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heft 3
KRITIK DER KRITIK
bambus # 29 - anis 07.01.00

unlängst wollte ich - eine kritik über kritiker schreiben - doch wurde dieses vorhaben scharf kritisiert - man warf mir vor - ich hätte subjektive gefühle - und wäre daher voreingenommen - also verwarf ich die kritik -- es war besser so - glauben sie mir - kritik, das ist - wenn einer ankommt - der ein bisschen mehr versteht - als der urheber - der sache - das ist eine kunst - für sich - ganz für sich allein - man nennt sie: - die deutsche kunst -- die deutschen - das sind die - die jeden mangel sofort erkennen - und beschreiben können - wenn zum beispiel - ein maler malt - oder ein bildhauer haut - dann kommt einer - von einem anderen ort - und erkennt schnell - den mangel - in der diktion - und in der metaphorik - für wieder andere leute - die dann aha sagen - und sich ihre eigenen gedanken machen - welche mit dem maler - meist nicht viel zu tun haben -- kritiker sind übersetzer - sie sagen den doofen - was sache ist - und so gestalten sie die welt -- es gibt natürlich auch positive kritik - das ist - wenn man erklärt - was einem gefallen hat - dagegen erklärt die kritik - was einem nicht so gefallen hat - das andere darf der kritisierte - großzügig - als implizit akzeptiert - erachten -- manche dinge darf man gar nicht kritisieren - weil sie heilig sind - zum beispiel frauen - das schwächere geschlecht - sie haben viel gelitten - deshalb sind in der werbung - immer die männer die doofen - sie werden fortwährend veralbert - und alle amüsieren sich darüber - (zum beispiel die frauen) - die männer dürfen sich nicht beschweren - sonst sagen die frauen - "frauenfeindlich" - und sie sagen - dass männer latent gewalttätig sind - dabei haben die frauen die macht - in diesem land - die männer haben bloß das geld - aber ich schweife ab -- juden darf man auch nicht kritisieren - weil viele millionen von ihnen - von den deutschen umgebracht wurden - in den jahren zwischen 33 und 45 -- man sollte die israelis fragen - ob die deutschen - im jahr 2000 eigentlich - ein glückliches volk - sein dürfen? -- auch wer krank ist - entzieht sich legitim jeder kritik - weil er krank ist - auch die toten - weil sie sich nicht verteidigen können -- wenn man bedenkt - dass niemand gerne kritisiert wird - müssten eigentlich viele leute - gute gründe haben - um krank zu werden - gut, dass es nicht so ist! - es ist nur eine fiktion - die vier millionen - depressiven - haben damit nichts zu tun - das sind lediglich die - die nicht so viel einstecken können -- zusammengefasst kann man sagen: - man darf die schwachen nicht kritisieren - sei also schwach - und keiner kann dir was - hi hi - ob sie schon darauf gekommen sind? - die frauen, meine ich -- wenn aber einer daherkommt - und gesund ist - dabei noch strotzend - vor energie und plan - na - mit dem kann doch wohl - etwas nicht in ordnung sein - bei dem - muss doch ein haken sein - ist doch keiner von uns! - und bald wird der mangel - gefunden - und unter die leute gebracht -- also müssen die starken - doppelt stark sein - weil sie dauernd - irgendwelche nörgler vermöbeln müssen -- im grunde ist - kritik in deutschland - eine völlig normale - reaktion - auf etwas - man muss das - im kulturhistorischen zusammenhang sehen - es ist ja nichts schlimmes - es heißt lediglich: - "ich habe dir zugehört" - die meinen das nicht so - das kommt sozusagen - mit der muttermilch -- nimm das nicht so persönlich - sie sagen dir nicht - wenn es ihnen gut gefällt - so ist die etikette - es ist halt so - das hat mit dir gar nichts zu tun - es hat gründe - es soll ja niemand - übermütig werden - es ist bloß ein missverständnis