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Art Club Debate:
Über Gewalt, Gewaltlosigkeit,
Nicht-Reaktion und Liebe


1. Einleitung
2. Richard Watts Über Liebe
3. Anis Über Positionen
4. George Lottermoser Die Balance
5. Lisa Iris Frieden ist der ultimative romantische Kampf
6. Coco Handlung entspringt Nichthandlung
7. Erhard Arendt Über Provokationen und Liebe
8. Richard Watts II Das 24. Jahrhundert
9. G. Lottermoser II Wir brauchen ein Gesellschafts-Modell
10. Anis II Identität und Helen Keller
11. Coco II
On Violence, Nonviolence,
No-Response, and Love


1. Introduction
2. Richard Watts On Love
3. Anis On Positions
4. George Lottermoser The Balance
5. Lisa Iris Peace is the Ultimate Romantic Struggle
6. Coco Action springs from No-Action
7. Erhard Arendt On Provocations and Love
8. Richard Watts II The 24th Century
9. George Lottermoser II We Need a Model for Society
10. Anis II Identity and Helen Keller
11. Coco II

- Einleitung -

20. Mai 2003. Anis: Die Geschichte der hier dokumentierten Debatte ist diese: Ich traf einen Mann, der einen philosophischen Ansatz hat ähnlich meinem. Ein gewaltloser Aktivist, aber jemand, der mehr zur anarchistischen Seite tendiert als zur spirituellen Seite. Ich erzählte Richard Watts von ihm, der strikt spirituell ist. Ich sah mich selbst irgendwo in der Mitte und versuchte, eine Unterhaltung zwischen diesen beiden Polen zu starten, die ich entdeckt zu haben glaubte. Als Richard großzügig mit den folgenden Worten antwortete, inspirierte mich das sehr. Den anderen Freund allerdings überhaupt nicht. Er fühlte sich missverstanden und mochte Richards Statement auch nicht :-) Dann merkte ich, dass Richard in vielen Punkten ohnehin MICH kritisiert hatte. Also änderte ich den Text etwas, so, dass er an mich gerichtet ist. In jedem Fall ist die Debatte um Positionen von Richard hiermit angestoßen worden.


- Introduction -

May 20, 2003. Anis: The story of the debate at hand is this: I met a man who has a philosophical approach similar to me, nonviolent activist, someone who tends to the anarchist side more than to the spiritual side. I told Richard Watts about him, who is strictly spiritual. I saw myself somewhere in the middle and tried to launch a conversation between the two poles which I had seemed to discover. When Richard generously replied with the following words I was highly inspired. The other friend wasn't, though. He felt misunderstood and did not like Richard's statement at all :-) Then I found that in many points Richard was criticizing ME, anyway. So I changed the text a little in a way that it addresses me. The debate about positions is launched by Richard in any case.


- Richard Watts: Über Liebe -

Richard Watts ist Dichter, Schriftsteller, Maler und Feminist. Er verbrachte die Sechziger Jahre in Kalifornien, wo er geboren ist und zog vor einigen Jahren nach Kiel.

Richard Watts: "Meine Erfahrung wurzelt in den Sechzigern, und das war eine Zeit, in der man nur vier Möglichkeiten hatte, um auf das System zu reagieren: Gewalt, Gewaltlosigkeit, Nicht-Reaktion und LIEBE. Ich konnte sehen, welche Wirkung jede dieser Möglichkeiten auf das regierende System hatte. Gewalt erzeugte Gewalt. Gewaltlosigkeit, die benutzt wurde, um andere zu Gewalt zu provozieren, tat genau das... Nicht-Reaktion erlaubte dem System natürlich, damit fortzufahren, die Gewalt weder steigen noch sinken zu lassen... NUR Liebe scheint in der Lage zu sein, das System zu ändern... (nicht viel ...aber etwas) Der Grund ist einfach der, dass es keine Verteidigung gegen LIEBE gibt.

Ich stimme mit vielem, wenn nicht allem überein, für das Du stehst, aber ich stimme nicht überein mit Deinem Ansatz, das System zu verändern. Wie ich es sehe, ist es so: Dein Gewalt-LOSIGkeits-Ansatz, den Du verwendest, um die Autoritären zu provozieren (es passt gut ins System, das System möchte und braucht diesen gewaltlosen Ansatz... Deine Gewaltlosigkeit, um zu provozieren, ist Teil des Systems... vielleicht siehst Du es nicht so ...aber es ist so ...da habe ich keinen Zweifel!) ERHÖHT nur das Volumen der GEWALT. Für mich ist Dein Lebens-Ansatz Gewalt, Du wählst nur den ANDEREN (den Polizisten etc.) als Deine Waffe ... durch den Polizisten etc. schaffst Du Dir Deine Gewalt. Nach meiner Meinung: Wenn Du wirklich gewaltlos wärst, dann würdest Du das Leben des Polizisten bejahen ...Du würdest dem Polizisten LIEBE ausdrücken ... (der in Wirklichkeit ...MENSCH... ist), es gibt keine VERTEIDIGUNG GEGEN LIEBE. Ein System kann nur in einer positiven, LEBENS-bejahenden Weise verändert werden ...durch den Prozess der LIEBE.

Die Frage an Dich wäre also einfach diese: Warum Deine Energie damit verschwenden, die Autoritären zu provozieren, wenn Du dieselbe Energie dafür verwenden kannst, um Kindern und anderen die Schönheit und das Wunder des lebendigen Prozesses zu eröffnen. Anstatt die Autoritären durch Demos und solche Dinge zu provozieren ...warum nicht ins Schulsystem gehen ..und in einer solch liebevollen und sanften zu den Kindern sprechen... und ihnen zeigen, wie sie IHRE EIGENE KREATIVITÄT FEIERN KÖNNEN... ALLEIN DURCH DEN KREATIVEN PROZESS und dem FEIERN DES EIGENEN LEBENSPROZESSES kann ein System geändert und entfernt werden. Es sind die Kinder, die das System verändern und nicht die Autoritären, oder?

Ich habe viele Stunden mit Kindern verbracht und ihnen geholfen, sich selbst als die kreativen MENSCHEN zu sehen, die sie sind. Das erste, was ich tat, war, sie einen einfachen Satz sagen zu lassen. ICH WILL WISSEN. Sechs Monate lang, und das Ergebnis war: Ein Jahr später kam ein Schüler zu mir, der in diesem Unterricht gewesen war und den ich ein Jahr lang nicht gesehen hatte. Es war bei einem Basketball-Spiel, und das erste, das er zu mir sagte, war einfach: ICH WILL WISSEN. Ich wusste, dass das Kind die Essenz seines Lebens verstanden hatte... dieses Kind wird das System verändern. Das jedenfalls ist meine Art... das System durch LIEBE und dem FEIERN DES LEBENSPROZESSES zu verändern. Jedes Kind wissen lassen, dass es ihr oder sein Recht ist... als MENSCHEN ... ihre KREATIVE ENERGIE zu BEJAHEN UND ZU FEIERN. Nur ein Kind, das sich ihrer oder seiner kreativen Energie bewusst ist, kann irgendein System verändern.

Stimmt schon, es ist dramatischer, die Autoritären zu provozieren, als einfach einem Kind zu helfen, sich als KREATIVEN MENSCHEN zu sehen... aber Drama basiert auf dem Ego... ES FÜTTERT DAS EGO, aber es verändert nicht das System, und der langsame Prozess, ein Kind zum vollen Bewusstsein ihres oder seines KREATIVEN SELBSTS zu bringen, ist REIN KOSMISCH! Es ist völlig undramatisch, das Licht zu sehen, das das Kind erleuchtet, während sie und er in ihren KREATIVEN PROZESS eintreten... aber es ist zweifellos bedeutungsvoller. Da ich in meiner Vergangenheit sowohl provoziert als auch das Klassenzimmer betreten habe, kenne ich den Unterschied in der Wirkung, sowohl bei mir, als auch beim ANDEREN, als auch beim System. Ich hoffe, damit kann eine Diskussion begonnen werden. Love and Peace, Richard (Üb. Anis)


- Richard Watts: On Love -

Richard Watts is a poet, writer, painter, and feminist. He spent the Sixties in California, where he was born, and moved to Kiel in Germany a couple of years ago.

My experience is rooted in the 60`s and that was a time where one had four choices in response to the system: violence, non-violence, no-response, and LOVE. I was able to see what effect each one of these choices had upon the governing system. Violence created violence. Non-violence that was used to provoke others to violence did just that...no-response of course allowed the system to continue neither increasing the violence or lowering it ...ONLY Love seems to be able to alter the system ...( not much ...but some.) The reason is simple there is no defense against LOVE.

I agree with much if not all of what you stand for, but I do dis-agree with your approach to altering the system. As I see it: your NON-Violence approach that you use to provoke the authorities ( fits right within the system, the system wants and needs this non-violence approach...this non-violence to provoke is part of the system...you may not see that ...but it is so...I have no doubt about that! )only INCREASES the volume of VIOLENCE. For me your approach to life is violent you only choices to use the OTHER ( the policeman etc ) as your weapon...through the Policeman etc you create your violence. In my opinion if you are really non-violent than you would affirm the life of the policeman ...you would express LOVE to the policeman ...( who is in reality ...HUMAN ...) there is no DEFENSE AGAINST LOVE. A system can only be altered in a positive LIFE affirming sense ...through the process of LOVE.

So the question would be simply this to you: Why waste your energy provoking the authorities when you could use that same energy to reveal to children and others the beauty and wonder of the living Process. Rather than provoking the authories on marches and such ...why not go into the school system ...and speak in such a loving and gentle way to children...and show them how to CELEBRATE THEIR OWN CREATIVITY ...ONLY THROUGH THE CREATIVE PROCESS and CELEBRATING THE LIFE PROCESS can any system be altered and removed. It is the children that change and alter the system not the authorities, isn`t that so?

I have spend many hours with children helping them see themselves as the Creative HUMAN BEINGS that they are. The first thing I would do would have them say a simple sentence: I WANT KNOWLEDGE. After doing this for six months, this was the effect: one year later a student who was in one of those classes and who I had not seen for one year, came up to me at a basketball game and the first thing he said to me was simply: I WANT KNOWLEDGE. I knew this child had grasped the essence of his life...this child will alter the system. Anyway this is my way ...to alter the system through Love and CELEBRATING THE LIFE PROCESS. Letting each child know that it is her or his right ...as HUMAN BEINGS ...to AFFIRM AND CELEBRATE their CREATIVE ENERGY. Only a child aware of her or his creative energy can alter any system.

It is true to provoke the authories is more dramatic than simply helping a child see themselves as CREATIVE HUMAN BEINGS ...but drama is ego-based.... IT FEEDS THE EGO , but it doesn`t alter the system, and the slow process of bringing a child to the full awareness of her or his CREATIVE SELF is PURE COSMIC! There is nothing dramatic about seeing the light that illuminates the child as she or he enters their CREATIVE PROCESS ...but it is more meaningful without doubt. Since in my past I have both provoked and entered the class room ...I know the difference of effect on me, THE OTHER, and the system. I hope this begins a discussion. Love and Peace, Richard


- Anis: Über Positionen -

Liebe deinen Polizisten... das hat mir wirklich zu denken gegeben. Ich provoziere Autoritäre (nicht gerade Polizisten) und tat das vorher auch, obwohl ich niemandem etwas tun möchte. Aber meine Provokationen sind immer Reaktionen auf etwas, das ich als sehr viel provozierender oder sogar gewalttätig empfand. Wie Du sagtest: Nicht-Reaktion erlaubt es ihnen, weiterzumachen. Ist Deine LIEBE Nicht-Reaktion? Was ist die angemessene Aktion oder Nicht-Aktion, das "Ich will Wissen"-Mantra? Kinder unterrichten? Mein Punkt ist, dass vieles Deines Ansatzes gut ist in Friedenszeiten, wenn es nicht so viel Unrecht und eskalierende Konflikte gibt. Heute aber ist die Zeit für politisches Engagement und Aktion!

Im letzten Jahrhundert hat es Konservative und Sozialisten gegeben, die Rechten und die Linken, und der größte Teil des politischen Diskurses war davon beeinflusst. Ich denke, dass wir heute neue Begriffe brauchen, um politische und philosophische Positionen in der Weltkultur zu bestimmen. Ich möchte meine Position finden und auch in der Lage sein, meinen politischen Gegner zu definieren. Daher habe ich eine Sache entwickelt, die Gewaltloser Egalitärer Liberalismus heißt. Die Position hinsichtlich Gewalt ist für mich zentral. Egalitär bedeutet, dass die gesellschaftlichen Klassen nicht zu weit voneinander entfernt und sich der sozialen Symbiose bewusst sind. Liberal betont für mich den Aspekt der Freiheit, der Toleranz und Individualität. Ich unterstütze die Idee der Streitkultur und plädiere für eine offene Gesellschaft, nicht für eine Mehrheitsgesellschaft, in der zu viele Dinge einen "Segen von oben" brauchen, um zu existieren.

