaille möchte ich die "Wir wollen nicht"-Seite nennen. Der wesentliche Teil meiner Gesellschaftskritik ist die Frage nach der anderen Seite: Was wollt ihr denn? Wie stellt ihr euch ein gutes gesellschaftliches System vor? Es ist nicht das derzeitige, sonst würde es nicht so viel Frustration und Reformstaus geben. Solange es bei "Wir wollen nicht" bleibt, fehlt die Gegenwelt, das Gegenargument. Es mögen die allermeisten Leute zustimmen beim "Wir wollen nicht", doch die Revisionisten verlieren dadurch nicht ihre Wichtigkeit, sie sind damit noch nicht widerlegt, nur überstimmt und abgedrängt. Das Problem bleibt. Die Gefahr des Negativen bleibt solange, wie nicht klar ist, was das Positive ist. Bei relativen Werten ist eben auch das Schlechte nie ganz schlecht und besteht also weiter. Wenn sich der Blick auf die Suche der Wiederholungsgefahr / Kontinuitätsgefahr beschränkt, dann kann es solche Gegenwelten nicht geben, wir können dann nicht heraus aus dem Zweiten Weltkrieg. Dies nenne ich den destruktiven Nihilismus. Konkret wird die Gefahr des Nihilismus, wenn die "Wir wollen nicht"-Seite kein Komplement hat, keine "Wir wollen"-Seite. Der vorliegende Artikel bietet einige Beispiele, an denen das illustriert werden kann:

"Wir brauchen Leute, die etwas wagen. Leute, denen Volk und Heimat notfalls mehr bedeuten als das eigene Wohlergehen." ist das Zitat eines Revisionisten. Wenn dies als Rechtfertigung für Rassismus verwendet wird, ist es gefährlich, weil es initiativ gegen Andere geht. Das gleiche Zitat kann aber auch auf etwas Gutes verweisen, man bedenke, dass es auf Gandhis Leben passt und durchaus auch auf Elvis' Leben. In meiner Weltanschauung passt es auch auf Bernhard Nolz, den Lehrer aus Siegen, der wegen pazifistischer Äußerungen nach dem Elften September seinen Job verloren hatte, der aber die Verantwortung sah, den jungen Leuten den Frieden nahezubringen. Dies alles sind Leute, die für mich auf der "Wir wollen"-Seite stehen und die mit wegrasiert werden, wenn der Sinn des Zitates insgesamt abgelehnt wird. Dabei wird zwar sichergestellt, dass revisionistische Assoziationen nicht aktiviert werden, doch die Gegenwelt wird mitunterdrückt.

Hier ist ein zweites Zitat: "Er bindet Jugendliche mit einfachen Worten und Weltbildern wie in einer Sekte an sich und erklärt sie zu etwas Besserem. Das macht ihn so gefährlich", heißt es von Seiten der "Aktion Kinder des Holocaust" im Artikel über einen anderen Revisionisten. Hier wird Hitler unterdrückt, und Jesus wird mitunterdrückt. Die Gefahr, die Angst, sie ist wichtiger als das Glück, der Wunsch. Denn natürlich ist es gefährlich, wenn ein Rassist oder Militarist Jugendliche an sich bindet und ihnen sagt, sie seien zum Beispiel besser als irgendwelche Nicht-Arier oder als die Nicht-Deutschen oder wer auch immer. Die Übertreibung liegt in der Abwertung von "einfachen Worten" und "einfachen Weltbildern", denn die hatte Jesus auch. Und auch Jesus hat die Menschen zu etwas Besserem erklärt, aber nicht besser als die anderen, sondern besser als sie selbst über sich dachten. Er sagte ihnen, dass sie nicht in Schuld leben müssen. Jesus hat sich der Bibel nach ja auch für die anderen geopfert, ihm war also das Volk und die Heimat wichtiger als das eigene Wohlergehen. "Wie in einer Sekte", heißt es in der Beurteilung, und der Begriff "Sekte" ist voller Projektionen, ähnlich wie der Begriff "Populismus". Er ist suggestiv und taugt nicht als Argument. "Hörigkeit" wäre ein Argument. "Anstiftung zu einer Straftat" ist ein Argument. "Sekte" ist keins. Die frühen Christen waren eine Sekte im ursprünglichen Sinne von "kleinere, abgespaltene religiöse Gemeinschaft". Die (oft als Kampfbegriff verwendete) zweite Bedeutung von "philosophisch oder politisch einseitig ausgerichtete Gruppe" (Duden) braucht bereits eine Interpretation, denn was ist einseitig? Ist Jesus' Liebe einseitig?

Es muss erneut um die Frage gehen: Was macht die Revisionisten so gefährlich? Denn diese Frage wird zu vage beantwortet. Als jemand, der selbst einfache Worte verwendet und ein einfaches Weltbild hat (Love & Peace) und der ebenfalls die Menschen zusammenbringen möchte, verwahre ich mich dagegen, mit Revisionisten in einen Topf geworfen werden zu können und dagegen, in der weit streuenden Opposition gegen den Revisionismus mitunterdrückt zu werden, ebenso wie die meisten meiner Vorbilder. In aller Sportlichkeit bitte ich daher die Freunde von der "Aktion Kinder des Holocausts" um eine - möglichst öffentliche - Stellungnahme zu diesem ausgesprochen relevanten Problem. (22.06.02) (English version)

23.06.02: Es hat eine kurze private Antwort gegeben, die von einem Missverständnis spricht. Tja, hmm.


"Wenn man die Dinge nicht beim Namen nennt, dann wabern sie."
(Bundespräsident Rau in "Bericht aus Berlin" 21.06.02, 23 h)

BOB DYLAN

Es war Bob Dylan immer wichtig, den Erwartungen nicht zu entsprechen, die an ihn gestellt wurden. Dies ist allgemein bekannt und gehört sogar zu den Dingen, die ihn für viele Leute auszeichnen: Ja, Bob hat dies und jenes gemacht, weil er einfach den Erwartungen nicht entsprechen will. Das ist cool. - Letztlich aber sind zwei Personen dabei herausgekommen: Ein Bob Dylan, der "Abandoned Love" und "The Times They are a-Changin'" geschrieben hat - aus tiefstem Herzen -, und einer, der griesgrämig und einigermaßen nihilistisch durch die Welt läuft und den Erwartungen nicht entspricht. Ein Mensch, der nichts Definitives sagt, kein Vorbild sein will und überhaupt weit über allen Dingen schwebt.

Im letzten Jahr sang Bob auf der "Love and Theft" wieder Dinge, in denen er aus den Songs heraustrat, als wäre er doch nur eine Person: "If you got something to say speak now or hold your peace". Er sang auch: "Why don't you break my heart one more time, just for good luck". Er sang, dass man natürlich die Vergangenheit wiederholen kann (gemeint ist der Rock'n'Roll), und dass er einen Ort kenne, wo noch immer etwas los sei. Dies alles im Song "Summer Days". Ich habe selbst 100 Songs geschrieben, und ich weiß, dass Bob hier seine wirklichen Wünsche und Anliegen besungen hat. Bloß passiert ist gar nichts. Glaub nicht, dass Bob den Erwartungen entspricht, und seien es seine eigenen.

