home   english   sitemap   galerie   artclub   orient online   jukebox   litbox   termine   shop

Die ATTAC-Debatte über SLIME's Punk-Song "Yankees raus"
English Version

(Oktober 2003) Inhalt: Der Konflikt - Interview mit Elf (ex-SLIME) - Interview mit Werner Rätz von ATTAC - Über ATTAC - Über KULTURATTAC - Über SLIME - Über Elf - Text des Songs "Yankees raus" - Diskussion

DER KONFLIKT (Mai 03): KULTURATTAC gibt eine Doppel-CD "Peace Attack" gegen den Krieg heraus mit vielen Bands aus Deutschland und dem Ausland. Darunter die Punk-Band RUBBERSLIME mit dem Song "Yankees raus". Den möchte der Koordinierungs-Kreis von ATTAC wegen Missverständlichkeiten nicht unterstützen. Für vier der Mitglieder des Ko-Kreises hätte eine Distanzierung im Booklet gereicht. Während zunächst ein (vermeintlicher oder wirklicher) Rassismusvorwurf aufkam, stellte sich kurze Zeit später heraus, dass es im wesentlichen um den Vergleich mit der Nazizeit geht. Im Interview sagt Werner Rätz von ATTAC dazu: "Ich denke, dass SLIME gar nicht meint, dass die USA und die SS dasselbe sind. Aber eine solche Aussage versteht nicht jeder als Übertreibung; sie bringt dir Zustimmung von der falschen Seite."

Beim Treffen haben sich die anwesenden Parteien, KULTURATTAC und Label (KMG), auf zwei getrennte CDs geeinigt, statt einer Doppel-CD: Die erste (Punk-CD) wird nicht von ATTAC unterstützt, die zweite (Pop-CD) wird das Logo von ATTAC tragen (ATTAC ist also Mit-Herausgeber). KULTURATTAC als Vermittler in der Situation hat für ein einheitliches Konzept/Projekt gekämpft: "Es war unsere Priorität! Das Label hätte es auch gerne gehabt."

Elf, Ex-Gitarrist von SLIME, sagt: "Wenn es eine deutsche Punkband gab, die immer gegen jede Art von Rassismus gestanden hat, dann war das SLIME und ich hatte eigentlich nicht vor, mit dieser Tradition zu brechen."

Hier folgt zunächst ein Interview mit Elf von SLIME, danach eines mit Werner Rätz von ATTAC. Weiter unten finden sich Hintergrundinfos zu ATTAC, KULTURATTAC, SLIME und zu Elf sowie die beiden Versionen des Songs "Yankees raus". Im zweiten Teil sind aussagekräftige Diskussionsbeiträge zum Thema gesammelt.

Hinweis: Ein anderes Mitglied der Ex-Band SLIME, der Drummer Stephan Mahler, protestierte in einer Mail am 09.09.03 an Elf, weil die Neuauflage des Songs 'Yankees raus' erstens nicht abgesprochen sei und zweitens nicht von Elf, sondern vom ihm, Stephan, geschrieben wurde. Er nennt dies einen "klaren Bruch des Urheberpersönlichkeitsrechtes" und verweist auf die GEMA Datenbankwerknr. 2.954.740. Die Neuaufnahme hält Stephan "textlich wie musikalisch für völlig inakzeptabel". Auch das dritte ex-SLIME-Mitglied Eddy verurteile Elfs Alleingang. Siehe auch Stephans Statement vom 13.09. Elf sagt dazu unter anderem: "Die Musik von Yankees raus ist von mir geschrieben worden. Der Originaltext ist teilweise von Stephan, aber Parts, wie z.B. der Refrain sind einfach vom englischen Originaltext, den ich zuerst verfasst hatte, eins zu eins übersetzt. Mahler hat, was mir nicht bekannt war, alle Slime Stücke auf seinen Namen bei der Gema angemeldet, obwohl absolut nicht alle von ihm sind. So auch 'Yankees raus'." Elf sagt auch, (das vierte Mitglied) Dirk und er hätten mit Slime gerne weitergemacht. Stephan schrieb daraufhin in einer Mail anfang Oktober: "Der Text von Yankees raus ist von mir geschrieben worden, der Refrain, die Parole selbst war von Elf/Dirk, dem Sänger. Die Musik kam von Elf, etwas anderes würde ich auch nie behaupten, aber in der Kontroverse ging es um den Text. Zu behaupten, ich hätte eigenmächtig alle Slime-Lieder bei der Gema angemeldet, stimmt so nicht. Der Einfachheit halber haben wir damals beschlossen, das z.B. dieser Song nur auf meinen Namen angemeldet wird. Elf hat in anderen Fällen die von ihm komponierten Songs auch auf seinen Namen angemeldet."


Online-Interview mit Elf von SLIME
16. Mai 2003 (Fragen von Anis)

Hat Punk heute dieselbe politische Aufgabe für Dich wie früher? Welche?
Elf von SLIME: Ich finde nicht, dass Punk irgendeine "Aufgabe" hat. Ich finde eigentlich auch, dass es Punk, mit der Bedeutung, die er früher mal hatte, heute gar nicht mehr gibt. Entweder ist Punk zum totalen Modekaspertum verkommen, oder er führt ein Nischendasein.. Es mag sein, dass es noch etliche Leute gibt, die sich u.a. auf Punk berufen, wenn sie mit musikalischen oder anderen künstlerischen Mitteln ihrer Wut über das jeweilige politische System in dem sie leben, Ausdruck verleihen. Mit der ursprünglichen Punkbewegung, die ihre Wurzeln in der englischen Arbeiterklasse hatte, hat das aber auch nicht mehr viel zu tun. Trotz alle dem würde ich schon sagen, dass es auf jeden Fall positiv ist, wenn junge Punks heutzutage ihrem Unmut über die Verhältnisse Ausdruck verleihen und das mit aggressiver Musik rüberbringen.

