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STATEMENTS (7)

"Terrorangst beherrscht die Politik des Westens"
Anis Hamadeh, 28.03.04

"Terrorangst beherrscht die Politik des Westens" lautete am 25.03.04 die Schlagzeile der Süddeutschen Zeitung. Vorangegangen waren unter anderem die abgebrochene Auslandsreise von Bundespräsident Rau, die Anschläge von Madrid und die Tötung von Hamas-Scheich Jassin und den ihn umgebenden Menschen, nach der im Westen, besonders in Israel, Anschläge befürchtet wurden. Am selben Tag titelte die tz: "Islam-Terror. Jeder zweite Deutsche hat Angst!" (www.tz-online.de)

Bei der UNO-Resolution wegen Jassin, die die USA routinemäßig verhindert haben, hat sich Deutschland enthalten, aus Solidarität zur (rechtsextremen) israelischen Regierung. In der deutschen Presse hat die Ermordung Jassins trotz Rügen mehrheitlich dazu geführt, dass die arabischen Länder angegriffen wurden, weil sie nichts gegen "den Terrorismus" unternähmen. Susanne Knaul schreibt in der taz am 27.03.: "Immer wieder versuchen die arabischen Staaten, vor dem Weltsicherheitsrat eine Verurteilung Israels zu bewirken. Und immer wieder scheitern sie am Veto der USA. Daran sind die arabischen Staaten selbst schuld." In der Süddeutschen schreibt Richard Chaim Schneider am 26.03.: "Der Hass der islamischen Welt auf Israel hat sich inzwischen in einen Hass auf Juden allgemein verwandelt. So verbinden sich derzeit die abendländische und die muslimische Judenfeindschaft, und selbst der letzte Optimist wird zugeben, dass Europa hier ein massives Problem hat. Es ist im Augenblick nicht leicht, in München oder Berlin, in Istanbul oder Paris, in Athen, Rom oder London Jude zu sein; und Juden leben in Europa nicht mehr sicher." Das TV-Kulturmagazin Aspekte brachte am 26.03. einen Bericht über die wirtschaftliche Seite des Terrorismus, wobei von Bin Laden zur PLO umgeschwenkt wurde. Über nicht-arabische/muslimische Wirtschaftsunterstützung z.B. der Besatzung kein Wort, als gäbe es sie gar nicht. Für Michael Wolffsohn in der Welt am 27. steht bereits fest, dass Palästina sowieso in Jordanien entstehen wird und dass die Siedler ruhig in der Westbank bleiben könnten, denn es gebe ja auch Juden in anderen Staaten wie in den USA oder Deutschland. Leon de Winter wird in der Welt gedruckt: "Islamo-Faschismus hat Josef Joffe das Denken der Islamisten vergangene Woche genannt. Doch das ist ein Terminus aus einem vertrauten Begriffsapparat. Der Islamismus ist fremder. Der Islamismus ist Apokalypzismus." (27.03.) Im Weltspiegel (ARD 28.03.) war ein Bericht über palästinensische Kinder, die sich primitive Waffen bauen, um "Juden" zu töten. Der Bericht endete mit einem Appell, dass sich die Palästinenser nach der Ermordung Jassins besser zurückhalten sollen. Dies sind nur Beispiele.

Und die Besatzung geht weiter. Das Töten von Zivilisten, auch Kindern, geht weiter. Sicher, auch Moshe Zimmermann wird gedruckt, auch Jossi Beilin, die sich beide an den Kopf fassen angesichts der israelischen Eskalationen. Die klar aussagen, dass die israelische Regierung keinen Frieden will, sondern einen Feind braucht, um "Stärke" zu zeigen und von der eigenen zerrütteten Gesellschaft abzulenken. Avraham Burg äußert sich ähnlich. Uri Davis. Uri Avnery. Felicia Langer. Alles Verrückte? Nach der Wahl Scharons war sich die deutsche Presse noch weitgehend einig darüber, dass es mit diesem Gewaltmenschen keinen Frieden geben kann, heute rechtfertigt sie ihn weitgehend, direkt oder indirekt. Aus Angst vor "Schlimmerem", vor zugefügter Gewalt. Diese sei weit schlimmer als ausgeteilte Gewalt.

