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Autobiografische Notizen
Anis Hamadeh, 01.03.2015

Inhalt: Der Weckruf - Der Schock - Entfaltung - Verfolgung - Politischer Aktivismus - Palästina - Von Kiel nach Hamm und Mainz - Auftritte und andere Arbeit - Die lange Fastenkur und die Flut - Ein neues Zuhause - Heute

Die Website Anis Online ist inzwischen so umfangreich geworden, dass es angemessen erscheint, einige Worte über mich und mein Leben zu schreiben. Immerhin sind hier siebzehn Jahre kreativen Schaffens zusammengefasst und es gibt hunderte Geschichten zu den einzelnen Beiträgen auf AO. Hier und da findet man auch autobiografische Informationen, denn ich habe nie ein Geheimnis um meine Person gemacht. Nun ist eine lange Phase zu Ende gegangen, was mir die Gelegenheit gibt, von einer neuen Perspektive aus auf mein Leben zurückzublicken. Außerdem ist meine Version der Ereignisse nie gehört beziehungsweise stets unterdrückt und bestraft worden. Das sehe ich nicht ein.

Der Weckruf

Den Weckruf hörte ich 1998 mit einunddreißig Jahren. Vorher schrieb ich bereits einige Songs und Gedichte und hatte immer gespürt, dass da etwas in mir war, das ausgelebt werden wollte. Bis zum Ende des Studiums der Islamwissenschaft, Anglistik und Linguistik hatte ich keine Ahnung, was ich einmal werden wollte, und so zögerte ich den Abschluss hinaus wie viele andere Studenten in ähnlicher Lage. Nach einem sehr guten Magisterabschluss begann ich eine Dissertation über den Wissenschaftsbegriff im islamischen Mittelalter und erhielt ein zweijähriges Stipendium von der Uni Hamburg. Für diese Arbeit hatte ich mir viel zu viel vorgenommen und sie schlug fehl. Es folgte eine Zeit der Depression und Lebenskrise, in der ich merkte, dass mein Leben weit entfernt von meiner Bestimmung war. Bestimmung? Ja, da war etwas, ich konnte es nur noch nicht erfassen und formulieren.

Um systematisch aus diesem Zustand herauszukommen gab ich mir selbst zwei Befehle: Erstens, tu das, was du am besten kannst, egal, was es ist; zweitens: Analysiere dich nach jedem Kontakt, bring die Leute näher, die dir gut tun, und entferne dich von denen, die dir nicht gut tun. Das funktionierte sehr gut. Ich begann damit, Songs zu schreiben, denn das war es, was ich am besten zu können glaubte. Als meine Eltern nach Abu Dhabi in den Urlaub flogen, konnte ich ihr Haus für ein paar Wochen hüten und dabei in Ruhe einige Aufnahmen machen. Ich hatte einen Vier-Spur-Rekorder, einen Röhrenverstärker, einen kleinen Drum-Computer, eine Western-Gitarre und eine E-Gitarre. Acht Songs standen auf dem Programm, der erste war ein Blues, der "Scared Blues", ein rhythmischer und erdiger Song. Ich programmierte den Drum-Computer, Takt für Takt, und nahm den Song nur mit Schlagzeug, Gitarre und Stimme auf. In diesem Prozess verflogen meine Depressionen und seitdem war ich nie wieder depressiv oder auch nur melancholisch.

Ein neuer Weg hatte sich geöffnet, das spürte ich sehr deutlich. Es war eine faszinierende Erfahrung. (Viele Jahre später lernte ich Notenschreiben mit dem MuseScore-Programm. In der Schule habe ich das nicht gelernt, weil mein Musiklehrer zu sehr mit Alkohol beschäftigt war, um sich um dumme Kinder zu kümmern. Wir sahen im Unterricht nur Filme, hörten Platten und sangen. Und er erzählte Geschichten vom Krieg. Als ich ihm 98 einen Brief schrieb, antwortete er, dass er von meinen psychischen Problemen wüsste.)

Sonst war niemand im Haus und ich konnte tun, was ich wollte. Mein Energielevel stieg von Tag zu Tag, etwas wirklich Neues begann. Ich räumte das ganze Haus auf und putzte es, sogar den Keller. Die Spinnweben wurden entfernt und alle Werkzeuge in meines Vaters Werkraum ordnete ich, bis alles großartig aussah. Ich hatte einfach so viel Energie. Außerdem wollte ich meinen Eltern eine Freude machen, damit die Stimmung gut war, wenn sie zurückkamen. Als ich die Aufnahme des Blues-Songs beendet hatte, hörte ich ihn mir die ganze Nacht lang an und weinte viel.

Der Schock

Da war dieses nie gekannte Glücksgefühl, das mich überwältigte. Nie zuvor war ich mir einer Sache so sicher gewesen. Doch die Flut der Gefühle, die wie eine Lawine über mich kam, legte auch negative Gefühle frei, die mir nicht bewusst waren. Warum machte ich diese Erfahrungen erst jetzt, mit 31, und nicht schon fünfzehn Jahre früher? Ich fühlte wieder die Gewalt, die ich von meinem Vater erfuhr, als ich ein Schuljunge war, und mir ging auf, dass dieses Trauma der Hauptgrund für die Verzögerung war. Plötzlich sah ich meine Jugend mit ganz anderen Augen und war völlig verwirrt. Was war das?

Ich fuhr mit den Aufnahmen fort und holte meine Eltern mit ihrem Mercedes vom Flughafen ab. Der erste Schock war, dass meine Mutter mich zur Begrüßung nicht in den Arm nehmen wollte, gefolgt von Nörgeleien über meinen Fahrstil. Zu Hause kam der zweite Schock: Ich bekam Ärger, weil ich das Haus aufgeräumt hatte. Man würde nichts mehr wiederfinden. Es war erstaunlich, wie wichtig ihnen der Doktortitel war. Ich glaube, das war der Grund. Mir bedeuten Titel nichts, ich wollte forschen ...

Kurz darauf erschien meine Schwester überraschend. Ich war oben im ersten Stock und arbeitete an meinen Songs, denn sie waren noch nicht fertig. Plötzlich stand sie vor mir, die Arme weit geöffnet, lächelnd, auf mich zu kommend. Ich war verwirrt. Nur wenige Wochen zuvor hatte sie mich angerufen - wir wohnten beide in Hamburg - und mir mitgeteilt, dass sie mich nicht mehr sehen könne, weil ich zu anstrengend geworden sei. Außerdem fürchte sie, ich würde mich umbringen. Dann hatte sie aufgelegt. - Als sie also vor mir stand, war mir nicht danach, sie zu umarmen, und ich gab ihr nur die Hand. Ein fataler Fehler!

Ich erwähne diese Episode so detailliert, weil sich mein Leben danach stark veränderte. Meine Schwester fing an zu weinen und rannte zurück nach unten. Kurz darauf erschien mein Vater und fing an, von Gott zu reden. Er versuchte mir klar zu machen, dass man die eigene Schwester nicht so behandeln darf. Als ich ihm den Grund nannte, meinte er, dass man Familienmitglieder akzeptieren muss, selbst wenn sie einen Mord begangen haben. Das hat er wirklich gesagt. Als er gegangen war, kam meine Mutter und fing ebenfalls an, über Gott zu reden. Es war seltsam, denn keiner der beiden hatte zuvor je über Religion gesprochen. Ich war regelrecht eingekesselt. Mit den Aufnahmen konnte ich nicht weitermachen. Ich bestellte mir einen Mietwagen und brachte mein Equipment in den frühen Morgenstunden ins Auto. Ich hängte den Hausschlüssel ans Brett, weil ich wusste, dass ich nicht zurückkehren würde, und verschwand, als alle noch schliefen.

Seitdem haben mir viele Menschen geraten, meinen Eltern zu verzeihen und dadurch Größe zu zeigen, aber das war Blödsinn. Wie soll man etwas verzeihen, das die Täter gar nicht zugeben und bereuen? Dieses "Verzeihen" ist eine Chiffre für die Eingliederung in bestehende Machtstrukturen. Natürlich wollte ich ihnen verzeihen, aber doch nicht so!

Übrigens waren meine Eltern nicht gegen meine Musik. Wie ich lange Zeit später zu meiner Überraschung erfuhr, hatte meine Mutter 1993 sogar eine Kassette mit einigen meiner frühen Songs den Nachbarn vorgespielt. ("Mein Sohn!") Mein Vater, der ein toleranter Mensch sein kann, hat meinen Röhrenverstärker bezahlt.

Entfaltung

Die Aufnahmen wurden in Hamburg beendet und in Aachen bei einem Freund equalized und entrauscht. Dies gab mir so viel Auftrieb, dass ich danach viele inspirierte Songs in kurzer Zeit schreiben konnte: vier im Juli, acht im August und zwölf im September, darunter "Goodnight Louise" und andere Songs, die ich noch immer auf Bühnen spiele (siehe Werkverzeichnis 1998). Zum ersten Mal waren auch deutsche Lieder dabei. Es dauerte nicht lange, bis Prosatexte und Lyrik folgten sowie erste Zeichnungen. Im Bambus fand ich eine Spielwiese zum Experimentieren mit literarischen Texten und das Album "Anis Electric" entstand innerhalb von 24 Stunden.

Es ging viel durch mich hindurch. Ich trainierte meinen Geist, um mich den Inspirationen systematisch zu nähern, entwickelte Trance-Techniken und analysierte meine Bewusstseinsveränderungen in der Trance, beschrieben im Essay Nummer 2, Trance-Techniken und Bewusstseinsveränderungen. Ich verstand nach und nach, dass ich ein Medium war. Es war - und ist immer noch -, als würde eine geheimnisvolle Kraft Besitz von mir ergreifen, die mir Worte und Melodien in unglaublicher Geschwindigkeit diktierte. Das alles war ganz neu für mich und ich hatte niemanden, mit dem ich darüber sprechen konnte. Ein Wissenschaftler, der sich mit Trancen beschäftigte, las meinen Essay und versicherte mir, dass diese Phänomene tatsächlich existierten. Ich dachte, mein Werk würde es zeigen, also kommunizierte ich durch mein Werk.