Wie nimmst Du die Debatte über den Song auf, findest Du sie produktiv?
Ich finde die Debatte bzw. die Argumente die gegen den Songtext angeführt wurden völlig schwachsinnig!!! Ich habe es fast schon als Beleidigung empfunden, dass der Text als "rassistisch" bezeichnet wurde. Erst einmal sind weder "Yankees" noch "Amis", Bezeichnungen für eine Rasse. Zweitens muss man in einem Songtext der nur drei Strophen und einen Refrain hat und außerdem aus dem Bereich PUNK kommt auch mit Provokation arbeiten. Man kann ja keinen weitschweifigen Diskurs über das Für und Wider der amerikanischen Außenpolitik in einem kurzen Punksong unterbringen. Das wäre auch total langweilig! Entweder ist man gegen diese Art von Machtpolitik und Neo- Imperialismus , und dann muss man das auch mit harten und gerne auch übertriebenen Worten klar machen, oder man weiß nicht so genau und eiert mit seiner Meinung um den Kern der Sache herum, was dann auch überhaupt niemandem irgendetwas bringt. Übrigens habe ich einen Onkel in Atlanta, der genauso heftig gegen Bush ist, wie wir und er ist nicht der einzige Ami dem diese christlichen Fanatiker schlaflose Nächte bereiten. Der Song ist gegen Bush gerichtet und nicht gegen alle Amerikaner!!! Ich behaupte mal, Michael Moore (Oskar Gewinner für "Bowling for Colombine", Autor von"Stupid white men") würde den Text auch OK finden.

Hast Du gesellschaftliche Wunschbilder, auf die Du hinarbeitest, oder folgst Du Impulsen?
Gesellschaftliche Utopien wie z.B. Kommunismus, habe ich schon lange ad acta gelegt. Die real existierenden Versionen des Vorläufers Sozialismus haben ja wohl gezeigt, das es in der Form nicht funktioniert und es immer in einer Diktatur endet. Demokratie ist wohl allgemein gesagt, das realistischste System. Die Frage ist halt, wie man das mit Gerechtigkeit und Solidarität ausfüllt, auch gegenüber der dritten Welt etc.

Wo setzt Du selbst Deine Grenzen, welche Rolle hat das Tabu und Selbstzensur?
Wenn man Songtexte mit politischem Inhalt macht, muss man provozieren, sonst geht man unter in der Masse der Harmlosigkeiten der Pop Welt. Texte wie "Bullenschweine" würde ich aber in der Form wie vor 23 Jahren heute nicht mehr schreiben, das ist dann doch zu einfach und zu krass. Außerdem kann man mir natürlich mit Recht vorwerfen, dass ich den Inhalt dieses Textes nie in meinem eigenen Leben umgesetzt habe. Dann säße ich neben Christian Klar im Knast und dazu hatte ich dann doch nie ernsthafte Ambitionen.

Was bedeutet links-radikal? Ist das noch wichtig?
Für mich bedeutet das gar nichts und hat es auch nie wirklich. Ich würde mich am ehesten als Humanist bezeichnen, obwohl das manchmal auch schwer fällt, wenn man sich die Dummheiten der Menschheit insgesamt ansieht.

Wie tolerant bist Du gegenüber dem Establishment?
Wo es für einen selbst nötig ist, arrangiert man sich halt, wo nicht: totale Intoleranz!

Möchtest Du, dass die Gesellschaft zusammenwächst, und ist der Song ein Beitrag dafür?
Es wäre schon gut, wenn es mehr Solidarität unter den Menschen gäbe, als es im Moment vielleicht der Fall ist. Ob einzelne Songs wie "Yankees raus" dazu beitragen, möchte ich allerdings grundsätzlich bezweifeln. Das sieht man ja schon an der Diskussion die der Text unter den ATTAC Leuten offensichtlich ausgelöst hat. Immerhin habe ich das schon mal erreicht...

Wen möchtest Du mit Deiner Musik erreichen?
George W. Bush und seine Junta!

Bist Du mit der Lösung des CD-Themas zufrieden?
Ich finde die Idee mit den 2 CD's gut, weil Hans Hartz etc. neben uns und den anderen härteren Bands dann doch etwas albern wirkt.

Online-Interview mit Werner Rätz von ATTAC
20. Mai 2003 (Fragen von Anis)

Ist SLIME's Song "Yankees raus" rassistisch?
Werner Rätz von ATTAC: Nein; ich weiß nicht, wo das herkommt, im Koordinierungskreis von attac ist diese Kritik nie geäußert worden.

In einer ersten Stellungnahme hörte ich, dass sich die Hauptkritik gegen das Lied gegen den Vergleich mit SA und SS und die Bezeichnung des Vierten Reiches richtet. Dass dies mit Verharmlosung der Naziverbrechen zu tun hätte. Inwiefern ist das eine Verharmlosung, was genau darf man nicht vergleichen und warum nicht?
"SA", "SS", "Drittes Reich" sind Begriffe, die ganz ausdrücklich Nazideutschland und seine Herrschaftsstrukturen benennen. Nazideutschland ist eng mit Auschwitz, mit der geplanten, bewussten, fabrikmäßigen, ausnahmslosen, systematischen Ausrottung der europäischen Jüdinnen und Juden verbunden. Das ist so einmalig in der Welt. Deutschland hat ein großes Interesse seit langer Zeit, diese Einmaligkeit zu verwischen; die deutschen Eliten versuchen dauernd, mit dem Finger auf andere zu zeigen und zu sagen: "Seht mal, die sind genauso schlimm wie wir!" Dabei darf man sie nicht unterstützen; die Verantwortung für Auschwitz darf man ihnen nicht abnehmen. Ansonsten spricht gar nichts dagegen, Verbrechen Verbrechen zu nennen. Und da gibt es dann gute Gründe, dies gegen alle imperialistischen Staaten zu richten, auch gegen die USA.