Viele Rationalisten (Ist das heutzutage ein guter Begriff?) werden Deinen Ansatz zu einfach finden, zu spirituell (das Esoterik-Schild) oder einfach unpolitisch. Aber ich fühle, dass große Weisheit in den Worten liegt "Es gibt keine Verteidigung gegen Liebe." Ich glaube, ich habe das in meinem Repertoire. Ich bin auch spirituell. Ich würde gern mehr darüber erfahren. Noch immer habe ich keine Regeln, was die Definition von Gewalt angeht. Inwiefern ist eine Beleidigung Gewalt? Ein Streit? Oder wenn man jemandem weh tut? Oder persönliche Kritik? Wann begeht eine Zeitung Gewalt? Und eine Gesellschaft? Und wie kann man gewaltlos etwas dagegen tun? Für mich ist am Ende mein Gewissen die Richtschnur. Aber ich möchte es in politischen Begriffen ausdrücken können, damit man sich darüber unterhalten kann.

Über das Thema: "Drama füttert das Ego." Ich fühlte mich ertappt, als ich zuerst gelesen hatte, dann realisierte ich, dass das Drama substanziell und normal ist im menschlichen Leben, also kann es nur teilweise eine Ego-Sache sein. War es das, was der Buddha schaffte, alles Drama zu überwinden? Könnte sein. Ich denke, Du hast damit gesagt, dass Glück undramatisch ist. Eine interessante These. Kann Aufgeregtheit (excitement) auch undramatisch sein? Und: Ist der Erleuchtungsprozess, den Du beschrieben hast, wirklich undramatisch? Meine Lernprozesse hatten jedenfalls oft einen dramatischen Aspekt oder Ursprung. Ich werde versuchen, ein paar weitere Stimmen zu sammeln, die uns weiterhelfen. Ich will wirklich wissen. (20. Mai 2003)


- Anis: On Positions -

Love your policeman... this really gave me something to think. I do and did provoke authoritarians (not exactly policemen), although I want to do nobody harm. But my provocations always are reactions on something which I regard as much more provocative or even violent. As you said: no-response allows them to continue. Is your LOVE no-response? What is the adequate action or reaction, the "I want knowledge" mantra? To teach children? My point is that much of your approach is good in peace times, when there is not so much injustice and escalating conflicts. But now is the time for political engagement and action!

In the last century we had conservatives and socialists, the right and the left, and most of the political discourse was influenced by it. I think that today we need new concepts to define political and philosophical positions in the world culture. I want to find my position and also want to be able to define my political opponent. Therefore I developed a thing called Nonviolent Egalitarian Liberalism. The position towards violence is central for me. Egalitarian means that the social classes be not too far apart and aware of the social symbiosis. Liberal for me stresses the aspect of freedom, tolerance, and individuality. I promote streitkultur, the cultivated quarrel and plea for an open society, not for the majority society in which too many things are object to an approval or dismissal.

Many rationalists (is this a good concept today?) will find your approach too simple, too spiritual (esoteric label) or simply unpolitical. But I feel there is deep wisdom in the words "there is no defense against love", I think I have this in my repertoire. I am also spiritual. I wish I could learn more about this. I still don't have rules concerning the definition of violence. Inhowfar is an insult violence? A quarrel? Or when you hurt someone? Or personal criticism? When does a newspaper commit violence? And a society? And how can you oppose it in a nonviolent way? For me, in the end my conscience is my guide. But I want to put it into political terms, so that people can talk about it.

About drama: "Drama feeds the ego." I felt caught when I first read it, then I realized that drama is substancial and normal in human life, thus it can only in parts be an ego thing. Was this what Buddha did, overcoming all drama? Could be. I think you said that happiness is undramatic. This is an interesting thesis. Can excitement also be undramatic? And: is the illumination process you mentioned really undramatic? My learning procedures, at any rate, often had a dramatic aspect or origin. I will try to collect some more voices to help us along. I really want to know. (May 20, 2003)


- George Lottermoser: Die Balance -

George Lottermoser ist Designer, Fotograf und Dozent in den USA, und T:AP-Mitglied.

Die Art, wie Du die Szene arrangiert hast, scheint nahezulegen, dass Du versuchst, durch "debattieren" zu einem richtigen oder falschen (oder vielleicht mehr oder weniger richtigen) "Weg" zu finden. Ich würde sagen, dass das Universum zu Vielfältigkeit und Balance aufruft; und dass alle pro-aktiven Ansätze ihren Platz haben, je nach dem, wie es dem Temperament des Einzelnen zu Gute kommt. Ja sogar, dass innerhalb des Einzelnen jede der vier Möglichkeiten, auf das System zu antworten: Gewalt, Gewaltlosigkeit, Nicht-Reaktion und LIEBE, ihre Zeit und ihren Ort haben.

Während sie einen Teil der Wahrheit innehaben, halten Richards Statements über Gewalt, Gewaltlosigkeit, Nicht-Reaktion und LIEBE nicht die ganze Wahrheit. Wenn man mit Gewalt konfrontiert wird, mag Selbstverteidigung Gewalt rechtfertigen. Wir müssen auf dieses Paradoxon Antworten geben. Ich glaube, wir müssen die Leute, Zeiten und Orte ehren, als Leute von Gewissen gewaltlosen Ungehorsam praktizierten, um dem System etwas entgegenzusetzen, obwohl sie wissend die Gewalt des Systems an sich gezogen haben. Und wir müssen die Zeiten und Orte ehren, wo wir nichts tun können, "als erstes keinen Schaden tun".

"Es gibt keine Verteidigung gegen LIEBE"... Dieses singulär idealistische und leicht utopische Konzept weist weit mehr Komplexität auf, als der erste Blick es zeigt. Das "Liebe deinen Feind wie dich selbst" klingt schön daran an. Allerdings entsteht ein ziemlicher Widerspruch, wenn man dieses Prinzip anwendet, während man den Schlagstock eines Polizisten an den Kopf bekommt, oder wenn die "Behörden" deinen Bruder nach werweißwo wegbringen. Im wirklichen Leben müssen wir uns oft dazwischen entscheiden, in einem Moment, ob wir das Leben des Polizisten bejahen oder unser eigenes, das unserer Familie oder unserer Freunde. In den Krisenherden der Welt, wo es täglich Gewalt gibt, haben wir oft nicht den Luxus, über "Liebe" zu philosophieren. Denn ganz bestimmt gibt es eine Menge Anstoß gegen die Liebe. Und die Liebenden sterben täglich, während sie/wir versuchen, das Ideal zu leben.

Ghandi und seine Anhänger, King und seine Anhänger veränderten Systeme (jedenfalls für eine Weile) durch gewaltlosen Widerstand (der ein Element von Liebe beinhaltet). Daher würde ich sagen, dass das "kann nur verändert werden" etwas zu weit greift. In der Tat haben ja gewaltsame Revolutionen ebenfalls Systeme verändert (einige zum Vorteil, einige zum Nachteil). Zu Richards: "Es sind die Kinder, die das System verändern und nicht die Authorities, stimmt das nicht?" NEIN! Da ist kaum etwas dran. Die "Authorities" in den USA verändern derzeit ernsthaft unser System. Die Kinder ändern das System überhaupt nicht. Die Kinder haben das "Potenzial", das System zu verändern. Und wenn sie mit Liebe und Kreativität geleitet sind, können sie tatächlich in der Zukunft das System verändern. Die Authorities verändern das System derzeit, und nur eine ausgewogene, durchdachte, verantwortliche erwachsene Nebeneinanderstellung kann sie in diesen Veränderungen verlangsamen und hoffentlich stoppen. Werden sie nicht verlangsamt und gestoppt, werden wir keine Möglichkeit haben, die Kinder zu beschützen - die Authorities werden uns diese Möglichkeit nehmen. Sieh doch, wie die Authorities es zulassen, dass die Museen und Bibliotheken des Irak zerstört werden und ihre Absicht, sie durch ihre Art von Wissen zu ersetzen.

"Dies jedenfalls", schrieb Richard, "ist mein Weg". Und es ist ein wundervoller Weg. Lasst uns diesen Weg anerkennen und ehren, zusammen mit der großen Vielfalt anderer Wege, die sich zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten als angemessen und notwendig erweisen, um uns wirklich zu einem gesunden, tragbaren, gerechten und egalitären Leben auf unserem kostbaren Planeten zu bewegen.

Zum Thema: "Drama füttert das Ego": Wieder eine Mischung aus Teilwahrheit und regelrechter Fiktion. Die dramatischen Ereignisse im Irak haben das System für immer verändert. Die dramatischen Ereignisse des Elften September haben das System für immer verändert. Die Liste dramatischer Ereignisse, die durch die Geschichte Systeme verändert haben, ist lang.

Ich würde sagen, dass "Liebe", wie Richard es verwendet, Handlung voraussetzt - aktiv liebend - nicht als passiver Begriff. Sie erfordert aktive Demonstration. Das Mantra mag oder mag nicht eine Wirkung haben. Es einfach auswendig dahersagen wird es nicht hervorrufen. Als Dozent merke ich innerhalb weniger Unterrichtstage, welche Studenten wirklich Wissen "möchten" und welche diese Geisteshaltung/ diesen spirit nicht erreicht haben. Zur Herausforderung wird es, den Kanal zu öffnen, um diejenigen, die ihn nicht erreicht haben, dazu zu bringen, sich mit dem "möchten" wieder zu verknüpfen, mit dem sie geboren wurden und das sie mit der Zeit verloren haben. "Wenn der Student bereit ist, wird der Lehrer erscheinen." Wir müssen alle Wege manifestieren, in friedvolleren und auch in diesen konfliktreichen Zeiten, die vielfältigen Ausdrucksformen eines gesunden, tragbaren, gerechten und egalitären Lebens auf unserem kostbaren Planeten.

Was dies angeht: "Ist eine Beleidigung Gewalt?" Wenn wir Gewalt und Gewaltlosigkeit diskutieren, sollten wir Wörter dabei verwenden, die die Gewalt qualifizieren und / oder quantifizieren - wie etwa psychologische Gewalt, körperliche Gewalt, soziale oder gesellschaftliche Gewalt etc..

Ich stimme zu, dass das Drama substanziell und normal ist im menschlichen Leben. Und glaube weiterhin auch, dass Drama und Egolosigkeit koexistieren können und das auch tun. Die Natur bietet uns ständig großes Drama ohne Ego. Das Dramatische beschreibt nur eine emotionale Antwort oder Wirkung. Ich glaube nicht, dass der Buddha alles Drama überwunden hat. Die Welt stellt sich mir zu den Zeiten höchst dramatisch dar, wenn mein Ego am Wenigsten involviert ist und wenn ich hinsichtlich der Wirklichkeit sehr präsent bin. Je mehr Ego involviert ist, desto mehr bin ich in meinem Kopf und nicht mehr verbunden mit der Wirklichkeit. Ist Glück undramatisch? Ich weiß nicht, wie es mit Glück ist - dieses Wort hat für mich sehr wenig Bedeutung. FREUDE aber empfinde ich als sehr dramatisch, und sie erscheint nur zu solchen Zeiten, an denen das Ego verschwindet und wahres Erleben mein Wesen durchflutet - wenn ich einem Kind wirklich präsent bin - wenn ich eins werde mit dem, was um mich herum geschieht - wenn ich mich jemand anderen wahrhaftig aktiv lieben finde. (22.05.2003) - Üb. Anis


- George Lottermoser: The Balance -

George Lottermoser is a designer, photographer and teacher in the USA, and a T:AP member.

The manner in which you set the scene seems to suggest that you seek to find through "debate" a correct or incorrect (or perhaps more or less correct) "way." I would suggest that the universe calls for diversity and balance; and that all the proactive approaches have their place as befits the individual's temperament. And further that even within the individual each of the four choices in response to the system: violence, non-violence, no-response, and LOVE, will have its time and place.

While possessing a piece of truth, Richard's statements about violence, non-violence, no-response, and LOVE do not hold the whole truth. When faced with violence self defense may call for violence. We must grapple with this conundrum. We must, I believe, honor the people, times and places when people of conscience used non-violent disobedience to take a stand against a system, even though they knowingly drew violence from the system to them. And we must honor the times and places when we can do nothing, "first do no harm."