Die schiere Kraft der Trancen beängstigte mich auch. Ich analysierte mich gründlich, um sicherzugehen, dass ich niemandem mit dieser Kraft Schaden zufügte, und fand keinen Grund aufzuhören. Nicht alles, was ich hervorbrachte, war von hoher Qualität, ich experimentierte und entwickelte mich. Es dauerte einige Jahre, bis ich mich daran gewöhnt hatte.

Verfolgung

Eine der wichtigsten Voraussetzungen für meine Arbeit war Freiheit, also musste ich meine familiäre Situation klären. Ich stellte meine Eltern im Juni 98 zur Rede und sprach über die schwere körperliche Gewalt zwischen 1971 und 1986, die ewigen mütterlichen Nörgeleien und dass mir ständig Schuldgefühle gemacht wurden. Ich hatte viele Fragen ... und bekam keine Antworten. Nichts von alledem sei wahr, sagten sie, du willst nur jemandem die Schuld für dein Versagen geben. (Ich hatte überhaupt nicht das Gefühl, versagt zu haben.) Das machte mich sehr wütend und ich sandte einen Rundbrief an alle Verwandten, dann an Freunde, Bekannte, sogar die Nachbarn. Ich war entschlossen, das Thema erst zu den Akten zu legen, wenn die Sache geklärt war. Psychisch war das alles sehr schwer für mich und nach allem, was passiert war, konnte ich nicht so nüchtern darüber sprechen wie jetzt. Meine Eltern wiesen mich kalt ab. Als ich keinerlei Solidarität erfuhr, emanzipierte ich mich am 4. Juli 1998 mit einem offenen Brief, in dem ich der Gesellschaft den Krieg der Liebe erklärte und ihr vorwarf, solche Dinge zuzulassen. Es war immens schwierig, Widerstand zu leisten und mich zu wehren. Vielleicht war dieser Schritt der mutigste in meinem Leben.

Meine Eltern fanden einen Vorwand, um mir von Westfalen aus die Polizei und die städtische Psychiatrie ins Haus zu schicken. Uniformierte Beamte standen vor meiner Tür und fragten mich, was ich denn meinen Eltern auf den AB gesprochen hätte. Ich sagte ihnen, sie sollen gehen, was sie auch taten, weil sie nichts in der Hand hatten. Dann kam ein Herr Paasch von der städtischen Psychiatrie Eppendorf und bedrohte mich. Meine Mutter hatte ihm erzählt, dass ich sie "mit den Händen fuchtelnd in die Ecke gedrängt" habe. Dieser Akt der Gewalt sei der Grund, warum er gekommen sei. Ich versicherte ihm, dass dies eine Lüge war, doch es nützte nichts. Er kam mehrmals und sagte mir, dass ich damit aufhören müsse, andernfalls würde er mich sofort ins Heim bringen. Mein Onkel Hermann, Polizist in Hamburg, wartete auf mich vor dem Haus und versuchte mich davon zu überzeugen, freiwillig in die Psychiatrie zu gehen und meinte, dass Barbra Streisand dasselbe getan hätte, zu ihrem eigenen Besten. Mein Großvater schrieb mir, ich solle Tabletten nehmen.

Dann bekam ich einen Vertrag als Arabisch-Lektor an der Uni Kiel. Als Herr Paasch mich erneut aufsuchte und mir erneut drohte, zeigte ich ihm den Vertrag und sagte ihm, dass ich für seinen Unsinn keine Zeit mehr habe. Ohne diesen Vertrag wäre ich sicherlich entmündigt worden, denn ich war allein. Fast drei Jahre lang habe ich sehr erfolgreich unterrichtet und zum ersten Mal richtig Geld verdient, aber ich bekam noch bis Ende 2001 diverse Anrufe von der Polizei und eine Vorladung zum Gesundheitsamt in Kiel. All diese Jahre fühlte ich mich wie auf einer Party mit einem Messer im Rücken, über das ich nicht sprechen durfte.

Währenddessen suchte ich Schutz beim Bruder meines Vaters und meinen drei Cousins in Hamburg, zu denen der Kontakt lange abgebrochen war. Ich erfuhr, dass mein Vater ihn um viel Geld betrogen hatte, ebenso die Verwandten in Palästina beim Land-Erbe meiner verstorbenen Großeltern. Meine Cousins habe ich geliebt wie Brüder, es hat mich glücklich gemacht, wieder ein paar Mal mit ihnen zusammen zu sein. Ich hatte ein wenig das Gefühl, dass jemand solidarisch mit mir war (ein Irrtum).

Von meiner anderen Schwester, der kleinsten, bekam ich einen Brief, in dem sie mir vorwarf, sie habe geträumt, ich sei gekommen und hätte ihr Haus niedergebrannt. Das ist kein Witz. Ihre totale Ablehnung hat mich fast in den Wahnsinn getrieben, denn ich hatte sie geliebt wie ein großer Bruder seine kleine Schwester nur lieben konnte. Wir liebten es, zusammen die TV-Serie Alf zu schauen, und auch sie hatte Talente für Musik und Sprachen. Ihr Waschzwang hatte ihre Hände ganz rissig gemacht. Meine Mutter erzählte mir einst, dass sie zusammen beim Psychiater waren und dass dabei herausgekommen sei, dass sie, die Mutter, unschuldig sei. Das war ihr wichtig. Zumindest wusste ich nun, dass ich ganz unten in der Familienhierarchie stand.

Irgendwann 2001 konnte ich mit all dem nicht mehr leben und schrieb die Geschichte auf, ähnlich wie hier, und zeigte sie den anderen Mitarbeitern und Professoren der Islamwissenschaft an der Uni. Daraufhin sagte mir die leitende Professorin, ich solle zum Psychiater gehen, und ich verlor meinen Job unter einem Vorwand sehr schnell. Eine Person war solidarisch mit mir, meine Studentin Sabine, mit der ich seit zehn Jahren zusammenlebe. Bis heute ist sie die einzige geblieben.

Politischer Aktivismus

Ungefähr dreieinhalb Jahre lang lebte ich noch in Kiel. Ich schrieb viel, baute meine Website auf und versuchte, mich als Künstler zu etablieren. Nach dem Elften September schrieb ich das 400-Seiten-Ozzy-Buch online und behandelte darin alle möglichen politischen und gesellschaftlichen Themen. Ich erkannte Gruppenverhalten als Ursache der meisten gesellschaftlichen Probleme.

Meine politische Einstellung war und ist geprägt von gewaltlosem Widerstand. Die Autobiografien von Gandhi und King hatten mich seit Schulzeiten beeinflusst, ebenso wie Hesse. 2003 fasste ich meine Haltung im Artikel "Gewaltloser egalitärer Liberalismus" zusammen. Auch wenn ich mit den meisten linken Positionen übereinstimme und oft mit Linken zusammenarbeite, bin ich kein Linker und glaube nicht an den Klassenkampf. Die Linke bezieht ihre Identität zu sehr aus der Ablehnung der Rechten; sie bietet keine selbstkritische Gruppenanalyse und ist daher anfällig für Kaderstrukturen; außerdem ist sie in wesentlichen Teilen bis heute unfähig, ihre Werte konsequent auf die Politik Israels zu beziehen, und das gilt sicher auch für Attac, wo sich gute Grassroot-Leute von Ideologen wie Werner Rätz gängeln ließen, den ich 2004 erleben durfte, kurz bevor die Attac-Führungsmenschen mich ausgegrenzt haben.

In meiner Familienkritik hatte ich auch meinen nationalsozialistischen Großvater Karl berücksichtigt. Als ich in Hamburg studierte, lebte ich einige Jahre lang in einer Hütte in seinem Garten, so dass er nicht allein war in seinem hohen Alter. In einigen Dingen war er tolerant und liebenswert und konnte auch großzügig sein. Aber er las rechts-nationale Zeitungen und schnitt die Fotos von Adolf Hitler aus, der ihn offensichtlich noch immer faszinierte. Kaum jemand in der Familie hielt es lange mit ihm aus, da er sie gern mit seinen Gedichten quälte und einen Kontrollzwang hatte. Meine Mutter war die einzige, die sich gut mit ihm verstand. Ich weiß, dass sie zumindest einmal die Republikaner gewählt hat. Niemand hat sich je getraut, seine Nazi-Einstellung zu kritisieren ... außer mir. 1998 schrieb ich den Song "Opa ist ein Terrorist" und schickte den Songtext an die ganze Familie, natürlich auch an ihn. Das trug zur erbosten Ablehnung bei, die ich erfuhr.

Nach seinem Tod vor ein paar Jahren rief mich mein Onkel Hermann an und bot mir großzügig an, meinen Namen mit in die Traueranzeige zu setzen, was ich ablehnte. Hermann spielte selbst ein wenig Gitarre und liebte es, den Entertainer zu geben, mit seinem sympathischen Hamburger Akzent. Er konnte es nicht ertragen, dass ich coole Songs schreiben konnte und besser Gitarre spielte als er. Wenn ich mal spielte, verließ er meist den Raum. Er war auch neidisch darauf, dass ich mehr als eine Freundin in meinem Leben hatte. Einen ähnlichen Grad an Neid mirgegenüber hatte sonst nur meine Schwester. Als ich ihr nach meiner missglückten Doktorarbeit sagte, dass ich immer das Gefühl hatte, einmal an etwas Großem beteiligt zu sein, erwiderte sie kühl: "Tja, das hat nun mal nicht geklappt." Diesen Tonfall erkannte ich später in der Professorin Pistor-Hatam wieder, die mich aus der Uni warf. Sie ist danach gesellschaftlich weiter aufgestiegen, wie so viele, die mich unmögliche Person "besiegt" haben.

Palästina

Alles, was ich über die Unterdrückung Palästinas weiß, weiß ich von meiner Familienkonstellation: das Beschuldigen der Opfer, der Mangel an Solidarität, die Ungestraftheit der Mächtigen, Korruption, Hierarchien und Heuchelei. Je tiefer ich in die Materie einstieg, desto deutlicher wurde es mir. Seit 2002 schreibe ich intensiv zu diesem Thema, führe Interviews, kreiere Zeichnungen und Songs und vieles mehr.