Wie gefällt Dir, was Elf im Interview über den Song und seine Funktion gesagt hat?
Es ist klar, dass ein Lied nicht gegen alles und jedes im Proporz protestieren kann. Zuspitzung auf einen Punkt, Übertreibung - das ist nötig und legitim. Aber so wie Elf sagt, dass "Bullenschweine" eine Zuspitzung ist, die daneben gehen kann, so glaube ich das auch von "USA - SA - SS". Ich denke, dass Slime gar nicht meint, dass die USA und die SS dasselbe sind. Aber eine solche Aussage versteht nicht jeder als Übertreibung; sie bringt dir Zustimmung von der falschen Seite. Es kann jeder deutsche Nationalist diesem Spruch zustimmen und mit denen möchte ich nichts zu tun haben.

Was sagst Du zu dem Argument, dass eine Welt, die mit den unschuldig Getöteten im Irak leben kann, auch mit dem Song "Yankees raus" leben können sollte?
Das finde ich, um Elf zu zitieren, "völlig schwachsinnig". Nur weil irgendwo Schreckliches geschieht, ist es nicht legitim, selbst Falsches zu sagen oder zu tun. Ganz abgesehen davon, dass ja sowohl Slime wie attac eben nicht mit den Getöteten im Irak leben und sich abfinden wollen.

Findest Du es konstruktiv, dass diese Debatte entstanden ist?
Grundsätzlich ist es immer richtig, über Widersprüche zu reden. Was dabei rauskommt, muss man sehen.

Im aktuellen Rundbrief 2/03 heißt es: "Viele Attac-Gruppen haben sich in den vergangenen Monaten engagiert in die Friedensbewegung eingebracht und diese mitgeprägt. Insbesondere hat Attac immer wieder explizit auf die Zusammenhänge zwischen Krieg und (neoliberaler) Globalisierung hingewiesen." Wie siehst Du die Stellung von Attac im Zusammenhang mit der Friedensbewegung?
Mit der kapitalistischen Globalisierung ist die Gewalt überall auf der Welt explodiert. Kapitalismus war immer mit Gewalt verbunden, aber heute nimmt das zunehmend sinnlosere Formen an: Kriege und Bürgerkriege werden um fast nichts an Ergebnis, an Beute geführt. Selbst das irakische Öl hätten die USA sicherlich auch ohne Krieg kriegen können. Offenkundig soll die kriegerische Gewalt vor allem demonstrieren: Wir holen uns, was wir haben wollen. So wird mit dem Neoliberalismus auch Rechtlosigkeit und Raub globalisiert. Ich glaube, dass viele in attac diesen Zusammenhang sehen, auch wenn sie ihn vielleicht ein wenig zurückhaltender ausdrücken würden: Neoliberale Globalisierung lässt die nackte, räuberische Natur des Kapitalismus sichtbar werden und sie können nur zusammen bekämpft werden.

Nach Meinung von vielen gehört Punk zu unserer Kultur und kulturellen Vielfalt. Steht Vielfalt im Widerspruch zur Mehrheitsgesellschaft und wo siehst Du die Grenzen des Pluralismus?
Punk gehört natürlich zur kulturellen Vielfalt und war auch einmal politisch deutlich links verortet. Das ändert sich scheinbar heutzutage und dort, wo Nazis sich seiner bemächtigen, ist für mich das Ende der Toleranz: Den Nazis keinen Fußbreit.

Inwieweit würdest Du sagen, dass der Koordinierungskreis Attac repräsentiert?
Das mit der Repräsentation ist so eine Sache. Ich glaube, man repräsentiert sicher immer nur sich selbst; weitgehend repräsentiert man wohl auch noch diejenigen, mit denen man oft und regelmäßig spricht, sich austauscht. Der Kokreis ist vom attac-Ratschlag gewählt und politisch sehr breit zusammengesetzt. Insofern sind da viele Ideen, Strömungen, Erfahrungen vertreten, die es bei attac gibt. Aber es ist der Kokreis und attac ist attac.

Bist Du mit der Lösung des CD-Themas zufrieden?
Ich bin mir nicht sicher. Attac ist Vorwürfen ausgesetzt, mit dem Thema Nationalismus, Antisemitismus nicht aufmerksam genug umzugehen. Ich glaube, dass diese Vorwürfe z.T. von interessierter (z.B. antideutscher) Seite aufgebauscht werden, dass sie aber z.T. auch berechtigt sind. Und ich habe die Sorge, dass ein solcher missverständlicher Text dazu führen könnte, dass das Nachdenken und Reden über Defizite innerhalb von attac schwerer wird - so nach dem Motto "Die sagen das doch auch". Trotzdem will ich eine Zusammenarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern und dann muss man wohl mit solchen Widersprüchen leben. Ich hoffe, dass das gelingt und meine Befürchtungen sich als unnötig herausstellen.



Dazu Elf am 21.05.: "Zum Thema éNazi-Verharmlosung': Ich sehe die Sache mit dem Applaus von der falschen Seite etwas anders als Werner. Man kriegt den Applaus eben nicht deshalb von Nazis, weil man die USA als Weltpolizei-SA-SS bezeichnet. Wenn ich nicht total falsch liege, würden die sich diesen Vergleich mit Sicherheit verbieten, da sie ja gegen den Krieg waren und auf Seiten Saddams standen und diese Naziorganisationen für sie etwas eher Gutes bedeuten. Außerdem gibt es immer Themen, bei denen auch Nazis oder Rechte sagen würden: Da stimme ich auch zu. Damit muss man dann leben. Letztendlich ist es wohl eine Geschmacksfrage, ob man solche übertriebenen Vergleiche als Provokation benutzt oder nicht."

Hintergrund von ATTAC - eine Bewegung im Aufbruch. Homepage: www.attac.de

Seit den Protesten in Genua für eine soziale und ökologische Globalisierung ist die globalisierungskritische Bewegung in aller Munde. 200.000 Menschen sind für soziale und ökologische Gerechtigkeit im Globalisierungsprozess auf die Straßen gegangen. Ihr Protest richtete sich gegen die weltweit wachsende soziale Ungleichheit, gegen eine Globalisierung, die nur an mächtigen Wirtschaftsinteressen orientiert ist. Mit 90.000 Mitgliedern in 50 Ländern versteht sich Attac als Teil dieser globalen Bewegung. Auch in Deutschland bildet Attac ein breites gesellschaftliches Bündnis, das von ver.di und der GEW über den BUND und Pax Christi bis zu kapitalismuskritischen Gruppen unterstützt wird. Immer mehr Menschen unterschiedlicher politischer und weltanschaulicher Herkunft werden in den mittlerweile über 160 Attac-Gruppen vor Ort aktiv.