Aber ist die Hamas nicht tatsächlich ganz schlimm? Warum fällt es den Palästinensern, Arabern und Muslimen so schwer, den Terrorismus in den eigenen Reihen zu verurteilen? Oder ist es eine Fehlperzeption? Terrorakte gegen Zivilisten sind immer zu verurteilen und die meisten palästinensischen und arabischen Politiker denken ebenso und sagen es auch so. Nicht alle, nein. Scharfe Kritik und auch Maßnahmen innerhalb der Parameter der Menschenrechte und der Genfer Konventionen sind völlig in Ordnung, wenn sie nicht nur auf eine Seite beschränkt sind. Die entsprechenden Zitate aus der derzeitigen Regierung Israels oder von radikalen Siedlern werden im Westen allerdings nicht gemeldet. Auch die Details der Besatzung nicht. Es ist bekannt, dass dann der Antisemitismusvorwurf aufkommt. Auch hält Hamas Israel nicht unter Besatzung. Zudem füllt die Hamas eine humanitäre Lücke, besonders in Gaza, einem der am dichtesten besiedelten und ärmsten Gebiete der Welt. Die Hamas ist in ihrer Konstitutionsphase von Israel wesentlich unterstützt worden, wie auch Saddam und Bin Laden vom Westen aufgebaut wurden. Der Frankenstein-Effekt. Nach dem Mord an Jassin waren und sind bei uns die Zeitungen und Fernsehsendungen voll mit Hamas, Rantissi, Racheschwüren, Hamas, Hamas. Als hätte Jassin Scharon umgebracht und nicht andersherum.

Der einzige Weg, um aus den Zeiten des Terrorismus herauszukommen, ist der echte Dialog, und der wird nach wie vor nicht geführt. Ursachen des Terrors? Kein Thema. Feindbilder abbauen? Lieber nicht. Der Westen "will" Terror und er "will" Härte, das ist gerade jetzt wieder deutlich geworden. Im Fernsehen werden Terrorübungen in U-Bahnen etc. gezeigt, um klarzumachen, was der Westen von der Zukunft erwartet. Das ist also der Kampf gegen den Terrorismus. Vermeintliche Härte. Dabei ist nichts weichlicher als eine solche Angst zu betonen. Die Mehrheit der Leute orientiert sich an Gruppen und nicht an Situationen bzw. Gesetzen. Nicht nur im Großen, auch im Kleinen. Man kann dazu nicht schweigen und muss aufstehen, weil es uns alle betrifft und uns allen schadet. Wie viele Menschen müssen noch sterben, bevor auch Sie ernsthaft darüber nachdenken?

"Fear of Terror Rules the Policy of the West"
Anis Hamadeh, 28 March 2004

"Fear of terror rules the policy of the West", this was the headline of the German left-liberal newspaper Sueddeutsche Zeitung on March 25. Before that we witnessed, among other things, the canceled journey of German President Rau, the Madrid assaults, and the killing of Hamas Sheikh Yassin and the people who surrounded him, after which the West, especially Israel, was afraid of attacks. On the same day the tz headlined: "Islam Terror. Every second German is afraid!" (www.tz-online.de)

At the UN resolution because of Yassin, which was as usual vetoed by the US, Germany abstained, in solidarity with the (right-wing extremist) Israeli government. In the German press the murder of Yassin has - despite criticism which was also there - mostly led to attacking the Arab countries, as they are not doing anything against "the terrorism". Susanne Knaul writes in the left taz on March 27: "Again and again the Arab states try to reach a condemnation of Israel in the World Security Council. And again and again they fail in front of the veto of the USA. This is the Arab states' own fault." In the Sueddeutsche Richard Chaim Schneider writes on the 26th: "Meanwhile, the hatred of the Islamic World against Israel has changed into a hatred of Jews in general. In this way the occidental and the Muslim hostility towards Jews are combining, and even the last optimist will admit that Europe has a massive problem here. At the moment it is not easy to be a Jew in Munich or Berlin, in Istanbul or Paris, in Athens, Rome or London; and Jews do not live safely anymore in Europe." The TV cultural magazine Aspekte showed a report on the 26th about the economical side of terrorism, starting with Bin Laden and ending with the PLO. No word about non-Arab/Muslim economical aids e.g. of the occupation, as if it did not exist. For Michael Wolffsohn in the conservative paper Die Welt on the 27th it is already a fact that Palestine will be in Jordan, anyway, and that the settlers could stay in the Westbank, for there are Jews also in other countries, like in the USA or in Germany. Leon de Winter is printed in the Welt: "Islamo-Fascism was how Josef Joffe called the thinking of the Islamists last week. But this is a term from a familiar set of concepts. Islamism is more alien. Islamism is apocalypcism." (March 27) In the renowned TV program Weltspiegel (Channel 1, March 28) there was a report about Palestinian children who build themselves primitive weapons in order to kill "Jews". The report ended with the appeal that Palestinians should better hold themselves back after the killing of Yassin. These are only examples.