"There is no defense against LOVE"... This singular idealistic and somewhat utopian concept has far more complexity in it than a first glance would reveal. The "love your enemy as yourself" has a wonderful ring to it. However, applying the principle as the policeman's batton comes at your head, or when the "authorities" drag your brother off to who knows where creates quite a paradox. In real life we often have to choose, in a moment, to either affirm the life of the policeman or affirm our own, our family or friends. In the world's hot-spots, where the violence occurs daily, we often don't have the luxury of philosophising about "love." For surely, it seems there "is" a great deal of offense against love. And the lovers die daily as they/we attempt to live the ideal.

Ghandi and his followers, King and his followers altered systems (at least for a while) through non-violent disobedience (which holds an element of love within it). So I would suggest that the "only be altered" is a bit overstated. In fact, violent revolution also altered systems (some for the better, some for the worse). To Richard's: "It is the children that change and alter the system not the authorities, isn`t that so?" NO! Hardly true at all. The "authorities" in the US are currently seriously altering our system. The children are not altering the system at all. The children have the "potential" to alter the system. And if guided with love and creativity may in fact alter the sytem in the future. The authorities are altering the system in the present and only a balanced, thoughtful, accountable, adult apposition can slow and hopefully stop them in their alterations. If not slowed and stopped, we will not have an opportunity to guide the children - the authorities will take that opportunity from us. Witness the authorities allowing the museums and libraries of Iraq to be destroyed and their intention to replace them with their brand of knowledge.

"Anyway", wrote Richard, "this is my way". And a wonderful way it is. Let us acknowledge and honor this way along with the wide diversity of other ways which prove appropriate and necessary at various times and places to truly move towards sane, sustainable, just and egalitarian life on our precious planet.

Concerning: "Drama feeds the ego": again a mixture of partial truth and outright fiction. The dramatic events in Iraq have forever altered the system. The dramatic events of 9/11 have forever altered the system. The list is long for dramatic events changing systems throughout history.

I would suggest that "love" as used by Richard implies action - actively loving - not a passive concept. It requires active demonstration. The mantra may or may not produce an effect. Simply saying it by rote will not make it so. As a teacher I see within a few class days which students truly "want" knowledge and those who have not achieved this state-of-mind/spirit. The challenge becomes how to open the channel to have those who've not achieved it to reconnect with the "want" that they were born with and lost along the way. "When the student is ready, the teacher will appear." We need to manifest all ways, in more peaceful as well as in these conflicted times, the diverse means of expression of a sane, sustainable, just and egalitarian life on our precious planet.

As regards: "is an insult violence?" If we wish to discuss violence and non-violence I think we must bring along words which qualify and / or quantify the violence - such as psychological violence, physical violence, social or societal violence, etc..

I agree that drama is substantial and normal in human life. And further believe that drama and egolessness can and do coexist. Nature constantly presents us with great drama without ego. The dramatic simply describes an emotional response or effect. I don't think the Buddha overcame all drama. The world feels most dramatic to me at those times when my ego is least involved and have become most present to reality. The more ego is involved the more I'm in my head and out of synch with reality. Is happiness undramatic? I don't know about happiness - that word holds very little meaning to me. However, JOY feels very dramatic to me, and occurs only at those times where ego disappears and true experience floods my being - when I'm truly present to a child - when I actually become one with what is going on around me - when I find myself truly actively loving another. (May 22, 2003)


- Lisa Iris: Frieden ist der ultimative romantische Kampf-

Lisa Irisist Malerin aus den USA, und T:AP-Mitglied

Das ist TOLLES ZEUG! Das geht an den Kern der Dinge und VIELEN Dank dafür, dass Ihr diesen Dialog angefangen habt! Zunächst einmal habe ich nie so viele tief politische Künstler getroffen und danke fürs Augenöffnen. Mich bei T:AP anzumelden war mein erster Schritt über Nicht-Handlung und Lala-Land hinaus. Ich tendiere zu Richard Watts Ansatz, würde aber das Wort LIEBE durch "engagierten Humanismus" ersetzen.

Gerade habe ich einen Artikel gelesen über Alexandra Tolstoy, Leos jüngste Tochter. Sie war 5 Mal im Gefängnis, und ging ins Exil nach Japan, weil sie sich, um ihres Vaters pazifistischen Überzeugungen treu zu bleiben, geweigert hatte, dem Militarismus zuzustimmen. So lange sie konnte, hielt sie es an der Tolstoy-Schule aus, die sie gegründet hatte, unter zunehmendem Druck, dass sie den Militarismus unterstützen solle. Sie beantragte ein Ausgangs-Visum nach Japan und gab an, sie wolle das Erziehungswesen studieren, aber sie wusste, dass sie niemals wiederkommen würde! Sie brauchte keine Märtyrerin zu werden, um ihres Vaters Vision zu erfüllen. Von Japan zog sie nach New York, um die Tolstoy-Stiftung zu gründen, wo sie sich um russische Exilanten und Flüchtlinge kümmerte. Was für eine Frau! Diese Debatte / dieser Dialog lässt einen an Leo Tolstoys Glauben denken, dass ...die Form der Regierung nicht so wichtig war wie die Transformation des Lebens der Menschen auf der tiefsten Ebene. Ohne dass würde sich die Gesellschaft nie verbessern... "Wenn man schmutziges Wasser in ein neues Gefäß tut, wird dann das Wasser sauber?" fragte er.

Ich denke, dass, unabhängig davon, welche Form eine Regierung hat und unabhängig davon, welche Art von Regierung man hat, Konflikte und Korruption wegen einer fundamentalen Negativität in der menschlichen Natur auftreten. Wie bei der organisierten Religion beginnt eine politische Philosophie mit den besten Absichten, und dann geht irgendetwas schief. Es ist das, was in unseren fehlbaren, verzweifelten Herzen ist, nicht unsere Ideale, was ausgespielt wird, und die Situation degeneriert dazu, dass der Starke den Schwachen zur Beute nimmt. Vielleicht ist diese Neigung ein Überbleibsel des evolutionären Kampfes (wer weiß?), doch es kommt auf das Gewissen eines jeden einzelnen an, diesen Aspekt der menschlichen Natur ständig zu überprüfen.

Was die Kinder-Erziehung als Hoffnung für Frieden angeht, darf ich diese wunderbare Website empfehlen? www.vov.com Bitte besucht sie, weil ich "Victory Over Violence" in einer kurzen Beschreibung hier nicht gerecht werden kann. Es ist ein Programm, um Kindern zu helfen, "die ursprünglichen Gründe für Gewalt in ihrem Leben und in ihren Umgebungen zu identifizieren." Ihr werdet es LIEBEN!

Anis, ich LIEBE, was Du geschrieben hast über "Drama füttert das Ego" und "Glück ist undramatisch". Es bringt mich zum Lachen und es ist cool, diese Neigung zu adressieren, um seinen eigenen Konflikt zu entwickeln, weil er dem "künstlerischen Temperament" inne ist! Als eine frühere Drama-Königin war mein Verständnis vom Frieden obszön oberflächlich , weil ich dachte, Frieden sei L A N G - W E I L I G! Wie konnte man Künstler sein ohne die Voraussetzung eines Misshandlungsproblems, Armut und leidenschaftlichen, unheilvollen Beziehungen?! War das nicht alles wichtig für die Muse? Nachdem ich dieses Stereotyp und diesen Mythos abgelehnt hatte, der SO 19. Jahrhundert ist, entdeckte ich, dass Frieden der ultimative romantische Kampf war. Frieden, der Zustand von ruhigem Potenzial, frei von egoistischen Ablenkungen, IST die leere Leinwand, die leere Seite, die Overtüre, die Bühne für RICHTIGE Arbeit, anstatt von den Feuerwerken abhängig zu sein. Es ist Kreativität, die auf einer Weltanschauung beruht, informiert von einem altruistischen Geist, der jetzt eine Chance über den Narzissmus hat.

Es ist ein Prozess für mich gewesen zu lernen, ohne Drama kreativ zu sein; es ist fast, also brauchte man ein Hindernis, um motiviert zu sein. Wenn du in deiner eigenen Oper die Hauptrolle spielst, kommst du dir wichtig und lebendig vor, aber das Drama, das wir uns ausgesucht haben, ist ein Kampf für das, was wirklich wichtig ist. Ich könnte mir denken, dass dieses Konzept des selbst-auferlegten Konfliktes dumm/angreifend klingt für diejenigen von uns, die WIRKLICHEN Krieg und WIRKLICHEN Schmerz erlebt haben und ich bitte um Vergebung mit meiner tiefsten Liebe und mit Respekt. (22.05.2003) - Üb. Anis


- Lisa Iris: Peace is the Ultimate Romantic Struggle -

Lisa Iris is a painter in the USA, and a T:AP member

This is GREAT STUFF! This goes to the heart of things and MANY thanks for initiating this dialogue! First, I've never met so many profoundly political artists and thank you for opening my eyes. Applying to join T:AP was my first step beyond Non-Action and Lala Land. I lean towards Richard Watts approach but would substitute the word LOVE with engaged humanism.

I was just reading an article about Alexandra Tolstoy, Leo's youngest daughter. She was imprisoned 5 times, and exiled to Japan because of her refusal to assent to militarism, remaining true to her father's pacifist convictions. She held out for as long as she could at the Tolstoy School she founded, under increasing pressure that she promote militarism. She applied for an exit visa to Japan, saying she was going to study the education system, but knew she was never going back! She didn't need to be a martyr to fulfill her father's vision. From Japan she moved to New York to found the Tolstoy Foundation where she cared for Russian exiles and refugees. What a woman! This debate/dialogue brings to mind Leo Tolstoy's belief that"...the form of government was not as important as the transformation of people's lives at the deepest level. Without that, society would never improve..."Would placing dirty water in a new vessel purify the water?" he asked.

I think that regardless of what form a government takes, no matter what kind of government one has, conflict & corruption appears because of a fundamental negativity in human nature. Like organized religion, a political philosophy starts out with the best of intentions and then something goes wrong. It's what's in our fallible, desperate hearts , not our ideals, that gets played out and the situation degenerates into the strong preying on the weak. Maybe this tendancy is a vestige of the evolutionary struggle, (who knows?) but it's up to each individual's conscience to keep this aspect of human nature in check.

As for educating children as our hope for peace, may I recommend a wonderful website? www.vov.com Please visit, as I can't do Victory Over Violence justice with a brief description here. It's a youth sponsored program to help kids "identify and counteract the root causes of violence in their lives & in their communities." You'll LOVE this!

Anis, I LOVE what you wrote about "Drama feeds the ego" and that "Happiness is undramatic". It makes me laugh & it's so cool to address this propensity to generate one's own conflict because it's endemic to the "artistic temperament"! As a former Drama Queen, my understanding of peace was obscenely superficial because I thought peace was B O R - R I N G! How could you be an artist without the prerequisite substance abuse problem, poverty and passionate, doomed relationships?! Wasn't it all material for the muse?! After rejecting a sterotype and myth that's SO 19th century, I discovered that peace was the ultimate romantic struggle. Peace, the state of tranquil potential, free of egoistic distractions, IS the blank canvas, the blank page, the overture, the stage for the REAL work, instead of being addicted to the fireworks. It's creativity based on a world view, informed by an altruistic spirit, that now has a chance over narcissism.

It's been a process for me, learning to create without drama; it's almost as if one needs an obstacle to be motivated. Starring in your own opera makes you feel important and alive, but the drama we've chosen is a struggle for what's truly important. I understand how foolish/offensive this concept of self-inflicted conflict must sound to those of us who've experienced REAL war and REAL pain and I ask your forgiveness with my deepest love and respect. (May 22, 2003)


- Coco: Handlung entspringt Nicht-Handlung -

Coco (Heiko Wolz) ist Schriftsteller

Die Gedanken, die ich mir zum Thema "Gewalt, Gewaltlosigkeit, Nicht-Handeln und Liebe" gemacht habe, beziehen sich auf eine weitgehend demokratische Gesellschaft, die zwar friedlich, dennoch aufgrund ihres Gewinn- und Machtstrebens veränderungswürdig ist. Inwieweit diese Ansätze auch Handlungsgrundlage in anderen, weniger friedlichen Gesellschaften sein können, wage ich (noch) nicht zu beurteilen.

Es ist nötig, eine neue Art des Agierens, Handelns zu kultivieren. Ein Handeln, das aus Nicht-Handeln entspringt, wobei Nicht-Handeln den bewussten Verzicht auf, durch Konditionierung ausgelöste, Reaktion bedeutet. Ich verweigere mich den gewohnten Mustern durch ständiges, aufmerksames Betrachten meiner Selbst, der Gefühle und Handlungsabsichten, die in mir aufkommen. Da das Prinzip der Formlosigkeit, des bewusst seins, eine innere Entscheidung verlangt, kann dieses Prinzip nur durch beispielhaftes Vorleben vermittelt werden. Jegliche Form gewalttätigen Aufzwingens von außen verhindert eine bewusste Entscheidung. Äußeres ist Form und würde Inhalt vorgeben, der dann vom Einzelnen nicht mehr selbst entdeckt und gefüllt werden kann. Das Wachsen von wirklichen Beziehungen wird durch Gewalt unmöglich gemacht.