Neoliberale Globalisierung - viele Verlierer, wenige Gewinner
Das Versprechen, die Globalisierung bringe Wohlstand für alle, hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil: Die Kluft zwischen Arm und Reich wird immer größer, sowohl innerhalb der Gesellschaften als auch zwischen Nord und Süd. Motor dieser Art von Globalisierung sind die internationalen Finanzmärkte. Banker und Finanzmanager setzen täglich Milliardenbeträge auf den Finanzmärkten um und nehmen über ihre Anlageentscheidungen immer mehr Einfluss auf die gesellschaftliche Entwicklung. Damit untergraben die Finanzmärkte die Demokratie.

Globalisierung ist kein Schicksal - eine andere Welt ist möglich
Demgegenüber tritt Attac für eine demokratische Kontrolle und Regulierung der internationalen Märkte für Kapital, Güter und Dienstleistungen ein. Wir sind davon überzeugt, dass die Wirtschaft den Menschen dienen muss und nicht umgekehrt. Politik muss sich an den Leitlinien von Gerechtigkeit, Demokratie und ökologisch verantwortbarer Entwicklung ausrichten. Nur so kann die durch die kapitalistische Wirtschaftsweise entstehende gesellschaftliche Ungleichheit ausgeglichen werden. Attac will ein breites gesellschaftliches Bündnis als Gegenmacht zu den entfesselten Kräften der Märkte bilden. Dabei geht es nicht um ein Zurück zum vermeintlich idyllischen Zustand vergangener Jahrzehnte. Alternativen sind nötig und möglich. Die Behauptung, Globalisierung in ihrer jetzt herrschenden, neoliberalen Form sei ein alternativloser Sachzwang, ist reine Ideologie. Wir setzen dem unsere Vorstellung von Globalisierung entgegen: internationale Solidarität von unten. Eine andere Welt ist möglich.

Attac - eine Bewegung mit Zukunft
Attac - die französische Abkürzung für "Vereinigung zur Besteuerung von Finanztransaktionen im Interesse der BürgerInnen" - wurde 1998 in Frankreich gegründet. Lag der ursprüngliche Fokus von Attac in dem Eintreten für eine demokratische Kontrolle der internationalen Finanzmärkte und der Einführung der Tobin-Steuer, so haben wir uns mittlerweile der gesamten Problematik neoliberaler Globalisierung angenommen. Komplexe Themen werden auf klare und vermittelbare Forderungen heruntergebrochen und gleichzeitig wird eine fundierte Analyse im Hintergrund geboten. Dabei konzentrieren wir uns in Form von Attac-Kampagnen auf die Durchsetzung unserer Kernforderungen.

Attac aktiv - Was wir machen
Attac versteht sich als Bildungsbewegung mit Aktionscharakter und Expertise. Über Vorträge, Publikationen, Podiumsdikussionen und eine intensive Pressearbeit werden die komplexen Zusammenhänge der Globalisierungsthematik einer breiten Öffentlichkeit vermittelt und Alternativen zum neoliberalen Dogma aufgezeigt. Mit Aktionen soll der notwendige Druck auf Politik und Wirtschaft zur Umsetzung der Alternativen erzeugt werden. Ein wissenschaftliche Beirat wird in Zukunft die Arbeit von Attac inhaltlich begleiten. Attac setzt darauf, möglichst viele Menschen zu gewinnen und mit ihnen gemeinsam zu handeln.

Veränderung beginnt vor Ort - Attacgruppen
Im Mittelpunkt stehen bei Attac die Menschen, die vor Ort und in bundesweiten Aktionsgruppen und Arbeitskreisen aktiv werden. In über 160 Orten gibt es bereits Attac-Gruppen. Sie machen beispielsweise kreative Aktionen gegen die neue Welthandelsrunde der WTO oder vor der Filiale eines in Steueroasengeschäfte verwickelten Konzerns. Sie arbeiten inhaltlich an Attac-Themen und organisieren Informationsveranstaltungen.


Hintergrund KULTURATTAC. Kultur, Medien und KommunikAktion für eine andere Welt.

Warum sind Kunst und Kultur in einer Bewegung wie Attac wichtig? Kultur ist die Basis, auf der jeder von uns täglich Entscheidungen trifft. Kultur ist das Bindeglied der Gesellschaft, das Zusammenhalt schafft. Darum braucht eine andere Welt auch eine andere Kultur.

Es gibt viele Quellen der Kultur, aber Medien, Kunst, Wissenschaft sowie Werbung und Marketing gehören heute zu den Wichtigsten. Die Mächtigen und Konzerne, die die meisten dieser Quellen besitzen oder finanzieren, kontrollieren also die Kultur und bestimmen so auch den Rahmen, in dem wir unsere Entscheidungen treffen. Eine andere Gestaltung von Medien, von Kommunikation, Information, Kunst und Kreativität ist der entscheidende Weg für die Befreiung der Menschen aus den starren Strukturen, die die Welt zu dieser Krise geführt haben. Und diese Befreiung ist das Hauptziel von Kulturattac, ein Netzwerk in dem Netzwerk von Attac.

Zu Kulturattac gehören Akteure und Interessenten aus dem Kulturbereich wie Medien, Musik, Theater, Literatur und Kunst: Bands, Schauspieler, Redakteure, Schriftsteller, Regisseure, Designer, Marketing-Fachleute, Eventmanager und sonstige Kreative. Es ist nicht einfach, Freidenker in einer Bewegung zusammenzubringen und zu halten: Das ist aber genau die Herausforderung und gleichzeitig das Potenzial von Kulturattac.Vieles bei Kulturattac ist noch am Entstehen und wird mit weiteren Interessierten gemeinsam entwickelt.