Ich war vier oder fünf Mal in Palästina, beim ersten Mal konnte ich nur das wenige Arabisch, das ich während meines Jahrs in Bagdad gelernt hatte, als ich 16 war. Als ich später in Alexandria ein weiteres Sprachjahr absolvierte, besuchte ich meine Verwandten in den Semesterferien mit dem Bus und verbrachte auch einige Tage in Jerusalem. Während der Studienfahrt nach Palästina mit Islamwissenschaftlern der Uni Hamburg reiste ich durchs Land, ans Tote Meer, nach Jerusalem, Ramallah und andere Orte. Ich sah ein Kafka-Stück im Hakawati-Theater und lernte viel Neues. Bis zum Bau der Mauer besuchte ich meine Verwandten noch ein oder zwei Mal und lernte auch Israel kennen, da wir Freunde im 48-er-Palästina hatten, also in Israel.

Das palästinensische Essen liebte ich und die Landschaft, die Sprache und einige kulturelle Elemente. Eine meiner Tanten backte jeden Morgen große Fladenbrote auf heißen Steinchen für die ganze Großfamilie, die zusammen auf einem Hügel in der Nähe von Jenin lebt. Einer meiner Cousins brachte es dann mit Olivenöl aus eigenem Anbau zu den Häusern. Das war toll. Mit den patriarchalischen Strukturen kam ich hingegen nicht so gut klar. Ich fand es nicht gut, dass meine Cousinen gegen ihren Willen verheiratet wurden. Einmal reiste ich allein und mein Vater gab mir Geld mit, das ich an die Familie verteilen sollte. Er sagte mir allerdings nicht, wie ich es verteilen sollte, und so geriet ich in Probleme und sah die gierige Seite meiner Verwandten.

Heute kann ich nicht mehr dort hin. Zum einen ertrage ich den Zionismus nicht, zum anderen ertrage ich die Geschlossenheit der palästinensischen Gesellschaft nicht. Die Geschlechtertrennung, die autoritären Schulen, die ständige Kontrolle. Auf Facebook akzeptiere ich Freundschaftsanfragen meiner weitläufigen palästinensischen Familie, aber ich kann nicht mit ihnen sprechen oder ihre Beiträge liken. Erst vor einigen Monaten kontaktierte mich ein Cousin meines Vaters und erzählte mir, er würde gerade meinen Vater zu Gast haben und sich wünschen, mich auch dort zu sehen. Was für eine Beleidigung! Ich sagte ihm, was los war (als hätte er es nicht gewusst) und er meinte, dass der Islam den Gehorsam den Eltern gegenüber verlange. Das Schlagen von Kindern wird in Palästina weitgehend akzeptiert, besonders auf dem Land. Das ist nichts für mich. Heute könnte ich all dem gegenüber nicht den Mund halten. Die würden mich innerhalb von zwei Wochen abstoßen.

2004 suchte ein jüdisches Musikerehepaar - Klavier und Cello - nach einem palästinensischen Partner für eine "Shalom-Salam-Tournee" in Deutschland. Wir kamen persönlich gut klar miteinander und so ließ ich mich darauf ein. Es funktionierte auch und ich lernte eine Menge. Das Tagebuch zur Tournee habe ich online gestellt. Ohne dieses Tagebuch wäre die Sache nicht akzeptabel gewesen, denn es blieb ziemlich flach und nichtssagend. Nur Show. Ich weiß nicht mehr, wie viel Geld ich dafür bekommen habe, ich glaube, es waren um die 2500 Euro. Die beiden anderen Musiker haben sicherlich mehr bekommen, ich habe die Zahlen nicht. Man hat danach nie wieder etwas von ihnen gehört, was Verständigungsarbeit betrifft, daher nehme ich an, dass sie es des Geldes wegen gemacht haben. Als Juden war es ihnen möglich, hohe Persönlichkeiten wie Bundespräsident Rau für die Tournee zu gewinnen und einen beträchtlichen Etat zu ergattern. Hätte ich versucht, so etwas zu initiieren, hätte man mich ohne Frage ausgelacht.

Von Kiel nach Hamm und Mainz

Die Familiengeschichte war noch nicht vorbei, ich bekam die Sache nicht aus dem Kopf. Es war meine Familie! Meine Mutter! Mein Vater! Meine beiden jüngeren Schwestern! Onkel, Tanten, Cousins und Cousinen ... Ich wollte es noch einmal versuchen und rief meine Eltern an. Es stellte sich heraus, dass mein Vater inzwischen eine Parfüm-Manufaktur gegründet hatte und jetzt Parfüm nach dem Multi-Level-Marketing-Prinzip verkaufte. Dafür brauchte er Unterstützung. Ich wiederum hatte nichts mehr in Kiel zu tun und hatte dort wahrscheinlich einen schlechten Ruf, denn kaum etwas funktionierte mehr, nicht einmal das fröhliche "Krokodil aus Kiel", das ich bis heute auf Bühnen vortrage, inzwischen auswendig. Wir beschlossen also, es noch einmal zusammen zu versuchen. Ich wusste, dass, wenn sich etwas bewegen sollte, ich mich in die Höhle des Löwen begeben musste.

Für kurze Zeit blieb ich im Haus meiner Eltern, dann nahm ich mir eine Wohnung am Ende der Fußgängerzone in Hamm, wo die Firma des Vaters lag. Es war un-glaub-lich schwer in der ersten Zeit, das kann ich wohl sagen. Der Bruder meines Vaters und seine Frau waren zu Besuch. Er hatte sich inzwischen mit meinem Vater vertragen und wir versuchten ein klärendes Gespräch, was absolut nicht funktionierte. Mein Onkel erklärte mir die Wichtigkeit von Gehorsam und als ich einwarf, dass man damit auch die Nazizeit rechtfertigen konnte, bestätigte er das. Meine Eltern sahen etwas verdutzt drein, widersprachen aber nicht, denn es ging ja um einen höheren Zweck, nämlich meinen Willen zu brechen.

Es war nicht viel Geld da, aber das war mir nicht wichtig. Mein Vater zahlte die Miete der Wohnung und gab mir etwas Taschengeld. Ich aß oft im Haus der Eltern in Neubeckum, 25 Kilometer entfernt. Meine Mutter fragte mich irgendwann, ob ich zu dem großen Familientreffen in Neubeckum kommen wolle, das demnächst stattfinden sollte. Niemand meiner anderen Verwandten hatte mich in der Zwischenzeit kontaktiert. Das war mir unheimlich und ich lehnte ab. Bis heute habe ich nie wieder etwas von irgendeinem Familienmitglied in Deutschland gehört, abgesehen vom oben beschriebenen Anruf Hermanns sowie einem Anruf meiner Mutter kurz vor Weihnachten 2007, in dem sie so tat, als sei nie etwas geschehen.

Nach drei Monaten flog die ganze Sache mit einem Knall in die Luft. Zuerst wurde die einzige weibliche Mitarbeiterin in gemeiner Weise aus der Firma gemobbt, was schon ausgereicht hätte. Sie wurde vor ein Tribunal ins Büro meines Vaters geladen, an dem alle Mitarbeiter teilnahmen außer mir, der ich ahnungslos war. Ich räumte das Lager auf und schuf etwa 30 % mehr Platz, eine äußert befriedigende Arbeit. Sie stürzte schluchzend aus dem Büro, sie wurde des Diebstahls bezichtigt. Wahrscheinlich hat einer der anderen Mitarbeiter das begangen und ihr in die Schuhe geschoben, um sie loszuwerden. Ich brachte sie in ihre Wohnung, die meinem Vater gehörte. Zuvor war er dort während ihrer Arbeitszeit eingebrochen, um nach Diebesgut zu suchen. In Solidarität mit ihr schrieb ich eine Geschichte darüber. Das war im Juni 2005.

Ich sah das Ende bereits nahen, als mein Vater mir eröffnete, dass ich mich wieder arbeitslos melden müsse, da er mich trotz Arbeitsvertrags nicht bei der Versicherung gemeldet hatte. Ich hatte also die ganze Zeit schwarz gearbeitet, ohne es zu wissen, und wäre im Fall eines Unfalls nicht versichert gewesen. Meine Mutter sagte zu all dem nichts.

Das Arbeitsamt schickte mich für eine Woche in ein erniedrigendes Seminar, wo ich idiotische Dinge tun musste. Da war ich also in einer Stadt, in der ich niemanden kannte, ohne Geld und ohne Hoffnung. Es war die Stadt, in der ich meinen 20-monatigen Zivildienst geleistet hatte. Noch einmal schrieb ich eine Rundmail, in der ich meine Not schilderte. Die einzige Reaktion kam von einer Freundin meines Vaters, die mir wütend vorwarf, mit meiner Mail Gewalt verübt zu haben. Dann hat Sabine mich buchstäblich gerettet.

Sabine arbeitete inzwischen in Mainz und hatte vor, ihre WG zu verlassen und sich eine eigene Wohnung zu nehmen. Zuerst blieb ich bei ihr und wir schliefen sogar in einem Bett, weil kein Platz da war. Dann nahmen wir uns eine Wohnung. Bei heftigem Schneefall brachten wir mit einem gemieteten Sprinter meine Habseligkeiten nach Mainz. Ich arbeitete in einem Callcenter für etwa eineinhalb Jahre, was schmachvoll war. Als das Center nach Ostdeutschland verlegt wurde, bekam ich von einem Verlag die Möglichkeit, ein Buch "Islam für Kids" zu schreiben.

Auftritte und andere Arbeit

Das Islambuch schrieb ich innerhalb von drei Monaten und der Verlag war sehr zufrieden. Es gab ein paar kleine Rezensionen und ich war bei Lettra-TV mit einem langen Interview, das auf YouTube steht. Verkauft hat sich das Buch leider kaum. Ich fand für ein paar Jahre eine Teilzeitstelle als PR-Texter in einer kleinen Agentur, die sich 2011 auflöste. Hauptsächlich aber schrieb und zeichnete ich. Ich übersetzte das Buch "Nonkilling Global Political Science" ins Deutsche, weil ich es für wichtig hielt, und fand einen Verlag dafür. Mit Sabine hatte ich eine Ausstellung in Liverpool, wo ich auch mit Musik und Literatur auftrat.