Vorleben heißt, im wahrsten Sinne des Wortes, ein nach diesen Prinzipien ausgerichtetes Leben zu führen, um a.) die kommenden und b.) die jetzigen Generationen zur Kritik an der bestehenden Konsumgesellschaft anzuregen. Kindern (a.) vermitteln wir Formlosigkeit, indem wir in Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen, vor allem aber in der Familie, inhaltbezogene Beziehungen führen. So eröffnen wir die Möglichkeit zur Selbsterfahrung, zur Orientierung, zu eigenständigem und kreativem Denken, das nicht formabhängig ist und so den Mechanismen des Konsums entgegen treten kann. In diesen Beziehungen wird es ein Miteinander geben, Rücksichtnahme, ohne jedoch voreilig die eigenen Standpunkte aufzugeben. Es wird LIEBE geben. Liebe, die stärker ist als Gewinn- und Machtstreben. Eine Liebe, die aufgrund einer ihrer Eigenschaften, des Mitgefühls mit allen Menschen, eine gerechte Welt fordern wird. Es wäre jedoch fatal, die Zeichen der Zeit zu missachten und abzuwarten. Dies wäre eine auf falschem Verständnis des Nicht-Handelns basierende Lethargie, ein Hinnehmen des Gegebenen. Wir leben in Zeiten der Orientierungslosigkeit, und wir sollten dies als Chance begreifen, auch den jetzigen Generationen (b.) Anregungen zur Orientierung zu bieten. Wir müssen auf die Straße, um unsere Bedenken an bestehenden Strukturen zu äußern. Wir müssen demonstrieren, Aktionen führen. Diese Aktionen müssen wir nutzen, um einen Moment des Innehaltens bei den Betrachtern auszulösen, einen Moment, in dem wir über Inhalt kommunizieren können. Wir müssen auf die Alternative zum formgeleiteten Leben aufmerksam machen. Wir müssen Aktionen führen, um ein Nachdenken anzuregen, nicht um jemandem zu schaden.

Da das Annehmen einer Alternative eine innere Entscheidung des Einzelnen verlangt, muss auf jegliche Gewalt, jegliches Aufzwingen verzichtet werden, da sich sonst Widerstand gegen die Alternative erheben wird. Oder ist die globalisierungskritische Bewegung nicht ein Auflehnen gegen eine von außen aufgedrückte Ordnung? Wenn wir diese Gewaltlosigkeit (Form?) aus Liebe (Inhalt?) heraus praktizieren, aus unserem Verständnis von Beziehungen, ist Gewaltlosigkeit die einzige Form, die für eine Kritik an der Gesellschaft sinnvoll erscheint. (24.05.03)


- Coco: Action Springs from Non-Action -

Coco (Heiko Wolz) is a German writer

The thoughts which I have about "Violence, nonviolence, no-response, and love" refer to a widely democratic society which is peaceful, but yet by reason of its struggle for profit and power worth changing. Inhowfar these approaches could also be a basis for action in other, less peaceful societies, I do not (yet) dare to estimate.

It is necessary to cultivate a new kind of action. An action which springs from non-action, non-action meaning the aware renunciation of any reaction motivated by conditioning. I refuse the patterns I am used to by a constant and attentive reflection of my self, the emotions, and the intentions for action which rise up inside me. As the principle of formlessness, of being aware, implies an inner decision, this principle can only be conveyed through the living example. Any form of violent force from outside prevents a conscious decision. The outside is form and it would provide content which then cannot be discovered and filled by the individuals themselves anymore. The growth of real relationships is made impossible by violence.

The living example means, in the true sense of the word, to lead a life which is based on these principles, in order to stimulate a) the coming, and b) the current generations to criticize the existing consume society. We convey formlessness to children by leading content-related relationships in schools, in childrens' and youth institutions, and most of all in the families. In such a way we open the choice for self-experience, orientation, self-reliant and creative thinking, which is not dependent on form and hence can oppose the mechanisms of consume. In these relationships there will be a togetherness and consideration, yet without hastily giving up the own standpoints. There will be LOVE. Love, stronger than the struggle for profit and power. A love, which, due to one of its characteristics, the compassion with all humans, will demand a just world. Yet it would be fatal to ignore the signs of the time and to wait. This would be a lethargy, based on a wrong understanding of no-response. It would be the submission to the given. We are living in times of orientationlessness, and we should understand this as a chance to offer ideas for orientation to the current generations also. We have to go on the street to express our doubts towards the existing structures. We have to demonstrate and to act. Those actions we have to use to trigger a moment of pause in the spectators, a moment, in which we can communicate content. We have to point to the alternative to a form-dominated life. We have to act in order to make people think, not to do damage to anybody.

As the acception of an alternative needs an inner decision of the individual, there has to be a total renunciation of violence and force, as otherwise the alternative will face opposition. Or isn't the globalisation critical movement a revolt against an order which is imposed from the outside? When we practice this nonviolence (form?) out of love (content?), out of our understanding of relationships, then nonviolence is the only form which seems to make sense for a critique of society. (24 May, 2003, translation Anis)


- Erhard Arendt: Über Provokationen und Liebe -

Erhard Arendt ist bildender Künstler und Designer aus Dortmund. Er arbeitet als Grafiker, Keramiker, Bildhauer, Plastiker, Zeichner und als Lyriker. Auch ist er politisch engagiert, z.B.: www.erhard-arendt.de/deutsch/palestina

Oft genug habe ich in meinem Leben durch Provokationen etwas bewegt. Es ist auch die Frage, wie... Eine Provokation kann auch zeigen: "Da haben andere ja andere Gedanken als ich". Das muss keine Provokation aus einem pubertären Widerspruch heraus sein. Recht früh habe ich mir als Künstler gesagt: "Ich will nicht in den Elfenbeinturm zu den anderen". Ich fühlte mich als Künstler (nicht als Mensch, soweit man das trennen kann) nicht verstanden und sah, dass es meinen Kollegen ähnlich ging. Meine Alternative war, dass ich über dreißig Jahre lang im sozialpädagogischen Bereich Schüler und Lehrer ausbildete, die wiederum mit Kindern arbeiteten. Auch habe ich mit großer Freude mit Kindern im kreativen Bereich gearbeitet. Im Sinne Watts' habe ich "meine Liebe" hineingegeben, das war ein großer Teil meines Lebensinhaltes.

Meine Provokationen waren und sind eher nicht Reaktion auf etwas Geschehenes, sondern Provokation für etwas, um einen Standpunkt, ein Verhalten verlassen zu können und zu überwinden. Ich kann provozieren, kann aggressiv sein und dabei (zum Beispiel den Polizisten) fühlen lassen: "Ich nehme dich wahr als Mensch." Ich kann das Leben der Israelis und Scharons bejahen, kann aber auch zeigen: "Du hast deine Grenzen einzuhalten". Kann den anderen als Mensch bejahen, ihm in dem, wie er handelt, aber zeigen: "Das mag ich nicht". Es gibt Situationen, wo die "Liebe" mich zwingt zu agieren.

Eigentlich war mein Hauptweg auch immer der der "Liebe" (über den Begriff müsste man auch noch reden). Ein großer Teil meiner Arbeit mit Schülern bestand darin zu zeigen: "Ich akzeptiere dich, ich mag dich, auch wenn du anders bist oder eine andere Meinung hast." Aggression, die sinnlos zerstören will, (sinnlos weil nichts Positives daraus entsteht) ist nicht der Weg. Das Ergebnis rechtfertigt auch nicht alles. Zu oft sind von einer Ideologie ausgehend Rechtfertigungen für Gewalt gefunden worden. Wir sehen es im Irak und seit Jahrzehnten in Palästina. Jahrtausende demonstrieren es.

Gewalt entsteht auch in den Augen des andern, der anderen. Die "Liebe", die ich lebe, kann vom anderen auch als Gewalt empfunden werden, die Provokation, die ich dem anderen gebe, kann auch heißen: "Hier bin ich, ich bin auch auf der Welt, brauche meinen Platz und möchte wahrgenommen werden." Immer wieder, wenn ich die Welt zweidimensional sehe, sehe ich sie falsch. Immer wieder, wenn ich denke, von dem Standpunkt, den ich im Leben habe, kann ich das Leben beschreiben und beurteilen, irre ich, stehe ich auf der falschen Seite. Die "Wahrheit" des Lebens ist nicht zweidimensional. Es ist ein drei- oder vieldimensionales, von keinem allseitig sehbares oder wahrnehmbares undeutliches Gebilde. Jeder kann von dort, wo er steht, seine Sicht beschreiben. Er sollte dabei sagen und wissen: "Was du siehst und was ich sehe ist nur ein Teil des Ganzen". Wenn jeder dieses Bild in sich trägt, kann man auch mit liebevoller Provokation, mit provokativer Liebe dem, was wir uns alle wünschen, näher kommen.

Es ist die Frage, inwieweit man dies auch auf "liebevolle Gewalt" und "gewalttätige Liebe" übertragen kann. Als jahrzehntelanger Pazifist habe ich doch in den letzten zehn Jahren erfahren, dass es Formen der Gewalt gibt, der man, um zu schützen, nur mit Gewalt begegnen kann. So sehe ich Gewalt nur als letzte Möglichkeit legitimiert, wenn sie, damit "Liebe gelebt werden kann", angemessen aggressive Gewalt beseitigt. Wer aber legitimiert dann die "Gewalt"? Diese letzten Aussagen sind vielleicht kontrovers. Den Weg der Liebe gehen, kann und darf jedenfalls nicht heißen, keinen Standpunkt zu haben. Wenn ich einen nicht belanglosen Standpunkt habe, stehe ich durchaus auch anderen im Wege. (27.05.03)


- Erhard Arendt: On Provocations and Love -

Erhard Arendt is an artist and designer from Dortmund/ Germany. He works as a graphic designer, sculpturer, potter, painter and poet. He also is politically engaged, e.g.: www.erhard-arendt.de/deutsch/palestina

Often enough in my life I haved moved something through provocation. It is also a question of how... A provocation can also show: "Here others have different thoughts than I". A provocation does not have to originate in a puberty-like contradiction. Rather early in my artistic life I said to myself: "I do not want to go into the ivory tower of the others". I felt misunderstood as an artist (not as a human, inasfar as one can separate that) and realized that it was similar with my colleagues. My alternative had been to train students and teachers, who in turn worked with children, for more than thirty years in the social pedagogic domain. I also have with great joy worked with children in the creative domain. In Watts's sense I have given "my love", this has been a big part of the meaning of my life.

My provocations were and are rather not reactions on something that happened, but provocations for something, in order to leave a standpoint or a behavior and overcome it. I can provoke, can be aggressive, and still make e.g. the policeman feel: "I perceive you as a human." I can affirm the life of the Israelis and of Sharon and can also show: "You have to keep your limits." Can affirm the other as a human being, and yet from their actions show them: "This I don't like." There are situations where "love" forces me to act.

When I think about it I find that my main way has also always been the one of "love" (there should be some more talk about this concept.) A great deal of my work with children consisted of showing: "I accept you, I like you, even if you are different or have a different opinion." Aggression, which meaninglessly wants to destroy, (meaningless because nothing positive springs from it) is not the way. Also, the result does not justify every action. Too often justifications for violence had been found in ideologies. We can see it in Iraq and for decades in Palestine. Milleniums demonstrate it.

Violence comes into being in the eyes of the other and the others, too. The "love" that I live can be perceived by the other as violence, and the provocation, which I give to the other, can also mean: "Here I am, I, too, am in this world and need my space and want to be seen." Whenever I see the world two-dimensional, I see it in a wrong way. Whenever I think that I can describe and assess life from my point-of-view, I stand on the wrong side. The "truth" of life is not two-dimensional. It is a three- or four-dimensional fuzzy thing which cannot be seen or perceived in its totality by anybody. Everybody can describe his or her view from the point where they are standing. They should say and know: "What you see and what I see are only parts of the whole. When everybody carries this picture inside, then we can approach the things which we commonly wish with loving provocation or provocative love, too.

