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GERARD'S ROOM

Gérard

(10.06.04 Deutsch:) Gérard KUZO Efoé ist ein Freund aus Togo. Ich lernte ihn bei der Gruppe Colibri kennen (siehe unten). Gérard setzt sich für Gerechtigkeit in seinem Heimatland ein. Togo, ehemaliges deutsches Schutzgebiet (Kolonie), liegt in West-Afrika zwischen Ghana und Benin und hat im Süden den Golf von Guinea. Am 27 April 1960 ist Togo unabhängig geworden, doch gibt es viel Unrecht. Daher engagiert sich Gérard in der togoischen Gemeinschaft MDPST e.V. (Mouvement pour la démocratie et le progres social au Togo = Bewegung für Demokratie und Sozialen Fortschritt in Togo). Mit Colibri singen wir einen Song der togoischen Sängerin Bella Bellow a cappella. Ich habe die ganze Kassette von Bella gehört, die eine Legende in Togo ist. Vorher kannte ich das Land nur dem Namen nach.

(June 2004, English:) Gérard KUZO Efoé is a friend from Togo. I met him in the group Colibri (see below). Gérard is actively working for justice in his home country. Togo, former German security area (=colony), is in West Africa between Ghana and Benin and it has the Gulf of Guinea in the South. On 27, April 1960 Togo became independent, but there is a lot of injustice. Therefore Gérard is engaged in the Togoische Gemeinschaft MDPST e.V. (Mouvement pour la démocratie et le progres social au Togo). With Colibri we sing a song by the Togo singer Bella Bellow a cappella. I have listened to the whole cassette of Bella's, who is a legend in Togo. Before I did not know anything about the country, only its name.

Togo: Wohin gehst Du?
von KUZO Efoé Gérard

Die politische Krise an der Elfenbeinküste, der Schiffbruch im Senegal und vor allem wichtige internationale Ereignisse wie der 11.September 2001 oder die Krise zwischen Palästina und Israel und der Kampf gegen den Terror bringen die westlichen Länder dazu, die Kriege, das Elend und die Missachtung der Menschenrechte in Afrika etwas zu vergessen.

Ist es wegen der fehlenden Aktualität oder weil nur die Menschenrechtsverletzungen im Irak und Jugoslawien von Interesse sind ?

Die weltweite sozio-politische Situation zu Beginn dieses Jahrtausends erlaubt es einigen afrikanischen Führern, wie dem Togoer Gnassingbé Eyadema, der seit mehr als 35 Jahren mit ungeteilter Macht regiert, eine gefährliche Diktatur zu etablieren. Zahlreiche, erschütternde Zeugenaussagen und die Berichte von Amnesty International über Menschenrechtsverletzungen (siehe z.B. den Untersuchungsbericht der Menschenrechtsliga (LDH) vom Juli 1999 über Leichen in Togo), über Massaker an und Festnahmen von Oppositionellen und die Unterdrückung von Journalisten in Togo beweisen, dass der togoische Präsident zu denen gehört, die vor ein internationales Gericht gestellt werden müssten. Während wir diese Zeilen schreiben, sind Journalisten und Oppositionelle vom Obersten Togoischen Gerichtshof zu Haftstrafen verurteilt worden. Auch die Familien von denen, die im Ausland weiterkämpfen, sind ständig bedroht, während andere jeden Tag auf der Warteliste stehen, um heimlich hingerichtet zu werden. Wie kann man diese Maschinerie, in der sich die gesamte togoische Bevölkerung seit mehr als 35 Jahren befindet, beschreiben?

Durch das dramatische Ausmaß dieser Situation verliert Togo Tag für Tag aktive Jugendliche, Studenten und seine Elite. Sie flüchten vor dem Terror, vor einem der schrecklichsten und blutigsten Diktatoren der Gegenwart.

Wie Saddam Hussein, der von aller Welt gern dafür kritisiert wird, dass er sein Land und seine Bevölkerung zerstört hat, hat Gnassingbé Eyadema aus Togo eines der notleidensten Länder der Erde gemacht. Es ist ein Euphemismus zu sagen, dass Togo ein Land ist, das abdriftet. Der öffentliche Dienst funktioniert nicht mehr, das Bildungs- und das Gesundheitssystem sind völlig zerstört. Die große Mehrheit der togoischen Bevölkerung verhungert. Die meisten Togoer sind die 35 Jahre ungeteilter Macht leid und sie können es nicht einmal laut sagen.

Politische Verfolgungen und Ermordungen sind an der Tagesordnung.

Togo ist eines der französischsprachigen westafrikanischen Länder, die seit mehreren Jahrzehnten auf der Suche nach sich selber sind. Das Volk hat alle Hoffnung auf eine Zukunft verloren. Die internationale Gemeinschaft bleibt gleichgültig. Togo wird vergessen. Kein Wunder! - In Togo gibt es weder Öl noch Diamanten; auch seine Vorräte an Phosphat sind nicht mehr von Interesse.

