home   english   sitemap   galerie   artclub   orient online   jukebox   litbox   termine   shop   my journalism   the other news
Terror in London
Anis Hamadeh, July 8, 2005

The helplessness, with which the western publics react on the terrible London blasts is frightening, but not surprising. Mainstream media and political parties condemn the act and swear to defy and brave terror and to continue intensifying the security measures. Transported in the media are defiance, determination and solidarity with the victims, very similar to the time of the massacre in the USA. Following defiance then was the attack on Afghanistan and later on Iraq. It is a pattern. For the last almost four years the general situation has deteriorated considerably. As the order policy has not changed there is no reason to suggest that terrorism will diminish. Rather, the opposite can be expected, the empirical data show it.

But we know in which contexts terrorism comes into being and also that it can only be defeated by way of cutting its ground. Belonging to this concept is that the governments in the world respect the human rights themselves and not violate them in a blatant way like in the illegal war on Iraq which is continuing until this very moment. Even Germany, which allegedly rejected the war on Iraq, is not prepared to recognize this war as being co-responsible and causal for following terror and to consequently reject the use of EVERY illegal violence, including the one committed by governments and states, in order to see the total violence which the situation provides.

One of the reasons why such a self-criticism remains unformulated in the mainstream is that the purely repressive Israeli policy of combatting terror would have to be questioned consequently. Yet this would be considered as anti-Semitic by a significant part of the mainstream, again evident from the experiences of the public discourse. Another reason is that the western ties with the USA are manifestly stronger and more important than international law. Also, Russia's Chechenia policy and China's Tibet policy would have to be newly assessed in consequence. As all this is much too tiring people concentrate on the evil terrorists and think about what to do with them.

Tony Blair is not credible when he talks about values, because he has violated international law himself and is co-responsible for the death of many people. His own policy was and is violent. There were more than 50 killed and 700 injured in London, this is a horror. Which spirits have we called here? Can we really be satisfied with defiance, contrariness and determined decisiveness when we know that this cannot lead to a relaxation?

When being defiant one focusses on an enemy and not on the situation. Self-criticism can quickly be regarded as a justification and relativization of a hostile attack. As a relativization of the good/evil dualism which methodically enables us to avoid conflicts instead of solving them. Only that it is irresponsible when we shift the focus in this way and leave important causalities unconsidered, because it will return back to the societies, as we have witnessed and as we will continue to witness if things do not change.

Terror in London
Anis Hamadeh, 08.07.05

Die Hilflosigkeit, mit der die westlichen Öffentlichkeiten auf die fürchterlichen Londoner Anschläge reagieren, ist beängstigend, aber nicht überraschend. Die Mainstream-Medien und die Parteien verurteilen die Tat und schwören, dem Terror zu trotzen und die Sicherheitsmaßnahmen weiter zu verschärfen. Es sind Trotz, Entschiedenheit und Solidarität mit den Opfern, die in den Medien transportiert werden, ganz ähnlich wie nach dem Massaker in den USA. Auf diesen Trotz folgte damals der Angriff auf Afghanistan und später der auf den Irak. Es ist ein Muster. Die Gesamtsituation hat sich in diesen knapp vier Jahren erheblich verschlechtert. Da sich die Ordnungspolitik nicht geändert hat, gibt es keinen Grund anzunehmen, dass der Terrorismus abnimmt, vielmehr ist aufgrund der empirischen Daten das Gegenteil zu erwarten.

Dabei ist sowohl bekannt, in welchen Zusammenhängen Terrorismus entsteht als auch, dass er allein dadurch zu besiegen ist, dass man ihm den Boden entzieht. Dazu gehört, dass die Regierungen der Welt selbst die Menschenrechte beachten und nicht derart eklatant brechen wie im völkerrechtswidrigen Irakkrieg, der nach wie vor stattfindet. Selbst Deutschland, das den Irakkrieg angeblich abgelehnt hat, ist nicht bereit, diesen Krieg als mitverantwortlich und ursächlich für folgenden Terror zu erkennen und sich gleichermaßen gegen die Anwendung JEDER illegalen Gewalt zu bekennen, auch der von Regierungen und Staaten, und die Gesamtgewalt zu sehen.

Zu den Gründen dafür, warum eine solche Selbstkritik ausbleibt, gehört, dass dann auch die rein repressive israelische Politik der Terrorbekämpfung konsequent in Frage gestellt werden müsste. Dies aber würde von einem erheblichen Teil des Mainstream als antisemitisch gewertet werden, wiederum ersichtlich aus den Erfahrungen des öffentlichen Diskurses. Ein anderer Grund ist, dass die Westbindung an die USA ganz offenbar wichtiger ist als internationales Recht. Auch Russlands Tschetschenienpolitik, Chinas Tibetpolitik und andere würden konsequent neu bewertet werden müssen. Weil dies alles zu anstrengend ist, konzentriert man sich auf die bösen Terroristen und überlegt, was man mit ihnen machen kann.

Tony Blair ist nicht glaubwürdig, wenn er über Werte spricht, denn er hat das Völkerrecht gebrochen und den Tod vieler Menschen mitzuverantworten. Seine eigene Politik war und ist gewalttätig. In London hat es über 50 Tote und 700 Verletzte gegeben, das ist ein Horror. Welche Geister haben wir da gerufen? Können wir uns wirklich mit Trotz und Entschlossenheit zufrieden geben, wenn wir wissen, dass dies nicht zu einer Entspannung führen kann?

Im Zustand des Trotzes fokussiert man auf einen Feind und nicht auf die Situation. Selbstkritik wird dann schnell als Rechtfertigung oder Relativierung des feindlichen Angriffs angesehen. Als Relativierung des Gut-Böse-Dualismus, der uns methodisch ermöglicht, Konflikten aus dem Weg zu gehen anstatt sie zu lösen. Nur ist es unverantwortlich, wenn man den Fokus derart verschiebt und dabei wichtige Zusammenhänge nicht berücksichtigt, weil es auf die Gesellschaft zurückfällt, so wie wir es erlebt haben und weiter erleben werden, wenn sich nichts ändert.