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Wen repräsentiert die Generaldelegation Palästinas in Deutschland?
Anis Hamadeh, 25.04.2007

Obwohl Deutschland einen palästinensischen Staat der Rede nach befürwortet, gibt es keine palästinensische Botschaft, sondern nur eine "Generaldelegation". Man könnte annehmen, dass diese Abwertung von palästinensischer Seite zumindest thematisiert wird - eigentlich müssten sie protestieren -, aber das ist nicht der Fall. Noch erstaunlicher aber ist, dass die Generaldelegation Kanzlerin Merkel mit Blumen bedenkt, die sich stets und unbedingt zum Staat Israel bekennt, inklusive der Besatzung, der Mauer, den Morden, den Enteignungen. "Die palästinensische Seite sei 'sehr froh über die Rolle Merkels bei dem Versuch, die Positionen von Palästinensern und Israelis zusammenzubringen', sagte der Generaldelegierte Palästinas in Deutschland, Hael al-Fahoum, am Freitag der Nachrichtenagentur AFP. Dies gelte auch für die 'faire Hilfe' der deutschen Regierung bei dem Versuch, 'einen substanziellen Dialog und ein substanzielles Engagement im Friedensprozess zwischen Palästina und Israel' zu erreichen. Aus den regelmäßigen Kontakten zwischen Merkel und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ergebe sich der Eindruck, dass die Kanzlerin entschlossen sei, 'eine wirklich konstruktive Rolle zu spielen, und ein echter Partner bei der Lösung des Konflikts zu sein'." (30.03.07, Quelle: www.palaestina.org/generaldelegation/medienpraesenz/zeigeMedienpraesenz.php?ID=115).

Man könnte darüber lachen, wenn es nicht so ernst wäre. So aber muss man sich fragen, welche Ziele die sieben Mitarbeiter der Delegation eigentlich haben. In den letzten Tagen und Wochen wurden wieder unschuldige Palästinenser durch israelische Soldaten getötet. Findet man einen Protest bei der Delegation? Nicht wirklich. Vermutlich geht es den Mitarbeitern (es sind alles Männer) gut, sodass sie keinen Grund für Proteste sehen. Das ist natürlich eine schöne Sache, aber es stellt sich die Frage: Wen repräsentieren die?

Zumindest scheinen sie recht beschäftigt zu sein. Auf der Website der Generaldelegation www.palaestina.org heißt es in der Rubrik "Öffentlichkeitsarbeit": "Besonderes Anliegen und damit Schwerpunkt der Arbeit der Generaldelegation Palästinas ist die Presse- und Informationsarbeit. Besonderes Gewicht legen wir dabei auf die Information der Öffentlichkeit in Deutschland. Wir bemühen uns um eine gezielte Zusammenarbeit mit Medien und Parteien. Unser Ziel ist, Journalisten, Politiker und Kulturschaffende mit gebündelten Informationen zu versorgen, die sonst die Öffentlichkeit in dieser Form nicht erreichen würden." Eine befreundete Journalistin erzählte mir gestern, dass sie versucht hat, die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit zu kontaktieren, da sie eine einfache Info für einen Artikel über Palästina brauchte. Sie schrieb Emails, schickte Faxe und rief mehrfach an. Tatsächlich bekam sie nach fünf Tagen eine Antwort: Man könne ihr nicht helfen, da man sich selbst nicht mit der Materie auskenne. Mehrere Networker haben ihre Unterstützung angeboten, um Gerechtigkeit für Palästina über diese offizielle Institution voranzubringen, aber die Delegation hat nicht darauf reagiert.

Sicherlich ist es wichtig, dass die Palästina-Networker zusammenarbeiten und mit einer Stimme sprechen, aber man muss sich schon fragen, was diese Generaldelegation Palästinas in Deutschland überhaupt mit Palästina zu tun hat. Und wenn sie nichts mit Palästina zu tun hat und sich auch nicht äußert, dann sollte das innerhalb der Networkergemeinde zumindest bekannt sein. Der Generaldelegierte Herr Hael al-Fahoum war früher PLO-Repräsentant in Tunis und gehört damit zu der Gruppe, die in demokratischen Wahlen vom palästinensischen Volk abgewählt wurde. Warum wohl?

Vielleicht ist es am sinnvollsten, wenn die Generaldelegation sich in die israelische Botschaft integriert. Dann hätten wir klare Verhältnisse und die Ungereimtheiten, die sich bis dato ergeben haben, würden aufgelöst. Und Herr Fahoum kann dann in Pressemitteilungen davon schwärmen, wie sehr die israelische Seite an einem gerechten Frieden interessiert ist.