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DAS VERMÄCHTNIS DES GEWALTLOSEN POLITISCHEN FÜHRERS GOUVERNEUR GUILLERMO GAVIRIA VON KOLUMBIEN
(starb am 05. Mai 2003)

Von Glenn D. Paige, 19.05.03

Die Ermordung des Bundesstaats-Gouverneurs von Antioquia Guillermo Gaviria Correa am 5. Mai 2003 und zehn weiterer Geiseln, die von den FARQ-Guerillas als Antwort auf einen militärischen Befreiungsversuch massakriert wurden, nahm Kolumbien und der Welt einen gewaltlosen politischen Führer, dessen Vermächtnis nicht weniger bdedeutungsvoll ist als der von Gandhi und Martin Luther King, Jr.

Er wurde in 1962 in Medellín geboren, als ältester Sohn einer prominenten Politiker-, Verlags-und Geschäftsfamilie. Während er zunächst an der Minen-Schule in Colorado zum Minen-Management-Spezialisten ausgebildet wurde und nach einem Jahrzehnt von innovativer Öffentlichkeitsarbeit, auch als Minen-Beauftragter von Antioquia und als Hauptdirektor des kolumbianischen Roads-Instituts, begann er 2000 mit der Kampagne "Ein neues Antioquia" und wurde mit überwältigender Mehrheit von 600,000 der sechs Millionen Einwohner von Kolumbiens volkreichstem Bundesstaat zum Gouverneur gewählt.

Gavirias kurzes, aber dynamisches Gouvernement war tief verwurzelt in den Prinzipien und Praktiken der Gewaltlosigkeit, die er aus seinem christlichen Glauben und dem ersthaften Stufium der Vermächtnisse Gandhis und Kings ableitete. Er erklärte: "Die Gewaltlosigkeit wurde mit Jesus Christus geboren; im letzten Jahrhundert wurde sie von Gandhi und Martin Luther King weitergeführt, und in diesem Jahrhundert wird sie das Licht sein, um die Menschen von Atioquia zu leiten."

Die Gewalt in Kolumbien verstand er als Ergebnis der "unausgeglichenen" politischen und sozio-ökonomischen Umstände und er sah die partizipative (teilnehmende) Gewaltlosigkeit als eine Möglichkeit, um die notwendigen strukturellen Veränderungen umzusetzen. "Gewaltlosigkeit ist mehr als nur keine Aggression und sie ist mehr, als terroristische Attacken, Entführungen, Drohungen und Erpressungen ein Ende zu setzen. Gewaltlosigkeit zielt darauf, Schweigen zu brechen und dem Passiv-Sein zu entsteigen, um eine ausgeglichene Gesellschaft der Gerechtigkeit und des sozialen Wohlseins zu errichten." Er wollte, dass alle Antioquianer in Gewaltlosigkeit erzogen werden und dass sie die Techniken erlernen sollen, um sie in die Praxis umzusetzen.

Anders als Gandhi und King konnte Gaviria als Gouverneur die Macht der Regierung mit der Macht volksnaher politischer Führung kombinieren. Er beschäftigte mehr als 5,000 Politiker in einem Prozess, Antioquias dringendste Probleme herauszustellen und Lösungen für sie vorzuschlagen. Daraus entstanden ein Strategischer Aktionsplan und ein Kongruenter Friedensplan. Dadurch, dass er selbst zusammen mit First Lady Dr. Yolanda Pinto de Gaviria Demonstrationen und Märschen vorgestanden hat, erweckte er die Teilnahme der Bürger, um Aktionen umzusetzen.

Der dramatischste dieser Märsche war der 1000-Menschen-Marsch der Versöhnung und Solidarität mit Caicedo, ein kafee-anbauendes Bergdorf 85 Meilen von der Hauptstadt Medellín entfernt. Er ging über fünf Tage vom 17. bis zum 21. April 2002. Der Marsch war beabsichtigt, um den von der FARC bedrohten Menschen von Caicedo Solidarität zu bekunden, die sich zur gewaltlosen Gemeinschaft erklärt hatten und den Ausgleich mit den Guerillas suchten. Der Gouverneur hatte die Polizei und die Armee angewiesen, den Marsch nicht zu bewachen und ihn nicht zu befreien oder Vergeltung zu üben, sollte er entführt oder getötet werden. Er war nicht einverstanden mit der Entscheidung des kolumbianischen Präsidenten Andrés Pastrana vom 23. Februar, die Friedensgespräche mit der FARC zu beenden.

Am 21. April, kurz vor Caicedo, wurde der Marsch von der FARC gestoppt. Der Gouverneur umarmte seine Frau und beide wussten, dass er entführt oder getötet werden könnte. Er ging voran mit drei Gefährten, um mit den Guerillas zu sprechen. Sechs Stunden später kehrten Zwei zurück mit der Nachricht, dass der Gouverneur und sein Friedensbeauftragter, der frühere Verteidigungsminister Gilberto Echeverri Mejia, entführt worden waren. Während seines Jahres in Gefangenschaft, drückte der Gouverneur in Briefen an seine Frau sein noch gewachsenes Festhalten an der Gewaltlosigkeit aus und sagte, dass, wenn er wieder frei sein würde, er beabsichtigte, den Marsch nach Caicedo wiederaufzunehmen.