Aber das ist doch nur ein Song, werden einige wohlmeinende Leser jetzt sagen, und genau darum geht es mir auch. Ein starker Song, hinter dem eine wackelige Persönlichkeit steht, ist so wie der intensive Kuss eines Eunuchen oder wie eine starke Regierungserklärung, hinter der eine wackelige Regierung steht: Das Wort verliert seine Bedeutung, weil es nicht durch Handlung bestätigt wird. Ein Vorwurf, den man John Lennon nicht machen konnte. Immerhin wird Dylan von vielen Menschen als großer Einfluss im eigenen Leben gesehen und verehrt, zum Beispiel von Außenminister Fischer und der ganzen 68er-Generation. Aber auch jüngere Leute berufen sich auf ihn als den ultimativen Rock'n'Roller.

Auch mich hat Dylan beeinflusst, denn er ist ein genialer Pionier, der fantastische Songs geschrieben hat. Nur hat er leider daran mitgearbeitet, dass das Publikum inzwischen erwartet, dass Songs Illusionen ohne politische Konsequenz sind, schöne Worte und Rhythmen, mit denen man für ein paar Minuten aus der Realität fliehen kann, die aber nicht in der Lage sind, eine Realität zu erzeugen. Bob Dylan gibt ein schlechtes Beispiel ab für andere Songwriter und für das Publikum. Durch seine Unnahbarkeit hat er selbst dafür gesorgt, dass die Kluft zwischen Popkünstler und Publikum viel zu groß ist und dafür, dass Songs und Songwriter nicht mehr ernst genommen werden, weil sie nicht kohärent sind. (22.06.02)
(English version)


TERROR-TAT

Der jüngste schwere Anschlag in Jerusalem ist eine fürchterliche Tat gewesen. Ich kann Anschläge auf militärische Ziele nicht verurteilen, weil Krieg ist, aber gegen zivile Unbeteiligte, das ist schrecklich. Und dann noch Kinder... Die HAMAS ist völlig durchgeknallt und schuldig. Sie ist nicht legitimiert, für die Palästinenser zu sprechen. Die Antwort wird die eines legitimierten Israels sein. Wird es sich verhalten wie die Terroristen, oder wird es sich anders verhalten? (18.06.02)
(English version)


LIEBE

Die Analyse der deutschen Presse ist im Jahre 2002 sehr lehrreich, weil sie zeigt, was das eigentlich bedeutet, noch immer im Zweiten Weltkrieg (1939-45) zu leben. Die Deutschen wissen, dass sie etwas falsch gemacht haben, wissen aber nicht genau, was es war. Also werden die Werte von früher einfach umgedreht: Wurden die Juden damals verfolgt, so werden sie heute verhätschelt: "Es darf keinen leichtfertigen Umgang mit den Empfindungen der Juden geben" (Angela Merkel, MOPO heute S.2), ein sehr vager Satz, der nur die Richtung vorgeben kann und das auch weiß und will.

Und dann die Vaterlandsliebe. Die hat Angela Merkel angemahnt. Damit ist sie jetzt bei Teilen der Presse ins Möllemann-Messer gelaufen. Denn Vaterlandsliebe war unter Hitler ein Wert, und deshalb wurde er später nach und nach abgelehnt. Hören Sie mal, wie das heute klingt, aus dem Munde des MOPO-Chefmoralisten Wolf Heckmann: "Die Sache mit der Vaterlandsliebe führte sie gleichwohl nicht allzusehr aus, wohl wissend, dass diese überreife Frucht schon anhand ihres Alters stinkt. Sie wird gleichwohl in unteren Etagen als Wurfgeschoss fliegen. Und die Vorsitzende wird daran so unschuldig sein wie der Kollege der FDP."

Das bedeutet: Wer als Deutscher Deutschland liebt, der ist etwa so schlimm wie die "Antisemiten". Wenn allerdings sogar die Liebe verboten oder veralbert wird, dann darf sich niemand wundern, wenn die Leute sich wünschen, dass diese ganzen nihilistischen Heckmänner endlich in Rente geschickt werden, bevor sie sich noch darüber aufregen, dass die Deutschen Schuhe tragen, weil die Nazis auch Schuhe getragen haben. Ich jedenfalls lasse mir meine Liebe nicht von irgendwelchen fossilisierten Griesgramen verleiden, die sich weiterhin im Zweiten Weltkrieg aufhalten wollen und Schuld predigen, um die Menschen damit runterzuziehen. (18.06.02)
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ZITATE AUS DER PRESSE

Ich habe jetzt eine
Seite mit Zitaten und Artikeln aus der deutschen Presse eingerichtet, die sich mit dem Diskurs Deutschland - Israel - Palästina beschäftigt. Diese Zitatensammlung ist für Journalisten und Politologen gedacht und nicht systematisch im Sinne von umfassend. Wenn Sie selbst etwas in der deutschen Presse finden, was dazu passt, schicken Sie es mir bitte zu. (15.06.02)


DEUTSCHE / JUDEN

Im Oktober 1985 verhinderten Ignaz Bubis und andere Mitglieder der Frankfurter Jüdischen Gemeinde die Uraufführung des Fassbinder-Stücks "Der Müll, die Stadt und der Tod", in dem die schablonenhafte Figur des "reichen Juden" vorkam. Aus diesem Zusammenhang stammt das Zitat eines deutschen Juden, das heute wieder sehr aktuell ist:

"Versöhnung ist ein absolut sinnloser Begriff... Die Erben des judenmordenden Staates bieten den Opfern und Nachkommen der Opfer Versöhnung an und sind erbittert, wenn dieses Wort zurückgewiesen wird. Es kommt ihnen in Wirklichkeit gar nichts anderes zu, als die schwere historische Verantwortung auf sich zu nehmen, generationenlang, für immer." (Michel Friedman, Quelle: Gerhard Frey (Hrsg.): Prominente ohne Maske, Band 2, München 1986, S. 106, thanx Sabine)

Ich habe lange über dieses Zitat nachgedacht, und ich stimme zu, dass die Deutschen ihre historische Verantwortung für immer tragen müssen. Nur bin ich wahrscheinlich anderer Ansicht darüber, was das bedeutet. Soeben sah ich im Bericht aus Berlin deutsch-jüdische Reaktionen auf die Möllemann-Geschichte. "Dass ich so etwas noch einmal erleben muss, hätte ich nie gedacht", sagte ein Mann, dessen Familie im Krieg deportiert wurde. "Ich fühle mich noch einigermaßen sicher", sagte eine junge Frau, aber man müsse sich ständig für Israels Politik rechtfertigen.

Für mich bedeutet die historische Verantwortung, dass ich Gewalt gegen Minderheiten (und auch gegen Mehrheiten) ablehne und bekämpfe. Den Juden in Deutschland ist weder durch Herrn Möllemann noch durch Herrn Karsli eine solche Gewalt entgegengebracht worden, deshalb verstehe ich auch die Reaktionen nicht. Ich respektiere die Erinnerung und auch die Ängste der Juden und der Israelis, aber nicht das Schwelgen darin. Es ist auch sehr leicht für einen Juden zu sagen: "Es ist sehr leicht für dich, so etwas zu sagen, denn du hast unser Leid nicht erlebt."

