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LITERATUR ROOM
Auf dieser Seite werden Gedichte und Prosatexte gesammelt, beginnend mit Gabriele Spenglers Gedicht, einer Leserinnenzuschrift vom 24.12.2006:

Mein Onkel

Siebzehn Jahr - schwarzes Haar,
so stand er eine Woche nach dem Einberufungsbefehl
1943 in Frankreich -
eingezogen von seiner "Regierung"

Siebzehn Jahr - schwarzes Haar,
verwundet, zerfetztes Bein
getroffen von einem Geschoss,
an dem jemand Geld verdient hatte.
Wer hatte dieses Geschoss bezahlt?
Wer hatte dafür gearbeitet und Steuern bezahlt?
Womöglich hatte derjenige nicht darüber entschieden,
ein Geschoss zu kaufen.

Siebzehn Jahr - schwarzes Bein
so lag er im Lazarett, das Bein musste abgenommen werden.
Im Lazarett gibt es nicht viel zu essen,
im Lazarett gibt es nicht viel Betäubungsmittel,
im Lazarett gibt es nicht viel Schmerzmittel
und trotzdem -

Siebzehn Jahr - schwarzes Gesicht
Flucht mit anderen aus dem Lazarett, nach Hause
versteckt im Kohlewagen hinter der Dampflock.
Schwarze Kohle, schwarzer Qualm - kein Wasser zum Waschen.

Siebzehn Jahr - schwarzes Brot,
wenn es nicht Menschen gegeben hätte,
die einen Apfel,
ein Stück Brot gegeben hätten -
die Flucht wäre nicht gelungen.

Achtzig Jahr - graues Haar
2006 ...

Siebzehn Jahr - blondes Haar
sein Enkel verweigert den Wehrdienst -
Nein - es gibt auch keinen Grund,
warum wir neue Geschosse bezahlen sollten ...