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Buchbesprechung

Saddek & Sabine Kebir
Maria und Jesus im Islam
Interkulturelle Dialoge

32 großformatige Seiten, gebunden
Berlin 2007, Peoples Globalization Edition
18,00 Euro


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"Maria und Jesus im Islam"
Neues Vorlesebuch zum interkulturellen Dialog

Mama Sinab sitzt inmitten einer Gruppe von Kindern und Jugendlichen und erzählt ihnen die Geschichte von Maria und Jesus. Bei ihr heißen sie Lalla Meriem und Isa. Mama Sinab ist Muslimin. Auch die zuhörenden Kinder und Jugendliche sind es, aber nicht alle, wir als Leserinnen und Leser erleben die Geschichte aus derselben Perspektive. Wer sich als Nichtmuslim mit diesem Lesebuch beschäftigt, hat die Gelegenheit, den Islam von innen zu betrachten und die Jesusgeschichte aus muslimischer Sicht zu sehen. Einiges wird auch Christen bekannt vorkommen, wie der neidische König Herodes und die Wundertaten Jesu. Anderes mag ungewohnt sein: dass Maria ihr Kind unter einer Palme zur Welt brachte und dass das Jesuskind sprechen konnte, zum Beispiel.

Saddek und Sabine Kebir, die "Maria und Jesus im Islam" geschrieben haben, geht es mit ihrem neuen Buch darum, Anregungen und Impulse für den interkulturellen Dialog zu geben. Zu diesem Zweck haben sie die Facetten von Marias und Jesu Leben zu einer zeitgemäßen und gut lesbaren muslimischen Version zusammengefügt. Jede Erzählseite wird von einer großen Zeichnung zur Doppelseite ergänzt. Konrad Golz formte die Episoden zu lebendigen Bildern, mit vielen Details und Farben. Saddek El Kebir liest auch in Schulen und regt die Phantasie der Kinder und Jugendlichen an, die oft gar nicht wissen, wie wichtig Muslimen der Prophet Jesus ist und seine Mutter Maria. Das knapp gehaltene Sekundärmaterial, das sich als Erklärung der Geschichte anschließt, fasst die wesentlichen Sichtweisen übersichtlich zusammen und erklärt die wichtigsten Quellen. Neben dem Koran sind dies vor allem sufische (mystische) Traditionen sowie der bekannte Exeget und Geschichtsschreiber Tabari (starb 923).

Letztere stimmen nicht selten mit den Apokryphen überein, den nicht-kanonischen Teilen des Evangeliums, die bis ins 16te Jahrhundert populär waren. So tritt im Pseudo-Matthäus das sprechende Jesuskind auf und im Protoevangelium des Jakobus die Ausbildung Marias im Tempel von Jerusalem.

Saddek & Sabine Kebir: Maria und Jesus im Islam. Interkulturelle Dialoge, 32 großformatige Seiten, Berlin 2007, Peoples Globalization Edition, 18,- Euro

(Rezension von Anis Hamadeh)