Den Palästinensern wird eine solche Gewalt seit Jahrzehnten angetan, daher sagt mir die historische Verantwortung, mich für sie einzusetzen. Der von mir geschätzte verstorbene Professor Leibovitz, der im Film "Izkor - Sklaven der Erinnerung" von 1991 Deutschland und Israel hinsichtlich ihrer Geschichte verglich und große Ähnlichkeiten sah, die zu sehen deutschen Politikern nicht erlaubt ist, wurde gefragt, welche Lehre man aus der Shoah ziehen könnte, und er antwortete, dass man keine Lehre ziehen könne, weil sie völlig sinnlos gewesen ist.

Ich verstehe, was er meint, bin aber anderer Ansicht. Natürlich gibt es Lehren aus der Geschichte, die wir für die Zukunft brauchen. In diesem israelischen Film, den das ZDF vor Kurzem ausgestrahlt hat, wird die Erziehung in Israel gezeigt, und sie ist sehr nationalistisch. Die Jugendlichen, die dort interviewt wurden, waren völlig orientierungslos und sagten, dass sie alles tun, was von ihnen verlangt wird, auch Töten. Das Herausstechendste war allerdings, dass jedes Gespräch und jeder Satz von Israel handelte, seiner Verteidigung, seiner heldenhaften Vergangenheit, seiner Stärke, seiner Schwäche, seiner dies und jenes, immer Israel Israel. Es wurde mir deutlich, dass hier die Palästinenser gar nicht wahrgenommen wurden. Der Konflikt schon, der Feind auch, aber nicht die Palästinenser. Seltsam, dabei leben die doch direkt nebenan.

Das obige Zitat darf nicht ausgenutzt werden, um die Deutschen ruhigzustellen, so viel muss mal klar sein. Aus dem Zitat geht ja nicht hervor, wie diese historische Verantwortung aussehen soll. Das kann für einige Menschen einschüchternd wirken, und sie denken, die Lehre aus dem Krieg sei, nichts mehr gegen (oder über) Juden zu sagen, oder sie hieße: "Nie wieder Antisemitismus in Deutschland!" Dies aber wäre eine grobe und fahrlässig verfälschende Spezifizierung, denn die Lehre heißt natürlich: "Nie wieder autoritäre Staaten und Verfolgung von Minderheiten in aller Welt!" Und diese Lehre gilt ausnahmslos für alle. Wo ist eigentlich das Problem? Ist es vielleicht das Dogma, dass eine Opfergruppe nicht zu einer Tätergruppe werden kann? Also wenn es das ist: Das kann man soziologisch, psychologisch, mit dem gesunden Menschenverstand sowie faktisch leicht widerlegen. (14.06.02)
(English version)


AL-QAIDA

Die Presse berichtet über neue Drohungen der Qaida-Terroristen. Es ist ein seltsames Gefühl für mich: Einerseits teile ich vieles der Kritik am Westen, andererseits lehne ich solche Gewaltdrohungen und -Aktionen vollständig ab. Ich kann auch nicht die Bedrohung leugnen, die von den Terroristen ausgeht, und ich unterstütze ihre Festnahme. Gleichzeitig fühle ich mich durch die Amerikaner bedroht, weil ihre Politik auf einer fraglichen moralischen Basis steht und zu Gewalt neigt. Der Weltkonflikt tritt von Monat zu Monat deutlicher zu Tage, auf verschiedenen Ebenen. Wie wird die Menschheit diesen Konflikt lösen, und wie lange wird sie dafür brauchen? Eine interessante Frage. (11.06.02)
(English version)


STUDIERENDE

Ein Ruck geht durch das Land: Die Studenten erheben sich. Seht wie sie demonstrieren! Diese Menschen haben endgültig genug: Sie wollen mehr! Sie verlangen bessere Studienbedingungen. Gerechtigkeit, jawohl, denn sie sind die Zukunft. Die geistige Elite des Landes. Und Opfer, auch sie. Sie müssen nebenbei jobben, sie haben Verpflichtungen, sie haben Stress mit ihren Eltern, mit dem Auto, mit dem Drucker, Lebensüberdruss, überfüllte Hörsäle, keinerlei Orientierung, schlechtes Mensa-Essen, Beziehungsprobleme, Angst vor der Zukunft, Bürokratie. Ey Mann Leute, die tun das alles für Euch! Also tut auch mal was für Eure Studenten! (11.06.02)
(English version)



"I can really rock ooh I can do it. I can really rock ooh I can do it.
I can really rock ooh I can do it. - I can do it I can do it I can really move."

(The Rubettes)


SPIDERMAN

Spiderman, der Superheld, wurde in den sechziger Jahren erfunden, als junge Männer noch davon träumten, die Welt zu retten. Das schreibt die ZEIT auf Seite 64, der "Ich habe einen Traum"-Seite (siehe Statements
TRÄUME und DIE ZEIT). In dieser Folge träumt Tobey Maguire, der Spiderman-Darsteller, und das ist soziologisch gesehen sehr interessant. Hier einige Zitate von Maguire:

"Träume sind in meinen Augen etwas Unerreichbares oder bestenfalls die Hoffnung, etwas Unerreichbares zu schaffen. Damit kann ich wenig anfangen. (...) Wenn ich vom Weltfrieden träume, dann ist das einfach nicht realistisch. (...) Ich vermute, dass viele Leute riesige Träume haben, so in der Art: Ich möchte den Hunger auf der Welt abschaffen oder wirklich reich werden. Aber ich glaube, es ist es nicht wert, über Dinge nachzudenken, die nicht realistisch sind."
"...aber so ist die Welt halt nicht. Und ich muss es akzeptieren. Ich kann nicht Gott spielen. Ich weiß nicht, was das Beste für die Menschheit ist."
Über Gefühle: "Es sind nur Gefühle! Wir können einen Schritt zurücktreten, sie beobachten, uns ihrer bewusst werden und dann handeln, selbst wenn es gegen unser Gefühl geht. Die Gefühle verflüchtigen sich dann."
Im Widerspruch dazu dann: "Das heißt für mich erwachsen werden: mitzukriegen, was um einen herum passiert, dafür zu sorgen, dass es den Leuten um einen herum gut geht."

Ein kapputter Typ stellt sich hier vor, für den Frieden und Gefühle unrealistisch - nicht wie im Film - sind. Orientierungslos, wie er Hungerbekämpfung und das Streben nach Reichtum in eine Kategorie stellt. Ein fügsamer Ducker ("Ich muss es akzeptieren") und Rationalisierer. Für Maguire stellt es eine Anmaßung dar, den Hunger abschaffen zu wollen: "Ich weiß nicht, was das Beste für die Menschheit ist." Konsequenterweise wird Maguire auch andere ablehnen, die sich für den Weltfrieden engagieren und die also "Gott spielen."

