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dr. bock 2
DR. BOCKS SPRECHSTUNDE (1): TERRORANGST
bambus # 173 - anis 11.10.01

guten tag - meine damen und herren - und willkommen bei einer neuen folge - von doktor bocks sprechstunde - ich bin doktor bock - kinderpsychologe am astrid-lindgren-hospital - für schwer verhaltensgestörte - und geisteskranke - kinder und jugendliche -- in den letzten wochen - bin ich immer wieder auf die terrorangst - angesprochen worden - kinder - misstrauen ihren eltern - eltern - misstrauen ihren kindern - verwandte werden - bei der polizei angezeigt - großeltern verschwinden spurlos - von der bildfläche - das muss nicht sein! - natürlich: - wie sie die großeltern wiederfinden können - weiß ich auch nicht - aber was die kinder angeht - so kann ich ihnen gerne sagen - was zu tun ist -- seit es die terroristen gibt - werden bei uns - vor allem von kindern - sehr nutzlose und abwegige fragen gestellt - dadurch fühlen sich viele eltern überfordert - das wichtigste ist - immer zuzuhören - denn dann denken die kinder - dass sie ernst genommen werden - geben sie ihnen das gefühl - beschützt zu sein - das reicht meistens - wenn die kinder etwas älter sind - so zwischen 24 und 37 - sollten sich eltern - griffige antworten zurecht legen - wie: - "ein terrorist ist ein mensch - der sehr stark an etwas glaubt - und deshalb andere verletzt" - das ist zwar eine ziemlich bescheuerte definition - aber fällt ihnen vielleicht - etwas besseres ein? - na also - irgendwie muss man es ja - den kindern erklären - wenn also leute ganz stark an etwas glauben - dann wollen sie - die anderen verletzen - die nicht so stark - an etwas glauben - es ist - so hart das auch klingen mag - heute wichtig - den kindern zu erklären - dass sie an nichts glauben sollen - denn sonst werden sie später - selbst zu terroristen - gehen sie also in der nächsten zeit - erst einmal ohne ihre kinder - in die kirche - und vor allem: - erzählen sie ihnen bloß nicht - dass die deutschen gewalt eigentlich gar nicht so schlecht finden - und dass sie sich endlich mal wieder - einen krieg wünschen - denn das können die kleinen - zu diesem zeitpunkt - noch gar nicht verstehen -- pubertierende jugendliche - neigen zu opposition - und wollen sich abgrenzen - man muss dann sehr einfühlsam sein - wenn man ihren willen bricht - reagieren sie also bitte gelassen - auch auf provokante äußerungen - und fragen sie die kleinen mal - ob sie vielleicht lieber - auf der straße wohnen würden -- viele jugendliche haben - auch angst vor dem militärdienst - in diesem falle - sollten sie ihren sprösslingen - vor dem zubettbringen - leichte schläge - auf die wangen verabreichen - in den meisten fällen hört das dann - nach einigen monaten schnell wieder auf - das ist auch billiger - als therapien - es sind aber bei uns - im astrid-lindgren-hospital - auch noch plätze frei - für hyperaktive kinder - da werden die kriegsdienstverweigerer - normalerweise mit reingeschnitten -- wenn ihre kinder jedoch - fragen stellen - mit denen sie überhaupt nicht zurecht kommen - oder von denen sie sich angegriffen - oder genervt fühlen - können sie sich immer auf die faustregel zurückziehen - die da heißt: - wenn man nicht sofort - eine antwort weiß - ist es in ordnung zu sagen - man wolle erst einmal nachdenken - und die antwort kommt später - denn hand aufs herz: - die meisten kinder sind so blöd - dass sie am nächsten tag schon wieder vergessen haben - was sie eigentlich wissen wollten - das kennt man ja - es sind eben kinder - mein gott - machen sie sich da bloß - nicht so einen kopf - die haben doch sowieso keine ahnung! - oder was glauben sie - warum wir die alle wegsperren?