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heft 31
DIE WÄCHTER
bambus # 213 - anis 24.03.02

die wächter des geheimnisses - nennen sich nicht so - könntest du sie fragen - nach dem geheimnis - würden sie sagen: - es gibt kein geheimnis - und nicht viel aufhebens - darum machen - aber du kannst nicht - mit ihnen sprechen - und sie auch nicht aufsuchen - der wirt - hat den schlüssel - und gibt ihn nicht her - sie mögen keinen besuch - möchtest du - dass ich weiterspreche? -- als ich dich sah - gestern nacht - in der karawanserei - saßt du allein am feuer - lächelnd über - ein gespräch - ich setzte mich zu dir - es war - ein impuls - als wäre da - etwas zu geben - oder zu nehmen - vielleicht warst du einfach nur schön - es spielt keine rolle -- ich muss jetzt leise sprechen - durch die wand meines quartiers - hörte ich einen wächter - ich erkannte ihn - aber du - du hörst mich doch - sei ohne furcht - manchmal bekomme ich - hässliche nasen angeklebt - fisch-augen - und einen buckel - angehängt - doch das hat nichts - mit uns zu tun -- wie du da saßest - am feuer - dein blick veränderte sich - es war mir - als winktest du mir zu - dir zu folgen - dein gesicht - es war verspannt - du warst... - du warst - ich wollte... - du legtest deinen finger - auf meine lippen - sahst mir tief - in die augen - und - liefst dann fort - hast du gesehen - wie ich dir gefolgt bin? - aber du hast es gewusst -- hier sind wir also - die stufen sind lang - da ist ein geländer - an dem man sich - festhalten kann - während man - hinabgeht - es ist - kein schöner ort -- ich habe - noch mehr gesehen - es macht mir - nicht viel aus - ich bin ein reisender - als ich dich heute - danach fragte - konntest du dich - an nichts erinnern - hattest aber einen - gesunden appetit - ich bin nur ein forscher - sagte ich zu dir - in gebrochenem deutsch - und um keinen deut besser -- wir reisenden - nennen uns so - du kannst uns fragen - nach dem geheimnis - dann sagen wir dir: - es gibt ein geheimnis - du sagst: - dann lass es uns - in der zeitung drucken - aber das können wir nicht - vielleicht kannst du es -- doch was wenn die wächter - die keine sind - auf ihrer seite - des spiegels - ebenso abgetrennt - vom anderen - an meiner stelle - ins wirtshaus kommen - den wirt bestechen - und sich - in aller stille - aufmachen - eben diesen weg zu gehen? - vielleicht sagen sie: - diese reisenden - sagen was sie sagen - warum soll man ihnen glauben? - warum sollten sie ausgerechnet - die wahrheit sagen? - hingegen wenn sie lügen - ergibt es einen sinn - dann sind sie selbst - die wächter - die reisenden wächter - die sich verstecken - hinter schönen worten - und wer könne da noch unterscheiden - und ein urteil fällen? - dann könnten genauso gut - wir selbst - den weg beschreiten - und das ungetüm bezwingen - mit unserer erfahrung - und unserer geschlossenheit - dafür brauchen wir nicht - die reisenden - und ihre stegreif-mythen -- hörst du noch? - ich bin es - durch diese stimmen - trete ich immer wieder hervor - werimmer ich auch sein mag - für dich - wenn du meinen namen weißt - kannst du mich rufen - das macht mir nichts aus -- als ich die leute im wirtshaus fragte - was denn wohl dabei sei - wenn ich mich - mit dem wirt verstehe - ob mich das denn verdächtig mache - da schwiegen alle schnell - und schauten in die gläser - bis der wirt zu lachen begann -- glaub es oder glaub es nicht - das hat nichts mehr - mit mir zu tun - ich bin ein reisender - und morgen nicht mehr - wo ich heute war