home   english   sitemap   galerie   artclub   orient online   jukebox   litbox   termine   shop   my literature   bambus
heft 4
VOM MACHEN UND TUN
bambus # 36 - anis 28.02.00

da kannst du einfach - gar nichts machen - was hast du denn - gedacht? - natürlich - viele haben versucht - etwas zu machen - aber alle sind - am ende ihres lebens gestorben - siehste! - alle tot - und was haben sie erreicht? - ist die menschheit - vielleicht glücklich geworden? - nein! - na siehste! -- beim letzten mal - (das muss so - 68 gewesen sein) - haben wir unsere häuser verlassen - wir protestierten - wir haben den staat - angebrüllt - und beworfen - mit dem - was wir auf der straße fanden - es wurden - wasserwerfer - gegen uns eingesetzt - die studenten - stellten fragen - und benahmen sich - anders als früher - sie waren dagegen - sie waren sehr beschäftigt damit - dagegen zu sein - sie hatten - philosophen - auf ihrer seite -- das system - war stärker als sie - wenn du erst einmal erkannt hast - wie stark es ist - dann kommst du - aus dem staunen - nicht mehr raus - leise wirst du - unscheinbar - und irgendwann - verstummst du - es ist zu stark - wirklich - glaube mir doch! -- weil es so stark ist - braucht man sich keine - gedanken darüber zu machen - ob es gut ist- oder schlecht - oder böse - man versucht stattdessen - sich so zu bewegen - dass es keinen stört - denn sonst gibt es nur ärger - und wer will schon - ärger? -- ich mache viel - tue auch viel - habe vor allem - viele pläne - bis weit über die rente - hinaus - ich informiere mich - im fernsehen - und verkaufe - meine lebenszeit - an einen unbekannten -- die reichen - und die armen - hat es immer gegeben - und undank - ist der welten lohn - wer will schon undank? -- in der u-bahn gestern - saß ein junge - der sang ein lied - es geht: - froh zu sein - bedarf es wenig - und wer froh ist - ist ein könig - wahrscheinlich - singen sie das im kindergarten - es ist - aus einer anderen zeit - der junge - er hat mich wütend gemacht - weil er immer weiter - gesungen hat - immer wieder dasselbe - und wer froh ist - ist ein könig - solange - bis ich ihn zurechtgewiesen habe - denn lautes singen - in der u-bahn - ist verboten -- heute bin ich froh darüber - dass manche dinge verboten sind - sonst funktioniert - das system nicht mehr -- als man mich zur bank führte - um mir das herz - zu entnehmen - da fragte man mich - nach meinem letzten wunsch - ich dachte nach - sie fragten: - willst du vielleicht - noch etwas machen - oder tun? - aber ich wollte nicht - ich dachte nach - und stellte einige fragen - man beantwortete sie mir - dann machte ich beschuldigungen - man verzieh sie mir - wohlmeinend - dann hatte ich alles gesagt - und getan - und man entnahm mir - das herz -- heute komme ich - gut zurecht - mit meinen eltern - und meinem - arbeitgeber - in unserem morgengebet - heißt es: - man muss auch - kompromisse machen - wir leben nach dem motto: - ich bin okay - du bist okay - was auch geschieht - es liegt nicht - in unseren händen - denn was - soll man schon tun? - das system - es ist doch - viel zu stark - man redet nicht davon -- nur die weltverbesserer! - sie verstehen es eben nicht - sie kämpfen - gegen windmühlen - ich weiß es genau - denn ich kenne - das system - ja auch! - die menschen - sie sind es doch gar nicht wert - für sie zu kämpfen - sobald du etwas machst - und tust - kommen sie - und korrumpieren - die idee - die gute idee -- wer schläft - sündigt nicht - lieber will ich - nicht sündigen - als eine große idee - zu korrumpieren - oder dabei zusehen zu müssen -- außerdem - gibt es immer jemanden - dem es noch schlechter geht - als mir