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heft 34
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AUSGANGSSPERRE FÜR GEFÜHLE
bambus # 232 - anis 26.01.04

alarm ist ausgerufen worden - die checkpoints ihres herzens - sind sämtlich geschlossen - an den toren sicherheitsposten - nicht unfreundlich - doch streng - wer keine gültigen papiere hat - kommt hier nicht weiter -- es hatte tage gegeben - da war ich mehrere kilometer tief - in ihrem gebiet - fand dort spuren meines traums - und suchte das ohr - heute seit sonnenaufgang - sind alle wege abgeriegelt - keine eindringlinge können - durch die mauer - worte, gesten prallen ab - an berührung nicht zu denken - ausgangssperre für gefühle - keine infiltration - um der ruhe willen - mehr hat sie nicht verlangt - nur ruhe - aber wolltest du nicht etwas? - fragte ich - und sie sagte - sie habe es doch schon - aber hattest du nicht von einem traum erzählt - ganz zu beginn? - und sie sagte - das könne wohl sein - doch schaue sie nach vorn - ob denn etwas nicht in ordnung sei? - fragte sie und ich antwortete: - nein nein - das ist es nicht - nur diese mauer - sie ist sehr hoch - und die sicherheitsmaßnahmen - vorher war hier eine kleine wiese - nur für uns - da ließ sie mich - einen moment lang allein -- ich fuhr die hügeligen straßen ab - und versuchte an mehreren stellen - einen eingang zu finden - ich wollte mit ihr selbst sprechen - aber es ging nicht mehr - da war kein raum - dieses mal - hätte sie zuhören müssen - und ich hätte ebenfalls zuhören müssen -- die einzig verbleibende möglichkeit - jetzt noch zu ihr zu gelangen - war der affekt - das extrem - die verzweiflungstat - frontal auf den checkpoint zufahren - und beschleunigen - bis es kracht - denn wenn es kracht - muss da etwas wichtiges gewesen sein - etwas - worüber man nachdenkt - etwas - bei dem man sich fragt - warum es geschehen ist - so hatte ich es früher gemacht - bei einigen ihrer schwestern - allein es funktionierte nicht - am ende war da - immer nur ein trümmerfeld - wo vorher die wiese stand - schlechte träume - und kakerlaken - das war alles - von uns blieb jeweils gar nichts mehr -- nun ist die grenze also zu - ich steh hier in der eiseskälte - rauche eine zigarette - verabschiede mich von ihr - und recke meine knochen - drei panzer haben mich unterwegs - versehentlich überrollt - kollateral - das hatte ich in kauf genommen - ich wollte wissen - was dahintersteckt - und nun weiß ich's - es war da - den rest werde ich überleben -- hohe sicherheitsstufe - im kino wenig worte - wir starrten auf die leinwand - und ich verhielt mich unauffällig - fand mich in der ungeliebten rolle - eines under-cover-agenten - wir lächelten - während sie - mit dem ausbau der sperranlage - beschäftigt war - sie war immer wunderschön - ihre augen leuchteten - im abendland - ich konnte nur zusehen - denn ich kam gleich zu beginn - von der verkehrten seite -- nur kurz war ich heute der andere - der fremde - sah mich im spiegel der spiegelfrau - da war er wieder - ich kannte ihn schon lange - er hatte seinen platz - und schien ein wenig kümmerlich - ich mochte ihn nicht - er redete oft durcheinander - und war maßlos - dabei recht ungeschickt - ich verstand - dass sie ihm nicht zuhören mochte - ich mochte ihm selbst nicht zuhören - so waren wir uns - am ende fast einig - und ich brauchte mich nicht gehen zu lassen - sondern nur sie