Im Oktober 2009 nahm ich an der ersten Nonkilling Leadership Academy in Honolulu teil. Junge Networker aus vielen Ländern kamen zusammen, nur wenige aus Europa. Wir hörten Vorträge, machten Seminare und Ausflüge, lernten Hawaii kennen und im Haus von Professor Paige sah ich Postkarten, die Petra Kelly ihm bis kurz vor ihrem Tod geschrieben hatte (auf einen bevorstehenden Selbstmord Kellys deutete nichts hin). Über Skype sprachen wir mit dem Popstar Juanes, mit einem Weggefährten Martin Luther Kings und der Frau des ermordeten kolumbianischen Friedensgouverneurs Guillermo Gaviria Correa. Es war sehr anregend und mein erster Urlaub - wenn man es so nennen möchte -, seit mehr als zehn Jahren, es sei denn, man zählt die DAAD-Lesereise in Ägypten 2004 als Urlaub. Die Flora und Fauna faszinierten mich, ebenso die tragische Geschichte des Landes. Es war eine gute Zeit und ich bekam Hoffnung. Die intensive Beziehung zur Nonkilling-Gemeinschaft hielt an bis zum Genozid in Gaza 2014, als der Professor tote jüdische Kinder erfand, um den Konflikt "ausgewogen" darzustellen und auf die Bedürfnisse der zionistischen Kriegsverbrecher einzugehen (Details).

Auftritte sind für mich eine Möglichkeit, mich angstfrei in Gruppen zu bewegen. Für ein paar Stunden werde ich als das akzeptiert, was ich bin. Selten habe ich ein Publikum oder einen Veranstalter enttäuscht. Im Laufe der Jahre habe ich ein großes Repertoire geschrieben und gelernt. 2010 schrieb ich das abendfüllende Stück "Die Dichter", mit dem ich einige kleine Erfolge hatte. Im Auftrittsarchiv sieht man, wo ich überall aufgetreten bin, und in der Jukebox und Litbox stehen einige YouTube-Live-Videos von Auftritten.

2011 schrieb ich das Kabarett-Programm "Der Palästina-Express" in zwei Sprachen und hatte einige kleine Auftritte damit, die gut liefen. Eine amerikanische Networkerin war begeistert und bot mir an, eine US-Tournee für mich zu organisieren. Wir planten das zusammen und ich probte zu Hause jeden Tag. Als sie merkte, dass sie dem Job nicht gewachsen war, fing sie plötzlich an, mich wüst zu beschimpfen. Noch immer verwende und schreibe ich Express-Material. Für die Idee einer Kabarett-Show über Palästina bekam ich allerdings auch vages negatives Feedback beziehungsweise lautes Schweigen.

Vielleicht war ich zu dieser Zeit in Kreisen der Palästina-Solidarität auch schon out, denn ich bin einige Male angeeckt. Auch Palästinagruppen folgen einer Gruppendynamik. Die einzige Gruppe, in der ich keine hierarchischen Strukturen erlebt habe, war die Schüler-Singgruppe Mitte der 80-er, als wir mit Gitarren und bei Kaffee und Zigaretten Songs von Johnny Cash, Elvis, Queen und anderen spielten und sangen.

Die schwerste Niederlage in dieser Hinsicht war meine Mitgliedschaft im Free-Gaza-Movement 2008. In dieser Gruppe blühte ich zunächst auf, zuerst als Webmaster, dann mit den Songs, die ich für die Leute auf dem ersten Boot schrieb, das die Belagerung im August durchbrach. Ich kann gut Strukturen aus dem Nichts schaffen und sorgte schon bald für Medien-Clippings, für eine systematische Auswertung der eingehenden Emails, um Freiwillige zu finden und zu koordinieren, für eine Gruppe von Übersetzern, für mehrsprachige Newsletter und eine Deutschland-Sektion. Ich stellte auch Zeichnungen her, machte Interviews, initiierte den Free-Gaza-Song-Contest und das Free-Gaza-Art-Festival und half bei allen möglichen Arbeiten. Trotz Koordinationsgesprächen via Skype, Telkos und einem Treffen in London gelang es uns nicht, demokratische Strukturen aufzubauen, und die Sache blieb stets chaotisch. Die Handvoll Mitglieder an Ort und Stelle, die sich um die Boote und die Passagiere kümmerten, machten einfach ihr Ding. Sie machten es sehr gut, doch war es nicht wirklich demokratisch. So blieb ich allein mit all den neuen Strukturen und es überforderte mich irgendwann und ich hatte Nervenzusammenbrüche und streikte. Natürlich habe ich versucht, das Problem über Rundmails an die anderen Kernmitglieder zu lösen. Die Leute dachten, ich wolle mehr gelobt und gepriesen werden, was die Sache nur verschlimmerte. Ich sollte dann selbst ein Boot leiten und nach Gaza fahren, was ich auch annahm, aber dann begann der erste israelische Großangriff auf Gaza und nichts ging mehr. Inzwischen hatte der Networker Bernd Klagge die Website freegaza.de über meinen Kopf hinweg ins Netz gestellt und die deutsche Sektion mit einigen Kollegen aus meinen Händen genommen. Ich war von beiden Gruppen entfremdet und ging.

Kurz darauf führte ich für eine kurze Zeit die Website der Deutsch-Palästinensischen Gesellschaft und das ging ebenfalls richtig schief. Ich regte bei der Hauptversammlung an, die Mitglieder stärker zu beteiligen und ihnen zum Beispiel Raum auf der Website zu geben, was auch als gute Idee gesehen und angenommen wurde, weil es zu mehr Mitgliedern führen würde. Schon warteten die ersten Beiträge und einige Leute fragten mich, wann es nun losginge, aber ich bekam das OK nicht. Stattdessen sollte ich nach Hannover zu einer weiteren Besprechung reisen, obwohl wir uns gerade erst getroffen hatten, eben um diese Dinge zu besprechen. Ich lehnte ab. Es kam mir ganz so vor, als fürchte der Vorstand die stärkere Einbeziehung der Mitglieder, weil sich dann etwas bewegen würde. Nun bin ich gewissermaßen Deutsch-Palästinenser und mir lag sehr viel daran, dass nach dem Gaza-Massaker etwas passierte. Also befreite ich mich in einer Rundmail und bot sogar an, gegen den Vorsitzenden zu kandidieren, damit sich etwas bewegte. Ein wichtiges Mitglied, Ellen, schrieb mir privat, dass ich ganz Recht hätte, und ich schrieb zurück, dass sie das doch bitte auch den anderen sagen sollte, was sie aber nicht tat. Ich stand noch unter dem Einfluss der Free-Gaza-Erlebnisse, später habe ich derartige Konfrontationen vermieden. Wer mich kennt, weiß, dass ich ein zurückhaltender und eher schüchterner Mensch bin, mit dem man über alles reden kann. Selbst wenn ich Recht habe, ich möchte so wenig Schaden wie möglich anrichten und möglichst niemandem auf die Nerven gehen.

Die lange Fastenkur und die Flut

Im März 2012 begann eine neue Phase. Ich war an einem Nullpunkt angekommen und fing eine lange Fastenkur an, die fünfzig Tage dauerte und die online dokumentiert ist. Es war mir schon klar, dass der Mainstream meine Palästina-Arbeit ablehnen würde, weil ich die Menschenrechte für Palästinenser wollte und über israelische Kriegsverbrechen schrieb. Aber ich machte doch so viel mehr als das! Nichts funktionierte.

Ich dachte an die drei Fälle von jungen Leuten, von denen mir bekannt war, dass sie in psychiatrische "Pflege" kamen, weil sie ihren Eltern widersprochen hatten. Da ich recht offen mit Menschen spreche, hatten sich mir einige ebenfalls geöffnet und mir wertvolle Einsichten in Dinge gegeben, über die das Fernsehen nicht berichtet.

Eine Medienpädagogin, mit der ich seit Jahren befreundet war, und die ähnlich schrieb wie ich, erklärte mir auf Anfrage, dass sie ihr Buch über einen Vergleich zwischen Antisemitismus und Islamophobie nicht mit mir zusammen schreiben konnte wegen meines Namens. Sie habe schon genug Probleme mit ihrer anti-rassistischen Arbeit. So schrieb sie ihr Buch zusammen mit einem Mann, der einen normalen Namen trug. Auch daran musste ich noch denken. Leider wurde das Buch nicht gut, es war völlig unstrukturiert und ich schaffte es nicht einmal, es ganz zu lesen, obwohl das Thema so wichtig war. (So sieht eine gute Gliederung aus.)

Ich dachte an die taz, die meinen Artikel für sie ohne Rücksprache in jedem einzelnen Satz verändert hatte, und an die Jüdische Zeitung, die meinen Artikel für sie ohne Rücksprache zionisierte. Aus "Die 83-jährige Frau in der ersten Reihe" machten sie "Die 83-jährige Jüdin, Ehrengast in der ersten Reihe" und vieles mehr. Außerdem haben sie den Artikel nie bezahlt. Ja, die Medien haben Macht und die muss akzeptiert werden, was ich nicht konnte. Mir war nicht klar, wie wichtig den Menschen das Wort der Medien ist, und dass ich wohl erst dann als Künstler akzeptiert werden konnte, wenn die Mainstream-Medien es mir erlaubten, was sie nicht tun würden.

Vieles ging mir durch den Kopf, natürlich auch die Beziehungen zu Frauen. Die Machtfrage, die sich Worten entzieht, zeigt sich nicht nur in Gruppenverhalten, sondern auch in sexuellen Beziehungen. Meine Erfahrung ist, dass man entweder dominieren oder sich unterwerfen muss, um akzeptiert zu werden. Gleichberechtigte Beziehungen setzen voraus, dass die betreffenden Personen sich ihrer Traumas bewusst sind. Normalerweise, genau wie in Gruppen, kann man über diese Dinge nicht sprechen, weil die Leute ihr Trauma meiden wie der Teufel das Weihwasser.

Nach fünfzig Tagen des Fastens hatte sich tatsächlich viel geändert, innerlich. Ich fand zur Ruhe und strotzte vor Energie. Das erste, was ich danach tat, war, eine Palästina-Anthologie zu kompilieren, mit Texten aus zehn Schaffensjahren. Auf der ersten Seite findet man zwei unterstützende Zitate von Noam Chomsky und von Johan Galtung, die das Buch gelesen hatten. Dennoch fand ich keinen Verleger und es gab auch keine Reaktionen aus der Palästina-Solidarität. Keine Einladungen, keine Rezensionen, nichts.

