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heft 23
DER ORIENT
bambus # 160 - anis 23.09.01

in letzter zeit bin ich häufig darauf angesprochen worden - warum ich eigentlich so selten - satiren über den orient schreibe - ob das vielleicht damit zu tun habe - dass ich den orientalen gegenüber voreingenommen wäre - ob ich sie vielleicht nicht mögen würde - nun, meine damen und herren - so ist das bestimmt nicht - natürlich mag ich die orientalen - ich schätze ihre individualität - ihre wachheit - präzision - weltgewandtheit - und vor allem ihre zielstrebigkeit - der einfache grund - warum ich bislang - keine vernünftige satire über sie geschrieben habe - ist der - dass sie überhaupt nicht witzig sind - sie bieten gar keine angriffsfläche - weil sie das nahezu perfekte menschliche ideal verkörpern - als gott den menschen nach seinem ebenbild schuf - hatte er bestimmt an einen araber gedacht -- die orientalen erstrecken sich - über ein weitläufiges gebiet - von nordafrika - über die arabische halbinsel - bis ins hinterland - auch die ganzen propheten - und kulturschätze - kommen von dort - das wort "orient" haben sich die europäer ausgedacht - denn es fällt außenstehenden immer leichter - die situation zu erfassen - als beteiligten - die orientalen haben sich daran gewöhnt - und das ist auch eine ihrer ganz starken seiten - sich an die unglaublichsten dinge - in sehr kurzer zeit - gewöhnen zu können -- die zivilisatorische überlegenheit des ostens - hat eine lange geschichte - auf die man gern - immer wieder zurückkommt - die europäer bewundern den orient schon lange - als sie hörten - dass dort das licht zu finden sei - (ex oriente lux) - gab es für sie kein halten mehr - die orientalen vertreten nämlich einen konsequenten liberalismus - anders als im westen - gibt es hier richtige freiheit - man darf zum beispiel - überall und so lange man will - hupen - das stört keinen - man darf auch überall seinen müll hinschmeißen - wo man will - wenn man im orient taxi fährt - darf man ohne aufpreis - die korankassetten mit anhören - die der fahrer braucht - um keinen unfall zu machen -- sehr berühmt ist die orientalische gastfreundschaft - jeder orientale hat ein schier unerschöpfliches reservoir - an tee - kaffee - und kürbiskernen - abends sitzen die leute - in ihren häusern - und diskutieren - über neue metaphysische theorien - oder sie sind auf andere art - kreativ tätig - kreativität nämlich - ist das fundament der orientalischen kultur - ebenso wie die gabe der improvisation -- die geistige führung in diesen ländern - obliegt oft den religiös gebildeten - das sind meistens hochintelligente männer - die offensichtlich absolut genau wissen - was los ist - eben aufgrund dieser tatsache - in ägypten zum beispiel - sind manche leute so religiös - dass sie eine braune stelle auf der stirn haben - vom bodenkontakt beim beten - da kann dann jeder sofort sehen - wie religiös der mann ist - sodass keine missverständnisse aufkommen -- politisch ist der orient - seit jahrhunderten sehr stabil - es gibt nur wenig streitigkeiten - weil die leute alle so sittsam sind - das hat bestimmt auch mit der religiosität zu tun - denn glaube - macht bekanntlich nicht nur stark - sondern vor allem friedlich - viele westliche länder - könnten sich da gut - eine scheibe abschneiden -- sie sehen - da ist fast nichts zu sagen - zum orient - aber wenn sich in der zukunft - irgendetwas ergibt - das auch nur annähernd lustig ist - werde ich sie natürlich - auf dem laufenden halten