DER ZEIT scheint das ganz gut zu gefallen. Es macht den Eindruck. Aber man muss natürlich berücksichtigen, dass auch Hitler kühne Träume hatte, und man hat ja gesehen, wohin das geführt hat. Insofern ist die Skepsis gegenüber Träumen durchaus angebracht. Tobey Maguire hat das Spiel verstanden: Man muss zeigen, dass man die Ungerechtigkeit in der Welt sieht, dass man also nicht blöd ist, und dann muss man zeigen, dass man sich nicht einmischt und "die Realität" aus guten Scheingründen akzeptiert. Das ist wichtig, weil sich Millionen Kids mit Spiderman identifizieren. Man muss klar machen, dass das alles nur Spiel ist, dass hinter der Maske ein bescheidener Mensch steckt, der nicht Gott spielen will, der pflichtgemäß gegen seine Gefühle handelt und der... leidet. Vielen Dank, liebe ZEIT-Redaktion, für dieses Studienobjekt. (09.06.02) (English version)


ZITATE DES TAGES 08.06.02

"Kunst, die nicht politisch wirken will, wäre nicht zeitgenössisch." (Bundespräsident Rau auf der Documenta 11)

"Der eine wartet, dass die Zeit sich wandelt, der andere packt sie kräftig an und handelt."
(Dante, zitiert auf der Homepage vom Ruck: www.deutschland-packts-an.de)

"Wenn er Friedman beleidigt, beleidigt er alle Juden." (Paul Spiegel über Mölli, nach FR)

(English version)


Der Essay: Gegenwart und Vergangenheit vom 07.06.02 ist etwa fünf Seiten lang (17.500 Zeichen).


TAGESTHEMEN

In den Tagesthemen hat Ulrich Wickert heute klar gemacht, dass es jetzt nicht mehr nur um die Israelkritik geht, sondern auch um die Kritik an der Bundesregierung und den Ton der Kritik. Hier ist Uli Wickert im Original: "Tabubrüche und Regelverstöße wollen sowohl Jürgen Möllemann als auch Guido Westerwelle nutzen, um aus der FDP eine Protestpartei zu machen. Wogegen sie protestieren, das haben sie inhaltlich noch nicht mitgeteilt, aber Möllemann führt die Art und Weise des Protestes vor. Den Kanzler nennt er Knilch, Scharping eine Gurke, und die Regierung eine Pfeifentruppe. Alt-Bundespräsident Roman Herzog hat dies erbost, weshalb der Unionspolitiker im Sinne des demokratischen Grundkonsenses erklärt: 'Ich will nicht, dass über die Regierung meines Landes so gesprochen wird.' Doch ausgewogen, gerade das ist sie nicht, die Sprache des Protestes. Wohin das führen kann, untersucht Joachim Wagner:..."

Es folgt ein Bericht von Joachim Wagner über Susanne Thaler, die Mitglied des Bundesvorstandes war und die aus der FDP ausgetreten ist und auf Möllemann schimpft, weil er rechte Stimmen "abgrast". Wagner: "Nach ihrer Auffassung hat die Debatte um Möllemann und Karsli tiefe Spuren in den jüdischen Gemeinden hinterlassen, und die Hemmschwelle für antisemitische Äußerungen gesenkt. Durch kalkulierte Tabubrüche. Thaler: "Das Schlimmste ist, dass dieser schreckliche Satz sich so verselbstständigt hat: Man wird ja schließlich, man wird ja schließlich wohl noch... dürfen, man wird ja wohl schließlich noch Israel kritisieren dürfen. Die Infamie, ein solches Tabu aufgebaut zu haben, das eben nicht nur Möllemann, sondern auch Westerwelle bedient hat, das ist gar nicht mehr zurückzudrehen." Danach durfte dann Herr Clement noch sagen, dass Karsli zum "Unfrieden" beiträgt, weil er anti-israelisches, anti-semitisches und anti-jüdisches Gedankengut verbreitet hätte. "Das wollen wir in diesem Land nicht." Vom Ausland hätte man noch keine Schelte gehört, so ging es dann weiter, aber wer wisse schon, ob sich das nicht ändern kann.

Hier wird also von der Unartigkeit gegenüber der Regierung unmittelbar zum Antisemitismus herübergeschwenkt, haben Sie das bemerkt? Ulrich Wickerts Logik ist hier: Erst nennt Möllemann die Regierung (zu Recht übrigens) eine Pfeifentruppe, dann folgen die tiefen Spuren in der jüdischen Gemeinde. Um also, so weiterhin Wickerts Logik, dem Antisemitismus aus dem Weg zu gehen, soll oder darf man "nicht so" (Herzog) über die Regierung sprechen und man soll oder darf keine Tabus brechen bzw. gegen Regeln verstoßen. Das heißt "demokratischer Grundkonsens", sehr interessant. Früher nannte man so was ja noch schlicht autoritär. So ändern sich die Zeiten. Struwwelpeter lässt mal wieder grüßen.

Ehrlichgesagt kommt es mir so vor, als würde die Presse sich selbst da so eine gemütliche Scheinwelt vorgaukeln in der vagen Hoffnung, dass die Öffentlichkeit vollständig verblödet ist und mit daran glaubt. Also bei mir hat es nicht funktioniert. Ich denke eher, dass Uli Wickert nach der Geschichte mit Arundhati Roy (
Anis Online berichtete) eingesehen hat, dass er alt geworden ist. Das wird man ja wohl noch sagen dürfen, oder ist das inzwischen auch schon verboten? Geht ja alles so schnell jetzt. (06.06.02) (English version)

Anm. am 02.12.02: Möllemann auf Anis Online: Statements JAMAL KARSLI, MÖLLEMANN, MÖLLEMANN (2), MÖLLEMANN (3) *, GYSI, DEMOKRATIE ! *, MÖLLEMANN (4) *, FRIEDMAN *, TAGESTHEMEN *, LIEBE *, ZITATE 08.06. *, DEUTSCHE / JUDEN *; - Essay Der Politische Aberglaube, Essay Rechtspopulismus, Essay Gegenwart und Vergangenheit, FAKED MÖLLEMANN INTERVIEW, WARHOL MEETS FRIEDMAN


FRIEDMAN

Heute hat sich Herr Möllemann unter der Erleichterung des Sonnensystems im Düsseldorfer Landtag bei den deutschen Juden entschuldigt, falls er ihre Gefühle verletzt haben sollte. Als ein Journalist ihn auf Friedman ansprach, sagte er, diese Entschuldigung gelte für alle, aber nicht für Herrn Friedman, der auf die ausgestreckte Hand draufgehauen hat. Er sagte auch, Herr Friedman solle von seinem hohen Ross herunterkommen. Schlimmeres habe ich nicht gehört.

Herr Friedman hat daraufhin im Heute-Journal gesagt, dass Herr Möllemann nicht aufhören würde, ihn, Friedman, als, so wörtlich, "den bösen Juden" darzustellen, und dass er sich wohl nicht im Klaren darüber sei, welche Gefahren er damit heraufbeschwört. Nun hat Herr Möllemann ihn keineswegs als den bösen Juden bezeichnet oder dargestellt, sondern nur seinen persönlichen Unmut zum Ausdruck gebracht, weil er Herrn Friedman nicht mag, was sein Recht ist. Ich frage mich wirklich, warum Herr Friedman das jetzt gesagt hat, dass man ihn zum bösen Juden machen will. Auch hat er Möllemanns Statements als "Nachtreten" bezeichnet und ihm deshalb - man muss sich das mal vorstellen! - das Recht an der Mitwirkung am öffentlichen Diskurs abgesprochen. Das war gerade in den Tagesthemen.