Bevor ich darüber verzweifeln konnte, kam die Flut. Innerhalb von vier Monaten komponierte ich 30 Songs, die eine Geschichte erzählten. Es war die beste Arbeit, die ich je gemacht hatte, und ich fand sogar schnell Musiker, mit denen ich proben konnte, während ich noch die letzten Songs schrieb. Wir nahmen The Flood im Studio auf und das Projekt finanzierte sich über Crowdfunding. Sabine bezahlte das meiste der 5000 Euro, aber auch einige Freunde und Kollegen unterstützten das Projekt und ich fand auch ein Plattenlabel dafür. Im Studio kümmerte ich mich um jedes Detail und arbeitete eng mit dem Toningenieur zusammen, bis alles fertig war. Ich stellte ein Logo her, ein Poster, ein animiertes Video und was nicht alles. Die CD erschien im April 2013 und hat mein Leben verändert. Meine Identität war jetzt irgendwie komplett. In einem Interview erzähle ich mehr über das Album.

Ein neues Zuhause

Nach der Flut entstanden einige weitere größere Werke: das Buch "Robert", die Floh-Bücher, die Neufassung des Islambuchs als "Islam verstehen", die Catfish Cantos, die Jungs-CD und das Origami-Video. Ich denke, inzwischen ist klar geworden, dass nichts von all dem einen Effekt hatte. Es ist fast so, als hätte ich nie irgendetwas hervorgebracht.

Im Sommer 2013 sind Sabine und ich umgezogen, da unter uns ein türkischer Supermarkt mit Schlachterei öffnete und über uns ein aus irgendwelchen Gründen ständig hysterisch lachender Mensch lebte. Der Lärm wurde unerträglich und meine Nerven lagen blank. Zum Glück fanden wir schnell eine viel bessere Wohnung anderswo in Mainz im 17. Stock, mit dicken Wänden, besseren Fenstern, einem modernen Badezimmer und zwei Balkonen mit einer wunderbaren Aussicht auf einen Wald.

Was ich nicht ahnen konnte war, dass die befreundete Verlegerin des Islambuchs, die gleich um die Ecke wohnt, nach der gemeinsamen Redaktionssitzung ohne mein Wissen etwa 300 zum Teil erhebliche unmarkierte Änderungen am Text vornahm, versehentlich das gesamte Register löschte und schließlich sämtliche Bilder und Karten auslassen wollte, weil es zu schwer zu layouten war. Also musste ich den gesamten Text mühselig vergleichen und zurückändern, das Register neu machen und Sabine musste einige Tage Urlaub nehmen, um unbezahlt und unter Zeitdruck das gesamte Layout in InDesign zu machen. Die Verlegerin wurde wütend, als ich mich darüber beschwerte, und schrieb Sabine, sie solle mich zur Vernunft bringen. Bis heute ist sie davon überzeugt, dass ihre Position sie zu all dem berechtigt, und ich habe noch immer Albträume davon.

Um neue Bekanntschaften zu machen, besuchte ich den hiesigen Stadtteiltreff, der gleich unten am Hochhauskomplex ist. Es war für einige Wochen sehr schön. Ich fand nette Leute, auch Musiker, einige wohnen im gleichen Haus, engagierte mich in der Zeitungsredaktion und im Chor. Mit den Kindern dort sang ich mein "Sonnenvögel-Lied" und das Lied vom Krokodil. Dieses Mal wollte ich bleiben und einfach mit ein paar Leuten zusammen sein, also achtete ich peinlich genau auf jeden meiner Schritte und war so vorsichtig wie eben möglich. Es dauerte nicht lange, bis jemand in trampelnder Weise auf meine Kosten willkürliche Privilegien geltend machte. So musste ich die Zeitung verlassen. Doch die nicht besonders intelligente Person mobbte mich so lange, bis ich auch den Chor und schließlich alle Kontakte aufgeben musste. Sie schickte eine Hassrundmail an alle außer mir, so dass ich mich nicht einmal verteidigen konnte, weil ich nicht wusste, was sie geschrieben hatte. Es dauerte lange, bis es mir jemand widerwillig zeigte. Niemand verstand, warum ich ein Problem damit hatte. Ich war doch neu und musste mich anpassen. Ich brauchte ein volles Jahr, um mich von dieser Episode zu erholen, und würde nie wieder versuchen, zu einer Gruppe zu gehören. Heute mache ich einen großen Bogen um den Treff und halte mich von allen Beteiligten strikt fern.

Ich habe einfach kein Interesse an Macht und Machtspielen. Sollte das der Grund dafür sein, dass ich nie wirklich eine Chance hatte? Nach all diesen Erfahrungen bekam ich Angst vor einem großen Krieg, denn ich rechnete alles hoch und sah, wohin dieses allgegenwärtige Gruppen- und Machtverhalten zwangsläufig führt. Die Leute wissen nicht mehr, wie so ein großer Krieg ist, und laufen geradewegs hinein. Seit dem Elften September zieht sich alles zusammen, der Pluralismus versiegt, die Toleranz sinkt und die Angst herrscht. Ob wirklich die Muslime daran Schuld haben, ist fraglich. Vieles ähnelt dem Beginn des Nationalsozialismus, der von der Weltgeschichte abgekoppelt zum bloßen Symbol geworden ist. Das Feindbild gibt uns die Möglichkeit, aus der Begrenztheit unserer Moral herauszutreten.

Kunst und freies Denken brauchen Pluralismus und Toleranz und fördern sie zur gleichen Zeit. Es darf nicht sein, dass man abgelehnt wird, weil man zum Beispiel Ken FM hört oder weil man Tabu-Themen auf den Grund geht oder weil man mit "dem Feind" spricht. Das ist ja gerade die Aufgabe von Kunst und von Journalismus und es ist eine Schande, dass ich das hier überhaupt erwähnen muss! Wenn du dies liest, bist du ein Rechter, wenn du jenes sagst, bist du ein Antisemit, wenn du das bezweifelst, bist du ein Verschwörungstheoretiker und wirst geächtet. Stopp! Ächtet stattdessen Gewalttäter und Medien, die Feindbilder fördern! Dass ich im Oktober das Buch von Gilad Atzmon rezensierte ohne den Autor dabei zu dämonisieren, haben mir einige Leute aus der Palästina-Solidarität übelgenommen. Der Herausgeber des polemischen Mediums "Der Semit" etwa schrieb eine Rundmail gegen mich. Der Betreiber des Palästinaportals, mit dem ich dreizehn Jahre lang befreundet war, regte sich ebenfalls massiv auf. Er brach den Kontakt aber erst vor ein paar Wochen kopfschüttelnd ab, als es ihm nicht gelang, mich davon zu überzeugen, mit der korrupten Kollaborationspartei Fatah zusammenzuarbeiten. Hallo? Seine letzten Worte an mich waren: "Leider verstehst du null."

Heute

Nicht über die Köpfe anderer hinweg zu entscheiden - das ist das einzig notwendige Prinzip in der Politik. So lässt sich das Fazit meiner Erfahrungen zusammenfassen.

Jeder hat eine Verantwortung für seine eigenen Talente. Tatsächlich war es so, dass nach der Veröffentlichung von The Flood meine aktiven Kontakte um etwa ein Viertel abgenommen hatten. Ich kannte das Phänomen, dass nach der Produktion eines besonders guten Stücks eine längere Durststrecke folgt, auf die man sich vorbereiten muss, doch seit The Flood ist es bis jetzt sehr ruhig um mich geworden. Ich muss das akzeptieren.

Dass der Mainstream nicht viel mit mir anfangen kann - außer bei Auftritten, da kann ich fast jeden erreichen - ist nicht das Problem. Schwierig ist, dass ich nicht zu meinem Publikum finde, das zweifellos da ist. Vor der Niederschrift dieser Autobiografie habe ich eine neue Fastenkur begonnen, um nach Visionen zu suchen, heute ist Tag 11. Die Entwicklung meiner Fähigkeiten, zu der ich mich berechtigt sehe, hatte offenbar zwangsläufig zur Folge, dass ich gesellschaftlich zum Top-Loser wurde. Natürlich denke ich oft darüber nach, wo ich den großen Fehler gemacht habe, komme aber stets bei meiner Geburt an. Ohne die Befreiung von meiner Familie hätte ich nicht existieren können.

Mein
Werkverzeichnis zählt heute mehr als 1000 Einträge. Ich suche nach ähnlichen Websites wie Anis Online, habe aber nie etwas Vergleichbares gesehen. Mir haben schon Leute gesagt, dass meine Kreativität und Produktivität einschüchternd wirken. Dagegen kann ich wohl nichts machen. Da ich mich nicht an Gruppen orientiere und eine gefestigte Identität habe, die weder von einer Gruppe abhängig ist noch sich gegen Gruppen abgrenzen muss, habe ich auch Qualitäten als Schlichter und Moderator, wie etwa im Slime-Doppelinterview von 2003. Allerdings habe ich bei einer Nahost-Podiumsdiskussion in Darmstadt erlebt, dass ich mit der Meinung, internationales Recht und die Menschenrechte müssen die Basis für jegliche Nahostdebatten sein, ziemlich allein stand. Alle anderen Podiumsteilnehmer schüttelten den Kopf und hielten das für "unrealistisch". Recht ist also unrealistisch.

Ich erwarte nicht, dass dieser Bericht irgendwelche positiven Effekte für mich hat, und wenn ich es bis zum nächsten Weihnachten schaffe, werde ich es allein verbringen wie üblich. Ich erwarte eher mehr Ärger, weil ich schon wieder mein Narrativ zum Besten gegeben habe, von dem ich inzwischen gelernt haben sollte, dass es nicht OK ist. Es geht mir eher darum, mit mir ins Reine zu kommen. Ich muss mir auch nichts mehr beweisen. Gern würde ich die Teile 2 und 3 von The Flood schreiben, aber das geht ohne Kommunikation nicht, es fehlen Motivation und Unterstützung. Ich kann kaum die Gitarre in die Hand nehmen. Trotzdem kann ich mich einfach nicht als Verlierer sehen. Die Dinge sind geschehen, wie sie geschehen sind, und am Ende habe ich mich als Künstler und als Mensch behauptet.

