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The Palestinian Photographer Rula Halawani
Die palästinensische Fotografin Rula Halawani

Question 1: Introduction
Q 2: Israeli Artists
Q 3: Artists 2
Q 4: Westbank Incursion
Q 5: Development


The Chess Interview consists of 5 questions asked via internet.
يتكون حوار الشطرنج من 5 أسئلة مطروحة عن طريق الإنترنت
Das Schach-Interview besteht aus 5 Fragen, die im Internet gestellt werden.
Frage 1: Einleitung
F 2: Israelische Künstler
F 3: Künstler 2
F 4: Westbank-Vorstoß
F 5: Entwicklung
(English Original - Interview lasted until 20 May 2003)

Question 1: "Rula Halawani, nice to learn a little more about you. You are a Palestinian artist from Ramallah in Palestine, teaching at Bir Zeit University, and you are known for your photographes like the collections of Jerusalem and the one with inverted black and white photos from the Westbank. In the past months I read your name several times, once in the German newspaper DIE WELT, about Israeli and Palestinian art, then you were in a TV program on Arte, and now I heard that you took part in an exhibition in Texas at the Artcar museum. How would you describe your art work for our international readers? What are you doing and why?"

Rula Halawani: "I'm a Palestinian artist from Jerusalem, not Ramallah. The rest of the information you have is correct. I would describe my work as a reflection of my feelings toward myself, my country and my people, I translate my feelings into my photographs. Why am I doing it? I guess it is a good thing to share my feelings with the world around me."

Question 2: "I think so, too. You have also exhibited together with Israeli artists, haven't you? What kind of experiences did you make? Is there a common basis, have you hope?"

Rula Halawani: "Yes I exhibit along with Israeli artists, if I get to choose what to exhibit and what to talk about. Mostly, Israeli artists try to stay away from politics. They like to talk about everything else but no politics and when we do talk politics, they would want to talk about suicide bombers. I always insist that ocupation is the only problem and suicide bombing is a result of the occupation, especially now. I believe if you try to take somebody's land, kill their economy, demolish their homes, leave nothing for them, even hope to survive and squeeze them, put them into cages... Yeah that's what the Israelis are doing to us, they are putting us in cages. And of course cages are not made for humans and we ARE HUMANS DESERVE TO LIVE JUST LIKE ANYBODY IN THE WORLD. The result of all of that will be suicide bombers, I blame this only on occupation. Any resulution given to us without the end of occupation and without going back to the 1967 borders will be a failure, OCCUPATION WILL NEVER = PEACE. What I HAVE in common with the Israeli artists is art, all of us like art."

Question 3: "To my mind, art today has a political task. Who can build bridges, if not artists? Where are the Israeli / Jewish peace artists, and where the Arab ones? Is it fear, lack of solidarity, or is it that the organizers of such exhibitions prefer "unpolitical" artists? What do you think?"

Rula Halawani: "It is true I have exhibited with Israeli artists twice and I will exhibit this summer again with Italy, but maybe this is not enough experience to talk about them more than what I did, they don't always like my work. Last year I was supposed to exhibit with some of them in Japan, but when they saw my work, they decided I should exhibit something else. I refused and they turned it down."

Question 4: "About the Westbank photo collection: it must have been difficult to take some of the pictures. The collection looks like a journey, like a nightmare and deep impressions. I don't know if this is a good question, but what is the relation between street reality and art reality?"

Rula Halawani: "It was a journey of a month all over the Westbank, it was a nightmare. You can say I believed in peace and I refused to give up all my believes that peace will happen in our life time, until those difficult days of the incursion. In those days they burnt the land and the skies, they killed us and demolished our homes and economy. It was like telling us: you don't exist and we want all your land. Actually, when you come to think what the peace process achieved until now since 1993, you will find more and more settlements, more killings. Years ago, when I heard about a suicide bombing, I used to say: NO this is wrong and it must stop. Now, when I hear of one, I still think it IS WRONG, but i DO SEE WHY THE PERSON DID HIS SUICIDE BOMBING. As I said, if you LEAVE A HUMAN LIVE WITHOUT HIS LAND, KILL HIS PEOPLE, DEMOLISH HIS HOME, AND LEAVE NOTHING EXCEPT SUFFERING... WHEN HE KILLS HIMSELF HE GOT NOTHING TO LOSE!!"

Question 5: "What are your current projects? Do you see an artistic development in your work?"

Rula Halawani: "Yes my work is becoming more and more artistic and right now I'm working on a new piece about settlements in Palestine."

(Deutsch, üb. von Anis. Das Interview wurde abgeschlossen am 20.05.2003)

Frage 1: "Rula Halawani, schön, etwas mehr über Dich zu erfahren. Du bist eine palästinensische Künstlerin aus Ramallah in Palästina und unterrichtest an der Bir-Zeit-Uni. Bekannt bist Du für Deine Fotografien wie die Kollektionen von Jerusalem und der mit inversen schwarz-weiß-Fotos aus der Westbank. In den vergangenen Monaten las ich Deinen Namen mehrfach, einmal in der Zeitung DIE WELT, über israelische und palästinensische Kunst, dann warst Du in einer Fernsehsendung auf Arte, und jetzt hörte ich, dass Du an einer Ausstellung in Texas im Artcar-Museum teilgenommen hast. Wie würdest Du unseren internationalen Lesern Deine Arbeit beschreiben? Was tust Du, und warum?"