And the occupation continues. The killing of civilians, also children, continues. Of course, Moshe Zimmermann is printed also, Jossi Beilin, too, who both are shocked about the Israeli escalations. Who both clearly say that the Israeli government does not want peace, but need an enemy to show "strength" and to divert from the own shattered society. Avraham Burg uttered similar thoughts. Uri Davis. Uri Avnery. Felicia Langer. All crazy people? After the election of Sharon the German press to a far extend agreed that with this violent man there cannot be peace. Today they justify him to a far extend, directly and indirectly. In fear of "worse" things, of received violence. This would be much worse than exerted violence.

But is not Hamas really mean? Why is it so hard for Palestinians, Arabs, and Muslims to condemn the terrorism within their own lines? Or is it a wrong perception? Acts of terror against civilians are always to be condemned and most of the Palestinian and Arab politicians think the same and they also say it. Not all of them, no. Harsh criticism and also measures within the parameters of the human rights and the Geneva Conventions are completely in order, as long as they are not confined to one party only. Yet the respective quotations from the current Israeli government or from radical settlers are not reported in the West. The details of the occupation, neither. It is known that in these cases the reproach of antisemitism comes up. Also, Hamas does not occupy Israel. Moreover, Hamas fills a humanitarian gap, especially in Gaza, one of the most densely populated and poorest areas of the world. Hamas in its constitutional phase had massively been supported by Israel, like Saddam and Bin Laden had been built by the West. The Frankenstein effect. After the murder of Yassin German newspapers and TV programs are full of Hamas, Rantissi, oaths of revenge, Hamas, Hamas. As if Yassin had killed Sharon and not the other way round.

The only way to get out of the times of terror is to lead a real dialogue, and this is still not being done. Causes of terror? Not an issue. To overcome enemy thinking? Rather not. The West "wants" terror and it "wants" toughness, this is what has become clear now once again. The TV shows terror rehearsals in subways etc. in order to demonstrate what the West is expecting from the future. So this is what the struggle against terrorism is about. Alleged toughness. Yet there is nothing more weak than to emphasize such a fear. The majority of the people sticks to groups and not to situations, or laws, respectively. Not only in the big, also in the small. One cannot be silent about this and one must stand up, for this concerns all of us and it harms all of us. How many other people will have to die until you seriously think about that, too?

USrael, das sind wir
Anis Hamadeh, 06.04.04

Wird es Frieden geben, wenn wir Arafat töten? Wird es Frieden geben, wenn wir alle Palästinenser töten? Oder alle Kritiker? Sie kennen die Antwort. Sie lautet Nein. Egal, ob Sie die CDU wählen, die SPD , die Grünen, die FDP, die PDS, Attac, egal, alle wissen, dass es so nicht geht, dass im Gegenteil der Krieg nur noch größer wird. Und wird es Frieden geben, wenn wir irakische Oppositionspolitiker verhaften (oder, mein Gott, dann eben umbringen)? Nein, auch das ist weitläufig bekannt. Es gibt ein Selbstbestimmungsrecht der Völker, es gibt die Menschenrechte und die Genfer Konventionen und wir wissen, warum sie so wichtig sind, denn der Judenmord des Zweiten Weltkriegs dröhnt uns noch immer in den Ohren und in den Herzen, und nicht nur der.

Heute gelten diese Rechte nicht mehr (, so sie überhaupt je in Kraft waren). Sie sind abgelöst worden vom Recht des militärisch Stärkeren, vom Recht der USA und Israels. Die Mehrheit etwa in Deutschland sieht die Besatzung eines Landes oder eines Volkes nicht als Verbrechen an, sofern der Besatzer unser Freund ist, wir also selbst scheinbar nichts von ihm zu befürchten haben. Auch die Ermordung von Menschen ist kein Verbrechen, wenn es unsere Freunde tun. So weit sind wir bereits. Mord. (Siehe: Ja, aber die anderen morden ja auch.) Wäre Besatzung ein Verbrechen, würden wir im Fernsehen ganz andere Nachrichten hören. So wie heute über die Gefahr des Terrorismus gesprochen wird, so würde über die Besatzung gesprochen, denn es wäre ein Verbrechen. Wir Deutsche haben selbst andere Länder besetzt und es war ein Verbrechen.

Stattdessen hat das offizielle Israel bestimmt seine Gründe, die Palästinenser seit Jahrzehnten kollektiv zu erniedrigen und Arafat mit Mord zu drohen, die USA haben ihre Gründe, die Souveränität von Staaten zu missachten. Es mag uns vielleicht nicht gefallen, aber dagegen tun würden wir nichts. Was soll man auch tun? Und überhaupt, kämpfen nicht diese Staaten tapfer gegen den islamistischen Terrorismus? Und in ihrem Gefolge die Willigen? Nie wieder Auschwitz, ist es nicht das, worum es geht?

