home   english   sitemap   galerie   artclub   orient online   jukebox   litbox   termine   shop   my journalism   the other news
Ist die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte/IGFM tendenziös?
Offener Brief von Anis Hamadeh, 10.04.2010

Die Wahrung der Menschenrechte und der Einsatz für sie sind in kaum einem Land wichtiger als in Deutschland, wo von Hexenhammer bis Holocaust grundsätzliche Rechte des Menschen aufs Schwerste missachtet wurden. Die Formulierung und Veröffentlichung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte geschah nicht von ungefähr im Jahr 1948, kurz nach dem grausamen und von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg.

Leider ist jedoch bei uns die Gewohnheit entstanden, Menschenrechtsverletzungen unseres eigenen Staates und befreundeter Staaten nicht konsequent zu verfolgen und dafür umso mehr Verfehlungen der Länder, die unserem aktuellen Feindbild entsprechen (Islam/Sozialismus). Dieses Phänomen ist in der Politik gang und gäbe, was zu einer Entfremdung von den Bürgerinnen und Bürgern geführt hat. Auch die Chefredaktionen der Medien halten sich weitgehend an die Staatsräson, etwa wenn sie mit Begriffen wie "anti-amerikanisch" oder "antisemitisch" grundsätzliche Kritik unterbinden und so den gewalttätigen Status Quo affirmieren.

Umso wichtiger sind Nichtregierungsorganisationen und freie Medien in diesem Diskurs, in dem die Mächtigen den einheitlichen Maßstab aufgegeben haben. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte/IGFM ist so eine Nichtregierungsorganisation. Während das Motto ihrer Jahresversammlung Ende März lautete: "Universalität der Menschenrechte - Gleiche Menschenrechte für alle!", lag der Schwerpunkt auf muslimischen und sozialistischen Ländern. Nur in einem kleinen Feigenblatt-Vortrag ging es um Menschenrechtsverletzungen "bei uns".

Mein Brief an die IGFM (siehe unten) blieb unbeantwortet, als handele es sich nicht um eine wichtige Frage. Als schwebe die IGFM über den Wolken, es nicht nötig habend, auf die öffentliche Meinung einzugehen, während sie den Diskurs über die Menschenrechte auf ihre Weise definiert, mit dem Fingerzeig auf solche Länder und Weltanschauungen, die es anscheinend zu bekämpfen gilt.

Glaubwürdig wird die Arbeit der IGFM erst, wenn sie einen einheitlichen Maßstab verwendet und sie die begleitende Selbstkritik als Methode einbindet. Die Mitglieder und die Öffentlichkeit sind daher aufgerufen, die Arbeit der IGFM zu hinterfragen.

An die
Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) Deutschland, www.igfm.de

Sehr geehrter Herr Hafen,
sehr geehrte Damen und Herren,
heute erhielt ich Ihren Newsletter, in dem es um Menschenrechtsverletzungen im Iran und in Ägypten ging. Daraufhin analysierte ich Ihre Website und stellte fest, dass Ihre Länderreports, Appelle, Pressemitteilungen und Publikationen fast nur bestimmte Länder betreffen: Iran, Ägypten, China, Russland, GUS-Staaten, Kuba, Nordkorea, Türkei, Vietnam, Venezuela, Pakistan und ein paar andere. In der Rubrik "Themen" geht es Ihnen offenbar ausschließlich um Menschenrechtsverfehlungen in muslimischen Ländern.

Diese ins Auge springende Auswahl (Islam und Sozialismus plus Marginalien) macht deutlich, dass Sie neben den Menschenrechten eine politische Agenda verfolgen, die in Ihrer Selbstbeschreibung allerdings nicht zu finden ist. Einer der Staaten, die die Menschenrechte täglich in krasser Form verletzen, ist Israel. Darüber berichten Sie aber nicht. Selbst das fürchterliche Massaker in Gaza Ende 2008/Anfang 2009 fand keine Beachtung bei Ihnen, zumindest finde ich nichts darüber auf Ihrer ausführlichen Website. Die wenigen Berichte über den Irak wiederum beschäftigen sich mit der Situation verfolgter Christen. Die aus Funk und Fernsehen bekannten Menschenrechtsverletzungen der USA und ihrer Verbündeten fehlen. Auch über Afghanistan und Pakistan finden wir nichts, was den Führern von Angriffskriegen unangenehm sein könnte. Über Menschenrechtsverletzungen von Deutschen - etwa in Afghanistan - gibt es anscheinend auch nichts zu sagen, außer natürlich der ehemaligen DDR, die Sie etwa in Ihren "häufig gestellten Fragen" ins Zentrum rücken.