Rula Halawani: "Ich bin eine palästinensische Künstlerin aus Jerusalem, nicht Ramallah. Der Rest der Informationen, die Du hast, ist korrekt. Ich würde meine Arbeit als eine Reflexion meiner Gefühle beschreiben, über mich selbst, mein Land und mein Volk. Ich übersetze meine Gefühle in meine Fotografien. Warum ich es tue? Ich denke, es ist eine gute Sache, meine Gefühle mit meiner Umwelt zu teilen."

Frage 2: "Das denke ich auch. Du hast auch zusammen mit israelischen Künstlern ausgestellt. Welche Art von Erfahrungen hast Du da gemacht? Gibt es da eine gemeinsame Basis, hast Du Hoffnung?"

Rula Halawani: "Ja, ich stelle auch mit israelischen Künstlern aus, wenn ich entscheiden kann, was ich ausstellen und worüber ich sprechen möchte. Meistens versuchen israelische Künstler, von der Politik fernzubleiben. Sie wollen über alles reden, aber nicht Politik. Und wenn man mal über Politik spricht, dann wollen sie über Selbstmordattentäter sprechen. Ich bestehe immer darauf, dass die Besatzung das einzige Problem ist, und dass die Selbstmordattentate ein Ergebnis der Besatzung sind, insbesondere jetzt. Ich glaube, dass, wenn du jemandem das Land wegnehmen willst, seine Wirtschaft töten, seine Häuser zerstören, ihm nichts lässt, nicht einmal eine Hoffnung, zu überleben, wenn du ihn auspresst, in Käfige sperrst... Ja das ist es, was die Israelis mit uns machen, sie sperren uns in Käfige. Und natürlich sind Käfige nicht für Menschen gemacht, und wir SIND MENSCHEN und VERDIENEN ZU LEBEN SO WIE JEDER IN DER WELT. Das Ergebnis all dessen sind Selbstmordattentäter, die Schuld dafür gebe ich nur der Besatzung. Jede Resolution, die uns gegeben wird, wird ohne das Ende der Besatzung und das Zurückgehen zu den Grenzen von 1967 scheitern, BESATZUNG IST NIEMALS = FRIEDEN. Was ich mit den israelischen Künstlern gemein HABE, ist Kunst, wir alle mögen Kunst."

Frage 3: "Meiner Ansicht nach hat Kunst heute eine politische Aufgabe. Wer kann Brücken bauen, wenn nicht Künstler? Wo sind die israelischen / jüdischen Friedenskünstler, wo die arabischen? Ist es Angst, fehlende Solidarität, oder ist es so, dass die Veranstalter solcher Ausstellungen "unpolitische" Künstler bevorzugen? Was denkst Du?"

Rula Halawani: "Ich habe zwei Mal mit israelischen Künstlern ausgestellt und werde diesen Sommer in Italien wieder ausstellen. Aber vielleicht ist das auch nicht genug Erfahrung, um mehr über sie zu sagen. Sie mögen meine Arbeit nicht immer. Letztes Jahr sollte ich mit einigen von ihnen in Japan ausstellen, aber als sie meine Arbeit sahen, entschieden sie, ich sollte etwas anderes ausstellen. Ich lehnte ab und das wars dann."

Frage 4: "Zur Westbank-Foto-Collection: Es muss schwierig gewesen sein, einige dieser Bilder aufzunehmen. Die Collection sieht aus wie eine Reise, wie ein Albtraum und tiefe Eindrücke. Ich weiß nicht, ob das eine gute Frage ist, aber wie ist die Beziehung zwischen Straßenrealität und künstlerischer Realität?"

Rula Halawani: "Es war eine Reise von einem Monat durch die ganze Westbank, es war ein Albtraum. Man kann sagen, dass ich an den Frieden geglaubt habe. Ich habe mich geweigert, all meinen Glauben daran aufzugeben, dass der Frieden während unserer Lebenszeit passiert, bis zu diesen schweren Tagen des Vorstoßes. In jenen Tagen verbrannten sie das Land und den Himmel, sie töteten uns und zerstörten unsere Häuser und unsere Wirtschaft. Es war, als hätten sie zu uns gesagt: Ihr existiert nicht und wir wollen euer Land. Wenn du dir mal ansiehst, was der Friedensprozess von 1993 bis heute erreicht hat, dann findest du mehr und mehr Siedlungen, mehr Tötungen. Wenn ich vor Jahren von einem Selbstmordattentat gehört habe, sagte ich immer: NEIN, das ist falsch und muss aufhören. Wenn ich heute von einem höre, denke ich immer noch, dass es FALSCH ist, aber ich SEHE, WARUM DIESE PERSON DEN SELBSTMORDANSCHLAG VERÜBT HAT. Wie gesagt, wenn man einen MENSCHEN OHNE SEIN LAND LEBEN LÄSST, SEIN VOLK TÖTET, SEIN ZUHAUSE ZERSTÖRT UND NICHTS HINTERLÄSST ALS LEIDEN.... WENN ER SICH TÖTET, HAT ER NICHTS ZU VERLIEREN!!"

Frage 5: "Was sind Deine aktuellen Projekte? Siehst Du eine künstlerische Entwicklung in Deiner Arbeit?"

Rula Halawani: "Ja, meine Arbeit geht immer mehr in Richtung Kunst, und derzeit arbeite ich an einem neuen Stück über Siedlungen in Palästina."