The question is inhowfar can we map this on "loving violence" and "violent love". As a decade-long pacifist I had to realize within the last ten years that there are forms of violence which you can only counteract with violence, in order to protect. In this way, I see violence to be legitimated only as a last resort, when it removes aggressive violence in an appropriate way, so that "love can be lived". But who, then, legitimates this violence? These last remarks might be controversial. In any case, to go the path of love, cannot and must not mean to have no standpoint. When I have a substancial standpoint, I very well also stand in the way of others. (27 May 2003, translation Anis)


- Richard Watts II: Das 24. Jahrhundert -

Mein substanzieller Standpunkt ist der Weg der Liebe. Es kann sein, dass sich Erhard Arendt und ich hier in verschiedene Richtungen bewegen. Ich stimme nicht zu, dass "Gewalt nur als letzte Möglichkeit legitimiert (sein kann), wenn sie, damit 'Liebe gelebt werden kann', angemessen aggressive Gewalt beseitigt." Ich lehne das Konzept ab, nach dem diese Liebe durch eine legitimierte Art von Gewalt noch atmen und leben kann... Der Akt der Gewalt wischt (für diesen Moment) jegliche Realität der Liebe aus, die existieren könnte... und danach... welche wirkliche Liebe kann existieren?

Es stimmt, dass es in der Welt, die wir jetzt erleben, ein Bewusstsein dafür gibt, dass Gewalt nur in Gestalt von legitimierter Gewalt ausgelöscht werden kann... das ist wahr... das ist die Realität, die wir als Menschen gestaltet haben (bislang... und unsere Geschichte reflektiert diese kreative Möglichkeit)... aber es kommt mir so vor, als gäbe es andere Möglichkeiten... Möglichkeiten, die vielleicht nicht schnell oder leicht zu erreichen sind... aber andere Möglichkeiten... Zukunfts-Möglichkeiten... die Möglichkeit, DER LIEBE EINE CHANCE ZU GEBEN... egal, wie die Situation ist ...jede Art von Gewalt zu verweigern, egal, wie legitimiert sie sein mag ...das innere Biest zu überwinden und sich zum Engel hinbewegen, der in der menschlichen Seele singt.

Wenn die Menschen sich im 24. Jahrhundert auf einem friedlich lebenden Planeten finden ...einem Planeten, auf dem die Menschen sich mit den wirklichen Fragen der Existenz auseinandersetzen ...und wo jeder einen fairen Anteil am Kuchen hat ...wenn dieses Jahrhundert zu einer Realität wird ...dann muss es einen Moment geben, der seine GEBURT definiert ...einen Moment, an dem das MENSCHEN-JAHRHUNDERT BEGINNT ...lass es in diesem Jahrhundert beginnen ...lass es dadurch beginnen, dass wir endlich zu dem ewigen Konzept kommen, das alle MENSCHEN in sich haben: die Fähigkeit zu LIEBEN ...und dass LIEBE und nicht Hass ...nicht Gewalt ...SONDERN LIEBE der natürliche Zustand des MENSCHEN ist ...und dass Hass und Gewalt simple, naive und jedem Sinn für Realität bare Begriffe sind ...

Diese Sichtweise betrachte ich als meine, und allein meine (Allerdings: Das bedeutet nicht, das ANDERE sie nicht auch teilen würden ...ich weiß, dass viele auf der ganzen Welt diese Sicht teilen ...ich habe kein Verlangen danach, andere und ihre Weltsicht zu beurteilen! ...Ich denke, man muss sich frei zur LIEBES-REALITÄT DER EXISTENZ entscheiden ...das Bewusstsein, dass das LEBEN ein REINES GESCHENK ist...und ich entschied mich, meine eigene Existenz zu FEIERN und dieser ewigen Kraft zu danken, die es mir erlaubte, zu existieren...)

Ich bin Realist ...Ich glaube nicht an Demonstrationen ...ich glaube nicht, dass meine Worte einen anderen Menschen verändern werden... Ich glaube allerdings, dass, solange ich diesen gesegneten Lebensgeist in mir habe ...ich das ewige Geschenk besitze ...und ich feiere jeden Tag... ich feiere Schmerz, wenn ich Schmerz erfahre... ich feiere Liebe ...ich feiere Langeweile... alle Aspekte des Lebens... Ich weigere mich, irgendeinem anderen Menschen Macht über mein Leben zu geben ...da die einzige Macht, die ich akzeptiere, die ewige Macht ist ...ich kann vielleicht mein Bewusstsein verlieren ...aber niemand hat die Macht, mir meinen Sinn für das Feiern wegzunehmen...

Dies ist mein Weg ...andere müssen ihren wählen ...und viele haben das auch ...Wenn ihr Weg ihnen Freude und Frieden bringt ...und die Fähigkeit, ihre Existenz zu feiern ...bin ich glücklich für sie... aber ich habe für mich selbst festgestellt, dass Gewalt... legitimiert oder nicht ...mir niemals auch nur einen Moment der Freude gebracht hat ...ich bin 61 Jahre alt und meine Reise durch diese kosmische Reise war lang ...ich habe Gewalt erfahren ...und ich habe Liebe erfahren und kenne den Unterschied ...und ich weiß, dass das menschliche Herz den Unterschied kennt ...es gibt niemanden auf diesem Planeten ...in der Vergangenheit oder der Zukunft... der den Unterschied nicht kennt ...und daher LIEBE ich... WEIL ICH MEINE EXISTENZ FEIERE... ich WÄHLE die LIEBES-ERFAHRUNG... denn für mich ist es der erste Schritt in Richtung des 24sten Jahrhunderts. I feiere die Liebes-Erfahrung, weil ich glaube, dass die Liebes-Erfahrung die einzige legitime Handlung ist, die Gewalt auslöscht und es der Liebe erlaubt, voll gelebt zu werden... Ich feiere alle, die an dieser Debatte beteiligt sind ...Ich weiß, dass wir alle letztlich dieselbe Realität suchen. FRIEDEN. Ihr alle habt den Mut, Euch mit dieser Frage zu konfrontieren und ich feiere Euren Mut. (30.05.03)


- Richard Watts II: The 24th Century -

My substancial standpoint is the path of love. Perhaps that is where Erhard Arendt and I move in separate directions. I disagree that "violence to be legitimated only as a last resort, when it removes aggressive violence in an appropriate way, so that "love can be lived:" I do not accept the concept that through a legitimated form of violence that love can breath and live ...the act of violence erases ( for that moment ) any love reality that might exist ...and afterwards ...what true sense of love can exist?

It is true that within the world we now live there is an awareness that violence can only be erased through the shape of legitimated violence...this is true ...this is the reality that we as Human Beings have created ( up to this point ...and our history reflects this creative choice ) but I feel that we have other choices ...choices that may not come quick or easy ...but other choices ...the Future choice ...the choice to GIVE LOVE A CHANCE ...no matter what the situation may be ...to refuse any form of violence no matter how legitimate it might be ...to evolve from the beast within and move towards the angel that sings within the human soul.

If in the 24th century the Human Beings find themselves living on a peaceful planet ...a planet where the Human Beings concern themselves with the Real Questions of Existence ...and everyone has a fair shape of the pie ...if that century is to become a reality ...it has to have a moment defined as its BIRTH ...a moment in time when this HUMAN BEING CENTURY BEGINS ...let it begin in this century ...let it begin by finally coming to the eternal concept that all HUMAN BEINGS have within themselves: the ability to LOVE ...and that LOVE not Hate ...not violence ...BUT LOVE is the natural state of HUMAN BEINGS ...and that Hate and Violence are concepts that are simplistic, naive and lack all sense of reality

...now I claim this realization as my, and my alone ( Please make note: this does not mean that OTHERS do not share this view also ..I know that many around the world share this realization also ... I have no desire to judge others and how they see the whole! ...I believe that one must freely ...choice the LOVE REALITY OF EXISTENCE ... the awareness that LIFE is a PURE GIFT....and I chose to CELEBRATE my own existence and give thanks to whatever eternal force that has allowed me to exist ...)

I am a realist ...I do not believe in marches...I do not believe that my words will alter one other human being ...I DO believe that as long as I have this blessed spirit of life within me ...I possess the eternal gift ...and I celebrate each day ...I celebrate pain if I should experience pain ...I celebrate love ...I celebrate boredom...I celebrate all aspects of life ...I refuse to give any other human being power over my life ... because the only power I accept is the eternal power... I may fall into a state of unconsciousness ...but no one has the power to steal from me my sense of celebration ...

That is my way ...others must chose their ways ...and many have ...if their way brings them joy and peace ...and the ability to celebrate their existence ...I am happy for them...but I have found, for myself, that violence...legitimate or not...has never brought to me one moment of joy ...I am 61 years of age and my travel through this cosmic journey has been long ...I have experienced violence ...and I have experienced love and I know the difference ...and I know the HUMAN HEART knows the difference ...there is no one living on this planet ...past or future ...who does not know the difference ...and so I LOVE...BECAUSE I CELEBRATE MY EXISTENCE ...I CHOICE the LOVE EXPERIENCE...BECAUSE for me ...it is the first step towards the 24th century. I celebrate the love experience because I believe that the LOVE experience is the only legitimate act that erases violence and allows LOVE to be fully lived ...I celebrate all engaged in this debate ... I know we all seek finally the same reality. PEACE. You all have the courage to face this question and I celebrate your courage. (30 May 03)


- George Lottermoser II: Wir brauchen ein Gesellschafts-Modell -

"Ein Handeln, das aus Nicht-Handeln entspringt, wobei Nicht-Handeln den bewussten Verzicht auf, durch Konditionierung ausgelöste, Reaktion bedeutet." (Coco)

Diesen Gedanken finde ich wirklich herausfordernd und richtig,

"Ich verweigere mich den gewohnten Mustern durch ständiges, aufmerksames Betrachten meiner Selbst, der Gefühle und Handlungsabsichten, die in mir aufkommen. Da das Prinzip der Formlosigkeit, des bewusst seins, eine innere Entscheidung verlangt, kann dieses Prinzip nur durch beispielhaftes Vorleben vermittelt werden. Jegliche Form gewalttätigen Aufzwingens von außen verhindert eine bewusste Entscheidung. Äußeres ist Form und würde Inhalt vorgeben, der dann vom Einzelnen nicht mehr selbst entdeckt und gefüllt werden kann. Das Wachsen von wirklichen Beziehungen wird durch Gewalt unmöglich gemacht." (Coco)

Und das beschreibt das Paradoxon, denn täglich finden wir uns konfrontiert mit Gewalt, die wirkliche Beziehungen unmöglich macht. Wie kommen wir davon weg? Auf Reaktionen verzichten, die von Konditionierung motiviert sind? OK.

"...Leben zu führen, um a.) die kommenden ..."

Dies verstehe ich nicht - die kommenden des Friedens? der Gewaltlosigkeit?

"und b.) die jetzigen Generationen zur Kritik an der bestehenden Konsumgesellschaft anzuregen."

Dies verstehe ich und ich stimme zu. Dennoch, bei all der vielen kritischen Theorie müssen wir auch einen Vorschlag bereithalten, der das Modell der Konsumgesellschaft ersetzt. Einen Vorschlag, wie es funktionieren könnte und was es erstrebenswerter macht als das Modell, das wir kritisieren.

"...(Wir) vermitteln Formlosigkeit, indem wir in Schulen, Kinder- und Jugendeinrichtungen, vor allem aber in der Familie, inhaltbezogene Beziehungen führen. So eröffnen wir die Möglichkeit zur Selbsterfahrung, zur Orientierung, zu eigenständigem und kreativem Denken, das nicht formabhängig ist und so den Mechanismen des Konsums entgegen treten kann. "

Während ich dem Idealismus applaudiere, der hier ausgedrückt wird, sehe ich darin kein gültiges sozio-ökonomisches Modell, welches das Konsum-Modell ersetzen könnte, das uns nach wie vor umgibt. Ein aktueller Dokumentarfilm über die amische Kultur, "Des Teufels Spielplatz", untersucht, wie die Amischen ihre jungen Leute im Alter von 16 frei gehen lassen, um die "Außenwelt" zu erleben, bevor sie ihr Leben dem amischen Weg widmen. Für diejenigen von uns, die nicht in einer solchen Kultur leben, scheint die Diskussion zu sein: die Kinder aus der Konsumwelt heraus einladen in einen momentanen Idealismus, jedoch ohne ein sozio-ökonomisches Modell zum Lebensunterhalt. Sie können für den Lebensunterhalt nirgendwo anders hingehen als in die Konsumgesellschaft.

"In diesen Beziehungen wird es ein Miteinander geben, Rücksichtnahme, ohne jedoch voreilig die eigenen Standpunkte aufzugeben. Es wird LIEBE geben. Liebe, die stärker ist als Gewinn- und Machtstreben. Eine Liebe, die aufgrund einer ihrer Eigenschaften, des Mitgefühls mit allen Menschen, eine gerechte Welt fordern wird."

Vielleicht stimmt das. Vielleicht können wir eine solch kraftvolle, verführerische, liebende Sicherheit und Verbindung zur Kreativität herstellen, sodass die Kinder einfach dafür zurück wollen. Aber wie sollen wir sie füttern? Woher soll die Nahrung, das Wasser und die Unterkunft kommen, wenn diese Ressourcen doch schnell aufgekauft und von multinationalen Firmen kontrolliert sind?