Autobiographical Notes
Anis Hamadeh, March 1st, 2015

Content: The Call - The Shock - Unfolding - Persecution - Political Activism - Palestine - From Kiel to Hamm and Mainz - Stage Shows and Other Work - The Long Fast and the Flood - A New Home - Today

The website Anis Online by now has become so voluminous that it seems appropriate to write some words about myself and my life. After all, seventeen years of creative work are summarized here, and there are hundreds of stories connected to the individual features and contributions of AO. There already is scattered autobiographical information here and there, for I have never been cagey about my person. Now a long phase has ended which gives me the opportunity to look back on my life from a new perspective. Besides, my version of what happened has never been heard, it has always been oppressed and punished, and I cannot accept that.

The Call

I heard my call in 1998 when I was thirty-one. Before, I wrote some songs and poems already and had always sensed that there was something inside me that wanted to be lived. Until the end of my studies of Islamic Studies, Anglistics and Linguistics I had no idea about what I wanted to do afterwards. So I delayed the final exams like many other students in a similar situation. After very good marks in the MA exams I started a dissertation about the concept of science in medieval Islam and received a two-year grant from the University of Hamburg. It was much too much that I wanted to write about in this work, and it failed. What followed was a depression and life crisis in which I realized that my life was far from its purpose. Purpose? Yes, there was something, I just could not grasp and formulate it yet.

In order to overcome this state I gave myself two orders: Firstly, do what you can do best, no matter what it is; secondly: Analyze yourself after every contact, bring those people closer who do you good, and move away from people who don't do you good. This worked very well. I started writing songs, for this was what I felt I do best. When my parents flew to Abu Dhabi for vacation I could guard their house for a couple of weeks and make some recordings without being disturbed. I had a four-track recorder, a tube amplifier, a small drum computer, a western guitar and an electric guitar. There were eight songs on the list, the first one was a blues, the "Scared Blues", a rhythmical and earthy song. I programmed the drum computer, bar by bar, and recorded the song with only drums, guitar and voice. In this process, my depression vanished, and ever since I have never again been depressive or even melancholy.

A new path had opened, I sensed that very clearly. It was a fascinating experience. (Many years later I learned to write down notes with the MuseScore software. In school I did not learn it because my music teacher was too occupied with drinking alcohol; he did not want to care for stupid children. In class we watched films, listened to records and sang. And he recounted tales from the war. When I wrote him a letter in 98 he responded that he knew about my psychic problems.)

There was nobody else in the house, and I could do whatever I wanted. My energy level rose from day to day, something really new started. I tidied up and cleaned the whole house, even the cellar. The spider webs were removed, and I ordered all the tools in my father's workshop room until everything looked great. I just had so much energy to spend. Besides, I wanted to please my parents to create a good atmosphere when they got back. When I had finished recording the blues song I listened to it all night and cried a lot.

The Shock

There was this never known feeling of bliss that overwhelmed me. I had never been so sure about anything before. Yet, the flood of emotions that came over me like an avalanche also uncovered negative feelings I was unaware of. Why did I make these experiences only now, at 31, and not fifteen years earlier? I re-felt the violence I received from my father when I was a school-kid, and it dawned on me that this trauma was the main reason for the delay. Suddenly, I saw my youth with completely different eyes and was profoundly confused. What was this?

I continued with the recordings and met my parents at the airport, driving their Mercedes. The first shock was that my mother did not want to hug me at the airport, followed by complaints about the way I drove. The second shock came at home: I got into trouble for having cleaned the house. One would not find things anymore. It was amazing how important the PhD title was to them. I think that was the reason. I don't care for titles, I wanted to research ...

Shortly after that, my sister arrived surprisingly. I was upstairs on the first floor working on my songs, for they were not finished yet. Suddenly, she stood in front of me, arms wide open, smiling, approaching. I was confused. Only a few weeks earlier she had phoned me - we both lived in Hamburg - and told me she could not see me anymore because I became too difficult. Besides, she was afraid that I would kill myself. Then she hung up. - So when she stood before me I did not feel up to embracing her and only offered her a handshake. A fatal mistake!

I mention this episode in such detail because my life changed significantly after that. My sister started crying and ran back downstairs. Soon after that, my father appeared and started talking about God. He tried to make clear to me that one must not treat the own sister that way. When I told him the reason he said that one has to accept family members even if they killed someone. He really said that. When he had left, my mother came in and also started talking about God. It was funny because neither of them had ever talked about religion before. I was kind of trapped. There was no way to continue recording. I rented a car and put my equipment into it in the early morning hours. I left the latch-key there, for I knew I would not return. Then I left, when everybody was still asleep.

Ever since, many people have advised me to forgive my parents and thus show dignity and greatness, but that was nonsense. How can you forgive something the perpetrators don't even admit and repent? This "forgiveness" is a code for the integration into ruling power structures. I did want to forgive them, of course, but surely not like that!

By the way: My parents were not against my music. As I learned many years later to my surprise, my mother in 1993 had even played a cassette with some of my early songs to the neighbors. ("My son!") My father, who can be a tolerant person, paid for my tube amplifier.

Unfolding

The recordings were finished in Hamburg and equalized and denoised in Aachen with a friend. This gave me such a boost that I wrote many inspired songs within a short time: four in July, eight in August and twelve in September, among them "Goodnight Louise" and other songs I still play on stage (see work index 1998). German songs were among them, too, for the first time. It did not take long until prose and poetry followed, as well as first drawings. I found a playground for experimenting with literary texts in the bamboo, and the album "Anis Electric" came into being within 24 hours.

There was a lot that went through me. I trained my mind in order to systematically approach inspiration, developed trance techniques and analyzed my alterations of consciousness in the trance as described in essay number 2, Trance-Techniken und Bewusstseinsveränderungen (in German). By and by I realized I was a medium. It was - and still is - as if a secret power took possession of me, dictating words and melodies in an incredible speed. It was all new to me, and I had nobody with whom I could talk about the phenomenon. A scientist specialized in trance techniques read my essay and assured me that such phenomena did exist. I thought that my work would show it, so I communicated via my work.

The sheer power of the trances also frightened me. I analyzed myself thoroughly to make sure I was not doing harm to anyone with this power and found no reason to stop. Not everything I created was of top quality, I was experimenting and developing. It took some years until I became familiar with my new life.

Persecution

One of the most important preconditions for my work was freedom, so I had to clear the family problem. I took my parents to task in June 98 and talked about the severe physical violence between 1971 and 1986, the permanent maternal nagging and that I was constantly given feelings of guilt. I had many questions ... and got no answers. Nothing of this is true, they said, you just want to blame someone for your failure. (I did not feel like failing, at all.) This made me very angry, and I sent a collective letter to all relatives, then to friends, acquaintances and even the neighbors. I was determined not to let go of the subject until things were cleared. Psychologically, all this was really heavy for me, and after all that happened I was not able to talk about it as soberly as I can now. My parents coldly rejected me. As I found no solidarity whatsoever I emancipated myself on July 4, 1998, in an open letter where I declared war of love to society, blaming it for letting things like this happen. It was immensely difficult to resist and to defend myself. Maybe this step was the most courageous one in my life.

My parents in Westfalia found a pretext to send the police and the municipal psychiatry into my home. Uniformed men stood in front of my door asking what it was that I spoke onto the answering machine of my parents. I told them to go away, which they did, as they had no real charge against me. Then came one Mister Paasch from the municipal psychiatry Eppendorf and threatened me. My mother had told him that I "cornered her with waving arms". This act of violence would be the reason he appeared. I assured him this was a lie, but it was of no avail. He came several times and told me I had to stop this, otherwise he would bring me into the asylum at once. My uncle Hermann, a police officer in Hamburg, waited for me in front of the house and tried to convince me to voluntarily go into psychiatry and that Barbra Streisand did the same for her own best. My grandfather wrote me I should take pills.

Then I got a contract as an Arabic teacher at the Uni Kiel. When Herr Paasch visited and threatened me again I showed him the contract and told him I had no more time for his nonsense. Without this contract I would surely have been incapacitated and put under tutelage, for I was alone. For almost three years I taught Arabic very successfully and earned serious money for the first time, but until the end of 2001 I still received diverse phone-calls from the police and a summons from the health department in Kiel. All these years I felt like being on a party with a knife in the back I had to be silent about.

Meanwhile, I was looking for protection from the brother of my father and my three cousins in Hamburg. The contact had been cut for a long time. I learned that my father bilked him of a lot of money, as well as the relatives in Palestine in the land heritage of my late grandparents. I loved my cousins like brothers, it made me happy to be with them again for some times. I slightly had the feeling that there was someone standing in solidarity with me (a misconception).

My other sister, the youngest one, sent me a letter in which she reproached me that she dreamed I came and burnt down her house. This is not a joke. Her total rejection almost drove me to madness, for I loved her like a big brother loves his little sister. We loved to watch the TV series Alf together, and she, too, had talents for music and languages. Her ablutomania had made her hands all fissured. My mother once told me that they saw a psychiatrist together with the result that she, the mother, was innocent. This was important to her. At least now I knew that I was at the very bottom of the family hierarchy.

Sometime in 2001 I was no longer able to live with all that and wrote down the story, similar to this here, and showed it to the colleagues and professors of Islamic Studies at the university. Thereupon the head professor told me to see the psychiatrist, and I lost my job under a pretext very quickly. One person was in solidarity with me, namely my student Sabine with whom I live together now for ten years. Until today she remained the only one.

Political Activism

For about three and a half years I remained in Kiel. I wrote a lot, built my website and tried to establish myself as an artist. After 9/11 I wrote the 400-page Ozzy book online and tackled all kinds of political and social subjects. I recognized group behavior to be the reason of most social problems.

My political attitude was and is characterized by nonviolent resistance. The autobiographies of Gandhi and King had influenced me since school days, as had Hesse. In 2003 I summarized my attitude in the article Nonviolent Egalitarian Liberalism. Although I concur with most leftist positions and often cooperate with leftists, I am not a leftist and don't believe in klassenkampf. The left derives too much of its identity from the rejection of the right; it does not offer self-critical group analyses and therefore is prone to cader structures; besides, the left until today in substantial parts is unable to apply its values to the policy of Israel in a consistent way, and this surely also is true for Attac where good grassroot people accepted to be bossed around by ideologists like Werner Rätz, who I was able to experience shortly before the Attac leaders ostracized me and singled me out.