Auch Herr Spiegel vom Zentralrat lehnt wegen der neuerlichen "Affronts" Möllemanns weiterhin jedes Gespräch mit ihm ab. Zitat von ihm in den Tagesthemen: "Darüber gilt es zu sprechen, wie es weiter gehen soll. Dass von diesem Land aus nie wieder Antisemitismus ausgeht. Dass die Menschen in diesem Lande begreifen, dass es nicht um uns geht, um Minderheiten geht, sondern um die gesamte Bevölkerung. Um die Demokratie in diesem Lande."

Ich muss zugeben, dass ich mir ziemlich veralbert vorkomme, wenn Paul Spiegel mir im Namen der Juden erklären will, was Demokratie ist. Ein Mann, der Menschenrechtsverletzungen Israels verharmlost und Gewalt in Richtung der Palästinenser ausdrücklich befürwortet. Da ich den Sinn von Spiegels Zitat nicht erkennen kann, besonders angesichts der jetzigen schlechten Position von israelkritischen Bevölkerungsgruppen, lese ich sein Zitat so: "Darüber gilt es zu sprechen, wie es weiter gehen soll. Dass von diesem Land aus nie wieder Antisemitismus ausgeht. Dass die Menschen in diesem Lande begreifen, dass es um uns geht, und um die gesamte Bevölkerung, die auf unserer Seite ist. Um den Pro-Semitismus in diesem Lande." Das ist wenigstens kohärent. Als Uri Avnery gefragt wurde, wie er zum Zentralrat stehe, sagte er dem Deutschlandfunk vor Kurzem, dass seit dem Tod von Ignaz Bubis Funkstille herrsche. Ich glaube, ich kann mir auch vorstellen, warum das so ist. (06.06.02)
(English version)

Anm. am 02.12.02: Möllemann auf Anis Online: Statements JAMAL KARSLI, MÖLLEMANN, MÖLLEMANN (2), MÖLLEMANN (3) *, GYSI, DEMOKRATIE ! *, MÖLLEMANN (4) *, FRIEDMAN *, TAGESTHEMEN *, LIEBE *, ZITATE 08.06. *, DEUTSCHE / JUDEN *; - Essay Der Politische Aberglaube, Essay Rechtspopulismus, Essay Gegenwart und Vergangenheit, FAKED MÖLLEMANN INTERVIEW, WARHOL MEETS FRIEDMAN


MÖLLEMANN (4)

Wenn es nur darum ging, zu sagen: "Sollte ich die Empfindungen jüdischer Menschen verletzt haben, möchte ich mich entschuldigen", dann hätte Herr Möllemann das auch billiger haben können. Offensichtlich hat er darüber hinaus einen Großteil seiner Argumente verpasst, denn man hätte sonst davon gehört. Sein richtiger Ansatz, den repressiven gesellschaftlichen Diskurs in Deutschland zu öffnen, wurde ihm als populistisch ausgelegt. Sein größter politischer Fehler war also die Aktion 18. Offenbar und zu meinem Bedauern ist Herr Möllemann dem Diskurs nicht gewachsen, und er lässt sich wohl auch nicht von Leuten beraten, die es sind.

Warum hat er nicht gesehen, dass Presse und Politik öffentlich haben bekennen müssen, dass sie ein Tabu pflegen und dass sie es beim Namen nennen mussten (z.B. im
akuellen SPIEGEL-Titel und der Seite 33 der aktuellen ZEIT. Siehe auch den befremdlichen Überschwang für pro-Scharon-Friedman in der FR). Damit haben diese Medien gesagt, dass es bestimmte Fragen gibt, die öffentlich nicht diskutiert werden. Es geht also nicht mehr um Ideologien, die unterbunden werden, sondern um Fragen, die unterbunden werden, eine eindeutig anti-demokratische Tendenz. Ging es im ersten Vorwurf an Herrn Karsli noch um sein Wort der "Nazimethoden", ging es im neuerlichen Vorwurf nur noch darum, dass jemand anderes etwas über Nazimethoden geschrieben hat, was Herr Karsli gut fand, nämlich Shraga Elam. Das reichte dann schon.

Das Tabu führt dazu, dass zunehmend auch weniger scharfe Angriffe geächtet oder verdächtig werden können, da man als Politiker oder Journalist nicht zu nahe ans Tabu heranrücken möchte. Man hält eine Art Sicherheitsabstand. Selbstzensur nennt man so etwas normalerweise. Die Gesellschaft sorgt von alleine dafür, dass eine bestimmte, festgelegte und systematische Denkweise nicht gestört wird, indem Präzedenzfälle geschaffen werden wie der von Karsli/Möllemann. In dieser jenseits der Kritik stehenden Denkweise unterliegt der Diskurs über die politische Situation in der Welt dem offen zur Schau gestellten dogmatischen Konsens des "Sonderverhältnisses" der Juden und Israelis hinsichtlich der deutschen Schuld. Dieses Sonderverhältnis ist insofern problematisch, als es aktuelle israelische Menschenrechtsverletzungen relativiert. Das öffentliche Gespräch wird hier aber abgebrochen. Auf Kosten der Araber wird damit das Erinnern an Schuld zur Schuld erklärt, und die eigene Schuld wird dadurch - dem selbstformulierten Tabu entsprechend - verdrängt. Abgesichert wird diese Ideologie durch die Beteuerung, dass man selbst bereits genug Kritisches über Scharon verbreite, dass man also in Presse und Politik dem eigenen Kontrollanspruch gerecht wird und dass dies der Maßstab sei, nach dem sich alle zu richten haben. Dass diese Denkweise Scharon unterstützt, wird von sich gewiesen mit der redundanten Begründung, dass man selbst bereits genug Kritisches über Scharon verbreite.

Herr Möllemann hatte also gar nicht erkannt, dass die Presse durch seine Provokationen (mal wieder) viele Fehler gemacht hat. Sie hat - und ich betone hier die ZEIT, die FR, die SZ und den SPIEGEL ausdrücklich - zugegeben, dass sie nicht (mit aller Kraft) gegen Hitler kämpft, sondern dagegen, dass an ihn erinnert wird. Das führt dazu, dass beispielsweise die gerechtfertigte Frage, inwiefern eine Opfergruppe aus Gründen der Kompensation später zu einer Tätergruppe werden kann, in Deutschland nicht einmal gestellt werden darf, wenn es um Israel geht! Und zwar deshalb, weil die Gefühle der Juden und der Israelis sonst verletzt werden könnten. Und ähnliche Fragen. Ohne dem gewachsen zu sein, hat Mölli die autoritäre Gesellschaft bewiesen. Herzlichen Glückwunsch, Deutschland, und herzlichen Glückwunsch, Herr Möllemann! (06.06.02) (English version)

Anm. am 02.12.02: Möllemann auf Anis Online: Statements JAMAL KARSLI, MÖLLEMANN, MÖLLEMANN (2), MÖLLEMANN (3) *, GYSI, DEMOKRATIE ! *, MÖLLEMANN (4) *, FRIEDMAN *, TAGESTHEMEN *, LIEBE *, ZITATE 08.06. *, DEUTSCHE / JUDEN *; - Essay Der Politische Aberglaube, Essay Rechtspopulismus, Essay Gegenwart und Vergangenheit, FAKED MÖLLEMANN INTERVIEW, WARHOL MEETS FRIEDMAN


Essay: Rechtspopulismus


Essay: Der muslimische Aberglaube


Essay: Der politische Aberglaube


GURKENSTERN

Wie das eben so ist in solch einer neuen Zeit, man kommt in der Anfangsphase ständig zu Neubewertungen von Beziehungen jeder Art. Was ich sagen wollte, also einmal an die TAZ: Ihr hattet ja Frau Claudia Roth die Gurke des Jahres genannt. Naja, ich fand das eher blöd damals. Und an den STERN: Ich hatte mich ja wegen des Akts mit dem Kanzler aufgeregt. Also, was ich jedenfalls sagen wollte: Es kommt mir irgendwie beides heute gar nicht mehr so schlimm vor. Verblüffend! Vielleicht bin ich einfach toleranter geworden oder so was. (29.05.02)


DEMOKRATIE !