Klar sind jedoch die Aufgabenfelder: Kulturattac will die Ziele der globalisierungskritischen Bewegung, mit kreativer Kunst-, Kultur-, Medien- und Kommunikationsarbeit unterstützen. Das bedeutet konkret, dass KünstlerInnen sich in Attac-Projekte einbringen oder eigenständig Aktivitäten entfalten. Kulturattac will weiter einen kreativen offenen Raum schaffen, in dem sich jede und jeder entfalten und selbst verwirklichen kann; durch das Netzwerk können sich auch weniger Erfahrene bei Kulturattac Fachwissen aneignen, das sie kreativ und selbstständig für sinnvolle Ziele einsetzen können.


Stationen von SLIME, einer der bekanntesten deutschen Punk-Bands, Website: www.slime.de

1981: Erste LP. Selbstproduziert, ohne Vertrieb, ohne Label. Handverkauf nach Gigs. Erste größere Popularität, da Lieder wie "A.C.A.B.", "Bullenschweine", "Deutschland muß sterben" etc. im ganzen Land den "Soundtrack" zu militanten Demos abgaben. Diverse Gigs mit anschließenden Straßenschlachten, vor allem im Berliner SO 36.

1982: In München und Hannover Prügeleien mit dem Publikum. Anzeige wegen Beamtenbeleidigung, Aufruf zur Gewalt und Verunglimpfung staatlicher Einrichtung. Hausdurchsuchung im Hamburger Plattenladen "Rip Off" und Konfiszierung der ersten LP im ganzen Land. AGR-Labelchef Walterbach erhält Anzeige. Band beruft sich auf "künstlerische Freiheit". AGR zahlt Strafe. "Deutschland", "Bullenschweine", sowie "Polizei SA/SS" auf dem "Soundtrack zum Untergang"-Sampler werden zensiert und mit Pieptönen versehen, dürfen nicht mehr live gespielt werden. Dieser beispiellose Vorgang trägt nicht gerade zur Verminderung des Bekanntheitsgrades der Band bei. Zweites Album "Yankees raus" ist weniger polemisch, aber immer noch sehr politisch. Links-radikal werden sie öfter genannt.

1984: Zitat SLIME: Wenn du selbst "Keine Führer" forderst und damit selbst einer wirst, läuft irgendetwas schief. Wir wollten keine Helden sein und einige Leute wollten uns dazu machen. Wir sahen damals keine andere Lösung als aufzuhören."

-89: Die umstrittene Band war und blieb für viele Leute Sinnbild des musikalischen Widerstandes gegen Staat und Faschisten, Polizeiterror und Unrecht, Träger vieler Hoffnungen auf eine Utopie: ein Leben ohne Unterdrückung durch den Staat. Zitat SLIME: Bands wie SLIME sind wichtig um den allgemeinen Faschotendenzen (auch im Punk) klare Zeichen entgegenzusetzen. Hoyerswerda, Rostock, Solingen usw. waren schon konkrete Anläße. Es reicht einfach nicht, "Nazis raus!" zu brüllen und das war es dann. Zumal wir auch eine dermaßene Wut hatten und uns nicht mit unseren Ohnmachtsgefühlen abfinden wollten

Reunion 1991, Trennung 1994. Zitat SLIME: Punk ist für uns nichts Destruktives oder Negatives, sondern Medium, um z.B. unsere Wut oder unsere Bestürzung auszudrücken. "Wut" ist etwas anderes als "Hass". Hass ist keine Kraft, mit Wut kannst du etwas bewegen." Doch SLIME war nie so angelegt, großartige Veränderungen oder Differenzierungs-Metamorphosen zuzulassen, dafür waren sie zu radikal, und so war auch der "Auftrag" ihrer Fans.

1994: Mit ihrem plötzlichen Abgang scheinen SLIME auch ihrer Radikalität treu zu bleiben ... "Was SLIME war, kommt gut in dem Lied "Brüllen, zertrümmern und weg" auf den Punkt. "Und so ist es jetzt auch: Wir brüllten, Wir haben zertrümmert - Nun gehen wir." Zum Abschied hinterliessen SLIME eine Live-Platte, eine Aufnahme aus der Großen Freiheit 36 in Hamburg von der "Schweineherbst-Tour" im Frühjahr 94. Ein letztes Mal SLIME mit ihrer geballten Energie - das, was sie sich gerade auf ihren Live-Konzerten bis zuletzt bewahrt haben.


Informationen zu Elf, (Gitarre, Gesang) SLIME seit 1979.
Weitere Bands: o 1984 - 1985: TARGETS Schneller, lauter, härter (EP, AGR, 1984), Menschenjagd (EP, AGR, 1984), Massenhysterie (LP, AGR, 1984). Diverse Auftritte und eine Support Tour mit Peter & the Test Tube Babies o 1986 - 1987: verschiedene Projekte, die allerdings nicht weiter als über Hamburg hinaus kommen. o 1988 - 1991: DESTINATION ZERO Suiciety (LP, Bitzcore, 1988), Survive (LP, Vielklang/Ruff'n Roll, 1989), Mr.Evil (LP, Vielklang/Ruff'n Roll, 1990). Eher eine Rock'n Roll- als eine Punk-Band. Die erste LP wurde mit SLIME-Gitarrist Christian in seinem damals gerade enstandenen Soundgarden Studio aufgenommen. Die zweite und dritte CD wurde von Rodrigo Gonzales, heute Bassist bei den Ärzten, produziert. Schwer rocklastig das Ganze. Ich spielte 1991 zeitweise in drei Bands: SLIME, Destination Zero und Abwärts. Deshalb wurde Destination Zero auf Eis gelegt. o 1989 - 1995: ABWÄRTS Ich seh' die Schiffe den Fluss herunterfahren (CD, Totenkopf/Virgin, 1990), Comic Krieg (CD, Sony, 1991), Herzlich Willkommen im Irrenhaus (CD, EMI, 1992), Hurra (CD, EMI, 1993), V8 (CD, SLIME Tonträger, 1994). Seit meinem Einstieg 1990 bei der Hamburger Kult-Band Abwärts war ich als Gitarrist und Co-Autor auf allen Abwärts-Scheiben dabei. 1994 wurde die letzte Abwärts-CD auf dem eigenen SLIME-Label veröffentlicht - dann war auch dieses Kapitel beendet. o 1997 - 1998: ELF German Angst (CD, Noise/Modern Music, 1997), Alkohol und alte Scheine (CD, Noise/Modern Music, 1998) o 1998: C.I.A. Codename Freibeuter (CD, Noise/Modern Music, 1998). Das "Allstar"-Projekt C.I.A. wurde nach der ersten CD und einer kurzen Tour, wieder beerdigt. Es scheiterte mal wieder am nichtvorhandenen Durchhaltevermögen diverser Bandmitglieder. o Seit 1999: MINNE & DIE MINNIES Na Und (CD, Ramba Zamba/Indigo, 1999). Minne & die Minnies: eine Kinderlieder-Rock'n Roll-Band

