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Ildefonso Falcones: Die Pfeiler des Glaubens
Rezension von Anis Hamadeh, Mainz, 10.09.2011

Ildefonso Falcones: Die Pfeiler des Glaubens. Originaltitel: La mano de Fátima. Üb. von Stefanie Karg, 928 Seiten. C. Bertelsmann Verlag 2010

Christentum und Islam - selten lebten die beiden Religionen so eng zusammen wie in Andalusien, im arabischen Spanien. Im Jahre 711 hatten die Muslime das Land erobert und es galt ihnen mit seinem angenehmen Klima und den landschaftlichen Reizen als ein kleines Paradies im äußersten Westen des islamischen Raums. Kulturell war Andalusien ein Schmelztiegel und jahrhundertelang ein kreativer Ort mit geistigen Zentren wie Córdoba, Granada, Toledo und Sevilla. Die berühmte Burg Alhambra versinnbildlicht diese Periode, die 1492 endete, als das Land zurückerobert wurde.

Ildefonso Falcones hat mit dem Nachfolger des Erfolgsromans "Die Kathedrale des Meeres" die Geschichte der Reconquista im sechzehnten Jahrhundert zum Thema genommen. Im neunhundert Seiten starken "Die Pfeiler des Glaubens" taucht man ein in die Zeit der Aufstände der unterdrückten spanischen Muslime. Die Leser erleben sie aus der Perspektive des jungen Hernando, der eine muslimische und eine christliche Identität hat und zwischen den Kulturen wandelt.

Über den Islam im sechzehnten Jahrhundert gibt es im Vergleich zu anderen Jahrhunderten wenige Studien, seien sie wissenschaftlicher oder literarischer Art. Der Roman füllt also eine Lücke. Indem der Autor die muslimische und die christliche Kultur in Spanien von innen beschreibt, zudem anhand einer einzigen Person, Hernando, überwindet er Parteilichkeiten ohne dabei zu verharmlosen. Diese literarische Strategie gewährt einen vorurteilsfreien Blick in die Historie, die im Verlauf des Romans immer mehr Gewicht bekommt, weil sich sowohl der zeitliche als auch der geografische Raum öffnet und erweitert.