Der Fall Möllemann beschäftigt mich seit Jenin in zunehmendem Maße. Ich habe mich häufiger kritisch gegen ihn gewendet, als ich den Eindruck hatte, dass er einfach nur genau so auf der Seite der Palästinenser wäre, wie die anderen auf Seiten der Israelis. Ein Parteigänger mit zum Teil militanten Ansichten. So dachte ich bis gestern. Die TAZ hat Möllemann gestern auf der Titelseite gehabt, wie er mit dem Fallschirm landet. Das war wohl das richtige Bild, wenn auch der falsche Text.

Ich habe mir gestern (widerwillig) angesehen, was das NEUE DEUTSCHLAND geschrieben hat, die TAZ, SPIEGEL ONLINE, die FR, die SZ, die WELT und mit einem Auge noch die FAZ. Beckmann habe ich auch gesehen. Ich bin nach zu der Meinung gekommen, dass Jürgen W. Möllemann von seinem demokratischen Recht Gebrauch macht, seine Meinung zu äußern, und er hat sich klar von antisemitischen Vorwürfen distanziert. Durch die Reaktionen auf seinen Beitrag im NEUEN DEUTSCHLAND gestern hat er die strukturelle Gewalt aufgezeigt, die einen demokratischen Diskurs in unserem Land zu unterbinden versucht. Es ist sein Verdienst, die undemokratischen Züge der deutschen Presse und der Parteien par excellence aufgezeigt zu haben. Dafür hat Herr Möllemann meinen Respekt und meine Bewunderung. Im Beckmann-Interview zeigte er Besonnenheit, Klarheit, Souveränität und Fairness. Gestern früh dachte ich noch, dass ich am 22. September die PDS wählen werde, aber heute denke ich, dass ich Möllemann wählen werde.

Es ist als Multiplikator aber auch deshalb meine Pflicht, Herrn Möllemann heute beizustehen, weil er demokratisch benachteiligt wird. Dies ist eine Schande für unser Land. Ich gebe hier (widerwillig) einige Beispiele aus der Presse:

Die "Rote Karte" vom NEUEN DEUTSCHLAND. Aus welchem Grund die Rote Karte? Das war argumentativ nicht gedeckt. Herr Broder nennt Möllemann im SPIEGEL einen Antisemiten schon in der Überschrift. Das ist unbegründet und daher eine Diffamierung. Die FRANKFURTER RUNDSCHAU hat sich unerträglich gebärdet. "Jetzt sind die Demokraten gefordert" und "rechtspopulistisch" und "Wir dürfen es uns nicht mit dem Zentralrat verscherzen und den Israelis". Die SZ ist noch schlimmer. Heribert Prantl schrieb darin gestern, Herr Möllemann sei das Paulinchen von heute, das mit dem Feuer spielt. Ob Möllemann belehrbar sei. Das ging bis zu Vergleichen mit Dieben und Totschlägern (!). Ein Skandal. Entlarvend, dass Prantl mit der Moral des stock-autoritären Struwwelpeter argumentiert hat. Das einzige Argument dieser Kommentatoren ist, dass andere etwas Schlimmes in Möllemann hineininterpretieren könnten. Und mehr ist auch nicht dahinter. Oder die FAZ, faselt irgendetwas anti-Palästinensisches über einen geläuterten Fischer. Das Unglaublichste aber ist Scharon. Ausgerechnet der warnt jetzt Deutschland, dass wir bloß nett zu den Juden sein sollen. Sabra-&-Schatila-Scharon, Jenin-Scharon, Politische-Morde-Scharon, Wir-bauen-neue-Siedlungen-Scharon, der ermahnt jetzt die Deutschen! Und was, will er sonst mit Panzern in Berlin einrücken und eine Ausgangssperre verhängen??

Der beste Artikel von gestern ist Matthias Matusseks "Recht auf Zorn" auf SPIEGEL ONLINE. Adresse:
www.spiegel.de/spiegel/0,1518,198005,00.html.

Insgesamt ist zur deutschen Presse gestern zu sagen, dass sie positive Vorurteile gegenüber Juden pflegt, die im Resultat ungerecht und anti-palästinensisch sind. Zur Geschichte mit Friedman: Sie rechtfertigt nicht ansatzweise das inquisitorische und unwürdige Theater, das gestern um Herrn Möllemann gemacht wurde. (28.05.02)

PS: Nachdem Herr Möllemann sich heute sogar für seine Unsensibilität gegenüber Herrn Friedman entschuldigt hat, gibt es keinen Grund mehr, die Kampagne gegen den FDP-Politiker weiterzuführen. (English version)

Anm. am 02.12.02: Möllemann auf Anis Online: Statements JAMAL KARSLI, MÖLLEMANN, MÖLLEMANN (2), MÖLLEMANN (3) *, GYSI, DEMOKRATIE ! *, MÖLLEMANN (4) *, FRIEDMAN *, TAGESTHEMEN *, LIEBE *, ZITATE 08.06. *, DEUTSCHE / JUDEN *; - Essay Der Politische Aberglaube, Essay Rechtspopulismus, Essay Gegenwart und Vergangenheit, FAKED MÖLLEMANN INTERVIEW, WARHOL MEETS FRIEDMAN


GYSI

Sagen Sie mal, Herr Gysi? Was soll das denn eigentlich für ein Argument sein: "Entscheidend ist nicht, ob Möllemann selbst ein Anti-Semit ist; entscheidend ist, dass er keine Hemmungen hat, sich anti-semitischer Vorurteile zu bedienen." (ND S.4 heute) Das ist wie: "Es ist egal, wer du bist, es kommt darauf an, was die Leute denken, wer du sein könntest!" Oder wie: "Wir brauchen nicht nur eine Pufferzone, sondern noch eine Pufferzone für die Pufferzone." Ja wer soll denn da entscheiden, was ein anti-semitisches Vorurteil ist? Sie selbst offensichtlich. Und Friedman natürlich. Paul Spiegel, klar. Der Bundeskanzler. Joschka Fischer, logisch. Und die können sich ja noch ein paar Journalisten aussuchen.