Gavirias tragischer Tod am 5. Mai, zusammen mit dem seines Friedensbeauftragten und acht gefangenen Soldaten, resultierte aus dem Zusammenprall zweier tödlicher Ideologien. Rechtschaffene Staatsgewalt und rechtschaffene revolutionäre Gewalt. Hätte eine der beiden Seiten seine gewaltlose Botschaft verstanden, würden alle Zehn noch am Leben sein.

Guillermo Gavirias einzigartiges Vermächtnis ist, dass ein demokratisch gewählter politischer Führer mutig für gewaltlosen sozialen Frieden "top down" arbeiten kann. Es ist nicht weniger wichtig als die mutigen Vermächtnisse von Gandhi und King, die "bottom up" nach Freiheit und Gerechtigkeit gestrebt haben. Die Konvergenz dieser Vermächtnisse bietet Hoffnung für das Überleben und Wohlsein der Menschheit. Gavirias Vermächtnis transzendiert den Tod und fordert Kolumbien und die Welt nach wie vor mit dem Slogan des Marsches nach Caicedo heraus: " Sí…Hay un camino: la Noviolencia." Ja, es gibt einen Weg: Gewaltlosigkeit.


Glenn D. Paige ist der Autor von "Nonkilling Global Political Science" (Xlibris 2002) und Präsident des "Center for Global Nonviolence"in Honolulu.
Mehr über Glenn Paige siehe Glenn Paige's Room.


LEGACY OF A NONVIOLENT POLITICAL LEADER:
GOVERNOR GUILLERMO GAVIRIA
OF COLOMBIA

(died 05 May 2003)

By Glenn D. Paige, May 19, 2003

The killing of Antioquia state Governor Guillermo Gaviria Correa on May 5, 2003, among ten hostages massacred by FARC guerrillas in reaction to a military rescue attempt, deprived Colombia and the world of a nonviolent political leader whose legacy is no less significant than those of Gandhi and Martin Luther King, Jr.

He was born in Medellín in 1962, eldest son of a family prominent in politics, publishing and business. A mining management specialist by training at the Colorado School of Mines, after a decade of innovative public service including as Antioquian Secretary of Mines and General Director of the Colombian Roads Institute he campaigned for "A New Antioquia" in 2000 and was overwhelmingly elected Governor by 600,000 of six million people in Colombia's most populous state.

Gaviria's brief but dynamic governorship was profoundly rooted in the principles and practices of nonviolence derived from his Christian faith and serious study of the legacies of Gandhi and King. He explained, "Nonviolence was born with Jesus Christ; it was followed in the past century by Gandhi and Martin Luther King, and in this century it will be the light to guide the people of Antioquia."

He understood Colombia's violence to be the result of "imbalanced" political and socioeconomic conditions and saw participatory nonviolence as a way to bring about needed structural change. "Nonviolence is more than simply no aggression and is more than putting an end to terrorist attacks, kidnappings, threats, and blackmail. Nonviolence aims to break silence and rise up out of passiveness to build a balanced society of justice and social well-being." He wanted all Antioquians to be educated in nonviolence and trained in skills of putting it into practice.

Unlike Gandhi and King, Gaviria as Governor was able to combine the powers of government with those of popular political leadership. He engaged more than 5,000 leaders in a process to clarify Antioquia's priority problems and to suggest solutions for them. This produced a Strategic Plan of Action and a Congruent Peace Plan. Personally leading marches and caravans, together with First Lady Dr. Yolanda Pinto de Gaviria, he awakened citizen participation for implementing action.

The most dramatic of these was the thousand person March of Reconciliation and Solidarity to Caicedo, a mountain coffee growing town 85 miles from the capital Medellín, undertaken over five days from April 17 to 21, 2002. The March was intended to express solidarity with the FARC-threatened people of Caicedo who had declared themselves a nonviolent community and to seek reconciliation with the guerrillas. The Governor had ordered the police and army not to protect the March and not to rescue him or retaliate if he were kidnapped or killed. He had disagreed with Colombian President Andrés Pastrana's February 23 decision to terminate peace talks with the FARC.

On April 21, just short of Caicedo, the March was stopped by the FARC. The Governor embraced his wife, both knowing he might be kidnapped or killed, and went forward with three companions to talk with the guerrillas. Six hours later two returned with the news that the Governor and his Peace Commissioner, former defense minister Gilberto Echeverri Mejia, had been kidnapped. During his year in captivity, the Governor expressed in messages to his wife even greater commitment to nonviolence and said that when free he intended to resume the March to Caicedo.

Gaviria's tragic death on May 5, together with his Peace Commissioner and eight captive soldiers, resulted from the clash of two lethal ideologies. Righteous state violence and righteous revolutionary violence. If either side had understood his nonviolent message all ten would be alive.

Guillermo Gaviria's unique legacy is that a democratically elected political leader can courageously work for nonviolent social justice from the "top down." It is no less important than the courageous legacies of Gandhi and King seeking freedom and justice from the "bottom up." The convergence of these legacies offers the best hope for the survival and well-being of humanity. Transcending death, Gaviria's legacy continues to challenge Colombia and the world in the slogan of the March to Caicedo. " Sí…Hay un camino: la Noviolencia." Yes, there is a way: Nonviolence.














Glenn D. Paige is the author of "Nonkilling Global Political Science" (Xlibris 2002) and president of the "Center for Global Nonviolence" in Honolulu.
More about Glenn Paige see Glenn Paige's Room.
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