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ROCK'N'ROLL
Nachricht von Ozzy Balou
Eine Rekonstruktion
von Anis Hamadeh
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Im folgenden gebe ich zwei erste Reaktionen auf das Rundschreiben von Maria, Carl und Simon von vorgestern wieder, die mich heute erreicht haben.

(1) Oliver Marx : "Mit großer Überraschung hörte ich gestern, dass Ozzy Balou zurück in Deutschland ist. Nachdem ich jetzt auch die ersten vier Nachrichten im Netz gelesen habe, möchte ich mich kurz zu Wort melden. Mit Ozzy und den BULLETS habe ich das letzte Mal vor über neun Jahren zu tun gehabt. Ich spielte dort Bass. Es ist richtig, dass es damals einige unterschwellige Konflikte gab, die nie ausdiskutiert wurden, nicht einmal unter den Beteiligten. Was mein eigenes Verhältnis zu ihm 1992 angeht, so hatten wir uns bis zum Schluss respektiert, inhaltlich jedoch stand ich zunehmend auf Michaels Seite. Ich bin nicht sicher, ob es richtig ist, diese Dinge nach all der Zeit in der Öffentlichkeit auszubreiten, denn es hat viele Lügen gegeben, und es sind einige private Details von Bedeutung, die normalerweise nicht in größeren Kreisen diskutiert werden. Dass die Sache eine politische Dimension hat, sehe ich aber auch. Und deshalb schreibe ich hier. Ich möchte den Gang der Untersuchungen nicht dadurch behindern, dass ich mich aus dem Gespräch ausschließe, und mein Beitrag ist wohl notwendig. Ich werde also die Nachrichten von Ozzy Balou weiterhin verfolgen und mich einschalten, wenn es mir sinnvoll erscheint und dabei meine Informationen beisteuern. Gruß an die Drei von der Tankstelle. Oliver." Hamburg, 04.10.01

(2) Autonomer: "Wenn es möglich ist, möchte ich namentlich nicht genannt werden. Ich bekam gestern eine Mail, in der es hieß, dass die Geschichte des Ozzy Balou wieder aufgerollt wird. Ich gehörte damals zu einer autonomen Gruppe aus dem Umfeld der Hafenstraße. Ozzy und ich führten viele politische Gespräche. In der Frage, wie eine Opposition zum kapitalistischen Establishment aussehen soll, lagen wir zunehmend auseinander. Kurz gesagt war ich der Ansicht, dass man Feuer mit Feuer bekämpft, während Ozzy meinte, Feuer löscht man mit Wasser oder Sand. Ozzy wurde für mich unglaubwürdig, weil die Radikalität seiner Songtexte und sein Wille zur Veränderung der Verhältnisse im Widerspruch standen zu vielen versäumten Chancen, das Establishment zu treffen. Es kam mir immer so vor, als wolle er sich anbiedern und letztlich doch zum Establishment gehören. Das passte nicht zusammen und führte dazu, dass er zwischen alle Fronten geriet. Jemand, der einen Song wie WHAT A LIFE geschrieben hatte, konnte einfach nicht zum All-German-Boy werden. Und dass das offenbar sein Ziel war, machte ihn ohnehin für die Autonomen inakzeptabel. Der BLOCK 5, der früher zu seinen Anhängern zählte und dessen Mitglied ich war, hatte kein Verständnis für solche Halbherzigkeiten. Wir wandten uns von ihm ab, denn er brachte die Bewegung in die falsche Richtung. Ich hatte damals überhaupt kein Mitleid mit ihm, als er abgewürgt wurde, denn ich hatte ihm das vorher gesagt. Als Attachment sende ich den Text des Songs WHAT A LIFE aus der unveröffentlichten dritten LP der BULLETS, den ich mir damals von Ozzy selbst habe aufschreiben lassen. Der Song sollte schon auf die Platte POISON, wurde aber vor der Veröffentlichung ersetzt." Hamburg, 04.10.01

WHAT A LIFE
Words and Music by Ozzy Balou (1991)

Together we'll always be, the weather will always be nice.
Another two cups of tea right on the way to paradise.
Man in the window looks into the noise of the street.
A thousand feet, a thousand feet.

What a life, what a life, what a life in Northland.
Cut a knife, grief and strife, all your life in Northland
till the end.

The tv will always be getting the salary price.
Misery industry, desert kids starve without rice.
Man in the back row looks onto the stage of the scene.
He's so keen, he's so keen.

Nazi in their heads
Nazi in their beds
And Nazi is the name of their pets.

What a life, what a life, what a life in Northland.
Cut a knife, grief and strife, all your life in Northland
till the end.

Nachtrag: Soeben erreicht mich die Meldung einer Frau, die glaubt, Ozzy Balou heute morgen im U-Bahnhof Jungfernstieg erkannt zu haben. Sie sei sich aber nicht ganz sicher, da sie die Person nur kurz durch die Scheibe gesehen habe. Da derzeit noch nicht viele Mails hier eintreffen, erwähne ich das. Wenn Sie etwas zur Rekonstruktion beitragen können, denken Sie bitte daran, sich so präzise wie möglich auszudrücken und in einer Form, die zumutbar ist. Nachträgliche Änderungen der Chronik sind zwar im Prinzip machbar, sollen aber nach Möglichkeit vermieden werden.

Die Redaktion. Kiel, 04.10.01

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