Nein! Gysi hat Unrecht. Das ist alles nicht Möllemann. Das ist nur, was Gysi aus Möllemann gemacht hat. Eine unzulässige Abstraktion auf irgendwelche mögliche Fälle. Gysi redet herbei, was Möllemann nicht gesagt hat! Andere sollen glauben, dass Möllemann gesagt habe, was Gysi oder Reents gesagt haben. Möllemann hat nichts verklärt, Gysi hat es verklärt. Möllemann hat einen politologischen Aufsatz geschrieben, eine Analyse, zu der man stehen kann, wie man will, aber er hat darin nicht einmal andeutungsweise etwas Schlimmes oder Befremdliches gesagt.

"Er zerschneidet das Tischtuch", so'n Quatsch. Der Gysi hat's zerschnitten, das sieht doch ein Blinder! Entscheidend ist auch nicht, ob Gysi selbst ein Anti-Möllist ist; entscheidend ist, dass er keine Hemmungen hat, sich anti-möllistischer Vorurteile zu bedienen. (27.05.02)
(English version)

Anm. am 02.12.02: Möllemann auf Anis Online: Statements JAMAL KARSLI, MÖLLEMANN, MÖLLEMANN (2), MÖLLEMANN (3) *, GYSI, DEMOKRATIE ! *, MÖLLEMANN (4) *, FRIEDMAN *, TAGESTHEMEN *, LIEBE *, ZITATE 08.06. *, DEUTSCHE / JUDEN *; - Essay Der Politische Aberglaube, Essay Rechtspopulismus, Essay Gegenwart und Vergangenheit, FAKED MÖLLEMANN INTERVIEW, WARHOL MEETS FRIEDMAN


RALPH SIEGEL

Nachdem Corinna May beim Grand Prix so schlecht abgeschnitten hat, hat sich Schlagerkomponist Ralph Siegel unflätig über sie geäußert. Dazu ist zu sagen, dass Siegel wesentlich dazu beigetragen hat, dass Deutschland musikalisch gesehen ein Entwicklungsland geworden ist. (27.05.02)
(English version)


ATTAC (3)

Wie das NEUE DEUTSCHLAND heute schreibt, sieht sich ATTAC jetzt, nach dem 6. Ratschlag in Frankfurt, doch als Teil der Friedensbewegung, weil es gegen deutsche Kriegseinsätze ist und weil es gegen Bush demonstriert hat. Diese Eigendefinition empört mich sehr, weil ATTAC zu Jenin geschwiegen hat, und weil es durch fehlende Intervention Scharons Anti-UNO-Politik unterstützt. Es gibt Palästina-Infos auf regionalen ATTAC-Webseiten, aber keine klare Äußerung. Ich selbst empfinde dieses Schweigen schon die ganze Zeit über als anti-palästinensisch, anti-arabisch und überhaupt unmenschlich und skandalös. Noch immer warte ich auf eine Stellungnahme ATTACS und auch der PDS hinsichtlich der Menschenrechtsverletzungen Israels. ATTAC, eine Friedensbewegung? Nein. (27.05.02)
(English version)


MÖLLEMANN (3)

Der heutige Beitrag Jürgen W. Möllemanns ("In die neue Zeit") in der Zeitung NEUES DEUTSCHLAND wurde zum Anlass genommen, Herrn Möllemann in der deutschen Presse heute vollständig zu verreißen. Herr Gysi sagt, Möllemann sei "in Haiders Spur", und die anderen Medien sehen es an der Zeit, Möllemann jetzt zu demontieren. Er gehe zu weit, weil er "Haider" und "Fortuyn" gesagt habe. Er sei "messianisch" und "der Haider Deutschlands" (Gysi). Ein Aufschrei geht durch die heutige deutsche Presse, und Rote Karten werden gezückt.

Da wollte ich gerade etwas Positives über die PDS schreiben, die mir in einem konstruktiven Erneuerungsprozess begriffen zu sein schien... Aber nein, aus Möllemanns ND-Beitrag geht all dies nicht hervor. Er hat keineswegs rechtsextreme Politiker verharmlost, sondern sich dezidiert gegen das Rechts-Links-Denken gestellt und von einer "Emanzipation der Demokratie" gesprochen, weil Regierungen abgewählt werden, die ihre Versprechungen nicht einhalten. In diesem Artikel ist nichts, aber auch gar nichts zu finden, was antidemokratisch oder rechtsextrem sei. Sorry. Aber heute ist der Tag der Hysterie. Das ist alles Quatschkram. Möllemanns Beitrag im NEUEN DEUTSCHLAND ist harmlos. Die von ihm gesehene und geforderte Erneuerung ist in der Tat notwendig, und in der Tat befinden wir uns in einer neuen Zeit.

Meine Möllemann-Kritik bleibt allerdings bestehen, denn - wie gesagt - die Grabenkämpfe lenken von Palästina ab und kommen zu keinen Ergebnissen. Herr Möllemann, sprechen Sie nicht über die neue Zeit, seien Sie die neue Zeit! (27.05.02)
(English version)

Anm. am 02.12.02: Möllemann auf Anis Online: Statements JAMAL KARSLI, MÖLLEMANN, MÖLLEMANN (2), MÖLLEMANN (3) *, GYSI, DEMOKRATIE ! *, MÖLLEMANN (4) *, FRIEDMAN *, TAGESTHEMEN *, LIEBE *, ZITATE 08.06. *, DEUTSCHE / JUDEN *; - Essay Der Politische Aberglaube, Essay Rechtspopulismus, Essay Gegenwart und Vergangenheit, FAKED MÖLLEMANN INTERVIEW, WARHOL MEETS FRIEDMAN


MÖLLEMANN (2)

Nachdem die Likud-Partei erklärt hat, dass sie keinen palästinensischen Staat zulassen wird, nach Jenin und nach den letzten UN-Beschlüssen haben die Palästinenser bessere Argumente als jemals zuvor. Die Welt sagt Ja zum Staat Palästina, Israel sagt Nein. Es gehört schon eine Portion Dummheit dazu, diese Tatsachen nicht politisch nutzen zu können und sich stattdessen in sinnlosen Grabenkämpfen abzureiben. Herr Jürgen W. Möllemann, Nahoststimme der FDP und Vorsitzender der Deutsch-Arabischen Gesellschaft, ist es mit Hilfe von Jamal Karsli sogar gelungen, das Ansehen der Araber und Muslime in Deutschland in dieser Situation faktisch noch zu verschlechtern.

Nach dem, was ich jetzt weiß, geht es Herrn Möllemann und auch Herrn Karsli nicht um Palästina und nicht um die Rechte der Araber, sondern es geht ihnen darum, dagegen zu sein. Gegen Israel, gegen die "zionistische Lobby" und gegen die Medien. Das ist zu wenig. Wer kämpft, muss für etwas kämpfen, nicht nur gegen etwas. Und 18 Prozent sind da ebenfalls kein gutes Motiv. Solange Herr Möllemann und seine Mitstreiter ihre (völlig berechtigte) Israelkritik durch Lager- und Opferdenken verderben, ohne dies wenigstens durch positive Visionen abzufedern, schaden sie den Muslimen in Deutschland und der Sache der Palästinenser.

