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AO Collected Reviews / AO gesammelte Rezensionen
Rezension von:
Spenden für Apartheid und Kolonialismus. Die Grünwaschung von Vertreibung und Enteignung in Palästina durch den Jüdischen Nationalfonds (JNF/KKL)
Anis Hamadeh, 02.07.2012

Den Jüdischen Nationalfonds gibt es seit über hundert Jahren. Die 40-seitige Broschüre der Palästina-Solidarität Region Basel in Zusammenarbeit mit dem Palästinakomitee Stuttgart und BDS Schweiz klärt mit chronologisch geordneten Hintergrundartikeln und Interviews über den Teil der Geschichte auf, über den meist geschwiegen wird: die andauernde Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung von ihrem Land, die Enteignung ihres Landes und Besitzes sowie die fortdauernde Kolonialisierung und die Zerstörung der natürlichen Umwelt Palästinas. Auch wird die internationale Kampagne "Stop the JNF" vorgestellt.

Der halbstaatlichen Tochterorganisation der "World Zionist Organization" gehören 13 Prozent des Landes in Israel, weitere 80 Prozent verwaltet sie mit. Wie der JFN allerdings organisiert ist, wie er finanziert wird und welche Projekte er betreut, ist wenig transparent. Die gut recherchierte Broschüre zeigt die Rolle des JFN bei der Gründung des Staates Israel und der Landnahme. Anhand von Beispielen lässt sich nachvollziehen, wie palästinensische Orte zu jüdischen gemacht wurden oder zu Wäldern und "Naturschutzgebieten". Im Falle des Dorfes Imwas geschah dies 1967.
Während der JNF behauptet, in der Westbank nicht aktiv zu sein, arbeitet dort und in Ost-Jerusalem unter anderem seine 99-prozentige Tochterorganisation Himnuta in Kooperation mit den jüdischen Siedlungen. Getarnt werden Übergriffe auf palästinensische Grundrechte in diesem Zusammenhang oft mit Argumenten des Umweltschutzes.

Die Aufklärung über den Jüdischen Nationalfonds (JNF/KKL) ist auch deshalb von Wichtigkeit, weil der JNF weltweit mehr als vierzig Tochterorganisationen unterhält. In einigen Ländern - so der Schweiz - genießen diese den Status einer gemeinnützigen Nichtregierungsorganisation und sind daher von der Steuer befreit.

Die Broschüre schockiert, weil man sich kaum vorstellen mag, wie die expansionistische Politik Israels orchestriert wird und was sie für die Bewohner des Landes konkret bedeutet. Das Schlimmste daran ist die offen vertretene Einteilung von Menschen in solche mit Sonderrechten und solche mit weniger bis gar keinen Rechten.

Das Heft erschien im März 2012 und ist für 5 Euro erhältlich unter www.palaestina-info.ch und www.palaestinakomitee-stuttgart.de. Als PDF kann man es frei herunterladen unter http://senderfreiespalaestina.de/pdfs/spenden_fuer_kolonialismus_jnf.pdf.