TEXT DES SONGS:

Yankees raus
RUBBERSLIME 2003 - aktualisierter Text von Elf

In Hiroshima fing alles an
Die letzten Schranken fielen in Vietnam
Ein Albtraum "Made in America"
Das 4. Reich ist schon lange da

Ref. U S A - Das Blut fließt durch sie jeden Tag
U S A - Das Blut fließt durch sie seit dem Tag
Seit dem es sie gibt

Yankees raus, Yankees raus
Wir sind Millionen und wir schreien es raus
Yankees raus, Yankees raus
Wir sind Millionen und wir schreien es raus
Amis raus!

Imperialisten, Kriegsriskierer
Weltpolizei SA - SS
Am Ende seid ihr die Verlierer
Machthunger wird für euch zur Pest

U S A - Blut fließt durch sie jeden Tag
U S A - Blut fließt durch sie seit dem Tag
Seit dem es sie gibt

Yankees raus, Yankees raus
Wir sind Millionen und wir schreien es raus
Yankees raus, Yankees raus
Wir sind Millionen und wir schreien es raus
Amis raus!

Solo

U S A - Das Blut fließt durch sie jeden Tag
U S A - Das Blut fließt durch sie seit dem Tag
Seit dem es sie gibt

Yankees raus, Yankees raus
Wir sind Millionen und wir schreien es raus
Yankees raus, Yankees raus
Wir sind Millionen und wir schreien es raus
Amis raus!

Krieg in Afghanistan, Krieg im Irak
Welches Land ist wohl als nächstes dran
Hey George double U, hör mal zu
Saddam ist auch nicht schlimmer als du

Refrain
Yankees raus!
ORIGINALTEXT VON 1982:

Yankees raus
SLIME 1982 - Text & Musik von Stephan Mahler / Elf (Michael Mayer-Poes)

Tausende von Menschen
Maenner, Frauen und Kinder
Zerfetzt von Napalm in Vietnam
Tausende von Menschen
Rote und Schwarze
Gejagt und getoetet vom Ku-Klux-Klan
USA - Das Blut fliesst durch sie jeden Tag
USA - Das Blut fliesst durch sie seit dem Tag
Seit dem es sie gibt
Yankees raus, Yankees raus
Wir sind Millionen und wir schreien es raus
Yankees raus, Yankees raus
Wir sind Millionen und wir schreien es raus
Amis raus
Imperialisten, Kriegsriskierer
Friedenswille stoesst Euch vom Thron
Zu viel Schrecken droht dem Verlierer
Eure Gegner stellen eine Nation
Ref.
Ghettos in Frisco, Slums in L.A.
Das ist der American Way
Im Land der Freiheit sind alle gleich
So gleich wie damals im dritten Reich
Ref.

Diskussion

Jörn Hagenloch (Kulturattac): Ich kann nicht verstehen, dass Attac so große Probleme damit hat. Für mich ist es eben Musik und die darf viel mehr als explizit politische Äußerungen. Ich finde den SA- und SS-Vergleich ärgerlich und überflüssig, denn es geht in der jetzigen Situation nicht darum, eine Verbindung mit der Vergangenheit zu suchen (und da ist diese ewige Nazi-Vergleicherei peinlich, denn der rhetorische Kniff, einfach das Schlimmste zur Vergleichsebene zu machen, weckt zwar starke Emotionen beim Zuhörer, aber es sagt nichts über die Realität heute - und verharmlost die Nazis, eine alte Debatte). Es geht darum zu verstehen, was die amerikanische Regierung heute macht, wie sie handelt, welche Motive sie hat und welche Position der denkende und handelnde Mensch dazu beziehen soll. Für mich ist es ein Lied gegen eine kriegführende Regierung, nicht gegen die über 240 Millionen Bewohner der USA. Darum trifft auch der Vorwurf, das Lied sei rassistisch, überhaupt nicht. Eine Regierung ist doch keine Rasse (und was ist überhaupt eine Rasse???). Im Grunde hat das Lied schon mehr geholfen, als die ganze sonstige Musik, mit der Attac einverstanden ist. Es hat eine Diskussion darüber ausgelöst, wie weit für Attac die Kultur gehen darf. Und die Diskussion zeigt, dass Kultur viel mit Politik zu tun hat. Wir sind also auf dem richtigen Weg mit Kulturattac: Grenzen austesten und Grenzen erweiten. Nicht mit der Brechstange, sondern mit kulturellen Diskussionsbeiträgen. 23.05.03
Dieter Bornschlegel / Initiator, VISION EUROPE - VISION PEACE:
www.visioneurope.de Als Urheber der Peace Sampler Action möchte ich an dieser Stelle den eigentlichen Ursprung der Initiative VISION EUROPE VISION PEACE näher erläutern. Vor zwei Jahren begann ich angesichts der Dauerberieselung von Kriegspropaganda und Kriegshetze nach Musikern und Bands zu suchen, die ähnlich wie ich dieses nicht länger schweigend hinnehmen wollten. Anfangs noch unterstützt von einem Musikerkollegen der Band Creutzfälltjacob, hatten wir es uns zum Ziel gemacht, quasi eine weltweite musikalische Peacefront aufzubauen, und neben etablierten Künstlern, gleichzeitig auch weniger bekannten Musikern und Bands eine Chance zu geben, dabei sein zu können. Länderübergreifend, Spartenübergreifend. Punk sollte neben Klassik stehen können, Amateur neben Vollprofi. Amerikaner neben Palästinenser. Einzig der Wille, den Kriegstreibern dieser Welt Paroli zu bieten, sollte das entscheidende Kriterium sein.