Wer kann, bei all dem Leiden und der Not der Bevölkerung, leugnen, dass Eyadema verantwortlich ist für die Zerstörung der Gegenwart und der Zukunft der Jugend. Nicht die immer größer werdende Anzahl an Oppositionellen, deren Mehrheit im Asyl lebt oder geknebelt ist, nicht die Jungen, die untröstlich ihr geliebtes Land verlassen, um nach Europa oder Nord-Amerika zu flüchten, nicht diejenigen, die, obwohl sie in Nachbarländern Togos im Exil leben, gezwungen sind, im Untergrund zu leben, nicht diejenigen, die sogar den Mut haben in Togo zu bleiben, und auch nicht die Internationale Gemeinschaft, selbst wenn sie es wollte.

Heute leben in Deutschland viele togoische Flüchtlinge, die Eyadema und seine Machtmaschinerie zu töten versuchte. Die togoische Diplomatie, die dafür bekannt ist, die Geschichte und die Wahrheit zu verfälschen, findet immer noch Gehör bei der deutschen Regierung und der Internationalen Gemeinschaft. Sind auch sie auf Eyadema hereingefallen?

Der Betrogene ist Eyadema! Ein Beweis war sein Besuch bei der Hannover-Messe 2000. Viele junge Flüchtlinge, die Opfer seiner Verfolgung sind, haben ihm einen schönen Empfang bereitet. Sie haben ihn mit faulen Tomaten und Eiern beworfen und damit lächerlich gemacht. Das ist auch unser Engagement, eine der grausamsten Diktaturen zu erkennen und zu beseitigen. Vor kurzem hat er beim Sitz der Europäischen Union in Brüssel erneut seine Erfahrung mit der togoischen Diaspora gemacht. Der Präsident von Togo ist überall unerwünscht.

Die Energie und Entschiedenheit, mit der Menschenrechtsorganisationen und die Internationale Gemeinschaft versuchen, diejenigen, die als Machthaber die Rechte ihrer Mitmenschen verletzt haben, vor Gericht zu zitieren, bringt uns auf neue Ideen. Man kann es kaum glauben, dass der Chef des togoischen Klans nach Jahrzehnten ungeteilter Macht, begleitet von Morden und Vernichtung Oppositioneller, den internationalen Gerichten entkommen kann.

Zur Zeit verfälscht er weiter den Demokratisierungsprozess in unserem Land, wie die Parlamentswahlen am 27.Oktober 2002 gezeigt haben. damit er zum x-ten Mal als Gewinner aus den Präsidentschaftswahlen 2003 als Sieger hervorgehen kann. Seine Partei hat 72 der 81 Abgeordnetenmandate bekommen. Die Opposition hatte zum Boykott aufgerufen, nachdem auch internationale Menschenrechtsgruppen bezweifelt haben, dass die Wahl frei und fair verläuft. Diese Wahlen, die politisch keine Bedeutung haben, da die Opposition nicht antreten darf, erlauben ihm die Verfassung immer mehr zu seinem Gunsten zu verändern. Solche Wahlen können Togo nicht aus dieser unentwirrbaren Situation befreien. Die Partei des Präsidenten RPT (Rassemblement du peuple Togolais) weiss, warum er Wahlen abhält, die konfliktauslösend und verfassungsfeindlich sind; Es beweist, dass Eyadema und seine Gerichte nicht bereit sind, die Macht im Rahmen eines Regierungswechsels anderen zu überlassen.

Angesichts der politischen Entwicklung und der Verfassung in Togo sowie des Betrugs, in dem das Regime Meister ist, kann man nicht sagen, ob der Vorsitzende des zukünftigen Parlaments nicht der Sohn des General-Präsidenten sein wird, und ob er diesen auch am Ende seiner Amtszeit ablösen wird. Jetzt schon ist dieser Sohn die einflussreichste Person im National-Parlament. Die deutschen Politiker und die Internationale Gemeinschaft sollten daran erinnert werden, dass die togoischen Probleme nicht durch diese Wahl gelöst werden können. Wir fürchten, dass diejenigen, die uns im Namen der internationalen Solidarität aufgenommen haben, nun versucht sind, uns fallen zu lassen und uns in die Höhle des Löwens zurückschicken.

Eyadema hat alles verloren. Aber er hält sich an der Macht fest. Dies erinnert uns an eine Filmszene: an die Geschichte eines Schiffbruchs: "Titanic Togo". Sein Premierminister, Agbéyomé Kodjo, ehemals das geliebte Kind, hat ein Floß mitgenommen und ist geflohen, um seine Haut und das Land zu retten, das Eyadema und seine Bande versenkt haben. Welche Lösung gibt es für Togo? Die des Kongo? Von Rwanda? Oder von Sierra-Leone?

Es ist Zeit, dass alle ehrlichen Menschen uns helfen, uns von diesem Mann zu befreien, der mitsamt seiner Familie die Reichtümer dieses Landes in seine eigenen Taschen gesteckt hat. Mögen alle Togoer und Togoerinnen sowie die Internationale Gemeinschaft Druck auf dieses rückschrittliche Regime ausüben.

Muss man erst auf einen Krieg warten, der zur Evakuierung von Ausländern führt, um Verhandlungen herbeizuführen oder um eine dauerhafte Lösung zu finden, damit Togo aus dieser Sackgasse herauskommt?
Foto: Gérard mit der Kieler Folkloregruppe Colibri. Von links nach rechts: Carola Greiner, Anis Hamadeh, Gérard Kuzo, Andrea Foltin, Uwe Stahl und Ulrike Schlie-Dunker.
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