Wir in Deutschland kritisieren die USA, wir kritisieren auch Israel. Wir kritisieren auch unsere Chefs, natürlich. Aber unsere Jobs verlieren wollen wir auch nicht. Der Wirtschaft geht es ohnehin schon schlecht, da können wir es uns mit den USA nicht verderben. Mord hin oder her. Und Israel ist sowieso ein Sonderfall. Mit der israelischen Regierung dürfen wir es uns schon gar nicht verderben, Mord hin oder her. Sie kann auch gar nicht die Hauptschuld am Konflikt haben, denn wir selbst unterstützen sie ja.

In dieser Art argumentieren wir und rationalisieren wir und sprechen wir über die terroristische Gefahr. Denn wir sind die Guten. Natürlich haben wir dabei auch ein bisschen Schuld, aber die terroristischen Islamisten haben mehr Schuld und wir vergleichen uns mit ihnen, denn das ist unser Niveau. Natürlich wollen wir eigentlich keine Besatzung, aber noch viel weniger wollen wir Antisemitismus (bzw. Antiamerikanismus), und das bekämen wir doch, wenn die Palästinenser frei wären, wenn es das Menschenrecht für alle gäbe, oder etwa nicht? Bläuen uns nicht die Zeitungen fast täglich ein, was die (extremen oder nicht) Araber und Muslime "wirklich" wollen?

Ich will Ihnen etwas sagen. Ich spiele dieses Spiel nicht mit. Will mich nicht schuldig machen am sekundären Staatsterrorismus. Ich will mich nicht schuldig machen, das ist mir wichtig, denn ich bin ein Mensch und ich bin ein Deutscher. Was ist Terrorismus? Welche Ursachen hat er? Ich frage danach. Ich frage Sie danach.


USrael, that is us
Anis Hamadeh, 06 April 2004

Will there be peace when we kill Arafat? Will there be peace when we kill all the Palestinians? Or all the critics? You know the answer. It is no. No matter if you vote for the conservatives, the social democrats, the greens, the liberals, the socialists, Attac, it does not matter, everybody knows that this is not the way, that on the contrary the war will only become bigger. And will there be peace when we arrest the Iraqi opposition (or, c'mon, kill them)? No, this is widely known, too. There is a right of self-determination of the peoples, there are human rights and there are the Geneva Conventions. And we know why they are so important, for the murder of Jews in World War II is still ringing in our ears and in our hearts, and not only the murder of Jews.

Today these rights are not valid anymore (, if they ever were). They are substituted by the right of the militarily stronger, by the right of the USA and Israel. The majority in Germany, for example, does not see the occupation of a country as a crime, as long as the occupier is our friend, so that we allegedly have nothing to fear from him. The murder of human beings is no crime, either, when our friends do it. This is how far we have gotten. Murder. (See: yeah, but the others also murder.) Were occupation a crime, we would hear completely different news on TV. The way that people talk about terrorism, that is the way we would talk about occupation, for it would be a crime. We Germans have occupied other countries as well, and it was a crime.

Instead, the official Israel surely has its reasons to humiliate the Palestinians collectively for decades and to threaten Arafat with murder, and the US surely has its reasons to violate the souvereignty of states. We might not like it, but we would not do anything against it. And what could we do? And all in all, do these states not bravely fight against Islamist terrorism? And following them the willing? Never again Auschwitz, is it not that what is the matter?

We in Germany do criticize the USA, we do criticize Israel, too. We also criticize or bosses, of course. But we don't want to lose our jobs, either. The economy is down, anyway, so we cannot be at cross with the US. Murder or not murder. And Israel is a special case, at any rate. We are absolutely forbidden to be at cross with the Israeli government, murder or not murder. It cannot be the main reason of the conflict, anyway, because we ourselves support it.

This is the way that we argue and rationalize things and this is the way we talk about the danger of terrorism. Because we are the Good. Of course we also are a little guilty, but the terrorist Islamists are more guilty and we compare ourselves with them, for this is our level. Of course we do not really want occupation, but much more we do not want Antisemitism (or anti-Americanism, for that matter), and this is what we would get if the Palestinians were free, if the human right was valid for everybody, or not? Are the papers not hammering into our brains almost daily what the (extreme or not) Arabs and Muslims "really" want?

I will tell you something. I do not play this game. Do not want to become guilty of secondary state terrorism. I do not want to make myself guilty, this is important to me, for I am a human being and I am a German. What is terrorism? What are its causes? I am asking that. I am asking you that.
                                  hoch