In my family critique I had also considered my National-Socialist grandfather Karl. When I studied in Hamburg I lived in a shack in his garden for some years so he was not alone in his high age. My beloved grandmother died when I was 13. He was tolerant and likable in several aspects and could be generous. But he read rightist-nationalist papers and cut out photos of Adolf Hitler who apparently still fascinated him. Hardly anybody from the family could endure him for a longer spell, as he liked to torture the family with his poems and because of his compulsion to control things. My mother was the only one who got along well with him. I know that at least once she voted for the right-wing Republican party. Nobody ever dared to criticize his Nazi attitude ... except me. In 1998 I wrote the song "Opa ist ein Terrorist" (Grandpa is a terrorist), and sent the lyrics to all family members, including him, of course. This added to the furious rejection I received.

After his death a couple of years ago, my uncle Hermann phoned me and generously offered to add my name to the in-memoriam notice, which I refused. Hermann played the guitar himself a little and loved to be an entertainer, with his sympathetic Hamburg accent. He was unable to bear that I could write cool songs and strummed the guitar better than him. When I played he used to leave the room. He was also jealous of me because of the fact that I had more than one girlfriend in my life. My sister was the only one who had a similar degree of envy towards me. When, after my failed PhD thesis, I told her I always had the feeling that once I would be part of something big, she replied coldly: "Well, it didn't work out." This tone I later recognized in Professor Pistor-Hatam who threw me out of the university. After that she ascended even higher in society, like so many who "defeated" the impossible person that I was.

Palestine

Everything I know about the oppression of Palestine I know from my family constellation: blaming the victim, lack of solidarity, impunity of the powerful, corruption, hierarchies and hypocrisy. The deeper I dived into the matter the clearer it became to me. Since 2002 I have been writing extensively on the subject, making interviews, creating drawings and songs and a lot more.

Four or five times I was in Palestine. The first time I only knew little Arabic, from the year in Baghdad when I was 16. Later, when I did another language year in Alexandria, I visited my relatives in the semester break by bus and also spent some days in Jerusalem. During a field excursion to Palestine with students of Islamic Studies in Hamburg I traveled through the country, to the Dead Sea, to Jerusalem, Ramallah and other places. I saw a Kafka piece in the Hakawati theater and learned many new things. Until the wall was built I visited my relatives once or twice again and also got to know Israel, for we had friends in Palestine 48, i.e. Israel.

I loved Palestinian food and the landscape, the language and some cultural elements. One of my aunts used to bake huge flatbreads on hot pebbles every morning for the whole big family that lived together on a hill close to Jenin. One of my cousins then brought it to the houses with olive oil from their own crop growing. That was great. The patriarchal structures, on the other hand, were not OK to me. I did not like the fact that my female cousins were married against their wills. Once I traveled alone, and my father gave me money to distribute among the family. He did not tell me how to distribute it, though, and I got into trouble and saw the greedy side of my relatives.

Today I cannot go there anymore. On the one hand I cannot bear Zionism, on the other hand I cannot bear the tightness and closeness of the Palestinian society. The gender separation, the authoritarian schools, the permanent control. On Facebook I accept friendship requests from my ample Palestinian family, but I cannot talk to them or put likes to their contributions. Only a couple of months ago a cousin of my father contacted me, saying he is just hosting my father and would like to see me there, too. What an insult! I told him what was going on (as if he didn't know), and he said that Islam demands obedience toward the parents. - The beating of children is largely considered OK in Palestine, especially in the countryside. This is not for me. Today I could not shut up about all this. They would repel me within a fortnight.

In 2004, a Jewish couple of musicians - piano and cello - was looking for a Palestinian partner for a "Shalom Salam Tour" in Germany. We got along rather well on a personal level, and so I got involved. It worked out, too, and I learned a lot. I put the tour diary online. Without this diary, the whole thing would not have been acceptable for me, for it remained flat and meaningless. Only show. I don't recall how much money I got for it, I think it was about 2500 euros. The two other musicians certainly got more, I have no numbers. After that, nobody ever heard from them again concerning peace work, therefore I assume they did it for the money. Being Jews, it was possible for them to win high personalities like Federal President Rau for the tour and to snatch a considerable budget. Had I tried to initiate something like this, people would have laughed about me without question.

From Kiel to Hamm and Mainz

The family story was not over yet, it did not get out of my mind. It was my family! My mother! My father! My two younger sisters! Uncles, aunts and cousins ... I wanted to try again and called my parents. It turned out that my father had started a perfume factory and sold perfume now with a multi-level marketing system. He needed support for this. For me, in turn, there was nothing left to do in Kiel, and I probably had gained a bad reputation there, for nothing seemed to work anymore, not even the jolly "Crocodeel from Kiel" that I still perform on stage, by heart now. So we agreed to try a new start together. I knew that I had to enter the lion's den if I wanted to change something.

For a short while I stayed in the house of my parents, then I took an apartment at the end of the pedestrian zone in Hamm where the company of my father was located. It was e-nor-mous-ly difficult in the beginning, I can tell you that. My father's brother and his wife came to visit. In the meantime, he had made peace with my father, and we tried a clearing discussion which did not work out, at all. My uncle educated me about the importance of obedience, and when I objected saying this could also white-wash the Nazis he affirmed that. My parents looked a bit puzzled, but did not object, for it was all for a higher purpose, i.e. to break my will.

There was not much money, but this was not important to me. My father paid the rent of the apartment and gave me some pocket money. I often ate at my parents' house in Neubeckum, 25 kilometers away. My mother asked me at one point if I wanted to join the big family reunion that was about to happen soon. None of my other relatives had contacted me in the meantime. This was eerie to me, and I declined. Until today none of my relatives in Germany has ever contacted me again, apart from the mentioned phone call from Hermann and a call from my mother before Christmas 2007 in which she pretended that nothing ever happened.

After three months the whole thing exploded with a bang. At first, the only female worker was mobbed out of the firm in a mean way, which would have sufficed. She was summoned to a tribunal in my father's office where everybody had congregated except me who was clueless. I was organizing the store and created about 30 % more space which was a most satisfying work. She dashed out of the office, sobbing, she was accused of theft. Probably one of the other workers committed that to get rid of her. Before, my father had broken into her apartment that he owned, during her working-hours, to look for stolen goods. I wrote a story about that in solidarity with her. That was in June 2005.

I saw the end coming near when my father told me that I had to announce myself unemployed again as he did not register my social security despite the work contract we had. So for the whole time I was moonlighting without knowing it, and in case of an accident I would not have been insured. My mother made no comment.

The job center for one week sent me to a humiliating seminar where I had to do idiotic things. So here I was in a city where I knew nobody, with no money and no hope. It was the city where I had done my civil service for 20 months. Another time I sent out a collective email in which I described my pain. The only reaction came from a friend of my father who angrily reproached me of committing violence with my mail. Then Sabine literally saved me.

Sabine by then worked in Mainz and was planning to leave her shared apartment and find an apartment of her own. In the beginning I stayed at her place, and we even slept in one bed, as there was no room. Then we rented an apartment. In heavy snowfall we brought my belongings to Mainz in a rented Sprinter. I worked in a call center for about a year and a half which was disgraceful. When the center moved to Eastern Germany, a publishing house gave me the opportunity to write a book "Islam for Kids".

Stage Shows and Other Work

The Islam book I wrote within three months, and the publisher was very content with it. There were some small reviews, and I gave a long interview to Lettra TV; it is posted on Youtube. The book did not sell, though. For some years until 2011 I held a part-time job as a PR copywriter in a small agency that shut down in 2011. Yet, mainly I wrote and made drawings. I translated the book "Nonkilling Global Political Science" into German because I found it significant, and found a publisher. With Sabine I had an exhibition in Liverpool where I also performed a stage show with music and literature.

In October 2009, I participated in the first Nonkilling Leadership Academy in Honolulu. Young networkers from all around the world came together, only few from Europe. We listened to talks, held seminars, made excursions and got to know Hawaii. In the house of Professor Paige I saw postcards the German politician Petra Kelly had sent to him until shortly before her death (nothing in them pointed to a suicide). Via Skype we talked with the popstar Juanes, with a companion of Martin Luther King and the wife of the assassinated Colombian peace governor Guillermo Gaviria Correa. It was very stimulating and my first vacation - if it can be called a vacation - in more than ten years, except one counts in the literary reading tour in Egypt 2004, organized by the German Academic Exchange Service. The flora and fauna fascinated me, also the tragic history of the country. It was a good time, and I developed hope. The intense connection with the Nonkilling community lasted until the genocide in Gaza 2014 when the professor invented dead Jewish children for peace in order to describe the conflict in a "balanced" way and to consider the needs of the Zionist war criminals (details).

Appearances are a way for me to be with groups without fear. For a few hours I am accepted for what I am. I rarely disappoint my audience and the organizers. In the course of the years I have written and prepared a huge repertoire. In 2010 I wrote the feature-length piece "Die Dichter" (The Poets) with which I had some minor success. In the show archives you can see where I appeared on stage, and in the Jukebox and the Litbox there are some YouTube live videos from shows.

In 2011 I wrote the cabaret program "The Palestine Express" in two languages and had some small shows that went quite well. An American networker was enthusiastic and offered to organize a US tour for me. We planned that together, and I rehearsed at home every day. When she realized that the job was too much for her she suddenly started to furiously bad-mouth me and call me names. I still use and write Express material. There was some vague negative feedback and loud silence, too, for the idea of a cabaret show about Palestine.

Maybe at that time I had already been out in Palestine solidarity circles for there had been some conflicts. Palestine groups, too, follow group dynamics. The only group in which I did not experience hierarchical structures, was the schoolmates singing group in the mid-eighties when we played and sang songs from Johnny Cash, Elvis, Queen and others with guitars, consuming coffee and cigarettes.