Ein einziger Text hat nun ausgereicht, dass von diesem Grundgedanken leider nicht mehr viel übrig ist. Ein kleiner Text hat dazu geführt, dass Punkrock und anderes heftigeres Liedgut aus Vorsorge vom "guten" Rest getrennt wurde. Eine wie ich finde unglückliche, wenn nicht sogar beunruhigende Entscheidung. Attac hat sich mit diesem Schritt irgendwie auch im Allgemeinen GEGEN Musikstile wie Punk und Punkrock ausgesprochen. Ich kann mir vorstellen, daß jede zweite Punkband einen ähnlichen Text wie diesen in ihrem Programm hat. Ein Übermass an Amerikanismus ruft eben auch eine Form von Antiamerikanismus hervor. Bei Musikstilen wie Heavy Metal, Death Metal, Brutal Metal, Grind, Hardcore, Darkwave wird sich Attac wohl in Zukunft ebenfalls schwertun, weil dort auch nicht gerade zimperlich getextet wird. DOCH EINE ANDERE WELT WIRD OHNE PUNK etc. NICHT MÖGLICH SEIN. Was mich betrifft, so werde ich auf beiden CDs aussen ein Klettverschluß anbringen, damit wieder zusammenkommt was zusammengehört.

ps: kurz noch zu USA SA SS.........hat nicht ( neben Kohn Bendit ) auch Joschka 1968 eben genau solche Parolen skandiert und ist trotzdem Aussenminister geworden? Vielleicht steckt ja in einer der vielen Punkbands schon unser nächster Außenminister. 23.05.03
Sabine Yacoub: www.sabine-yacoub.de Ein wichtiger Aspekt in der Diskussion um Slime ist die Frage nach dem Sinn von Provokationen. Slime wollte durch den Nazi-Vergleich provozieren und es ist ihnen gelungen. Bringt eine solche Provokation weiter? Ich denke, die auf Anis Online abgehaltene Diskussion zeigt, dass eine Provokation an und für sich nicht ausreicht. Sie muss zu einem Gespräch führen, sonst ist ihre Wirkung nur negativ, weil sie dann niemanden zusammen bringt, sondern nur Leute trennt, die eigentlich vieles gemeinsam haben. Kommt die Diskussion zustande, dann hilft die Provokation den anderen und auch sich selbst besser zu verstehen, Tabus zu erkennen und zu beleuchten, evtl. in Frage zu stellen. Wir alle müssen üben, uns von Provokationen nicht sofort abschrecken zu lassen, sondern stattdessen das Gespräch zu suchen, sonst wird jeder Versuch, "eine andere Welt" zu schaffen, an Kommunikationsbarrieren scheitern. Die Diskussion auf dieser Homepage zeigt einen sinnvollen Umgang mit Provokationen.

Ich verstehe die Bedenken von attac gegenüber der Veröffentlichung des Liedes "Yankees raus". Ich selbst würde einen solchen Text auch nicht schreiben. Zwar sagt Werner Rätz, dass der Ko-Kreis eigentlich nur sich selbst vertreten kann, aber für die Öffentlichkeit ist der Ko-Kreis attac. Und auch die Attacis möchten sich vom Ko-Kreis möglichst vertreten sehen. Attac ist sehr groß und sehr heterogen, deshalb muss der Ko-Kreis abwägen, was er unterstützt und was nicht. Werner Rätz sieht mit der Veröffentlichung des Songs die Gefahr, "dass das Nachdenken und Reden über Defizite innerhalb von attac schwerer wird". Meines Erachtens ist das Gegenteil der Fall: Für Attac hat sich hier eine Möglichkeit geboten, über die eigenen Werte und die Identität von attac zu diskutieren. Und Anis hat mit dem Interview von Slime und Werner Rätz aus dem Ko-Kreis und der Einrichtung einer Seite zu diesem Thema im Internet diese Gelegenheit genutzt.

Ein weiterer Aspekt, der während der Diskussion zu Tage getreten ist, ist meines Erachtens die Notwendigkeit, über die Legitimität von Vergleichen mit Nazi-Deutschland zu sprechen. Ist es wirklich so, dass jeder Vergleich verharmlost? Ist es nicht auch so, dass die Betonung der Einmaligkeit von Nazi-Deutschland dazu benutzt werden kann, anderes Unrecht zu verharmlosen? 30.05.03
Heiko Wolz (Attac- und Kulturattacmitglied):
Als Anmerkung zum Text des Liedes "Yankees raus!", der diese Diskussion in Gang gesetzt hat, möchte ich eines zu Beginn ganz deutlich sagen: Mir gefällt er nicht. Ich kann mich nicht mit dem Inhalt des Textes identifizieren, da er meine Ansichten und Einstellungen nicht widergibt.
Meine Kritik bezüglich des von den USA und seinen willigen Unterstützern geführten Krieges richtet sich hauptsächlich gegen die Regierung Bush. Eine Regierung, die glaubt, wirtschaftliche Interessen mit militärischer Gewalt durchsetzen zu müssen, oder schlimmer noch, eine Regierung, die anscheinend wirklich glaubt, sich auf göttlicher Mission zu befinden.
Verallgemeinerungen als Mittel, auf Missstände hinzuweisen, sind nicht generell auszuschließen. Hier allerdings kann die Verallgemeinerung, was die Aussage "Yankees raus" zweifellos ist, meines Erachtens nicht positiv zur Kritik am Krieg beitragen. Kunst darf provozieren, doch wie weit darf Provokation gehen? Provokation kann auch abschrecken: Nein, wirklich nicht! Ich möchte gar nichts über eure Ziele wissen. So etwas gehört sich nicht!!