Daher möchte ich Sie bitten, Ihre politische Agenda deutlicher zu formulieren, um die Öffentlichkeit und Ihre Mitglieder nicht in die Irre zu führen. Andernfalls kann man leicht schließen, dass Sie die Diskussion um die Menschenrechte missbrauchen, um Konflikte zu schüren und Kriege, selbst Angriffskriege, zu legitimieren. Wie Sie sich erinnern, wurden die Menschenrechte für ALLE Menschen formuliert und nicht für befreundete Menschen.

In Erwartung einer klärenden Antwort verbleibe ich
mit freundlichen Grüßen,

Anis Hamadeh
Mainz, 17.03.2010

Is the International Society for Human Rigths (ISHR Germany) Biased?
Open letter by Anis Hamadeh, April 10, 2010

Germany is a crucial country when it comes to the protection of and the engagement for the human rights. It is a country where the principle rights of human beings had been violated blatantly, from witch-burning to holocaust. It was no coincidence that the Universal Declaration of Human Rights was formulated and published in 1948, shortly after cruel World War II which Germany had started.

Unfortunately, we in Germany took up the habit of not consequentially persecuting human rights breeches of our own state and those of friendly states. In compensation we tackle those countries which relate to our current understanding of who the enemy is (Islam/Socialism). This phenomenon is ubiquous in politics and it led to an alienation of the citizens. We also find this reason of state in the editorial offices of the media, e.g. when they disable any fundamental criticism with concepts like "anti-American" or "anti-Semitic" and thus affirm the violent status quo.

Non-governmental organizations and free media are needed in this discourse when the people in power abandon the idea of a consistent standard. The International Society for Human Rigths (ISHR) is such a non-governmental organization. While the motto of its annual congregation in March 2010 was: "Universality of the Human Rights - the Same Human Rights for All!", the actual focus was on Muslim and socialist countries. There was only one little figleaf speech on human rights violations "in us".

My letter to the ISHR (see below) remained unanswered, as if the question was insignificant. As if the ISHR floated above the clouds, with no need to respond to the public opinion, while defining the human rights discourse in its own way, pointing the finger on those countries and philosophies that seemingly are to be fought.

The work of the ISHR will only be credible when the organization adopts a consistent standard and when it introduces an accompanying self-criticism as a method. Therefore, the members and the public are called to question the work of the ISHR.

Attn.: International Society for Human Rigths (ISHR) Germany, www.ishr.org (www.igfm.de)

Dear Herr Hafen, dear all,

today I received your newsletter which deals with human rights violations in Iran and in Egypt. I subsequently analyzed your website and noticed that your country reports, appeals, press releases, and publications almost entirely concern specific countries: Iran, Egypt, China, Russia, GUS states, Cuba, North Korea, Turkey, Vietnam, Venezuela, Pakistan, and a few others. Under "focus" ("Themen") you apparently single out human rights breaches in Muslim countries.

This conspicuous selection (Islam and Socialism plus marginal issues) indicates that - apart from the human rights - you pursue a political agenda, one that cannot be found in your self-description, however. One of the states that blatantly violate the human rights on a daily basis is Israel. But you do not report it. Even the terrible massacre in Gaza in Dec. 2008/ Jan. 2009 did not find your attention, at least there is nothing I can find on your extensive website. The few reports on Iraq deal with the situation of persecuted Christians only. Missing are the human rights violations by the USA and its allies, known from TV and media. Neither do you say anything about Afghanistan and Pakistan that could embarrass the leaders of wars of aggression. It also seems as if there is nothing to say about German human rights violations (e.g. in Afghanistan). There is only the socialist former GDR that you highlight in your FAQ.

Therefore I want to ask you to reconsider the formulation your political agenda so that the public and your members are not led astray. Otherwise it will be easy to conclude that you misuse the discussion of the human rights to fuel conflicts and to legitimize wars, even wars of aggression.

As you remember, the human rights were formulated for ALL humans and not for befriended ones.

Anticipating your clarifying response I remain
with best regards,

Anis Hamadeh
Mainz, 17 March 2010

                                  up