Indem Herr Möllemannn sich durch reine Abgrenzung definiert, erreicht er gar nichts. Es gilt vielmehr, die pro-palästinensischen Gruppen zu einigen und zu helfen, eine neue palästinensische Kultur und Identität herauszubilden, um zu einem natürlichen Frieden zu kommen. Wenn Herr Möllemann daran nicht glauben kann, sollte er kein Politiker sein, sondern sich eine Uniform anziehen. Es gilt stattdessen, den Israelis und ihren Freunden zu zeigen, dass die Palästinenser Menschen sind, die Menschenrechte haben. Diese Aufgabe vermag Jürgen W. Möllemann nicht zu lösen. Daher muss ich mich gegen Herrn Möllemann stellen, denn ich bin für den Frieden in der Welt. (25.05.02)
(English version)

Anm. am 02.12.02: Möllemann auf Anis Online: Statements JAMAL KARSLI, MÖLLEMANN, MÖLLEMANN (2), MÖLLEMANN (3) *, GYSI, DEMOKRATIE ! *, MÖLLEMANN (4) *, FRIEDMAN *, TAGESTHEMEN *, LIEBE *, ZITATE 08.06. *, DEUTSCHE / JUDEN *; - Essay Der Politische Aberglaube, Essay Rechtspopulismus, Essay Gegenwart und Vergangenheit, FAKED MÖLLEMANN INTERVIEW, WARHOL MEETS FRIEDMAN


MÖLLEMANN

Wie ich soeben bemerkt habe, hat Herr Jürgen W. Möllemann vor Kurzem ohne irgendeine Erklärung das Diskussionsforum von seiner Homepage vollständig gelöscht. Vor einigen Wochen wurde dort bereits einer meiner Beiträge gelöscht, als ich Herrn Möllemann fragte, wie er zu meinen Thesen steht, den Palästinensern zu helfen, eine eigene, von Israel unabhängige Identität auszubilden und dabei enger zusammenzuarbeiten.

Wenn er sein Forum schon schließen will, kann er wenigstens die alten Texte stehen lassen und erklären, dass er von nun an keine Beiträge mehr annimmt. Es wäre auch gut gewesen, wenn man vorher Bescheid bekommen hätte. Was Herr Möllemann da jetzt aber gemacht hat, wird alle vor den Kopf stoßen, die dort geschrieben haben und darunter sind viele, die ihn unterstützt haben. (23.05.02)

Nachtrag am 24.05.02: Eine Erklärung wurde jetzt abgegeben, und das Forum soll wiederkommen. Hm. Naja.

Anm. am 02.12.02: Möllemann auf Anis Online: Statements
JAMAL KARSLI, MÖLLEMANN, MÖLLEMANN (2), MÖLLEMANN (3) *, GYSI, DEMOKRATIE ! *, MÖLLEMANN (4) *, FRIEDMAN *, TAGESTHEMEN *, LIEBE *, ZITATE 08.06. *, DEUTSCHE / JUDEN *; - Essay Der Politische Aberglaube, Essay Rechtspopulismus, Essay Gegenwart und Vergangenheit, FAKED MÖLLEMANN INTERVIEW, WARHOL MEETS FRIEDMAN


JAMAL KARSLI

Ich habe Herrn Jamal Karslis Äußerungen gelesen. Bis auf zwei Äußerungen gibt es daran nichts zu meckern. Äußerung Eins, dass Israel Nazimethoden anwenden würde. Diesen Vergleich hat Herr Karsli glaubhaft zurückgenommen, schon vor einiger Zeit, sofern das überhaupt notwendig ist. Die zweite ist seine Erwähnung der "zionistischen Lobby". Er sagte im Interview mit der Neuen Freiheit über sie: "Sie hat den größten Teil der Medienmacht in der Welt inne und kann jede auch noch so bedeutende Persönlichkeit klein kriegen." Es war ein Fehler von Karsli, das zu sagen. Es klingt nach Verschwörungstheorien, und das sind unsachgemäße Verallgemeinerungen. Ansonsten hat Herr Karsli nur sehr gute und gerechte Sachen gesagt.

Meiner Ansicht nach ist es richtig, mit Karsli zusammen über die Sache zu reden. Über die Sache, nicht über Karsli. Die heftige und übertriebene Kritik an Karsli wiederum zeigt nicht die Empfindlichkeiten Deutschlands auf, sondern Deutschlands Unfähigkeit zum Dialog und seinen Hang zur Intrige. Unter dem Strich ist mal wieder von der eigentlichen Problematik, nämlich Palästina, erfolgreich abgelenkt worden. Das haben auch die Herren Möllemann und Karsli mitzuverantworten. (23.05.02)


DIE NEUE ZEIT


Wie ich erst jetzt bemerkt habe, zeigt das Titelblatt des Nachrichtenmagazins DER STERN den nackten Herrn Bundeskanzler. Der hat sich sicher darüber gefreut. Anlass des Gemäldes ist wohl der Wahlkampf, und das Bild soll die Metapher der nackten Tatsachen oder ähnliches scherzhaft illustrieren. Man findet immer einen Grund. Natürlich ist sich DER STERN im Klaren darüber, dass das Titelbild polarisieren würde, und es wurden daher auf der Homepage kritische Leserbriefe gefrontet, in denen Dinge stehen, wie (so ungefähr), dass es sich hierbei um billigen Dreck handelt.

Nun, diese LeserInnen haben erstens keinen Humor, und zweitens kennen sie nicht den Unterschied zwischen billigem Dreck und unserer Pressefreiheit. Wofür hatten wir denn die Aufklärung und das alles? Vielleicht, um prüde Titelbilder zu machen? Na also. Die vom STERN werden sich ja wohl mal einen Spaß erlauben dürfen. So wie die Schüler manchmal dem Lehrer ein Furzkissen auf den Stuhl legen. Was ist denn schon dabei? DER STERN ist außerdem in unserer Gesellschaft unentbehrlich, denn ohne ihn wüsste Seine Majestät DER SPIEGEL nicht, woran er sich orientieren sollte. (22.05.2002)
(English version)


POP UND KOMMERZ

DIE TAGESZEITUNG veröffentlichte gestern folgenden Leserbrief:

"Pop und Kommerz
betr.: "Die Zeichen der Revolte", taz vom 4. 5. 02

Die These, Pop sei ein profanes Wirtschaftsgut, finde ich interessant. Es scheint mir, als sei das eher die Sichtweise des nüchtern beobachtenden Journalisten. Als John "Revolution" schrieb, schrieb er Popmusik, und er wusste das, weil er es fühlte. Der Song ist echt und inhärent als echt zu erkennen. Dass jemand später damit Kommerz machen würde, auch er selbst, hat nichts damit zu tun.

Die materialistische Seite des Rock'n'Roll insgesamt scheint mir eher eine Art Kinderkrankheit zu sein, verursacht durch den Verlust früherer Werte wie Gehorsam und Zwang und den Gewinn von Freiheit und Spaß als neue Werte durch das Schaffen von Pop. Es ist schwer, Freiheit und Spaß vom Materiellen zu trennen, auch für inspirierte Popkünstler. Das Materielle verbindet den Künstler auch mit den Werten seiner Umwelt. Aber der Kommerz selbst ist in meiner Definition nicht Pop, er ist nur der materielle Beweis seiner Tauglichkeit in einer Welt, die andere Beweise nicht anerkennt. ANIS HAMADEH, Kiel" (11.05.02)
(English version)



"Say you want a revolution, well you know, we all wanna change the world"
(The Beatles)


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