Ich verstehe also das Dilemma, in dem sich der Ko-Kreis befunden haben muss und denke, dass die Entscheidung nicht einfach gewesen ist. Ich möchte deshalb nicht nur Kritik an dieser Entscheidung, sondern auch meinen Respekt vor der Kraft, die diese Entscheidung gekostet haben muss, äußern. Und doch bin ich der Meinung, dass diese Hürde geschickter hätte übersprungen werden können: Ein einfacher Hinweis im Booklett hätte genügt. Solche Hinweise finden wir in jeder Zeitung. "Die Meinung des Verfassers spiegelt nicht (unbedingt) die Meinung der Redaktion wider." Das wäre ausreichend gewesen. Und es hätte ein Zeichen gesetzt für die Offenheit von attac. Für die Bereitschaft, offene Diskussionen führen zu wollen. Sicher muss attac sich das Recht vorbehalten, auf angemessene Weise auf Personen zu reagieren, die massiv gegen das Selbstverständnis von attac verstoßen. Gewalt, zum Beispiel, als Mittel, um unsere Forderungen durchzusetzen, kann keinen Platz bei uns haben. Einen solchen groben Verstoß sehe ich bei dem angesprochenen Stück allerdings nicht.

Mir gefällt der Text nicht. Und doch hätte ich damit leben können, ihn auf einer von attac unterstützen CD zu finden. Es hätte mir niemand die Kompetenz absprechen können, meine eigene Meinung zu finden und ggf. eine Stellungnahme dazu abzugeben (denn das wäre jedem attacie nach Erscheinen der CD möglich gewesen). Aus diesem Grund hoffe ich, dass die jetzt - dank Anis - begonnene Diskussion für die Zukunft von attac und Kulturattac genutzt werden kann. 02.06.03


14.06.03, Siehe auch den Artikel "Wen darf man mit wem vergleichen?" von Hannsheinz Bauer. Hannsheinz Bauer (SPD) ist das einzige noch lebende Mitglied des Parlamentarischen Rates, der 1948/49 das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland auf den Weg gebracht hat.
URL: http://www.sopos.org/aufsaetze/3ee9f8c72d31a/1.phtml
Darin: "Wenn wir Deutsche, vor allem wir Alten, mit dem Finger auf die USA zeigen, setzen wir uns sofort dem Verdacht aus, von unserer eigenen geschichtlichen Verantwortung ablenken zu wollen. Doch gerade nach den deutschen Verbrechen der Nazizeit sind die allgemein gültigen Kriterien der Menschenrechte und des Völkerrechts formuliert worden, die in der UN-Charta stehen. An diesen Kriterien ist das Handeln heutiger Regierungen zu messen. Deswegen wehre ich mich dagegen, daß manche Zeitgenossen, auch Amtspersonen, jeden Vergleich als Majestätsbeleidigung und Staatsvergehen zurückweisen - wie im Fall der Justizministerin Herta Däubler-Gmelin, die kurzerhand aus dem Amt gejagt wurde. Mich kann keiner daran hindern, den gegenwärtigen US- und den einstigen NS-Führer zu vergleichen. Wer sich an die UN-Charta, an die Leitlinien des Völkerrechts, der Allgemeinen Menschenrechte und der Rechtsstaatlichkeit auch im demokratischen Innenleben der Staaten gebunden fühlt, kann auf die Handlungen des Präsidenten Bush nicht anders reagieren, als sie als Verstöße gegen elementare Normen anzuprangern und vor allem junge Menschen darauf hinzuweisen, wie solches autoritäres Gebaren den Weg in die Diktatur ebnen kann. Es gibt nicht nur Affinitäten, sondern Analogien zur Praxis Hitlers."


Stephan Mahler, Drummer der Ex-Band SLIME und wesentlicher Mit-Urheber der Originalfassung von "Yankees raus" schreibt am 13.09.03:
"Wogegen ich mich halt verwahre, ist wenn im Namen Slime Dinge öffentlich gemacht werden die ich nicht nur nicht mittragen kann sondern einfach inhaltlich grauenhaft finde: Diese ewige,wirklich abgedroschene Bezugsetzung zum Faschismus in Deutschland im Falle des US Imperialismus und dem Angriff auf den Irak, nur weil es so griffig ist und sich hart anhört, gefällt mir nicht, sie ist in Ihrer Einfallslosigkeit politisch schlicht falsch; mir kommt das so vor als wenn jemand halb überlegt und dann halt irgendetwas rausposaunt, unwissentlich über die Verantwortung gegenüber den Worten und der Öffentlichkeit. Meiner Ablehnung gegenüber dem US Imperialismus und seinen Kriegen kann ich heutzutage nicht mehr mit Plattheiten gerecht werden - Der umgeschriebene Text von Yankees raus ist aber nicht nur platt und z.T. albern (siehe letzte Strophe) sondern solche Textzeilen wie USA SA SS sind für mich aufgesetzt effekthascherisch, das ist die Sprache, die wir zum Teil vor zwanzig Jahren gewählt haben und die direkte Umsetzung unseres Schwarz/weiß Denkens war, es sollte auch nicht sonderlich reflektiert sein. Nun sind aber über zwanzig Jahre vergangen und die Dinge liegen sehr viel komplexer, denen wird man mit diesen Plattitüden wahrlich nicht gerecht. Es sei denn, man will das, aber das lehne ich ab, also bitte nicht (auch ) in meinem Namen.. Vielleicht hätte Elf das Alles lieber mit einer gänzlich neuen Band und einem Namen, der nicht im direkten Bezug zu Slime steht verfolgen sollen. Ansonsten unterstütze ich Eure Arbeit und deren Ziele absolut. Viele Grüsse, Stephan
                                  hoch