"Wir müssen auf die Straße, um unsere Bedenken an bestehenden Strukturen zu äußern. Wir müssen demonstrieren, Aktionen führen."

Auch das klingt richtig, dennoch müssen wir auch eine lebensfähige Alternative zum Status Quo vorschlagen. Wer soll regieren? Wer ist Polizei? Wie wird das Gesundheitssystem sein? Wie werden Ressourcen verteilt werden? Während wir LIEBEN und KREIEREN und die Kinder zu neuen Wegen ANLEITEN, sich eine Gesellschaft und Kultur vorzustellen.

"Diese Aktionen müssen wir nutzen, um einen Moment des Innehaltens bei den Betrachtern auszulösen, einen Moment, in dem wir über Inhalt kommunizieren können. Wir müssen auf die Alternative zum formgeleiteten Leben aufmerksam machen. Wir müssen Aktionen führen, um ein Nachdenken anzuregen, nicht um jemandem zu schaden."

Bitte mehr über dieses "Form-dominierte Leben." Ich glaube, ich will es, aber ich weiß nicht, wie ich darin leben soll. Ich weiß nicht, wie ich damit meine Hypothek bezahlen, Nahrung kaufen soll, Elektrizität, Kunstzubehör. Hilfe!

"Da das Annehmen einer Alternative eine innere Entscheidung des Einzelnen verlangt, muss auf jegliche Gewalt, jegliches Aufzwingen verzichtet werden, da sich sonst Widerstand gegen die Alternative erheben wird. Oder ist die globalisierungskritische Bewegung nicht ein Auflehnen gegen eine von außen aufgedrückte Ordnung? Wenn wir diese Gewaltlosigkeit (Form?) aus Liebe (Inhalt?) heraus praktizieren, aus unserem Verständnis von Beziehungen, ist Gewaltlosigkeit die einzige Form, die für eine Kritik an der Gesellschaft sinnvoll erscheint."

Gutes Zeug! Das klingt nah dran! Können wir die Lücken füllen zwischen dem Ideal und einer neuen, praktischen Wirklichkeit?

Erhard Arendt: "Oft genug habe ich in meinem Leben (...) etwas bewegt. (...) Ich kann provozieren, kann aggressiv sein und dabei (zum Beispiel den Polizisten) fühlen lassen: 'Ich nehme dich wahr als Mensch.' Ich kann das Leben der Israelis und Scharons bejahen, kann aber auch zeigen: 'Du hast deine Grenzen einzuhalten'. Kann den anderen als Mensch bejahen, ihm in dem, wie er handelt, aber zeigen: "Das mag ich nicht". Es gibt Situationen, wo die 'Liebe' mich zwingt zu agieren."

Ja. Ja. Erhard "handelt" mit dem Paradox, er akzeptiert es als einen Teil der Wirklichkeit, versteht, dass das Paradox existiert und immer existieren wird.

"Eigentlich war mein Hauptweg auch immer der der 'Liebe' (über den Begriff müsste man auch noch reden)."

IN DER TAT. Wir werfen mit dem Wort Liebe umher, als würden wir alle es auf dieselbe Art verstehen. Liebe zum Land, Liebe zum Liebhaber, Liebhaber unserer eigenen Kinder, Feindesliebe, Liebe zum Leben, unbedingte oder bedingte Liebe etc..

"... Ein großer Teil meiner Arbeit mit Schülern bestand darin zu zeigen: 'Ich akzeptiere dich, ich mag dich, auch wenn du anders bist oder eine andere Meinung hast.' Aggression, die sinnlos zerstören will, (sinnlos weil nichts Positives daraus entsteht) ist nicht der Weg. Das Ergebnis rechtfertigt auch nicht alles. Zu oft sind von einer Ideologie ausgehend Rechtfertigungen für Gewalt gefunden worden. Wir sehen es im Irak und seit Jahrzehnten in Palästina. Jahrtausende demonstrieren es. "

Was sagen wir denen, die behaupten: "Saddam loszuwerden war Grund genug." inklusive vieler Iraker?

" Die 'Wahrheit' des Lebens ist nicht zweidimensional. Es ist ein drei- oder vierdimensionales, von keinem allseitig sehbares oder wahrnehmbares undeutliches Gebilde. Jeder kann von dort, wo er steht, seine Sicht beschreiben. Er sollte dabei sagen und wissen: 'Was du siehst und was ich sehe ist nur ein Teil des Ganzen'. Wenn jeder dieses Bild in sich trägt, kann man auch mit liebevoller Provokation, mit provokativer Liebe dem, was wir uns alle wünschen, näher kommen."

Wundervoll. Ich stimme ganz mit diesem Gedanken überein und versuche täglich, es mit jedem zu teilen, bei jedem Konflikt. Erstaunlicherweise finde ich, dass die meisten Leute wünschen, weiterhin ihre selbstgerechte Sicht zu verteidigen; als würden sie ohne sie sterben. Wie sollen wir mit dem Fundamentalisten umgehen?

"Es ist die Frage, inwieweit man dies auch auf 'liebevolle Gewalt' und 'gewalttätige Liebe' übertragen kann. Als jahrzehntelanger Pazifist habe ich doch in den letzten zehn Jahren erfahren, dass es Formen der Gewalt gibt, der man, um zu schützen, nur mit Gewalt begegnen kann. So sehe ich Gewalt nur als letzte Möglichkeit legitimiert, wenn sie, damit 'Liebe gelebt werden kann', angemessen aggressive Gewalt beseitigt. Wer aber legitimiert dann die 'Gewalt'?"

Genau. Wäre die Bush-Regierung nicht vollgemüllt mit Lügnern und gierigen, machthungrigen, habsüchtigen Kriegsgewinnlern, würden wir dann die Notwendigkeit eines "gewaltsamen Krieges zur Befreiung der Menschen" akzeptieren?" (30.05.03)


- George Lottermoser II: We Need a Model for Society -

"An action which springs from non-action, non-action meaning the aware renunciation of any reaction motivated by conditioning." (Coco)

I truly find this thought challenging and right-on,

"I refuse the patterns I am used to by a constant and attentive reflection of my self, the emotions, and the intentions for action which rise up inside me. As the principle of formlessness, of being aware, implies an inner decision, this principle can only be conveyed through the living example. Any form of violent force from outside prevents a conscious decision. The outside is form and it would provide content which then cannot be discovered and filled by the individuals themselves anymore. The growth of real relationships is made impossible by violence." (Coco)

And this describes the conundrum: For we daily find ourselves confronted with violence making real relationships impossible. How do we disengage from it? Renounce reaction motivated by conditioning? OK.

"...lead a life which is based on these principles, in order to stimulate a) the coming,..."

this I don't understand - the coming of peace? of nonviolence?




"...and b) the current generations to criticize the existing consume society."

This I understand and agree with. However, as with so much critical theory, we must also have ready a proposal for what replaces the consumer society model, and how it may work, and what makes it more desireable than the model we criticize.

"We convey formlessness to children by leading content-related relationships in schools, in childrens' and youth institutions, and most of all in the families. In such a way we open the choice for self-experience, orientation, self-reliant and creative thinking, which is not dependent on form and hence can oppose the mechanisms of consume."



While I applaud the the idealism expressed I do not see in it a sustainable socio/economic model to replace the consumer model that continues to surround us. A recent documentary on the Amish culture, "The Devil's Playground", examines how they release their young, at age 16, to experience the "outside" before they commit their life to the Amish way. For those of us who don¹t live in such a culture, we seem rather to be discussing: invite the children out of the consumer world into a momentary idealism, but without a socio/economic model of sustinence. They have no place to go for sustinence other than the consumer society.



"In these relationships there will be a togetherness and consideration, yet without hastily giving up the own standpoints. There will be LOVE. Love, stronger than the struggle for profit and power. A love, which, due to one of its characteristics, the compassion with all humans, will demand a just world."

Perhaps so. Perhaps we can create such powerful, seductive, loving safety and connection to creativity that the children will simply return for it. But how do we feed them? Where does the food, water and shelter come from as those resources are quickly being bought up and controlled by multinational corporations?



"We have to go on the street to express our doubts towards the existing structures. We have to demonstrate and to act."

Again, this feels correct, however we must also propose a viable alternative to the status quo. Who shall govern? Who shall police? How will health care be handled? How will resources be distributed? While we LOVE and CREATE and GUIDE the children to new ways of imagining a society and culture.



"Those actions we have to use to trigger a moment of pause in the spectators, a moment, in which we can communicate content. We have to point to the alternative to a form-dominated life. We have to act in order to make people think, not to do damage to anybody."

More, please, on this "form-dominated life." I think I want it, but I don¹t know how to live in it. I don't know how to pay my mortgage, buy food, electric, art supplies with it. Help!



"As the acception of an alternative needs an inner decision of the individual, there has to be a total renunciation of violence and force, as otherwise the alternative will face opposition. Or isn't the globalisation critical movement a revolt against an order which is imposed from the outside? When we practice this nonviolence (form?) out of love (content?), out of our understanding of relationships, then nonviolence is the only form which seems to make sense for a critique of society."

Good stuff! that sounds close! Can we fill in the gaps between the ideal and a new, practical reality?





Erhard Arendt: "Often enough in my life I haved moved something (...) I can provoke, can be aggressive, and still make the e.g. policeman feel: 'I sense you as a human.' I can affirm the life of the Israelis and of Sharon and can also show: 'You have to keep your limits.' Can affirm the other as a human being, and yet from their actions show them : 'This I don't like.' There are situations where 'love' forces me to act."

Yes. Yes. Erhard "deals" with the paradox, accepts it as part of reality, understands that paradox exists and always will.

"When I think about it I find that my main way has also always been the one of "love" (there should be some more talk about this concept.)"

INDEED. We toss the word love around as if we all understood it in the same way. Love of country, love of lover, lover of our own children, love of enemies, love of life, unconditional love or conditional love, etc..

"... great deal of my work with children consisted of showing: 'I accept you, I like you, even if you are different or have a different opinion.' Aggression, which meaninglessly wants to destroy, (meaningless because nothing positive springs from it) is not the way. Also, the result does not justify every action. Too often justifications for violence had been found in ideologies. We can see it in Iraq and for decades in Palestine. Milleniums demonstrate it."

How do we answer those who say, "Getting rid of Sadam was reason enough." including many Iraqis?

"The 'truth' of life is not two-dimensional. It is a three- or four-dimensional fuzzy thing which cannot be seen or perceived in its totality by anybody. Everybody can describe his or her view from the point where they are standing. They should say and know: What you see and what I see are only a part of the whole. When everybody carries this picture inside, then we can approach the things which we commonly wish with loving provocation or provocative love, too."

Wonderful. I'm absolutely with this thought and try daily to share it with everyone, at every conflict. Amazingly, I find most folks wish to continue to defend their self-righteous view; as if they would die without it. How do we come to terms with the fundamentalist?

"The question is inhowfar can we map this on 'loving violence' and 'violent love'. As a decade-long pacifist I had to realize within the last ten years that there are forms of violence which you can only counteract with violence, in order to protect. In this way, I see violence to be legitimated only as a last resort, when it removes aggressive violence in an appropriate way, so that 'love can be lived'. But who, then, legitimates this violence?"

Precisely. If the Bush administration were not littered with liers and greedy, power-hungry, avaricious war profiteers, would we then accept the necessity of a "violent war for liberation of people?" (30 May 03)


- Anis II: Identität und Helen Keller -

Ich denke, wir haben es hier mit zwei verschiedenen Welten zu tun. Da ist die, von der Coco spricht, und Richard auch, in der Handlung aus Nicht-Handlung entspringt, d.h. aus einer Eigen-Identität, die sich nicht gegen etwas anderes abgrenzen muss. Die Art von Identität, die ohne einen Feind existieren kann, ein freier Geist also. Ein Ideal, das jeder mag, an das aber kaum jemand glaubt. Erst kürzlich las ich in der deutschen Presse dies zum Thema Staaten: "Es gibt keine Identität, die sich nicht gegen eine andere bilden würde." (Im Artikel: "Euronationalismus statt Pax Americana? Woher können wir wissen, dass Europa eine Friedensmacht sein wird?" von Wieland Elfferding im Freitag 23, 30.05.03). Hier vermute ich den Kern unseres nihilistischen Glaubenssystems. Ich habe darauf geantwortet in den Artikeln Über Politikverdrossenheit und Über politische Emanzipation, wo ich behaupte, dass wir es hier mit Glaubenssystemen zu tun haben. Die latente Ablehnung von Identitäten gibt den Mammoniten Macht, die Leute durch Geld zusammenbringen. DIESE wiederum bilden sich gegen andere Identitäten. Daher sehe ich die Lösung des Weltkonflikts darin, ein alternatives Glaubenssystem herzustellen und zu unterstützen, eines, das Identitäten bejaht und damit die friedlichen gesellschaftlichen Kapazitäten befreit, die eingeschüchtert sind. Eigen-Identität ist etwas, das nur kreative / spirituelle Geister hervorbringen können, wie Künstler, Gläubige und Humanisten. Insofern zeige ich Eigen-Identität mit meiner Musik und zeige, dass ich dafür keinen Feind brauche. Ich habe politische Feinde, und sie beeinflussen mich bestimmt, aber sie definieren mich nicht.

