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SABINE MATTHES' 2010
Inhalt:
Leserbrief zu: Amos Oz: "Tödliche Spirale - Solange Israel Gewalt mit Stärke verwechselt, wird der Konflikt andauern. Die Hamas ist so nicht zu besiegen." FAZ vom 4.Juni 2010, Seite 33
(Veröffentlichter) Leserbrief zu: "Samsons Stärke war seine Schwäche", David Grossman erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2010, SZ vom 11.6.2010, Seite 13 und "Literatur ist das Gegenteil von Krieg", Grossman im Salzburger Literaturhaus, SZ vom 12./13.6.2010, Seite 19
(Veröffentlichter) Leserbrief zu: Bayernteil: "Weiß-blau, grau" , SZ vom 7.5.2010, Seite 51

Leserbrief zu: Amos Oz: "Tödliche Spirale - Solange Israel Gewalt mit Stärke verwechselt, wird der Konflikt andauern. Die Hamas ist so nicht zu besiegen."
FAZ vom 4.Juni 2010, Seite 33

Sehr geehrte Redaktion Leserbriefe,

In seinem Beitrag "Tödliche Spirale" plädiert der israelische Schriftsteller Amos Oz dafür, die "verzweifelte, fanatische Idee" der Hamas mit einer besseren "Idee, die attraktiver und akzeptabel ist" zu "besiegen", nämlich der Errichtung eines unabhängigen palästinensischen Staates in Westbank, Gazastreifen und Ost-Jerusalem. Warum aber sollte die Idee von Homelands und Segregation in Israel/Palästina attraktiv sein, wo sie schon im früheren Apartheid-Südafrika nicht akzeptabel war? Oz behauptet auch, daß die israelische Politik erst seit 1967 gewalttätig wurde, wie der jetzige blutige Militäreinsatz gegen die Hilfsflotte für den Gazastreifen zeige, während führende Politiker der Gründergeneration noch die Grenzen der Gewalt eingehalten hätten. Dabei vergessen israelische Linke wie Oz und David Grossman allzu gerne, daß weniger die Rechten und Religiösen für den Status quo des Unfriedens verantwortlich sind, sondern besonders die linke Regierung unter David Ben Gurion ja bereits 1948 die Mehrheit der Palästinenser vertrieben, enteignet, entrechtet oder unter Militärregierung gestellt hatte. Damit waren die Weichen gestellt, Palästinenser nicht zu gleichberechtigten Mitbürgern zu machen, sondern zu äußeren Feinden.

Wenn diese "verzweifelte, fanatische Idee" des politischen Zionismus seitdem keinen Frieden brachte, könnte sie vielleicht durch eine bessere, gerechtere Idee, die eines anderen, kulturellen Zionismus "besiegt" werden. Deren Vertreter, wie Martin Buber, Judah Magnes und Hannah Arendt, waren aus Angst vor einem jüdischen Sparta gegen einen jüdischen Staat und stattdessen für einen gemeinsamen jüdisch-palästinensischen Staat. Eine südafrikanische Lösung, die gerade heute angesichts der 500.000 israelischen Siedler in Westbank und Ost-Jerusalem immer aktueller wird.

Mit freundlichen Grüßen,
Sabine Matthes
München


(Veröffentlichter) Leserbrief zu: "Samsons Stärke war seine Schwäche", David Grossman erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2010,
SZ vom 11.6.2010, Seite 13 und "Literatur ist das Gegenteil von Krieg", Grossman im Salzburger Literaturhaus, SZ vom 12./13.6.2010, Seite 19

Sehr geehrte Redaktion Forum,

Der israelische Schriftsteller David Grossman erhält den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2010, weil er sich "aktiv für die Aussöhnung zwischen Israelis und Palästinensern einsetzt". Was aber bedeutet "Aussöhnung" für ihn, wenn Palästinenser in seinen literarischen und politischen Visionen nur in homöopathischer Dosierung vorkommen, wenn die Flüchtlinge von 1948 nicht mehr an ihre Heimatorte in Israel zurück dürfen, wenn das Israel, in dem Grossman leben will, eine starke Armee braucht, weil es Palästinenser lieber als äußere Feinde denn als gleichberechtigte Mitbürger hat? "Aussöhnung" scheint für Grossman nur unter der Bedingung der Ausgrenzung, der Abwesenheit der Palästinenser möglich, denn, wie er sagt, erst durch eine Grenze zu ihnen "werden wir erstmals das Gefühl haben, wirklich zu Hause zu sein." Klingt das nicht eher wie ein verspätetes Echo der weissen Siedler aus längst vergangenen Apartheidszeiten in Südafrika?

Mit diesem Denken repräsentiert Grossman keineswegs eine marginale "friedensbewegte" Außenseiterposition, sondern vielmehr den Kern des politischen Zionismus, wie er seit 1948 israelische Staatsraison ist. Obwohl israelische Linke wie Grossman und Amos Oz gerne die Rechten und Religiösen für den Unfrieden verantwortlich machen, waren es gerade die linken Regierungen unter dem israelischen Gründervater David Ben Gurion, die mit Gewalt und per Gesetzen das Land von seiner palästinensischen Bevölkerung säuberten und damit den heutigen Status quo prägten.

Wer um echte Aussöhnung bemüht ist, findet seine Vorbilder besser unter den Vertretern eines anderen, kulturellen Zionismus im Sinne von Martin Buber, Judah Magnes und Hannah Arendt, die aus Angst vor einem jüdischen Sparta gegen einen jüdischen Staat waren, und stattdessen für einen gemeinsamen jüdisch-palästinensischen Staat. Eine südafrikanische Lösung, die gerade heute angesichts der 500.000 israelischen Siedler in Westbank und Ost Jerusalem immer wahrscheinlicher wird. Grossmans Beharren auf Segregation und einer Zwei-Staaten-Lösung hört sich da weniger "friedensbewegt" an, sondern eher nach verzweifeltem Anachronismus.

Mit freundlichen Grüßen,
Sabine Matthes
München


(Veröffentlichter) Leserbrief zu: Bayernteil: "Weiß-blau, grau"
SZ vom 7.5.2010, Seite 51

Sehr geehrte Redaktion Bayern,

Bei einer bundesweiten Studie war unter anderen besonders den Bayern ein gehöriges Maß an Chauvinismus und Xenophobie attestiert worden. Dies scheint der Hauptgrund zu sein, weswegen Politiker ihren Wählern nicht die dringend notwendige Antwort auf das demographische Problem der Überalterung "zumuten" wollen: Zuwanderung, Zuwanderung, Zuwanderung. Legalisierung der Menschen ohne Papiere, erleichterte Arbeitsbedingungen für Flüchtlinge, Immigranten und ausländische Studenten, eine greencard-lottery nach amerikanischem Vorbild mit Aufstiegschancen auch für Ungelernte. Denn nicht nur Senioren würden sich über lächelnde Inderinnen beim Einkaufstüten-Einpacken und -Heimtragen oder am Fahrkartenschalter sicher mehr freuen, als über den vermeindlichen "Fortschritt" einer führerlosen U-Bahn in Nürnberg.

Mit freundlichen Grüßen,
Sabine Matthes
München


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