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heft 34
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DIE GESCHICHTE VON JOBST HAUSER
bambus # 236 - anis 03.10.04

eines tages - als es der kleinen stadt wirtschaftlich schlecht ging - beschloss man - sich von den unproduktiven bürgern zu trennen - und sie im wald auszusetzen - da sie ständig nörgelten - den anderen auf der tasche lagen - und dem schönheitsideal nicht entsprachen - man verteilte ihr eigentum - und schon bald war wieder ruhe eingekehrt - alle waren zufrieden und optimistisch -- zehn jahre später griff die polizei - in der nähe des rhein-herne-kanals - einen völlig verwahrlosten - und übel riechenden jungen auf - den sie nie zuvor gesehen hatte - sie brachten ihn in die wirtsstube - wo er genau gemustert wurde - sein haar war zerzaust und zottelig - er war schmutzig und fast nackt - er trug nur ein paar marderfelle - seine bewegungen waren ähnlich denen - eines wilden tieres - man fragte ihn nach seinem namen - und seinen papieren - aber er sprach nicht - und schien sie auch nicht zu verstehen - da schlugen die leute im gasthaus den polizisten vor - den jungen einzusperren - damit er wieder weg sei - bis jemand auf einem der marderfelle - einen shakin'-stevens-button bemerkte - "den trug damals die lotte hauser" - rief er erschrocken aus - "die wir im wald ausgesetzt hatten - sie war sozialhilfeempfängerin - und hatte einen säugling - namens jobst" - da ging ein raunen durch die menge - man sah auf den armen verfrorenen knaben - und die erinnerung löste sich wie ein schock - die ganze stadt fühlte sich jetzt schuldig - sogar die presse - man badete jobst hauser - und legte ihm feine gewänder an - dann brachte man ihm das sprechen bei - und gab ihm einen mercedes - eine frau - und eine stelle als wirtschaftsprüfer -- jahrelang ging alles gut - bis hauser eines tages in der bahnhofshalle - beim kartenspiel in einen streit geriet - in dessen verlauf er einem bürger - mehrfach in den kopf schoss - es gab viele zeugen - man beriet in der stadtverwaltung - was man nun tun sollte - man konnte den armen hauser ja nicht ins gefängnis stecken - nach allem was passiert war - niemand wusste rat - bis der tag kam - als hauser im suff seine frau erdrosselte - die ganze stadt kam zur beerdigung - man überlegte - wie man auf hauser zugehen sollte - um die situation zu entspannen - aber hauser war eigenwillig - und hatte seinen eigenen kopf - man bat ihn - etwas vorsichtiger zu agieren - doch war jobst hauser nun beleidigt - und zog sich mehr und mehr - auf sein anwesen - und ins privatleben zurück - er fühlte sich unverstanden - und schickte der presse zu weihnachten - sein altes marderfell - als erinnerung - da schämte sich die presse - und schrieb einen sonderteil - über die verstoßenen vom wald - über menschlichkeit - und über shakin' stevens -- jobst hauser war gerührt - und fand seine dankbarkeit wieder - hatten ihm diese menschen nicht - den schmutz von den waden gewaschen - ihn lesen und schreiben gelehrt - und einen whirlpool in seinem bad installiert? - so wies er die dienerschaft an - ein fest vorzubereiten - für den chefredakteur - den bürgermeister - die parteivorsitzenden - und die honoratioren - fortan gab es nie mehr streit - nur aus der nachbarstadt - hörte man gelegentlich - von plötzlichen - mysteriösen todesfällen - doch es konnten nicht alle städte so vorbildlich sein - wie diese