Dann ist da die andere Welt. Die, in der Kontrolle und Zwang notwendig ist. Das beste Beispiel, das ich dafür habe, ist Helen Keller. Blind und gehörlos. Sieben Jahre alt. Alabama 1887. Die Erzieherin Anne Sullivan zieht zu den Kellers, um sich um Helen zu kümmern. Für Anne Sullivan eine Lebensaufgabe. Die Bändigung eines wilden Kindes. Ihm das Fingeralphabet beibringen. Ihm die Welt erklären, die es nicht sehen und nicht hören kann. Und wer nicht hören kann, kann auch nicht sprechen. Helen Keller überwand ihre Behinderungen und erhielt sogar 1955 als erste Frau überhaupt die Ehrendoktorwürde der Harvard-Universität für ihre vielen gesellschaftlichen Verdienste. Es gibt einen biografischen Film über sie, in dem gezeigt wurde, wie das Kind, das nicht hören und nicht sehen konnte, an den Tisch gesetzt wurde, um zu essen. Sie war störrisch. Wollte nicht sitzen. Warf den Löffel fort. Stand wieder vom Tisch auf und lief davon. Es war mühsam, sie zu disziplinieren. Sie brauchte Disziplin, um die Welt systematisch kennen zu lernen. Nur weil Helen Keller diszipliniert worden ist, hatte sie später die Möglichkeit, viele schöne Dinge zu tun. Die Frage ist die Grundfrage der Erziehung: Wann wird Disziplinierung zu Gewalt? Ich kann diese Frage hier nicht auflösen, aber ich denke, dass es Fingerspitzengefühl braucht, um einen solchen Job zu machen und dass man ein solches Fingerspitzengefühl am ehesten bekommt, wenn man von friedlicher Natur ist.

Ich stimme Erhard zu, dass Gewalt manchmal einfach unausweichlich ist. Wenn mich jemand schlägt, werde ich wahrscheinlich zurückschlagen, und es gibt konkrete Selbstverteidigung. Ich habe auch nichts gegen Karate oder Boxen. Ich denke, wenn zwei Leute sich schlagen wollen, ist es sogar natürlich, wenn sie es tun. Aber es ist etwas anderes mit Waffen und es ist etwas völlig anderes mit Ländern. Denn dies ist kein Kampf, sondern eine abstrakte Ersatz-Schlachterei von armen einfachen Soldaten und Zivilisten.

Das Conundrum, ja George, ich glaube, diesen Gedanken haben wir beide. Man braucht das Paradox, um diese Dinge zu lösen, insofern es um Problem-Lösungen geht. Wir können sie nicht durch Logik oder Zwang überwinden, wir brauchen Ironie, Gesang, Provokation, Widerspruch, Kreativität. 03.06.03


- Anis II: Identity and Helen Keller -

I think we are dealing with two different worlds. There is the one Coco talks about (and Richard, too, actually), the one where action springs from non-action, i.e. from a self-identity, without needing demarcations. The kind of identity which can exist without an enemy, the free mind that is. An ideal which, in fact, everybody likes, but hardly anybody believes in. Only recently I read this sentence in the German press, it is about states: "There is no identity which would not build against another one." (in the article: "Euro-nationalism instead of Pax Americana? How can we know that Europe will be a peaceful power?" by Wieland Elfferding in the Freitag 23, 30 May 03). Here I suspect the core of our nihilist belief system. I have responded to that in the articles On the Sulkiness about Politics and On Political Emancipation, where I claim that we are dealing with belief systems here. The latent rejection of identities brings power to the Mammonites, who bring people together with money. THOSE in turn build against other identities. Thus I see the solution of the world conflict in establishing and supporting an alternative belief system, one that affirms identities and thus frees the peaceful social capacities which are intimidated. Self-identity is something which only creative / spiritual minds can generate, like artists, believers, and humanists, and in this way I display self-identity with my music and show that I need no enemy for this. I have political enemies, and they surely effect me, but they do not define me.

Then there is the other world. The one where it is necessary to use control and force. The best example I have for this is Helen Keller. Blind and deaf. Seven years old. Alabama 1887. The teacher Anne Sullivan lives with the Kellers to care for Helen. A life task for Anne Sullivan. The taming of a wild child. Teaching her the finger alphabet. Explaining the world to her who cannot see or hear it. And when you can't hear you also can't talk. Helen Keller mastered her handicaps and she was the first woman at all, who, in 1955, got a Doctor honoris causa from Harvard University for her many achievments for society. There is a biographical film about her, where it is shown how the child was sat at the table to eat. She was stubborn. Didn't want to sit. Threw away the spoon. Got up and ran away. It was hard to discipline her. But she needed discipline in order to systematically learn about the world. Only because of this discipline she later had the chance to do so many beautiful things. The question is the basic question of education: when is disciplination violence? I cannot solve this here, but at least suggest that such a job needs what Germans call fingertip-sense, and this is something more natural to peaceful characters than to anybody else.

I agree with Erhard that sometimes violence simply is inevitable. When somebody hits me, I will probably hit back, and there is concrete self-defense. I also have nothing against Karate or Boxing. I think when two people want to fight it is even natural if they do. But it is different with weapons and it is most different with countries. Because this is not a fight, it is an abstract substitute butchering of poor simple soldiers and civilians.

The conundrum, yes George, I think we share this. You need the paradox to get these things solved inasfar as there is problem-solving involved. We cannot master them with logic or force, we need irony, song, provocation, contradiction, creativity. 3 June 2003


- Coco II -

Können wir die Lücken füllen zwischen dem Ideal und einer neuen, praktischen Wirklichkeit? (George Lottermoser)

Danke, George, für diese Anmerkung. Ich will es versuchen, doch dazu muss ich ein wenig ausholen. Ich hoffe, Ihr habt die Geduld, mir zu folgen:

Gewalt ist Reaktion. Ich reagiere aggressiv auf eine Bemerkung. Ich reagiere mit barschen Worten, weil ich mich ungerecht behandelt fühle. Ich bin wütend und werfe Fensterscheiben ein, weil ich gegen die soziale Unausgewogenheit protestieren will.
Gewalt ist immer eine Reaktion auf etwas Vorangegangenes, ebenso wie Nicht-Handeln, solange es bloßer Trotz und Verweigerung ist. Auch Gewaltlosigkeit und Liebe sind abhängig von Vorangegangenem, wenn sie aus Selbstnutz geführt und an Bedingungen geknüpft sind.

Wir sehen also, dass das, was wir zum Inhalt dieser Diskussion gewählt haben, bedingt ist. Und da es bedingt ist, also (bis auf eine Art von Liebe, auf die ich später noch eingehen werde) nicht aus sich selbst heraus, sondern in Abhängigkeit entsteht, ist es selbst, und seine Resultate, stets vorübergehend.
Da Voraussetzungen ebenfalls bedingt sind, ändern sie sich ständig und so kann es kommen, dass ein ansonsten gewaltloser Mensch Gewalt plötzlich befürwortet, dass ein liebender Mensch auf einmal hasst, oder umgekehrt. Jede der vier Möglichkeiten, schreibt George, hat ihre Zeit und ihren Ort, auch innerhalb des Einzelnen, und dem stimme ich zu. Wenn aber diese Modelle auch innerhalb des Einzelnen nur vorübergehend sind, müssen wir diesen Einzelnen genauer betrachten um weiter zukommen.
(Anis: Daher sehe ich die Lösung des Weltkonflikts darin, ein alternatives Glaubenssystem herzustellen und zu unterstützen, eines, dass Identitäten bejaht... )
Nur wenn wir das wahre Selbst des Einzelnen verstehen, können wir zu einer Handlungsmaxime gelangen, die den Einzelnen befähigen wird, die Gesellschaft positiv zu beeinflussen, stimmen wir hier überein?

Wir sind das Produkt des Beischlafs unserer Eltern, die wiederum das Produkt des Beischlafs ihrer Eltern sind, usw. Das ist die einfachste Erklärung der Bedingtheit. Wären unsere Eltern nicht, wären auch wir nicht. Doch wie viele Dinge mussten zusammenkommen, damit sich unsere Eltern verliebten? Auch von diesen unzähligen Details ist unsere "Entstehung" abhängig gewesen. Hätte meine Mutter am Abend des ersten Treffens ein anderes Parfum getragen, hätte mein Vater sie vielleicht nicht mehr angerufen. Ich bin also das Produkt des Parfums meiner Mutter. Ich bin das Parfum meiner Mutter, das Parfum ist ein Teil von mir.
Wir sind das Ergebnis der Wünsche und Hoffnungen unserer Eltern, die durch ihre Erziehung deutlich wurden. Wir sind bedingt durch die Menschen, denen wir im Laufe unseres Lebens begegnen. Wir sind die Bücher, die wir lesen; wir sind die Meinungen, die wir aufgrund unserer Erfahrungen (mit anderen Menschen - also wieder bedingt) annehmen oder ablehnen. Insofern gibt es keine Umwelt, sondern nur Mitwelt. In uns ist alles um uns enthalten.
Der Mensch definiert sich durch seine Beziehungen zu anderen Menschen (Jiddu Krishnamurti). Das Ich erfährt sich durch das Du im gemeinsamen Wir (Martin Buber). Ein unabhängiges, also von jeglicher Abhängigkeit (wobei der Begriff nicht negativ bewertet werden sollte) freies Ich existiert nicht! Ein nicht-bedingtes, vom Du getrenntes Ich ist nicht möglich. Aus dieser Erkenntnis entwickelte der vietnamesische Mönch Thich Nhat Hanh (mehrmals und unter anderem von Martin Luther King für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen) den Begriff Intersein (engl: to interbe). Wir sind nicht, wir intersind! Die Eigen-Identität, (von der Du, Anis, sprichst) aus der Handlung aus Nicht-Handlung entspringt, ist die Erkenntnis, dass es kein Ich im Sinne eines unabhängigen Ichs gibt!
Und hier krankt unsere Gesellschaft: Sie propagiert beispielsweise mit ihrer Abkehr vom solidarischen Sozialsystem eine Trennung zwischen Ich und Du, die nicht wahr ist!
Wenn ich diesen Zusammenhang erkenne, wird es schwer, zwischen meinem und deinem Glück zu unterscheiden. Oder anders, politischer, ausgedrückt: Nur weil es arm gibt, gibt es reich, und wenn ich mir dessen, und der Tatsache bewusst bin, dass auch mein Leben von unendlichen Abhängigkeiten bestimmt / bedingt wird, kann ich mich der Verantwortung, die durch diese "Wir" entsteht, nicht mehr entziehen.
Die wirkliche, tiefgründige Erkenntnis des wahren Wesens dessen, was wir fälschlicherweise "der Einzelne" nennen, führt meines Erachtens unweigerlich zu sozialem, politischem, ökologischem, künstlerischem,... liebendem Engagement. Dies ist meines Erachtens nach die Botschaft hinter den Worten: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst."

