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OMEGA 5
Roman von Anis Hamadeh
Drittes Kapitel

Einleitung  
Kapitel   1   2   3  
English Version  
Glossar  
Illustrationen  
Inhalt: Botschaft von Anton - Ein Streich?
- Botschaft von Anton -

Es ist nicht das erste Mal, dass ich darum gebeten werde, über die Kultur der Erdlinge zu schreiben. Seit wir Omeganer dazu in der Lage sind, kontrolliert durch das Sternentor zu reisen, ist Bitfu zu einem der interessantesten Themen geworden, das die Mehrheit unserer Leute beschäftigt. Der Reiz liegt wohl darin, dass die Lebenswege der Menschen in Bahnen verlaufen, die das Leben auf unserem Planeten in einer eigentümlichen Art spiegeln. Wir sehen in den Menschen wohl unsere eigenen Möglichkeiten und Anlagen, denn wir sind in vielem ähnlich, gleichzeitig aber um Welten von ihnen entfernt.

Vor ein paar Tagen erreichte mich eine Audiobotschaft, von der ich nicht genau weiß, was ich davon halten soll. Anfangs hielt ich es für einen Streich, ... aber lest es erst selbst:

"Lieber Aksan, ich kenne Euren Planeten über Jonas, der seit zwei Jahren auf der Erde ist. Anfangs habe ich starke Zweifel daran gehabt, dass es Omega 5 gibt, doch jetzt bin ich selbst hier. Mein Name ist Anton. Jonas hat mir viel von Eurer Geschichte erzählt, von Taoh und der Koda Ka Miraat, von den Schumra, den Riesen und den Erdmakara. Auch vom Sternentor und den Perlentauchern. Eines Nachts im Traum fand ich das Sternentor und lernte eine Omeganerin namens Suui kennen, die mich für eine kurze Zeit als Wirt aufnahm. Heute bin ich zum zweiten Mal hier. Mein Körper schläft unter einem Apfelbaum in Deutschland, während ich mich in einer Art Kapelle befinde, im Körper von Suui.

Für den Fall, dass ich es noch ein zweites Mal hierher schaffen sollte, gab mir Jonas den Namen von jemandem, der Deutsch oder Englisch kann, nämlich Miko Makao. Wir haben versucht, sie im Tiokan zu erreichen, aber sie scheint nicht auffindbar zu sein. So kamen wir zu Dir, denn Du bist, wie ich hörte, Mikos Schüler. Ich habe auch das Bild von Hermann Hesse auf Deiner Homepage gefunden und sehe, dass Du an einer Übersetzung arbeitest. Also wirst Du Deutsch verstehen können. Gern hätte ich Dich auch besucht, um mit Dir zu sprechen, aber ich habe nicht viel Zeit und weiß auch nicht, wie ich zu Dir kommen kann. Falls ich es noch einmal auf diesen Planeten schaffe, versuche ich es.

Ich möchte Jonas dabei helfen, den Kulturaustausch zwischen unseren Planeten voranzubringen. Auch habe ich den Eindruck, dass Jonas wieder zurückkehren und Euch sagen möchte, dass seine Mission erfolgreich beendet ist. Immerhin gibt es inzwischen ein Buch in deutscher Sprache, das von der omeganischen Kultur handelt und sogar "Omega 5" heißt. Und ohne Jonas hätte ich nie den Weg hierher finden können. Gruß von Anton."

- Ein Streich? -

Wie gesagt, zunächst hielt ich es für einen Streich. Es wäre nicht das erste Mal gewesen. Die Kultur der Erdlinge hat schon so manchen jugendlichen Schelm zu Fantasien veranlasst, die so stark wurden, dass diese Leute schließlich davon überzeugt waren, selbst Erdlinge zu sein. Da ich zu den besten Kennern der Sprachen von Bitfu gehörte, kam es schon ein paar Mal vor, dass ich eine Mail in deutscher Sprache bekommen habe, von jemandem, der meinte, er käme von der Erde. Normalerweise war ein solcher Schwindel leicht zu entlarven, weil in diesen Botschaften sätzeweise aus dem Siddharta zitiert wurde oder aus anderen bekannten Texten.

Wir Omeganer schienen nur darauf zu warten, dass sich endlich ein Erdling zu uns verirrte, und bekanntlich wurde dieses Szenario oft in der Literatur und im Film aufgenommen. Seit ihrer Entdeckung zog die Erde uns in ihren Bann. Wann würde es den Bitfukara dank ihrer überragenden Technik gelingen, mit einem Raumschiff bei uns zu landen? Oder würden sie zuerst den spirituellen Weg finden, so wie wir selbst? Offenbar hat es solche Besuche gegeben, die Übereinstimmungen in der Literatur lassen darauf schließen. Aber direkte Kommunikation?

Bei Anton war ich mir unsicher. Er hatte recht schnell gesprochen und ohne Akzent. Wenn er ein Omeganer war, dann musste er einer Perlentaucher sein, sonst könnte er nicht so gut sprechen. Das Gespräch kam von einem öffentlichen Meditationshaus. Ich habe kurz darauf eine Mail von Suui bekommen, von der Anton gesprochen hatte. Sie bestätigte mir mit fünf Zeugen, dass dies wirklich ein Bitfuka war, der den Weg gefunden hatte.

Nun, insgesamt fiel es mir schwer, die Echtheit von Anton nicht anzuzweifeln, aber ich wollte es nicht ausschließen. Um mir ein abschließendes Urteil zu bilden, hätte ich selbst mit ihm sprechen müssen. Das war aber nicht möglich. Für den Fall, dass Anton echt war, sich aber nicht wieder melden würde, beschloss ich, seine Nachricht und meine Antwort darauf in den Tiokan zu stellen. Es würde sonst peinlich für mich sein, und das ließ sich ja vermeiden. Das einzige, was ich jetzt noch an Nachfoschungen unternehmen konnte, war, mich bei den Perlentauchern zu informieren, die mit Jonas in Verbindung standen. Also, Anton, wenn Du diese Zeilen liest, die ich für Dich auf Deutsch geschrieben habe, dann melde Dich wieder und versuche, mich in Gadom zu erreichen, einer Stadt südlich von Iram. Solltest Du dagegen ein Omeganer sein, kannst Du mir vielleicht bei ein paar Übersetzungen behilflich sein.

Hier endet der im Internet veröffentlichte Teil des Romans.

                                  hoch