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heft 31
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ICH BIN EINE FRIEDENSBEWEGUNG
bambus # 216 - anis 15.04.02

hali halo meine lieben damen und herren - ich bin es wieder - ihr dissident - ich bin jetzt eine friedensbewegung - es ist eine ganz schöne umstellung für mich - und ich muss mich auch erst noch etwas zurechtfinden - der markt ist ja schon ziemlich voll - es gibt ja irre viele friedensbewegungen - wussten sie das eigentlich? - da muss man sich schon irgendwie durchsetzen können - sonst erreicht man gar nichts - man muss sich den frieden vorstellen - wie einen kuchen - jeder möchte ein stück davon abhaben - zum beispiel ging ich zu den sozialisten - die haben gesagt - dass ich nicht intellektuell genug bin - und die falschen bücher gelesen habe - und dass sie sich sicherlich nicht - den ganzen marx und das alles - reingepfiffen haben - in jahrelanger arbeit - um die sache dann - von einer ganz anderen seite aufzurollen - außerdem seien die posten - (für nachher) - bereits verteilt - und daher wäre eine zusammenarbeit - sinnlos - das sah ich ein - und ich wollte mich auch - nicht aufdrängen - ich ging zu den anderen - die saßen in einem kleinen raum - der mit politischen plakaten - und tauben - geschmückt war - sie tranken sehr viel tee - und mussten deshalb oft - auf die toilette gehen - als ich ihnen sagte - dass ich für den frieden sei - fanden sie das gut - und ich fand sie auch gut - daran hat sich bis heute - nichts geändert - dennoch: - es ging nicht weiter - ich entschloss mich - deutschland zu verlassen - und anderswo - freunde zu finden - so kam ich in die - internationale gemeinschaft - der sagte ich: - hallo freunde - ich bin gekommen - um frieden zu machen - und die internationale gemeinschaft war begeistert - endlich! - sagten sie - endlich haben wir dich gefunden - wie lange haben wir - auf dich gewartet! - und mir wurde diese - ganze schmeichelei - langsam etwas unangenehm - also sagte ich: - okay lasst uns arbeiten - und diese welt - zu einer guten welt machen - und die internationale gemeinschaft sagte: - aber was willst du tun? - und ich sagte: - wir müssen jerusalem neu aufbauen! - da sagte die internationale gemeinschaft: - okay - aber das ist ein job - der schon besetzt ist - warum kümmerst du dich nicht lieber - um somalia - und dschibuti - oder die westsahara? - aber ich wollte das nicht - ich wollte kooperation - was für eine egoistische friedensbewegung du doch bist! - sagte da die gemeinschaft - und wir hatten bereits - so viele hoffnungen - in dich gesetzt - wie konntest du uns nur - so enttäuschen? - glaubst du vielleicht - du hättest ein monopol - auf den frieden? - wir sind auch noch da! - und uns gibt es schon viel länger! - bevor du hier aufgekreuzt bist - war alles so schön aufgeräumt - und so - meine damen und herren - kam es - dass ich diese galaxie - an einem montagmorgen verließ - um einen ort zu finden - wo ich frieden machen konnte - ohne dabei - die gefühle anderer menschen - zu verletzen