The hardest setback in this respect was my membership in the Free Gaza Movement in 2008. In the beginning I blossomed in this group, first as webmaster, then with the songs I wrote for the people on the first boat to break the siege in August. I am quite good at creating structures out of thin air, and soon I produced media clippings, cared for a systematic evaluation of incoming emails in order to find and coordinate volunteers, established a group of translators, multi-lingual newsletters and a German chapter. I also made drawings, gave interviews, initiated the Free Gaza Song Contest and the Free Gaza Art Festival and helped in all kinds of tasks. Despite coordination talks via Skype, telcos and a meeting in London we did not manage to establish democratic structures, and the whole thing always remained chaotic. The handful of members on the spot who cared for the boats and passengers simply did their thing. They did it very well, but it was not really democratic. So I stayed alone with all the new structures, and it became too much for me. I had nervous breakdowns and went on strike. Of course I tried to solve the problem by writing mails to the other core members. People thought I wanted more laud and praise which made things worse. I then was scheduled to lead another boat and sail to Gaza which I accepted, but then the first huge Israeli attack on Gaza began, and nothing was possible anymore. In the meantime, networker Bernd Klagge created the website freegaza.de over my head and with some colleagues took the German chapter out of my hands. I got alienated in both groups and left.

Shortly afterwards I managed the website for the German Palestinian Society for a short while, and this also went all wrong. In the annual general meeting I suggested to give more space to the members, e.g. on the website. This was accepted as a good idea as it would generate more members. Soon the first contributions waited, and some people asked me when things would get started, but I didn't get the OK. Instead I was asked to travel to Hannover to another meeting, although we just had a meeting devoted to talk about these things. I declined. I felt that the managing board feared a stronger engagement of the members because some things would change then. Now, I am in a way German Palestinian, and it was important to me that something happened after the Gaza massacre. So I freed myself in a collective mail and even offered to run against the chairman so that there was some motion. One important member, Ellen, wrote to me in private that I was quite right with my mail, and I replied that she should please tell this to the others, which she didn't do. The impressions of the Free Gaza events were still haunting me, later I avoided such confrontations. Those, who know me, know that I am a discreet and rather shy person with whom you can talk about everything. Even when I am right I want to produce as little damage as possible and don't want to get on anybody's nerves if possible.

The Long Fast and the Flood

In March 2012 a new phase began. I reached a zero-point and started a long fasting cure that lasted for fifty days and that is documented online. It was clear to me that the mainstream would reject my Palestine work as I wanted the human rights for Palestinians and as I wrote about Israeli war crimes. But I did so much more than that! Nothing worked.

I thought about the three cases I knew of young people who were taken to psychiatric "care" because they answered their parents back. As I talk quite openly to people some open up in return and give me valuable insights into things TV does not report.

A media educationist with whom I had been friends for years and who wrote in a similar way like me, told me on request that she could not write her book about a comparison between anti-Semitism and Islamophobia together with me because of my name. She would have enough problems already with her anti-racist work. So she wrote it together with a man who bore a normal name. This still made me think. Unfortunately, the book was not good. It had no structure, and I did not even manage to read it to the end although the topic was so important. (This is what a good structure looks like.)

I thought of the German paper taz that had changed every single sentence of my article to them without consultation and of the Jüdische Zeitung that zionized my article for them without consultation. Where I wrote "The 83-year old woman in the first row" they turned it to "The 83-year old Jewish woman, honarary guest in the first row", and a lot more. Plus they never paid me. Yes, media has power, and one simply has to accept that, which I couldn't. I didn't realize how important the word of the media was to people and that I would probably only be accepted as an artist when mainstream media allowed it which they would not do.

Many things crossed my mind, of course also the relationships to women. The question of power that goes without words does not only show in group behavior but also in sexual relationships. According to my experience one has to either dominate or subordinate in order to be accepted. Equal relationships require that the people in question are aware of their traumas. Usually, exactly like in groups, you cannot talk about these things because people avoid their traumas like the devil avoids holy water.

After fifty days of fasting a lot had changed, indeed. Inwardly. I found some peace and brimmed over with energy. The first thing I did afterwards was to compile a Palestine Anthology with texts from ten years of work. On the first page there are two supporting quotes by Noam Chomsky and by Johan Galtung who had read the book. I still found no publisher, and there were no reactions from the Palestine solidarity, either. No invitations, no reviews, nothing.

Before I could even despair about that the flood came. Within four months I composed 30 songs that told a story. It was the best work I ever did, and I even quickly found musicians to rehearse with while still writing the final songs. We recorded The Flood in the studio, and the project was financed via crowdfunding. Sabine paid most of the 5000 euros, but some friends and colleagues also supported the album, and I also found a record label for it. In the studio I cared for every detail and worked closely with the sound engineer until everything was done. I created a logo, a poster, an animated video and what not. The CD came out in April 2013 and changed my life. My identity was kind of complete now. In an interview I talk the album in detail.

A New Home

After the flood, several other major works came into being: the book "Robert" (in German), the flea books, the new edition of the Islam book as "Understanding Islam" (in German), the Catfish Cantos, the Boys CD (in German, English translations exist) and the origami video. I think you get it by now that nothing of all this had an effect. It almost is as if I never produced anything.

In summer 2013 Sabine and I moved because underneath our apartment a Turkish supermarket with a butchery opened, and above us there lived a person who steadily laughed out hysterically for whatever reason. The noise became unbearable, and my nerves were on edge. Luckily, we swiftly found a much better apartment elsewhere in Mainz on the 17th floor, with thick walls, better windows, a modern bathroom and two balconies with a terrific view onto a forest.

What I did not foresee was that the publisher of the Islam book, who is living just around the corner, after our joint editorial sessions made about 300 partly significant and unmarked changes in the text without my knowledge, by accident deleted the whole register and finally told me that we had to leave out all the pictures and maps, as it was too difficult to layout. So I had to compare and change back the whole text in an arduous effort, make the register from scratch, and Sabine had to take a couple of days vacation in order to make the whole layout in InDesign without payment and under time pressure. The publisher got furious when I complained about that and wrote to Sabine, telling her to bring me to reason. Until today she is convinced that her position gives her the right to do all this, and I still have nightmares about it.

In order to make new acquaintances I visited the local neighborhood community center that is located right next to the tower building complex. It was very nice for some weeks. I found nice people, musicians, too, some dwell in the same house, and engaged myself in the local newspaper there and in the choir. With the kids there I sang my "Sunbird Song" (German) and the Crocodile Song. This time I wanted to stay and just be with some people, so I watched every step of mine meticulously and was as cautious as I could be. It did not take long until someone claimed randem privileges at my expense in a stomping way. So I had to leave the newspaper. Yet the not very intelligent person kept on mobbing me until I had to give up the choir and in the end all the contacts. She sent a hate-mail to everybody except me so I could not even react because I did not know what she wrote. It took a while until someone reluctantly showed it to me. Nobody understood why I had a problem with it. I was new, wasn't I, so I had to adapt. It took me a whole year to recover from this episode, and I would never again try to belong to a group. Today I keep away from the place strictly and from everybody who was involved.

I am simply not interested in power and in mind games. Would this be the reason for the fact that I never really had a chance? After all these experiences I became frightened of a new big war, for I realized the larger context and saw where this omnipresent group and power behavior inevitably leads to. People forgot what such a big war is like, and they run into it straight. Since 9/11 everything is tightening, pluralism runs dry, tolerance is dropping and fear rules. It is doubtful that this is the Muslims fault. Many things are similar to the beginnings of National Socialism, an era disconnected from world history that became a mere symbol. The bogeyman image provides us with the option of leaving the narrowness of our ethics.

Art and free thinking need pluralism and tolerance and at the same time promote them. It must not be that one gets rejected for listening to the German free radio station Ken FM, for example, or for investigating taboo subjects or for talking with "the enemy". For this is exactly the task of art and journalism, and it is a shame that I have to mention that here at all! If you read this you are a rightist, if you say that you are an anti-Semite, if you doubt this you are a conspiracy theoretician and get banned. Stop! Instead, ban perpetrators of violence and media that promote hate! The fact that I reviewed Gilad Atzmon's book without demonizing the author was something some people from the Palestine solidarity held against me. The editor of the polemical outlet "Der Semit", for example, sent a collective mail against me. The owner of the German website Palästinaportal, who had been a friend for thirteen years, also massively complained. But he only cut the contact with a shake of the head a couple of weeks ago when he did not succeed in convincing me to cooperate with the corrupt collaboration party Fatah. Hello? His last words to me were: "Unfortunately, you understand zero."

Today

Not to decide over the heads of others - this is the only necessary principle of politics. This is how the conclusion of my experiences can be summarized.

Everybody has a responsibility for their own talents. Fact is that after the publication of The Flood my active contacts decreased by about one fourth. I knew the phenomenon that after the production of a real good piece a longer lean spell follows that one has to prepare for, but since The Flood things became very silent around me. I have to accept that.

The problem is not that the mainstream has reservations against me - except in live appearances, I can reach almost everybody there. The difficulty lies in the fact that I don't find the way to my audience that I undoubtedly have. Before writing down this autobiography I started another fast to search for visions, today is day 11. I regard the development of my abilities to be my right, but apparently the inevitable result of it was becoming a top loser in society. Of course I often ponder about when I made the big mistake, but I always end up at my birth. Without the liberation from my family I would not have been able to exist.

My work index today counts more than 1000 entries. I am watching out for websites similar to Anis Online, but I never saw anything comparable. Some people have told me that my creativity and productivity are intimidating. It seems that there is nothing I can do about that. As my opinions are not based on group opinions and as I have a stable identity that is neither dependent on groups nor in need of rejecting groups in order to establish my own identity, I also have qualities as a mediator and moderator, like in the
Slime double interview from 2003. Yet on a Middle East panel in Darmstadt I experienced that taking international law and the human rights as a basis for every Middle East debate isolated me. All other participants of the panel shook their heads and said it was "unrealistic". So law and justice are unrealistic.

I don't expect that this account has any positive effect for me, and if I make it until next Christmas I will spend it alone as usual. I rather expect more trouble because again I tell my narrative which I should have learnt by now is not OK. It is rather about coming to terms with myself. I don't have to prove anything to myself anymore, either. It would be great if I could write parts 2 and 3 of The Flood, but this is not possible without communication, there is no motivation or support. I can hardly touch the guitar. Despite that I just cannot see myself as a loser. Things happened the way they happened, and in the end I have stood my ground as an artist and as a human being.

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