Nehmen wir an, wir hätten ein paar Pfund zu viel und hätten uns entschlossen, abzunehmen. Wir informieren uns und lesen Diätpläne. Würden wir den Vorschlag einer 200 kg schweren Frau annehmen, die uns Cheeseburger kauend versichert, sie wisse, wie wir schnell und dauerhaft Gewicht verlieren könnten? Wohl kaum.
Oder wir möchten mit dem Rauchen aufhören. Würdet Ihr auf die Methode eines hohlwangigen, gelbzähnigen, kettenrauchenden Mannes vertrauen, der uns mit zittrigen Händen erzählt, wie es geht? Ich nicht. Genauso spreche ich jedem, der Gewalt als Möglichkeit zur Veränderung einer Gesellschaft in Betracht zieht, die Kompetenz ab, dauerhaften Frieden zu schaffen. Frieden kann ich nur geben, wenn ich ihn bereits erreicht habe. (Lisa Iris: Frieden, der Zustand von ruhigem Potenzial, frei von egoistischen Ablenkungen,.. ) (An dieser Stelle möchte ich Anis bitten, seine Definition von Frieden, wie er sie in seinem Essay "Was ist Frieden?" unter "Frieden ist, wenn du Frieden hast" trifft, an meinen Beitrag anzuhängen. Sie ist wundervoll!) Da ich bedingt bin, bedinge ich auch andere. Indem ich friedlich werde, trage ich meinen Teil dazu bei, dass das Wir friedvoller wird. Ich gebe ein Beispiel für alle anderen "Ichs", die mit mir auf wunderbare und vielfältige Weise verwoben sind.
(Und hier widerspreche ich Richards Statement: "Ich bin Realist ...Ich glaube nicht an Demonstrationen ...ich glaube nicht, dass meine Worte einen anderen Menschen verändern werden...", denn allein dadurch, dass sie ausgesprochen wurden, oder allein dadurch, dass wir demonstrieren, verändert sich etwas. Deine Worte interagieren mit allen Menschen und bedingen sie, direkt oder über Umwege.)
Auf die Frage, wie wir dieses Beispiel (durch konkretes Handeln) in der heutigen Konsumgesellschaft vorleben können, möchte ich im zweiten, hoffentlich bald fertig gestellten Teil meiner Ausführungen eingehen. Es geht also nicht, wie George anmerkt, um einen Vorschlag..., der das Modell der Konsumgesellschaft ersetzt. Ein Vorschlag, wie es funktionieren könnte..., sondern um den Vorschlag eines besseren Handelns in der Konsumgesellschaft.

Auf die Veränderung des Einzelnen wird die Veränderung der Strukturen (Macht- und Konsumstrukturen) folgen, nicht anders herum.
(Lisa Iris: ... die Form der Regierung nicht so wichtig war wie die Transformation des Lebens der Menschen auf tiefster Ebene. Ohne das würde sich die Gesellschaft nie verbessern... )
Die Frage nach der Art der Regierung, wie das Gesundheitswesen aufgebaut sein muss, usw. sind unbestreitbar wichtig und wir müssen Alternativen aufzeigen. Ich bin jedoch kein Fachmann in diesen Bereichen und beschränke mich auf das, was ich konkret fassen kann. Ich bin mir aber sicher, dass das wirkliche Erkennen der Verwobenheit miteinander, wie ich sie oben beschrieben habe, Grundlage für wahrhaft gute Alternativen ist. Ich bin mir sicher, dass aus einer solchen Sicht der Dinge wahre, unbedingte Liebe entstehen wird, die keine Reaktion ist, sondern aus sich selbst existiert. Liebe, aus der Nicht-Handeln, in Bezug auf unsinnigen Konsum wie ich es in "Handeln in Zeiten der Orientierungslosigkeit" beschrieben habe, und gewaltloses Handeln in Bezug auf Demonstrationen und politische Aktionen, entspringen wird.

Bleibt die Frage nach ziviler Gewalt, wie Anis sie kurz anreißt:
"Wenn mich jemand schlägt, werde ich zurück schlagen, und es gibt konkrete Selbstverteidigung."
Wenn ich der Tatsache bewusst werde, dass mich jemand schlagen will, werde ich mich umdrehen und gehen. Wenn mich jemand schlägt, werde ich rennen. 14.06.03


- Coco II -

Können wir die Lücken füllen zwischen dem Ideal und einer neuen, praktischen Wirklichkeit? (George Lottermoser)

Danke, George, für diese Anmerkung. Ich will es versuchen, doch dazu muss ich ein wenig ausholen. Ich hoffe, Ihr habt die Geduld, mir zu folgen:

Gewalt ist Reaktion. Ich reagiere aggressiv auf eine Bemerkung. Ich reagiere mit barschen Worten, weil ich mich ungerecht behandelt fühle. Ich bin wütend und werfe Fensterscheiben ein, weil ich gegen die soziale Unausgewogenheit protestieren will.
Gewalt ist immer eine Reaktion auf etwas Vorangegangenes, ebenso wie Nicht-Handeln, solange es bloßer Trotz und Verweigerung ist. Auch Gewaltlosigkeit und Liebe sind abhängig von Vorangegangenem, wenn sie aus Selbstnutz geführt und an Bedingungen geknüpft sind.

Wir sehen also, dass das, was wir zum Inhalt dieser Diskussion gewählt haben, bedingt ist. Und da es bedingt ist, also (bis auf eine Art von Liebe, auf die ich später noch eingehen werde) nicht aus sich selbst heraus, sondern in Abhängigkeit entsteht, ist es selbst, und seine Resultate, stets vorübergehend.
Da Voraussetzungen ebenfalls bedingt sind, ändern sie sich ständig und so kann es kommen, dass ein ansonsten gewaltloser Mensch Gewalt plötzlich befürwortet, dass ein liebender Mensch auf einmal hasst, oder umgekehrt. Jede der vier Möglichkeiten, schreibt George, hat ihre Zeit und ihren Ort, auch innerhalb des Einzelnen, und dem stimme ich zu. Wenn aber diese Modelle auch innerhalb des Einzelnen nur vorübergehend sind, müssen wir diesen Einzelnen genauer betrachten um weiter zukommen.
(Anis: Daher sehe ich die Lösung des Weltkonflikts darin, ein alternatives Glaubenssystem herzustellen und zu unterstützen, eines, dass Identitäten bejaht... )
Nur wenn wir das wahre Selbst des Einzelnen verstehen, können wir zu einer Handlungsmaxime gelangen, die den Einzelnen befähigen wird, die Gesellschaft positiv zu beeinflussen, stimmen wir hier überein?

Wir sind das Produkt des Beischlafs unserer Eltern, die wiederum das Produkt des Beischlafs ihrer Eltern sind, usw. Das ist die einfachste Erklärung der Bedingtheit. Wären unsere Eltern nicht, wären auch wir nicht. Doch wie viele Dinge mussten zusammenkommen, damit sich unsere Eltern verliebten? Auch von diesen unzähligen Details ist unsere "Entstehung" abhängig gewesen. Hätte meine Mutter am Abend des ersten Treffens ein anderes Parfum getragen, hätte mein Vater sie vielleicht nicht mehr angerufen. Ich bin also das Produkt des Parfums meiner Mutter. Ich bin das Parfum meiner Mutter, das Parfum ist ein Teil von mir.
Wir sind das Ergebnis der Wünsche und Hoffnungen unserer Eltern, die durch ihre Erziehung deutlich wurden. Wir sind bedingt durch die Menschen, denen wir im Laufe unseres Lebens begegnen. Wir sind die Bücher, die wir lesen; wir sind die Meinungen, die wir aufgrund unserer Erfahrungen (mit anderen Menschen - also wieder bedingt) annehmen oder ablehnen. Insofern gibt es keine Umwelt, sondern nur Mitwelt. In uns ist alles um uns enthalten.
Der Mensch definiert sich durch seine Beziehungen zu anderen Menschen (Jiddu Krishnamurti). Das Ich erfährt sich durch das Du im gemeinsamen Wir (Martin Buber). Ein unabhängiges, also von jeglicher Abhängigkeit (wobei der Begriff nicht negativ bewertet werden sollte) freies Ich existiert nicht! Ein nicht-bedingtes, vom Du getrenntes Ich ist nicht möglich. Aus dieser Erkenntnis entwickelte der vietnamesische Mönch Thich Nhat Hanh (mehrmals und unter anderem von Martin Luther King für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen) den Begriff Intersein (engl: to interbe). Wir sind nicht, wir intersind! Die Eigen-Identität, (von der Du, Anis, sprichst) aus der Handlung aus Nicht-Handlung entspringt, ist die Erkenntnis, dass es kein Ich im Sinne eines unabhängigen Ichs gibt!
Und hier krankt unsere Gesellschaft: Sie propagiert beispielsweise mit ihrer Abkehr vom solidarischen Sozialsystem eine Trennung zwischen Ich und Du, die nicht wahr ist!
Wenn ich diesen Zusammenhang erkenne, wird es schwer, zwischen meinem und deinem Glück zu unterscheiden. Oder anders, politischer, ausgedrückt: Nur weil es arm gibt, gibt es reich, und wenn ich mir dessen, und der Tatsache bewusst bin, dass auch mein Leben von unendlichen Abhängigkeiten bestimmt / bedingt wird, kann ich mich der Verantwortung, die durch diese "Wir" entsteht, nicht mehr entziehen.
Die wirkliche, tiefgründige Erkenntnis des wahren Wesens dessen, was wir fälschlicherweise "der Einzelne" nennen, führt meines Erachtens unweigerlich zu sozialem, politischem, ökologischem, künstlerischem,... liebendem Engagement. Dies ist meines Erachtens nach die Botschaft hinter den Worten: "Liebe deinen Nächsten wie dich selbst."

Nehmen wir an, wir hätten ein paar Pfund zu viel und hätten uns entschlossen, abzunehmen. Wir informieren uns und lesen Diätpläne. Würden wir den Vorschlag einer 200 kg schweren Frau annehmen, die uns Cheeseburger kauend versichert, sie wisse, wie wir schnell und dauerhaft Gewicht verlieren könnten? Wohl kaum.
Oder wir möchten mit dem Rauchen aufhören. Würdet Ihr auf die Methode eines hohlwangigen, gelbzähnigen, kettenrauchenden Mannes vertrauen, der uns mit zittrigen Händen erzählt, wie es geht? Ich nicht. Genauso spreche ich jedem, der Gewalt als Möglichkeit zur Veränderung einer Gesellschaft in Betracht zieht, die Kompetenz ab, dauerhaften Frieden zu schaffen. Frieden kann ich nur geben, wenn ich ihn bereits erreicht habe. (Lisa Iris: Frieden, der Zustand von ruhigem Potenzial, frei von egoistischen Ablenkungen,.. ) (An dieser Stelle möchte ich Anis bitten, seine Definition von Frieden, wie er sie in seinem Essay "Was ist Frieden?" unter "Frieden ist, wenn du Frieden hast" trifft, an meinen Beitrag anzuhängen. Sie ist wundervoll!) Da ich bedingt bin, bedinge ich auch andere. Indem ich friedlich werde, trage ich meinen Teil dazu bei, dass das Wir friedvoller wird. Ich gebe ein Beispiel für alle anderen "Ichs", die mit mir auf wunderbare und vielfältige Weise verwoben sind.
(Und hier widerspreche ich Richards Statement: "Ich bin Realist ...Ich glaube nicht an Demonstrationen ...ich glaube nicht, dass meine Worte einen anderen Menschen verändern werden...", denn allein dadurch, dass sie ausgesprochen wurden, oder allein dadurch, dass wir demonstrieren, verändert sich etwas. Deine Worte interagieren mit allen Menschen und bedingen sie, direkt oder über Umwege.)
Auf die Frage, wie wir dieses Beispiel (durch konkretes Handeln) in der heutigen Konsumgesellschaft vorleben können, möchte ich im zweiten, hoffentlich bald fertig gestellten Teil meiner Ausführungen eingehen. Es geht also nicht, wie George anmerkt, um einen Vorschlag..., der das Modell der Konsumgesellschaft ersetzt. Ein Vorschlag, wie es funktionieren könnte..., sondern um den Vorschlag eines besseren Handelns in der Konsumgesellschaft.

Auf die Veränderung des Einzelnen wird die Veränderung der Strukturen (Macht- und Konsumstrukturen) folgen, nicht anders herum.
(Lisa Iris: ... die Form der Regierung nicht so wichtig war wie die Transformation des Lebens der Menschen auf tiefster Ebene. Ohne das würde sich die Gesellschaft nie verbessern... )
Die Frage nach der Art der Regierung, wie das Gesundheitswesen aufgebaut sein muss, usw. sind unbestreitbar wichtig und wir müssen Alternativen aufzeigen. Ich bin jedoch kein Fachmann in diesen Bereichen und beschränke mich auf das, was ich konkret fassen kann. Ich bin mir aber sicher, dass das wirkliche Erkennen der Verwobenheit miteinander, wie ich sie oben beschrieben habe, Grundlage für wahrhaft gute Alternativen ist. Ich bin mir sicher, dass aus einer solchen Sicht der Dinge wahre, unbedingte Liebe entstehen wird, die keine Reaktion ist, sondern aus sich selbst existiert. Liebe, aus der Nicht-Handeln, in Bezug auf unsinnigen Konsum wie ich es in "Handeln in Zeiten der Orientierungslosigkeit" beschrieben habe, und gewaltloses Handeln in Bezug auf Demonstrationen und politische Aktionen, entspringen wird.

Bleibt die Frage nach ziviler Gewalt, wie Anis sie kurz anreißt:
"Wenn mich jemand schlägt, werde ich zurück schlagen, und es gibt konkrete Selbstverteidigung."
Wenn ich der Tatsache bewusst werde, dass mich jemand schlagen will, werde ich mich umdrehen und gehen. Wenn mich jemand schlägt, werde ich rennen. 14.06.03

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